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Entwickler oder Ingenieur? Was Engineering und IT voneinander lernen können

27.01.2022
Joscha Faralisch – Freiberuflicher Autor
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Internet of Things, Smart Homes, vernetzte Mobilität: Aufgrund der zunehmenden Funktionalität elektronischer Geräte und steigender Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit hält Technologie Einzug in immer mehr Bereiche der Produktion. Dadurch verschwimmen zusehends die Grenzen zwischen IT und Engineering – und damit auch die Berufsbilder und Tätigkeitsfelder von Ingenieur:innen und Entwickler:innen.

Aber welche Unterschiede bleiben weiterhin bestehen? Und was können die beiden Berufsgruppen voneinander lernen? Hier erfahren Sie, welche gemeinsamen Kenntnisse und Fähigkeiten Ingenieur:innen und hardwarenahe Entwickler:innen heute mitbringen sollten und was die beiden Fachgebiete nach wie vor voneinander unterscheidet.

An der Schnittstelle von IT und Engineering: Der Embedded-Bereich

Besonders weitreichend und anschaulich ist die Überschneidung und Verknüpfung von IT und Engineering im Bereich Embedded Software. Denn hier sind die Übergänge zwischen den beiden Arbeitsfeldern bereits fließend. Embedded Software bezeichnet vor allem Anwendungen, die für Produkte programmiert werden, bei denen die Software-Lösung nicht Teil der Hauptfunktion ist, sondern diese erweitert oder optimiert. So haben Embedded-Software-Lösungen etwa bei Haushaltsgeräten, in der Unterhaltungselektronik, in Industrieanlagen oder im Bereich E-Mobility bereits viele Produkt-Performance-Aufgaben übernommen – Tendenz steigend: In den vergangenen Jahren hat Embedded Software eine immer entscheidendere Rolle in der Wertschöpfung fertiger Produkte übernommen.

Dabei handelt es sich vor allem um funktionale Anwendungen, die technische Geräte zumeist im Hintergrund steuern, regeln und überwachen. Diese Vorgänge bleiben von den Nutzer:innen in der Regel unbemerkt, denn sie dienen der Verknüpfung und Interaktion von Software und Hardware, der Systemsteuerung sowie der Interaktion von System und Umgebung.

Weiterlesen: Jobportrait Embedded Software-Entwickler

Mehr über den Beruf des Embedded Software-Entwicklers erfahren Sie in unserem Jobportrait.

  • Ein Beruf mit Zukunft
  • Aufgaben und Tätigkeitsfeld
  • Ausbildung und Anforderungen

Embedded Software wird immer genau für die jeweilige Hardware entwickelt

Da die Einbindung der Software die Hauptfunktion des jeweiligen Geräts platz- und energietechnisch nicht beeinträchtigen darf, sind Embedded Systems in der Regel strengen Vorgaben unterworfen, was die Minimierung von Größe, Kosten, Speicher- und Energiebedarf betrifft. Gleichzeitig müssen sie hohe Anforderungen in Hinblick auf Sicherheit, Ausfall-Toleranz und Echtzeit-Bedingungen erfüllen. Die erforderlichen Prozessor-Plattformen unterscheiden sich damit maßgeblich von standardisierten Modellen. Daher werden sie eigens für die jeweilige Hardware entwickelt. Auch aus diesem Grund ist die Abstimmung von IT und Engineering im Embedded-Bereich besonders zentral.

Das sollten Entwickler:innen über Engineering wissen

Um optimale Produktlösungen zu erzielen, arbeiten Entwickler:innen und Ingenieur:innen im Embedded-Bereich gemeinsam an der Implementierung von Gerätetreibern und Algorithmen. Diese enge Zusammenarbeit erfordert auf beiden Seiten Einblicke in den jeweils anderen Tätigkeitsbereich: Entwickler:innen müssen eine Software entwickeln, die haargenau auf eine spezifische Hardware abgestimmt ist – und zwar in Hinblick auf Größe, Speicher- und Energiebedarf. Denn die Software muss nicht nur optimal funktionieren – sie muss das jeweilige Produkt oder System maximal unterstützen, ohne dabei die Hardware und deren Hauptfunktion zu beeinträchtigen. Die Entwickler:innen müssen die funktionale Komplexität des betreffenden Hardware-Produkts also bis ins Detail kennen, um ihre Arbeit passgenau in das System implementieren zu können – und zwar mit minimalem Platz- und Energieaufwand. Hardwarenahes Programmieren setzt also Kenntnisse von Compiler-Funktionen sowie von Betriebssystemen und deren Strukturen voraus.

Diese IT-Kenntnisse sollten Ingenieur:innen mitbringen

Umgekehrt sollten auch Ingenieur:innen grundlegende IT-Kenntnisse mitbringen, um die Software-Prozesse im Hintergrund nachvollziehen und technologische Herausforderungen einschätzen zu können. Dabei ist es hilfreich, Kernkomponenten der Embedded Software – wie Bootloader, Operating System und Applikations-Software – zu kennen und deren Funktionen zu verstehen. 

Denn die Software wird zwar für die Hardware entwickelt und an diese angepasst – trotzdem ist es wichtig, ihre Einbettung ins System bereits bei der Konstruktion mitzudenken und technologische Anforderungen zu berücksichtigen. So können Probleme bei der Implementierung von vornherein reduziert oder vermieden werden.

Unterschiede bei der Bezahlung: Diese Stundensätze erhalten Ingenieur:innen und Entwickler:innen

Ingenieur:innen und Entwickler:innen arbeiten also gemeinsam an bestimmten Problemstellungen, sind aber in verschiedenen Fach- und Arbeitswelten zu Hause. Für den Bereich der selbstständigen Expert:innen auf den jeweiligen Gebieten zeigt sich das auch in den Stundensätzen. So verdient laut GULP Stundensatzkalkulator eine freie Entwicklerin im Schnitt 79 Euro in der Stunde, während sich der Stundensatz eines selbstständigen Ingenieurs auf durchschnittlich 84 Euro beläuft.

Was Entwickler:innen und Ingenieur:innen voneinander lernen können

Trotzdem oder gerade wegen fachlicher und arbeitspraktischer Unterschiede wird es immer wichtiger, dass Ingenieur:innen über IT-Kenntnisse verfügen und hardwarenahe Entwickler:innen ein fundiertes Know-how im Bereich Engineering mitbringen. Denn beide arbeiten aus verschiedenen Perspektiven an derselben Problemstellung. Und nur wenn beide wissen, was der jeweils andere tut und für seine Arbeit braucht, können optimale Lösungen entstehen.

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