Branchen im Vergleich: Gezahlte Stundensätze - Update

08.11.2007
GULP Redaktion
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Es ist keine Neuigkeit mehr, dass freiberufliche IT-Experten wieder höhere Stundensätze verlangen. Doch können Sie diese beim Kunden auch durchsetzen? Bereits vor knapp zwei Jahren beleuchtete GULP die in einzelnen Branchen an IT-Freiberufler gezahlten Stundensätze. Schon damals deutete sich an, dass Auftraggeber wieder mehr Geld in externe IT-Fachkräfte investieren. Das aktuelle Update zeigt, ob sich dieser Trend weiter fortgesetzt hat und was sich beim Finanzranking der Branchen verändert hat.

Grundlage der Branchenanalyse sind die Angaben von über 3.000 freiberuflichen IT-Spezialisten zu ihren abgewickelten Projekten in den Jahren 2001 bis 2005. Diese wurden den Einträgen der IT-Freiberufler in die Liste "Stundensätze in der Praxis" entnommen. Bei den angegebenen Stundensätzen handelt es sich um die tatsächlich gezahlten Honorare zuzüglich Vermittlungsprovisionen.

Welche Branche zahlt mehr, welche weniger?

Derzeit verlangen IT-Selbstständige im Schnitt 70 Euro pro Stunde. Gute Chancen, diese Forderung auch durchzusetzen, ergeben sich in den Branchen Pharma/Chemie, Handel, Telekommunikation, Versicherung und Banken/Finanzen:

Die in diesen Wirtschaftsbereichen an externe IT-Fachkräfte gezahlten Stundensätze bewegen sich zwischen 71 Euro bis 74 Euro. Mit durchschnittlich 74 Euro werden die Projekteinsätze von IT-Freiberuflern in der Pharma- und Chemieindustrie am höchsten entlohnt. Auch vor zwei Jahren mischte diese Branche finanziell schon ganz vorne mit. Das Schlusslicht bildet der Automotive-Sektor, in dem die gezahlten Stundensätze unverändert bei 66 Euro stagnieren. In der IT/EDV werden mit aktuell 67 Euro dagegen drei Euro mehr gezahlt als noch vor zwei Jahren. Damit gab es in dieser Branche die dynamischste Stundensatzentwicklung. Auffällig ist, dass es tendenziell eher die unterdurchschnittlich zahlenden Branchen wie die Industrie (69 Euro), Logistik/Transport (68 Euro) und IT/EDV (67 Euro) sind, die ihre Honorarzahlungen seit dem Jahr 2005 aufgestockt haben. Dagegen werden in der Telekommunikationsbranche sowie von Banken und Finanzdienstleistern mit 72 Euro bzw. 71 Euro noch die gleichen Stundensätze wie vor zwei Jahren gezahlt.

Insgesamt haben IT-Selbstständige also gute Aussichten, bei vielen der hier analysierten Branchen ihre Forderungen durchzusetzen oder sogar überdurchschnittliche Honorare zu erzielen.

Der Blick zurück

Die langfristige Entwicklung der Honorarzahlungen über alle Branchen hinweg zeigt: Zwar wird derzeit noch nicht wieder so viel Geld für externe IT-Projektmitarbeiter ausgegeben wie im Jahr 2001; dennoch ist die Zeit sinkender Stundensätze vorbei. Seit dem Jahr 2005 geht für IT-Selbstständige finanziell wieder mehr.

So wurde in diesem Jahr erstmals seit längerem wieder die Grenze von 70 Euro überschritten: Mit einem Stundensatzplus von zwei Euro auf nun 71 Euro gewinnt der finanzielle Aufwärtstrend zudem noch stärker an Fahrt. Damit sind Stundensätze von 70 Euro wieder mehr die Regel statt die Ausnahme. Angesichts des hohen Bedarfs an externen IT-Mitarbeitern verwundert diese Entwicklung jedoch nicht. So gab es in den Monaten Juli und August 2007 mit jeweils über 14.000 Projektanfragen doppelt so viele Angebote für IT-Spezialisten wie im Monatsmittel 2006. Diese enorme Nachfrage bringt sie natürlich wieder in eine wesentlich bessere Verhandlungsposition als noch vor wenigen Jahren.