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Wirtschaftliche Einbußen bei IT-Experten aufgrund der Rechtslage

Zweite Allensbach-Studie des Bundesverbands für Selbständige Wissensarbeit

06.12.2018
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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In der ersten Allensbach-Studie des Bundesverbands für Selbständige Wissensarbeit (ehemals ADESW) (hier downloaden) wurde sehr eindrucksvoll aufgezeigt, dass IT- und Engineering-Freelancer alles andere als unzufrieden mit ihrer Solo-Selbstständigkeit sind und an sich auch alle gut fürs Alter ausgesorgt haben.

Der Verband geht nun mit der Studie rund um die Situation der Freelancer in Deutschland in die zweite Runde mit 1.809 Teilnehmern. Diesmal stand nicht die Zufriedenheit mit der Freiberuflichkeit im Fokus, sondern die Frage, wie die aktuelle Rechtslage und Politik bewertet wird. Besonders kritisiert wird das Statusfeststellungsverfahren, welches dringend modernisiert werden sollte.

Unklare Rechtslage sorgt für wirtschaftliche Einbußen bei IT-Experten

Die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland sehen viele Studienteilnehmer als deutlich negativ an. Nur 1 Prozent der Selbstständigen bewertet die Rechtslage als sehr klar. Insbesondere das Thema Scheinselbstständigkeit geht den Freelancern an die Substanz. Rund die Hälfte der Befragten nimmt wahr, dass Unternehmen wegen dieses Themas teilweise zögern, Aufträge an Freelancer zu vergeben, und mehr als jeder Zweite hat nach eigener Angabe deshalb bereits wirtschaftliche Einbußen erlitten. 56 Prozent sehen gar ihre komplette Selbstständigkeit bedroht.

Dringender Handlungsbedarf in der Politik für die Freiberuflichkeit!

Besonders kritisiert wird das Statusfeststellungsverfahren der deutschen Rentenversicherung. Dabei wird geprüft, ob der Auftragnehmer als Selbstständiger oder abhängig Beschäftigter zu beurteilen ist. Drei Viertel der Befragten verlangen die Modernisierung des Verfahrens. Die häufigste Forderung ist dabei mit 87 Prozent die Einführung von Positivkriterien, also von Kriterien, die eine selbständige Tätigkeit zweifelsfrei belegen und damit die notwendige Rechtssicherheit für Solo-Selbständige und ihre Auftraggeber schaffen.

 „Deutschland kann es sich nicht leisten, Selbstständigkeit als Randphänomen zu behandeln oder gar durch eine unklare Rechtslage zu behindern“, erklärt Carlos Frischmuth, Vorsitzender des Vorstands des Verbands Selbständige Wissensarbeit ADESW. “Diese Menschen bringen uns einen Modernisierungsschub. Wenn wir ihnen Steine aus dem Weg räumen, profitieren alle davon.“

Hier geht’s zur kompletten Studie (Download).

Lesermeinungen zum Artikel

4,3 von 5 Sternen | Insgesamt 8 Bewertungen und 6 Kommentare

  • Ich fühle mich als Krimineller

    F. am 11.12.2018 um 22.20 Uhr

    Ich fühle mich schon seit Jahre immer wieder so, als ob ich etwas kriminelles mache. Dabei unternehme ich alles um Experte auf meinem Gebiet zu sein. Meine Kunden sind höchst zufrieden und wollen mich gerne so lange wie Möglich im Projekt halten. Ich verdiene dabei mehr als jeder Angestellt (außer vielleicht die Konzernführung) und bezahle horrende Einkommensteuern. Man will mich aber immer wieder dazu drängen eine Festanstellung oder per Arbeitnehmerüberlassung in Projekte zu gehen. Damit die Kunden abgesichert sind. Teilweise zu Konditionen, die gerade die Hälfte meiner Einnahmen ausmachen. Der Staat schadet sich doch selbst. Sollen Sie froh sein, wenn man ordentlich Steuern zahlt. Für das Alter kann man bei einem hohen Einkommen sehr gut vorsorgen. Uns treffen hier Regelungen die Selbsständige schützen sollen, die gezwungen werden unterhalb des Mindestlohns zu arbeiten (z. B. Erntehelfer, Saison- oder Lagerarbeiter). Wenn ich mich weiter so unsicher fühle gehe ich auch ins Ausland. Deutschland ist sowieso kaum konkurrenzfähig gegenüber z. B. US Unternehmen im meinem Bereich und wird es wahrscheinlich durch solche politischen Kurzsichtigkeiten auch weiterhin bleiben.

  • Steuersätze

    mg am 09.12.2018 um 05.35 Uhr

    Ich bin (unter anderem wegen der enorm hohen Steuersätze und dem arroganten Auftreten unserer Politiker und wenn man sich ansieht, wie unser Steuergeld augegeben wird) auch ins Ausland gegenen (Asien).
    Selbst Schuld, wenn man einerseits die Leistungsträger vertreibt, andererseits über "Fachkräftemangel" jammert.

    Zu dem Posting vo Dr. Mildner oben: Der Meinung bin ich nicht! Um Altersarmut zu vermeiden, sollen auch Freiberufler durchaus dafür vorsorgen!
    Aber es sollte Ihnen freigestellt sein, wie! Ob in der DRV, der Allianz etc., egal! Der DRV sollte 1 x im Jahr nachgewiesen werden, dass ein Vertrag existiert, und dass die Prämien bezahlt werden.

    Länder wie Singapur und Malaysia haben (kapitalgedeckte!) Staatsfonds für's Alter (EFP/EPF) mit einer jährlichen Rendite von ca. 7-8 %.
    Da kann sich die DRV (mit einer Rendite von ca. 1-2 % p.a.) ein paar Scheiben abschneiden.
    Viele Dinge laufen in anderen Ländern viel besser als in der sozialistischen Hochburg Deutschland.

  • Kundenverunsicherung

    Vera am 07.12.2018 um 11.55 Uhr

    meine eigene vierjährige Diskussion re Status sind zum Glück schon etliche Jahre her und seither hat keiner mehr versucht mich zu Zwangsgeldern in Form von Gewerbesteuer oder Rentenversicherung zu verdonnern (Klopf auf Holzkopf, daß es so bleibt).
    Leider habe ich in den letzten Jahre immer mehr Projektanfragen erhalten die ausschließlich über Arbeitnehmberüberlassung, eine eigene GmbH oder Anstellung bei Klitschen im Ausland laufen konnten. Erstere sind bei mir eh gleich ausgeschieden (Projektverlust) und letztere soll ich das Risiko des 'Auslandseinsatzes' tragen (Kunde in DE, Klitsche in EU) - Währungsrisiko, Doppelbesteuerungsabkommen, lokale Vorschriften und Abgaben, etc. verlangen von mir nicht nur erheblichen Mehraufwand dies alles abzuprüfen, sondern belasten auch zusätzlich mein Einkommen.
    Ganz schlimm ist jedoch die Verunsicherung der Kunden selbst. Komplianceregeln die weit über Rentenversicherungsregeln hinausgehen, minimale Projektlaufzeiten und dann lieber einen anderen Externen einstellen und neu Einlernen in das Projekt, bei international tätigen Unternehmen werden Externe durch die ausländischen Landesniederlassungen durchgereicht um im Projekt zu bleiben.
    Fazit: ich komme mir manchmal vor wie eine Kriminelle die sich klammheimlich Projekte bei deutschen Kunden erschleichen muß, da meine Arbeit anscheinend nicht hier in Deutschland nicht mehr erwünscht ist. Oder sollte ich lieber sagen: meine Arbeit ist erwünscht - solange ich >70% davon an den Staat abführe!
    Deutschland schafft seine eigenen IT-Vorreiter ab. Ob einige wie oben schon geschrieben gleich ganz ins Ausland gehen, oder sich in die Zwangsversklavung fügen und lustlos dieselben Jobs mit weniger Leistung weitermachen, das Ergebnis bleibt das gleiche: Deutschland verliert.
    Vera

  • Die Statusüberprüfung schadet dem Standort Deutschland

    Dr. Bernd Mildner am 07.12.2018 um 10.07 Uhr

    Mit dem Statusfeststellungsverfahren wird völlig intransparent versucht, Freiberufler in die gesetzliche Rentenversicherung zu zwingen. Warum sind denn Viele von uns selbstständig? Viele wollen sich nicht in den staatlichen Versicherungswerken (Rente/Arbeitslosenversicherung/gesetzliche Krankenversicherung) befinden. Ich bin fast 30 Jahre selbstständig und habe für mein Alter gut vorgessorgt. Leider war ich gezwungen, meinen Wohnort ins Ausland zu verlegen. Damit gehen der Bundesrepublik erhebliche Beträge in der Einkommenssteuer verloren.

    Mein Vorschlag: Bei Freiberuflern generell auf die Rentenversicherungspflicht verzichten. Dann wird auch niemand mehr ins Ausland getrieben, der eigentlich lieber in Deutschland leben würde.

  • Richtige Diskussion - weiter so!

    Oliver am 07.12.2018 um 08.38 Uhr

    Freie IT Berater müssen aus der Grauzone „Scheinselbständigkeit“ herausgeholt werden. Wir bringen Unternehmen und Land auf Projektbasis voran und benötigen für alle Beteiligten einen rechtssicheren Rahmen.

  • Existenz durch das Statusfeststellungsverfahren verloren

    Kimmer am 07.12.2018 um 07.25 Uhr

    Das Statusfeststellungsverfahren sollte dringendst überarbeitet werden. Obwohl Monate vor dem "Verfahren" eine Betriebsprüfung von der Rentenversicherung ohne Beanstandungen durchgeführt wurde, erfolgte die Einschätzung des nachfolgenden Vertrages über freiberufliche Zusammenarbeit als abhängiges Beschäftigungsverhältnis, was es keinesfalls war. Somit ist meine Selbständigkeit gelaufen.

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