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Jobwechsel in Zeiten von Corona
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Jobwechsel in Zeiten von Corona

Das sollten Sie bedenken

26.05.2021
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Nichts geht mehr! Wer derzeit die offizielle Arbeitslosenstatistik studiert, gewinnt den Eindruck, das Geschehen auf dem Arbeitsmarkt sei durch die Covid-19-Pandemie zum Erliegen gekommen. Die Lage ist jedoch nicht in allen Branchen gleich schlecht. IT-Profis und Ingenieure, die momentan einen Job suchen, haben durchaus noch Chancen, einen zu finden. In Zeiten von Corona dauert ein Stellenwechsel allerdings länger und will gut überlegt sein.

Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften lag dem Stellendindex der Bundesagentur (BA) für Arbeit zufolge im Mai um 63 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Insgesamt waren 577.000 mehr Personen arbeitslos als ein Jahr zuvor, meldet die BA. Die Arbeitslosenquote lag damit bei 6,1 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als Ende Mai 2019.

Corona trifft nicht alle Arbeitnehmer gleich hart

Arbeitnehmer trifft diese Entwicklung nicht in allen Branchen gleich. Besonders viele Menschen verloren in Gastronomie, Hotels, dem Einzelhandel sowie dem Maschinen- und Automobilbau ihren Job. Auch Ämter und Behörden sowie Banken und Finanzdienstleister entließen Mitarbeiter, allerdings bei weitem nicht so viele, wie die von der Krise am stärksten getroffenen Sektoren. Systemrelevante Branchen wie Anwalts- und Steuerberatungskanzleien, die Immobilienwirtschaft, die chemische und pharmazeutische Industrie und die Logistik stellen sogar nach wie vor Kollegen ein. Auch in der Agrartechnik und überall dort, wo Daten für KI- und Big-Data-Anwendungen analysiert werden, gibt es noch offene Stellen.

Banken und Finanzdienstleister suchen nach wie vor IT-Profis

Banken entlassen insgesamt zwar Personal – suchen gleichzeitig jedoch noch immer nach IT-Profis. Da Kunden Bargeld aufgrund der Pandemie ungern in die Hand nehmen, tätigen sie inzwischen jede zweite Zahlung mit EC- oder Kreditkarte. Banken und Finanzdienstleister müssen deshalb ihre IT-Systeme für das bargeldlose Zahlen ausbauen und intensiver warten.

Nur noch neun Prozent der IT-Dienstleister stellen Mitarbeiter ein

Insgesamt jedoch ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt für IT-Experten nicht mehr so rosig wie vor der Krise. Im aktuellen Beschäftigungsbarometer des Münchner ifo Instituts gibt mehr als jeder zweite befragte IT-Dienstleister an, künftig Personal abbauen zu wollen. Nur noch neun Prozent der IT-Unternehmen wollen neue Mitarbeiter einstellen. 

Wie schnell ist allerdings fraglich. Im April hatten vier von zehn europäischen IT-Firmen ihr Recruiting fast vollständig eingestellt. Das ergab eine Analyse der Stellenanzeigen von Tech-Unternehmen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien durch das französische Jobportal Talent.io.

Angespannter Arbeitsmarkt für Ingenieure

Auch die Nachfrage nach Ingenieuren ist im Mai um rund ein Drittel gesunken. Die Corona-Krise trifft einen Ingenieur-Arbeitsmarkt, der schon vor der Pandemie schwächelte. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Stellenangebote für Ingenieure um fast 40 Prozent zurück. Besonders Auto- und Maschinenbauer suchten weniger Fachkräfte. Gefragt waren nur noch Bauingenieure.

Doch auch ihre Aussichten auf eine neue Stelle haben sich durch die Covid-19-Pandemie verschlechtert. Drei von vier Ingenieurbüros berichteten in einer gemeinsamen Umfrage der Bundesingenieur- sowie der Bundesarchitektenkammer Ende April, dass ihre Umsätze im Zuge der Krise deutlich gesunken seien. Fast jedes zweite mittelgroße und größere Büro klagte darüber, nicht mehr ausgelastet zu sein. In der zweiten Hälfte des laufenden Jahres erwarten die gut 9000 Befragten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte.

Wettbewerb um attraktive Stellen nimmt zu

Künftig werden sich also mehr Bewerber um eine insgesamt kleinere Zahl an Stellen bemühen. Davon sind drei von vier Teilnehmern einer Umfrage des Recruitingportals Softgarden und der Fachzeitschrift Personalmagazin überzeugt. Die Konkurrenz auf dem Stellenmarkt verschärft sich noch dadurch, dass immer mehr Freelancer aufgrund der Krise einen festen Job suchen.

In einer Studie der Jobplattform Stepstone gaben 56 Prozent der Befragten an aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs intensiver nach einer neuen Stelle zu suchen und nun auch Branchen und Funktionen in den Blick zu nehmen, die für sie vor Corona uninteressant waren.

Lange Betriebszugehörigkeit führt zu einem besseren Kündigungsschutz

Wer trotz dieser Situation auf dem Arbeitsmarkt seine Stelle wechseln möchte, muss darüber also genauer nachdenken als vor der Krise. So gilt es die Sicherheit, die der Job beim gegenwärtigen Arbeitgeber bietet, gegen die Chancen eines Jobwechsels abzuwägen. Schon wer seine Probezeit hinter sich hat, genießt einen längeren Kündigungsschutz als Ingenieure oder IT-Profis, die eine Stelle erst vor wenigen Wochen oder Monaten angetreten haben.

Ältere Arbeitnehmer oder solche mit Kindern oder Unterhaltsverpflichtungen sind oft sogar noch besser geschützt. Denn sollte ihr Arbeitgeber im Zuge eines größeren Stellenabbaus einen Sozialplan aufstellen müssen, haben sie durch ihre Betriebszugehörigkeit, ihr Alter, ihren Familienstatus und ihre Verpflichtungen Vorteile gegenüber kinderlosen Kollegen oder solchen, die noch nicht lange im Betrieb sind.

Die 1000-Dollar-Frage: Wie krisensicher ist ihr Arbeitgeber?

Der Schutzschild wird jedoch löchrig, wenn der gegenwärtige Arbeitgeber in einer von Corona stark betroffenen Branche tätig ist, den Einstieg in zukunftsweisende Technologien und die Digitalisierung verpennt oder, wie die Automobilindustrie, schon vor der Pandemie mit einem tiefgreifenden Strukturwandel kämpfen musste. Wenn der Arbeitgeber deswegen Insolvenz anmelden muss, hilft selbst der beste Kündigungsschutz nicht.

Ingenieure und IT-Profis, die sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit ihres Arbeitgebers machen, sollten sich jedoch nicht panisch in die Stellensuche stürzen und das erstbeste Angebot annehmen, das sie finden. Ihr neuer Arbeitgeber sollte ihnen neben einer herausfordernden Tätigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten auch wirklich mehr konjunkturelle und strukturelle Sicherheit bieten können als ihr aktuelles Unternehmen.

Jobwechsel bieten die Chance, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln

Wer genau überlegt, welche Position und Tätigkeit er sucht, für den kann ein Stellenwechsel trotz der Pandemie auch eine Chance sein, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Das ist mitunter wichtiger, als die vermeintliche Sicherheit eines langjährigen Arbeitsverhältnisses. Denn je länger Arbeitnehmer in einem Unternehmen bleiben, desto abhängiger machen sie sich emotional und räumlich von diesem. Ein unerwarteter Jobverlust ist für sie dann ein echter Schlag ins Kontor.

Karriereperspektiven nicht leichtfertig aufgeben

Um sich nicht festzufahren, raten Headhunter alle drei Jahre zum Wechsel. Loyalität zu einem Arbeitgeber empfehlen sie allenfalls Arbeitnehmern in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens. Dann ist sie, wie eine Studie der IE Business School in Madrid zeigt, auch der Karriere förderlich. Die Untersuchung der Lebensläufe von 1000 Vorstandsvorsitzenden aus Europa und den USA kam zu dem Ergebnis, dass diese neben dem von ihnen geführten Konzern oft nur bei zwei weiteren Unternehmen tätig waren. 

Für alle, die in einem Großunternehmen eine Karriereperspektive haben, heißt dies: Ihre Stelle sollten sie nur nach reiflicher Überlegung wechseln. Denn ob sie in der aktuellen Krise woanders nochmals gute Aufstiegsmöglichkeiten finden, ist ungewiss.

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Für Berufsanfänger kann sich ein Jobwechsel trotz Corona lohnen

Nicht jeder IT-Profi und Ingenieur beginnt sein Berufsleben jedoch in einer aussichtsreichen Position in einem Konzern. Für viele IT- und Engineering-Berufsanfänger kann sich ein Stellenwechsel alle zwei bis drei Jahre daher auszahlen. Dies gilt mit Einschränkungen auch in der Corona-Krise.

Insgesamt lohnt sich ein Jobwechsel immer dann, wenn der aktuelle Arbeitgeber durch die Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen könnte. Wer befürchtet, dass in seinem Unternehmen bald Stellen abgebaut werden, sollte sich frühzeitig nach einer neuen Perspektive umsehen.  Auch wenn Ingenieure oder IT-Profis derzeit eine Stelle finden, die ihnen Aufstiegsmöglichkeiten und wirtschaftliche Sicherheit bietet, sollten sie die Chance für ihre Karriere nutzen.

Aufgrund der Krise frustriert die Hände in den Schoß zu legen und auf die Kündigung zu warten lohnt sich dagegen nicht. Denn auf dem Arbeitsmarkt für IT- und Engineering-Fachkräfte geht selbst in der aktuellen Situation noch immer ein bisschen mehr als gar nichts.

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