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Unter der Lupe: Java, C++ oder C#

Eine Entscheidungshilfe für Ein- und Umsteiger

10.04.2003
GULP Redaktion
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Dies ist eine Marktstudie aus dem IT-Projektmarktindex, dem Marktindex für IT-Projekte.

Objektorientierte Programmiersprachen sind aus der modernen Softwareentwicklung nicht mehr wegzudenken. Vor etwa drei Jahrzehnten begann ihr Siegeszug mit IBMs Smalltalk, nach und nach kamen weitere hinzu - doch nur einige setzten sich durch. Heute gehören C++ und Java von Sun zu den Wichtigsten. GULP nimmt die Entwicklung dieser beiden Sprachen auf dem IT-Projektmarkt genauer unter die Lupe und wirft auch einen Blick auf den Newcomer C#.

Für IT-Freiberufler stellt sich immer wieder die Frage, welcher dieser beiden Sprachen die besseren Marktchancen eingeräumt werden. Die Auswahl der passenden Programmiersprache ist bei Softwareprojekten keine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Entscheidung wird natürlich immer aufgrund des jeweiligen Projektes und dessen Umfeld getroffen. Aber gerade für Neueinsteiger und Umsteiger ist es wichtig zu wissen, auf welches Pferd man setzen sollte und wie dessen Marktchancen stehen.

Die Konkurenten stellen sich vor

Die C-Familie: C, C++ und nun C#, so lautet die chronologische Reihenfolge der C-Familienmitglieder. 1972 wurde die Programmiersprache C entwickelt, Anfang der 80er Jahre entstand dann C++ als objektorientierte Erweiterung von C und wurde schnell die am weitesten verbreitete Programmiersprache. C++ wird auch heute noch immer dann eingesetzt, wenn die Performance der Applikation eine Rolle spielt. Einer der Gründe dafür ist, dass man mit C++ freie Hand hat, was die Nutzung des Speicherplatzes betrifft.

Das neueste Familienmitglied nennt sich C#. Microsoft stellte das Nesthäkchen im Jahr 2000 als erste komponenten-orientierte Sprache für C++-Entwickler vor und soll die besten Eigenschaften aus mehreren Sprachen vereinen. Als die wesentlichen Paten werden Visual Basic, C++ und Java genannt, deren Syntax ähnlich der von C# ist. Als Programmiersprache bietet C# wenig Neues, setzt dafür aber auf bewährte Konzepte und kombiniert diese miteinander.

Java hingegen wurde von Sun Microsystems entwickelt und 1995 als neue objektorientierte Programmiersprache vorgestellt. Dabei ist Java im Grunde auch eine Sprache aus der C-Familie und in weiten Teilen nicht nur mit C++ vergleichbar, sondern sogar identisch. Allerdings wurden bei der Entwicklung von Java einige Sprachbestandteile von C++ anders umgesetzt oder konsequent eliminiert.

So setzt man Java immer dann ein, wenn man auf eine große Bibliothek zurückgreifen möchte. Die Sprache basiert auf einer umfangreichen Klassenbibliothek, durch die von Haus aus eine Menge Basisfunktionalität zur Verfügung steht. Auch in diesem Bereich ist Java C++ klar überlegen - die Standard Library von C++ kann im Vergleich nicht mithalten.

Im Vergleich zu Java oder gar C# hat C++ die längste Vergangenheit. Somit hatten Hersteller schon lange Zeit, standardkonforme und fehlerfreie Produkte herzustellen. Java musste noch bis zu Version 1.3.x mit Kinderkrankheiten kämpfen, die bei C++ längst der Vergangenheit angehören (obwohl es heute z.B. nicht mehr stimmt, dass C++ prinzipiell schneller ist als Java).

In aller Kürze:

  • Java:
    Durchschnittlicher Anteil an allen Projektanfragen seit 2001: 14,0%.
    Durchschnittliche Stundensatz-forderung im März 2003: 68 €.
  • C++:
    Durchschnittlicher Anteil an allen Projektanfragen seit 2001: 9,4%.
    Durchschnittliche Stundensatz-forderung im März 2003: 65 €.
  • C#:
    Durchschnittlicher Anteil an allen Projektanfragen seit 2001: 0,5%.
    Durchschnittliche Stundensatz-forderung im März 2003: 64 €.

Die Marktchancen

Java und C++ haben sich mittlerweile bei der Anwendungsentwicklung bewährt, C# muss sich nicht nur aufgrund des zeitlichen Entwicklungs-Rückstandes als echte Alternative erst noch beweisen. Denn seit Smalltalk sind schon etliche objektorientierte Sprachen entstanden - und manche davon sind bald wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Da alle drei Sprachen irgendwie miteinander verschwägert sind, lohnt ein Blick auf deren Marktanteil im IT-Projektmarkt. Das Ergebnis: Java und C++-Entwickler mussten bezüglich Ihrer Marktchancen in 2000/01 einige Federn lassen. C#, der neue und viel gelobte Sprössling der C-Familie, konnte entgegen dem allgemeinen Branchentrend 2002 auf niedrigem Niveau zulegen.

Abbildung 1: Projektanfragen zu Java (blau), C++ (orange) und C# (türkis)

Java nimmt unter den OO-Sprachen derzeit immer noch Platz 1 ein: Über 8.000 Projektangebote seit Januar 2001 bescherten Java einen durchschnittlichen Marktanteil von 14 Prozent. Für C++ wurden im gleichen Zeitraum ein Drittel weniger Anfragen verzeichnet. Mit knapp 5.300 Projektangeboten liegt der Marktanteil für C++ bei 9,4 Prozent. Noch sehr viel magerer sieht es derzeit noch für C# aus, das in gerade einmal 400 Projektangeboten als Qualifikation nachgefragt wurde (Marktanteil von 0,5 Prozent).

Jedoch stehen die Aussichten auf ein Projekt für C#-Programmier vergleichsweise gut. Dies geht aus der Gegenüberstellung der Anzahl der IT-Freiberufler mit den über GULP gestellten Projektanfragen zur jeweiligen Qualifikation hervor. Für C# wurden seit 2001 ungefähr 40 Prozent mehr Projektanfragen gestellt, als IT-Freiberufler überhaupt Kenntnisse hierfür erworben haben. Ganz anders die Situation bei der älteren Verwandtschaft: Doppelt soviele Java-Programmierer und drei Mal soviele C++-Entwickler als entsprechende Projektangebote seit 2001.

rogranmmier-
sprache

Freiberufler
mit Kenntnissen in

Projektangebote
(seit 2001)

Ratio:
Markt-
chancen

Anzahl

Anteil

Anzahl

Anteil

Java

15.762

39 %

8.146

14 %

 
C++

14.294

35 %

5.298

9,4 %

 
C#

285

0,7 %

394

0,5 %

 
Tabelle 1: Anzahl Freiberufler in der GULP Profiledatenbank mit Kenntnissen in der jeweiligen Programmiersprache (Stand: 03/03) und Anzahl Projektangebote seit 2001.

Die Stundensätze

Beim Lohnniveau im IT-Projektmarkt ist der Trend zu niedrigeren Stundensatzforderungen klar erkennbar:

Java: In Boom-Zeiten über dem Durchschnittsniveau, liegt Java mit 68 EUR jetzt vier Euro darunter.

Abbildung 2: Entwicklung des Stundensatzes für Java-Experten (blau) im Vergleich zu den Stundensätzen aller bei GULP eingetragenen hauptberuflichen IT-Freiberufler (schwarz).

C++: Schon immer "weniger wert" als der Durchschnitt: Das Honorar für C++ sinkt weiter auf 65 EUR.

Abbildung 3: Entwicklung des Stundensatzes für C++-Experten (orange) im Vergleich zu den Stundensätzen aller bei GULP eingetragenen hauptberuflichen IT-Freiberufler (schwarz).

C#: Erst seit Ende 2001 messbar: C#-Programmierer verlangen derzeit im Durchschnitt 64 EUR.

Abbildung 4: Entwicklung des Stundensatzes für C#-Experten (türkis) im Vergleich zu den Stundensätzen aller bei GULP eingetragenen hauptberuflichen IT-Freiberufler (schwarz).

Das Fazit

Die Daten untermauern die derzeitige Stellung von Java als Programmiersprache Nummer 1 im IT-Projektmarkt. Aber nicht nur bei den Projektanfragen verweist Java den ehemaligen Spitzenreiter C++ auf den zweiten Platz, sondern hat auch bei den Stundensätzen die Nase vorne. Zwar sind auch hier die Stundensätze gefallen, Java ist aber nach wie vor ein lukratives Betätigungsfeld für programmierende IT-Freiberufler.

Durch die Ähnlichkeit zu Java und C++ ist auch C# für Umsteiger schnell zu erlernen. Java- oder C++ Entwickler haben aber zur Zeit keinen wirklichen Grund, um auf den .NET-Zug aufzuspringen - ist doch der große Vorteil von Java und C++ die Plattformunabhängigkeit - doch diese steckt bei C# noch in den Kinderschuhen. Es ist die Kombination mit .NET, durch die C# einen zusätzlichen Mehrwert bietet: In C# geschriebene Programmteile können in anderen Sprachen (sofern sie auf .NET basieren) eingebunden werden.

Für C# kann dies den entscheidenden Vorteil bedeuten, um Java und C++ Marktanteile abzujagen.

Die Stichprobe

Die vorliegende Marktstudie beruht auf der statistischen Auswertung der GULP Dienste zur Vermittlung von IT-Freiberuflern. Die Entwicklung der Projektanfragen beruht auf der statistischen Auswertung von 52.559 Projektangeboten, die IT-Freiberuflern seit Januar 2001 über den GULP-Server zugestellt wurden.