Wichtige Steuern für Freiberufler: Die Einkommensteuer

15.03.2007
Joachim Herting

Neben der Umsatzsteuer zählt die Einkommensteuer für Freiberufler zu den wichtigsten Steuerarten. Diese berechnet sich nach dem in der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermittelten Gewinn. Die wichtigsten Regelungen des Einkommensteuerrechts für Selbstständige werden im Folgenden vorgestellt.

Einkommensteuerpflichtige Einkünfte

Jedes Jahr ist es wieder soweit: Das Finanzamt pocht auf die persönliche Steuerpflicht, eine Einkommensteuererklärung wird fällig. Diese ist in der Regel bis Ende Mai, auf Antrag auch bis Ende September abzugeben. Was aber fällt nun unter die Einkommensteuer? Der Gesetzgeber definiert im § 2 EStG sieben Einkunftsarten:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Nr. 1)
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Nr. 2)
  • Einkünfte aus selbstständiger (Nr. 3)
  • Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (Nr. 4)
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen (Nr. 5)
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (Nr. 6)
  • Sonstige Einkünfte (Nr. 7)

 

Nur dann, wenn eine Einnahme bzw. Ausgabe unter eine dieser sieben Einkunftsarten fällt, stellt sich die Frage nach der Steuerpflicht, wobei der in der EÜR ermittelte Gewinn zumeist der Einkunftsart Nr. 3 zuzurechnen ist. Freiberufler sind verpflichtet, sich zu Beginn ihrer selbstständigen Tätigkeit selbst beim Finanzamt anzumelden. Das ist schon deshalb notwendig, um eine Steuernummer für die korrekte Ausstellung der ersten Rechnungen zu erhalten. Nach Anmeldung versendet das Finanzamt einen Fragebogen, der u.a. Auskunft über die voraussichtliche Höhe des Gewinns verlangt. Entsprechend der gemachten Angaben wird "veranlagt", d.h. zumeist vierteljährliche Vorauszahlungen, gefordert.

Hier lauert eine weitere Liquiditätsfalle: Wird unzutreffend veranlagt, ergeben sich Zahlungen für das erklärte Jahr (beispielsweise 2005). Sind diese zu niedrig, ist mit hohen Nach- und dann auch hohen Vorauszahlungen zu rechnen, nachdem die genauen Werte in der Einkommensteuererklärung festgestellt wurden.

Tipp:

Um das zu vermeiden, sollten Sie unbedingt realistische Vorauszahlungen leisten.

Die Höhe der Vorauszahlungen können Sie nach Rücksprache mit dem Finanzamt formlos jederzeit abändern.

Unternehmerisch ist bei der Einkommensteuer besonders bedeutsam, dass eben die Summe aller Einkünfte besteuert wird, so dass sich Gewinne und Verluste ausgleichen können. Wie hoch die Steuer letztlich ist, hängt ganz von den persönlichen Verhältnissen des zu Besteuernden ab. Die Berücksichtigung individueller Freibeträge, die Einrechnung von Ehepartnern und Kindern und vielfältige sonstige Faktoren beeinflussen die Steuerzahlung deutlich.

Verluste wirken sich auf Gesamtbesteuerung aus

In der Praxis liegen viele Selbstständige bei einem durchschnittlichen Einkommensteuersatz von knapp 30 Prozent. Konzentriert man sich auf die Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit, ergibt sich eine Problematik, die folgender kleiner Dialog widerspiegelt:

Person A: "Dieses Jahr habe ich so richtig Gewinn gemacht."
Person B: "Das habe ich glücklicherweise vermieden."

Sie sollten also Verluste durchaus auch einmal positiv betrachten, da sie sich auf die Gesamtsumme Ihrer Besteuerung auswirken. Ganz wichtig ist hier: Lassen Sie jeden Verlust amtlich feststellen, indem Sie eine entsprechende EÜR einreichen. Die sich daraus ergebende Festsetzung kann für weitere Planungen nützlich sein, denn: Sie dürfen die Verluste vergangener Jahre mit laufenden Gewinnen verrechnen.

So kann ein Anfangsverlust in Höhe von beispielsweise 50.000 Euro einen aktuellen Gewinn von 50.000 Euro ausgleichen – der Unternehmer bleibt dann für beide Jahre steuerfrei! Lassen Sie sich bei größeren Summen beraten, die Rechtslage ist unübersichtlich.

Tipp: Versuchen Sie, Ausgaben, die sich am Jahresende abzeichnen, in das noch laufende Jahr vorzuziehen, um den zu versteuernden Gewinn zu mindern.

Auch umgekehrt gilt: Es ist absolut legal, Rechnungen auf das neue Jahr zu "schieben". Sofern der Kunde nicht früher zahlt, ist diese Einnahme auch dann erst zu versteuern.

Häufig sind Selbstständige unsicher, ob Ausgaben zur EÜR gerechnet werden können. Die Regel lautet: Alle betrieblich bedingten Ausgaben mindern den Gewinn, alle Vorsorgeaufwendungen werden als Sonderausgaben wie bei Angestellten im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung angegeben und im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen von den Einkünften abgezogen. Sie mindern nicht den Gewinn.

Vorwurf der Steuerhinterziehung vermeiden

Bei den Einnahmen gilt im einkommensteuerlichen Bereich das Zuflussprinzip, d.h., nur alle bereits bezahlten Rechnungen erscheinen in der EÜR. Eine Besonderheit stellt der so genannte Eigenverbrauch dar, denn hier findet keine Zahlung statt. Dieser ist einzurechnen, damit die Ausgaben nicht zu stark den Gewinn mindern.

Tipp:

Vermeiden Sie so weit wie möglich die (überprüfbare) private Nutzung betrieblicher Gegenstände, denn sie ist Gewinn erhöhend und folglich auch einkommensteuerpflichtig.

Und: Unterschätzen Sie bitte nicht die Finanzverwaltung. Die übliche private Verwendung z.B. von Fahrzeugen ist allgemein bekannt. Eine Überprüfung kann auch leicht durch den Abgleich von Fahrtenbuch und Kilometerzählerstand vorgenommen werden. Verschweigen Sie grundsätzlich keine Einnahmen. In jüngster Zeit verstärkt die Finanzverwaltung die Suche nach nicht angegebenen Einnahmen auf allen möglichen Wegen: So hat auch in den Finanzämtern das Internet Einzug gehalten, so dass sich die Zuständigen zumeist leicht einen Eindruck über die unternehmerische Tätigkeit eines Steuerpflichtigen verschaffen können.

Falls nun doch einmal nachweisbare Einnahmen oder Ausgaben in der EÜR fehlen: Irren ist menschlich, das können Sie im Einzelfall auch dem Finanzamt sagen. Sie haben allerdings bei einem Fehler Ihrerseits kein Anrecht auf Korrektur. Wenn Sie also vergessen haben, bestimmte Ausgaben anzugeben, so sollten Sie zwar versuchen, umgehend eine korrigierte Erklärung beizubringen. Sie haben aber kein einklagbares Recht, deren Berücksichtigung einzufordern. Nur wenn sich das Finanzamt irrt, wird offiziell korrigiert.

Hinweis:

Verschweigen Sie hingegen wissentlich oder unwissentlich Einnahmen, kann man Ihnen Steuerverkürzung, im schlimmsten Fall Steuerhinterziehung vorwerfen.

Sie müssen mit einer Nachzahlung oder gar mit einem Steuerstrafverfahren rechnen. Versuchen Sie dann umgehend, den Schaden zu begrenzen, indem Sie sofort eine korrigierte EÜR einreichen und in Form einer "Selbstanzeige" auf Ihre Versäumnisse hinweisen. Zwar muss die Finanzverwaltung hier nicht, wie in früheren Jahren, von der weiteren Strafverfolgung absehen, sie wird es aber häufig tun, zumindest wenn es sich nicht um zu hohe Beträge handelt.

Zu warnen ist auch vor der häufig vertretenen Meinung: "Das merken die doch gar nicht." Doch, sie merken es, und zwar im Zeitalter des elektronischen Datenverkehrs durch Abgleich von Rechnungen (daher auch die Einführung der Steuernummerpflicht) und natürlich erst recht, wenn das Finanzamt eine Betriebsprüfung anordnet.

Hinweis:

Zehn Jahre lang kann Ihre EÜR überprüft werden und Sie sind gehalten, alle Belege in Papierform und in Datenform so lange zu sichern.

Im Zweifel beraten lassen

  • Ihnen erscheint das alles recht viel und kompliziert? Lassen Sie sich doch bei Einzelproblemen beraten:
  • Zunächst können Sie hierfür Ihr örtlich zuständiges Finanzamt anrufen oder anschreiben – man ist dort zur Auskunft verpflichtet.
  • Reichen Ihnen die so gewonnenen Informationen nicht, so finden Sie im Internet eine große Fülle kostenlos oder gegen geringe Kostenbeteiligung angebotene Auskunfts- und Beratungsmöglichkeiten.
  • Zudem gibt es anerkannte Softwarepakete, die Ihnen vielleicht auch helfen können.
  • Oder Sie suchen einen Steuerberater auf. Hier sollten Sie darauf achten, dass er
    • seine Klienten mehrheitlich aus Ihrer Branche oder doch zumindest Ihrer Berufsgruppe hat,
    • sich nicht als "Formularausfüller" versteht, sondern Sie bei der kurz- und mittelfristigen Planung Ihrer Einkünfte unter steuerlichen Bedingungen unterstützt.

Bedenken Sie jedoch: Wessen Hilfe auch immer Sie in Anspruch nehmen - Verantwortlich vor dem Gesetz für Ihre Steuererklärung sind ausschließlich Sie selbst.
 
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Einnahmenüberschussrechnung" von Joachim Herting, erschienen im Cornelsen Verlag externer Link.
Autor und Verlag behalten sich alle Rechte am Artikel vor. © 2007 Cornelsen Verlag

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