a Randstad company
Login
© Adobe Stock / Calado

Neuer Selbstständigen-Report: Wahlklatsche für die SPD

19.10.2018
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
Artikel teilen:

Im Sommer dieses Jahres führte der Verband der Gründer und Selbststständigen Deutschland (VGSD) e.V. mit seinem Partner invoiz (Unternehmen für Finanz- und Rechnungsprogramme) eine Umfrage mit dem Namen „Selbstständigen-Report“ durch. Die Studie möchte die Situation der Selbstständigen systematisch erforschen und befragt diese zu den verschiedensten Themen ihres Berufs- und Lebensalltags.

Von einigen Ergebnissen wollen wir Ihnen hier berichten.

Politik und Selbstständige: Eine größere Kluft gibt es nicht

Besonders interessant waren Fragen zur Wahrnehmung politischer Entwicklungen in Deutschland. Hier prallen Welten aufeinander. Wie sollte es auch anders sein, wenn Innovation und Bürokratie zusammentreffen? 59 Prozent der Befragten sehen die Bürokratie als größten Störfaktor in ihrer Geschäftspraxis an. Das sollte den Verantwortlichen besonders deshalb zu denken geben, weil die Befragten überwiegend „Solopreneure“ sind. Also solche, die nicht mit der Genehmigung komplizierter Großprojekte zu kämpfen haben sollten. Bleiben also die allgemeinen Meldepflichten und Steuervorschriften sowie die zuletzt verschärften Buchführungs- und Datenschutzauflagen (wie die GoBD und DSGVO) unverändert, wird sich die Lage dieser Gruppe mit der Zeit weiter verschlechtern. Hinzu kommt das bürokratische Damoklesschwert der Scheinselbstständigkeit, das bei vielen Selbstständigen ein Gefühl der Unsicherheit und Fremdbestimmung auslöst. Nicht nur deshalb vermissen Selbstständige hierzulande gebührenden Respekt und faire Behandlung durch Politiker und staatliche Einrichtungen: Vier von fünf Befragten fühlen sich von der Politik wenig oder gar nicht respektiert. Noch größer (82,4 Prozent) ist der Anteil der Selbstständigen, die mit Blick auf eine faire soziale Absicherung Verbesserungsbedarf oder gar erheblichen Verbesserungsbedarf sehen.  

Welche Parteien würden Selbstständige wählen?

Ist es dann ein Wunder, dass die heutige Regierung wohl anders aussähe, wenn sie nur von den Selbstständigen gewählt werden würde? Die Studie liefert ein konkretes Bild, wie sie sich zusammensetzen würde: Mit 24,8 Prozent würden die Umfrageteilnehmer den „Grünen“ den Vortritt geben – gefolgt von der als deutlich wirtschaftsfreundlicher geltenden FDP mit 22,5 Prozent. Die als unternehmensnäher bekannte CDU erreichte bei der Umfrage gerade einmal 19,4 Prozent. Eine ordentliche Klatsche erhielt jedoch die SPD: Bei der Frage nach der Parteipräferenz kommen die Sozialdemokraten bei Selbstständigen auf gerade einmal 10,6 Prozent. Selbst die „Linken“ haben bei den Selbstständigen mehr Chancen: Sie kamen immerhin auf 13,1 Prozent. Auch erstaunlich, die AfD ist mit 8,5 Prozent beinahe genauso stark vertreten wie die SPD.

Neben den genannten Themen geht die Studie noch auf viele weitere kleinere und größere Fragestellungen ein. So befasst sie sich unter anderem auch mit der Mann-Frau-Verteilung unter den Selbstständigen und wie unterschiedlich hier die Verdienste ausfallen.

Basis des „Selbstständigen Reports 2018“ bildete eine Online-Umfrage unter mehr als 3000 Teilnehmern. Sie fand von Mai bis Juli 2018 statt. Teilgenommen haben Freiberufler, Einzelunternehmer und Inhaber kleiner Personen- und Kapitalgesellschaften. Zahlenmäßig stärkste Gruppe waren die selbstständigen Dienstleister ohne Mitarbeiter („Solopreneure“).

Wenn Sie sich für die weiteren Ergebnisse der Studie interessieren, dann können Sie sie hier runterladen.

Lesermeinungen zum Artikel

4 von 5 Sternen | Insgesamt 7 Bewertungen und 10 Kommentare

  • Welche Referenz ...

    Wahrheit 1.0 am 12.11.2018 um 17.57 Uhr

    "In einem der Kommentare hatte ich gelesen "Es irrt gewaltig wer glaubt das es in Deutschland (oder irgendwo) freie Wahlen gibt." Das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau und darüber hinaus völlig unsinnig!"

    Wäre schon mal interessant was "KB" als Referenz nimmt wenn er glaubt das ich auf allerhöchstem Niveau Jammere. Den ob man Wahlen nun mit Waffengewalt oder mit den Instrumenten der Massen Psychologie beeinflusst ist zwar wichtig für die Wähler macht aber für die Freiheit der Wahl nicht den geringsten Unterschied. Auch beweist der Text das es "völlig unsinnig!" ist sehr gut das die meisten Menschen diese Art der Beeinflussung nicht einmal als solche wahr nehmen. Die Psychologische Wahlmanipulation wird von den Fachleuten kaum angezweifelt. Die streiten nur ob man dagegen etwas unternehmen soll oder nicht. Die jeweilig Meinung kommt darauf an ob der Experte eher zum Volk gehört oder bei Parteien und Industriellen auf der Lohnliste steht.

  • Erstaunlich

    Beckers am 31.10.2018 um 13.18 Uhr

    Zitat:"Auch erstaunlich, die AfD ist mit 8,5 Prozent beinahe genauso stark vertreten wie die SPD."
    Nein aber auch. Da sind wir aber mal mächtig erstaunt. Dabei weiß doch jeder wer die Bösen sind . Und jeder weiß
    das es einen Block aus Merkelanern gibt, als einen Block aus allen Parteien außer der AfD. Und Frau Merkel als Kanzler-
    Darstellerin ist eine Autokratin , aber sicher nicht eine Demokratin.

  • Grüne???

    Martin P. am 29.10.2018 um 12.20 Uhr

    25 % der wahlberechtigten Selbständigen würde grün wählen?

    Angesichts des Neomarxismusses, der Staatsfreundlichkeit, aber Industriefeindlichkeit jener Partei fällt mir da die Kinnlade herunter!

    Wurde die Studie von einem den Grünen nahestehenden Institut durchgeführt? Oder sind viel Selbständige in Deutschland ideologisch "brainwashed"?

  • KB am 29.10.2018 um 10.21 Uhr

    In einem der Kommentare hatte ich gelesen "Es irrt gewaltig wer glaubt das es in Deutschland (oder irgendwo) freie Wahlen gibt." Das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau und darüber hinaus völlig unsinnig!
    Die Wahlklatsche hat ja nun nicht nur die SPD bekommen, sondern auch die CDU und CSU in Bayern.
    Ich bemängele, dass die Politik die Belange der Selbstständigen, insbesondere der Solo-Selbstständigen nicht ernst nimmt. Darum ist es erforderlich, dass sich Freelancer zusammenschließen. Ein Anfang macht bspw. der VGSD (Verband der Gründer und Selbständigen Deutschland). Anstatt ständig zu jammern, sollten sich Selbstständige organisieren und den Druck auf die Politik erhöhen.

  • Holzauge sei wachsam!

    Wuschel am 28.10.2018 um 12.12 Uhr

    Der genannte Professor war bei der Degussa Goldhandel GmbH, die Baron von Finck gehört. So jemand steht jeder Sozialpolitik kritisch gegenüber.

  • Deutsche Parteien unterscheiden sich in der Praxis nur minimal

    Wahrheit 1.0 am 27.10.2018 um 08.02 Uhr

    Was oder wen man wählt ist ohne Bedeutung. Das die Demokratie käuflich ist wurde von Meister Trump Eindrucksvoll bewiesen. Es irrt gewaltig wer glaubt das es in Deutschland (oder irgendwo) freie Wahlen gibt. So lange man vor der Wahl Umfragen veröffentlicht während der Wahl Hochrechnungen (Alles hochgradige psychologische Beeinflussung. Wer die Hochrechnung kontrolliert kontrolliert das Wahlergebnis.) und die Parteien mit Psychologischen Werbe Daten/Experten ihr Wahlprogramm designen dessen nicht Einhaltung keine Konsequenzen hat. Die Parteien ermitteln über die Werbedatensammler die Wohnorte ihrer Zielgruppe und entsenden dann ihre Drückerkolonnen um das Volk auf Parteilinie zu zwingen. Wie den dabei sehr in Verruf geratenen Versicherungsvertreter ist dazu jedes Mittel recht. Ebenso wie die Industrie oder Industrienahen Parteispenden die Parteien schon aus reinem Überlebenswillen in die Lobbyisten Arme treibt ist nicht hilfreich. Frei ist anderes ...

    Das einzige worauf es ankommt ist bis zur nächsten Wahl möglichst viel Kapital einzusacken und das erledigt die Regierung mit Steuergeldern die in Massen an Konzerne ohne reelle Gegenleistung zu erwarten verschleudert werden. Die Konzerne bedanken sich mit einem gut bezahlten alters Wohnsitz (z.B. Schröder bei Gasprom) und vielen Parteispenden. Alles ganz legal der Umtauschkurs Milliarden gegen Millionen (Top Rendite für die Konzerne) für die Parteien und Politiker. Garantiert den Politikern Straffreien Zugang zu ihren Bestechungsgeldern und den Parteien zu viel Kapital für die Marketingschlacht "nächste Wahl". Wer mehr Geld in die Kampanien steckt gewinnt die Wahl das ist das ganze Geheimnis einer freien Wahl ... :(

  • Wer Abhängire braucht ...

    Hubertz am 26.10.2018 um 12.29 Uhr

    .... schaft sie sich oder pflegt sie.
    Ich habe den Eindruck das unsere Politiker Angst vor selbständigen, unabhängigen, Demokratiefähigen Bürgern haben. Allen Bürgern sollte es ermöglicht werden selbstbestimmt und unabhängig in unserer Gesellschaft zu leben. Derartiges sollte befördert werden und der Fremdbestimmung entgegen gewirkt werden.

  • Wenn dem so wäre...

    DerletztebeiVerstand? am 26.10.2018 um 12.18 Uhr

    wäre es uns in den 70er und 80er Jahren, der Hochzeit des deutschen ehemaligen Sozialstaats nicht so gut gegangen.
    Sozialismus mag Wohlstand vernichten wenn er in der reinen Form a'la UDSSR oder DDR gelebt wird.
    Da hat man wahrscheinlich ein Gutachten für die Kapitalisten geschrieben und irgendwie andere Interessen...
    Was passiert wenn der Kapitalismus überhand nimmt, sehen wir an der atuellen weltweiten Entwicklung.
    Jeder ist sich selbst am Nächsten, die extremen Lager gewinnen. Wobei die "Linke" nicht als extrem bezeichnet werden kann, es ist die politische Orientierung der SPD aus oben genannten Jahrzehnten.
    Und genau da müssen wir wieder hin. Die Staaten haben die Macht, nicht die Kapitalisten.
    Produktion im Ausland ohne Steuern in Deutschland zu zahlen? => Schon ist das Unternehmen von unserem Markt ausgeschlossen.
    Arbeitsplatzabbau und Subventionen behalten? => Strafzölle und Steuererhöhungen, Rückzahlung der Subventionen
    Wie gut es uns gehen würde, wenn nur Teile davon umgesetzt würden. Weltweit.
    Leider haben wir keine visionären Politiker, sondern fast aunahmslos Schoßhündchen der Lobyisten.
    Die mit Leckerli beteiligt werden... Die Hunde werden fetter und träger, da kann auch der Tierartzt nicht helfen.
    Der Halter (Bürger) ist gefordert.
    Das lässt sich sehr gut nachvollziehen, wenn man sich allein mal die Listen der größten Yachten ansieht.
    Mitte der 90er reichte eine 45m Yacht noch in die Top 100, heute (was sind 25 Jahre gemesssen an den letzten 200 jahren Industriegesellschaft?) müssen es mehr als 70m (mehr als 100 Mio Dollar) sein, um in die Top 200 !! zu kommen. Derzeit sind deutlich mehr als ein Dutzend 100+ m Formate im Bau...
    Sozialismus? Wo? Der ist leider, auch in Ansätzen, lange tot.

  • In der Mitte - Bürgerbeteiligung - liegt die Wahrheit

    Hoffnung 2.0 am 26.10.2018 um 09.29 Uhr

    Das sich die Links- und Rechtsaussen weiter auf die Köppe schlagen, hatten wir doch schon mal in Deutschland.
    Das traurige Ergebnis kennen unsere Eltern und besonders die Grosseltern wohl noch sehr genau.

    Deutschland kann aber wieder weltweiter Vorreiter sein, so wie es die Bismarckschen Sozialgesetze waren, die in vielen Ländern dieser Welt zum Vorbild für die Gesetzgebung wurden.

    Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung wird es auch unweigerlich zu noch stärkerem Abbau von herkömmlichen Arbeitsplätzen kommen, Einzelhandel (digitale Plattformen) , Automobilindustrie (E-Antrieb braucht viel weniger Komponenten) etc.

    Da kann das bedingungslose Grundeinkommen eine wirklich revolutionäre und auch evolutionäre Lösung politische Lösung der Zukunft sein. Sonst knallst!!

    Spannende Ausführungen zu dem Thema gibt es hier => https://www.youtube.com/watch?v=SKHiXY8chfM
    Eine Lösung deren Zeit gekommen ist!
    Das hat sogar ein Milliardär erkannt. ;-))

  • Die Utopie der sozialen Marktwirtschaft

    Sandy am 26.10.2018 um 08.14 Uhr

    Warum vernichtet Sozialismus den Wohlstand? Dazu ein Vortrag von Professor Dr. Thorsten Polleit, "Die Utopie der sozialen Marktwirtschaft“ - https://www.youtube.com/watch?v=IUg2hoiHtqI&t=1266s

Weitere Kommentare anzeigen

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.

Ähnliche Artikel