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Thema Scheinselbstständigkeit in der brand eins

Bundesverband für Selbstständige Wissensarbeit sensibilisiert mit Kampagne

12.12.2019
Maria Poursaiadi
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Im bekannten Wirtschaftsmagazin, brand eins (Heft 09/2019), erschien im September ein Artikel zum Thema Rechtsunsicherheit der Freelancer, den der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V. initiiert hatte. Flankiert wurde der Artikel mit einer Aufklärungskampagne in Richtung der Mitglieder des Deutschen Bundestages. Hier hatte der Bundesverband für Selbständige Wissensarbeit (ehemals ADESW) mitgewirkt. 

Der Artikel befasst sich mit mehreren Geschichten von Freiberuflern und lässt anhand unterschiedlicher Beispiele klar werden, wie ein gut gemeintes Gesetz und das Vorgehen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) im Feststellungsverfahren zur Scheinselbstständigkeit die gesamte deutsche Wirtschaft lahmlegt. Viel schlimmer noch, einzelnen hochqualifizierten Experten wird die Existenzgrundlage geradezu unter den Füßen weggezogen.

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Natürlich hat es der Verband nicht beim bloßen Artikel belassen. Im Heft liegt auch ein DIN A3 großes Plakat bei, auf dem verschiedene Zitate von Freiberuflern abgebildet sind. So heißt es zum Beispiel: "Was wir brauchen, ist eine pragmatische Lösung, die Flexibilität erlaubt! Vor jedem Auftrag die Kriterien prüfen zu müssen, wäre extrem zeitaufwendig und würde auch die Wettbewerbsfähigkeit der Soloselbstständigen schädigen." Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird mit der großen Überschrift "Liebes BMAS – was nun?" direkt angesprochen.

Die Inhalte des Plakats waren eine Reaktion auf den sogenannten "Zukunftsdialog" der BMAS. Die Seite befasst sich mit der Rechtssicherheit der neuen, modernen Arbeitswelt. Unter dem Punkt "Neue Balance von sozialem Schutz und individueller Selbstbestimmung bei neuen Erwerbsformen" fordert die Seite alle Freiberufler auf, die dort beschriebenen Lösungsansätze zur "Anpassung im Sozialversicherungsrecht" zu kommentieren

Die auf dem Plakat zu sehenden Zitate sind zu einem großen Teil unseren Knowledge Base Lesern und Freelancern aus der GULP Profiledatenbank zu verdanken. Über einen Aufruf hatte GULP kurzfristig im August tausende Freelancer angeschrieben, sie sollen sich doch an dem Dialog beteiligen. Daraufhin gingen unter anderem durch unseren Aufruf insgesamt 530 ausnahmslos wertige Kommentare ein. Aus diesen Beiträgen wurden diejenigen für das Poster ausgewählt.

Mit dem Plakat endet der Dialog mit der Politik jedoch nicht. Das Heft wurde an alle Mitglieder des Deutschen Bundestages versendet! In einem beigelegten Begleitschreiben wird erneut auf die Lage der Freiberufler hingewiesen. Damit der Fokus der Abgeordneten beim Thema bleibt, wurde noch prompt das Titelblatt geändert. 

Wie sehr der Artikel einen Nerv trifft, sieht man übrigens an den vielen Leserbriefen von Freiberuflern in der Oktoberausgabe der brand eins. So liest man unter anderem Zitate wie: "Danke, danke, danke! Das erste Mal in 25 Jahren, dass jemand öffentlich und gut recherchiert positiv Stellung nimmt ..." , "Trotz eigentlicher Arbeitsunfähigkeit habe ich mich nicht in die soziale Hängematte begeben ... nachdem ich unsere Existenz mit viel Mühe gesichert hatte, hätte der Staat diese Existenz beinahe wieder verhindert, statt mich zu unterstützen ..." oder "Ich überlege nun, mich aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus wieder fest anstellen zu lassen. Bleiben Sie bitte an dem Thema dran!" 

Das haben wir uns von GULP und auch der Bundersverband längst zu Herzen genommen. Und wir werden noch lange nicht aufhören zu trommeln, bis eine echte Verbesserung der Situation eingetreten ist. 

Lesermeinungen zum Artikel

3,8 von 5 Sternen | Insgesamt 8 Bewertungen und 11 Kommentare

  • Eine lose-lose Situation

    Michael am 15.12.2019 um 10.49 Uhr

    Ich kann Mike nur zustimmen (und Wolfram garnicht).
    Von solchen Bürokratie-Monstern hat keiner einen Vorteil - höchstens mehr Planstellen für Erbsenzähler in der RV, eine Arbeit die ein Freelancer ohnehin kaum ausführen wollen würde und somit auch keinem streitig macht :-)

    Ein Beispiel: Ich arbeite seit nun gut 3,5J für 95% meines Umsatzes für denselben Haupt-Auftraggeber, eine Landesbehörde.
    Davon waren 2,5J ein Projekt mit fast ausschließlich "Externen", 80% Freelancer wie ich, dafür mit erfolgreichem Projektabschluss.
    Pünktlich und sogar unterhalb des Budgets! Rund 1.5Mio Steuergelder gespart..
    Das nächste Projekt startete erst 3 Monate später, der Kunde hat jedoch alles daran gesetzt das Team bei der Stange zu halten, sprich weiter zu beschäftigen - was legal und zulässig in der Bürokratie gar nicht so leicht war.

    Warum macht das der Kunde?
    Das Team funktioniert erwiesenermaßen, ist eingespielt, eingearbeitet in die Abläufe und komplexen, sehr speziellen Strukturen dort. Die Einarbeitungszeit eines neuen Berater-Teams schätze ich auf mind. 3 Monate.
    Dem Kunden ist natürlich völlig klar, wenn man diese Leute jetzt für 3-6M auf die Strasse setzt *müssen* sie sich was anderes suchen - alle wollen 100%! - und sind dann eben nicht mehr verfügbar.
    Worst-Case für den Kunden: Ich müsste nach 18 Monaten - mitten im Projektabschluss "aussteigen".
    Das mit internen, verfügbaren(!) Planstellen zu besetzen gelingt mangels Fachkräften ohnehin seit Jahren nicht.

    Und warum mache ich das?
    Das Umfeld und die Bezahlung passt, also warum sollte ich mir etwas anderes suchen. Ich brauche aber die regelmäßigen Einnahmen natürlich, sonst müsste ich wiederum MA kurzfristig entlassen und zum Amt schicken sowie z.B. die Reinigungsfirma kündigen etc.
    Oder - nur deshalb - ein Bürokratie-Monster GmbH gründen.

    -> Volkswirtschaftlich wäre es ein komplettes Desaster, nur weil ich als - mit absoluter Sicherheit *nicht abhängiger* Selbstständiger - freiwillig eben dann 5 oder mehr Jahre 95% meines Umsatzes mit demselben Kunden erwirtschafte.

    Ich selbst sehe mich nicht (mehr) in der Gefahr der ScheiSe, da ich selbst 3 MA Mini/Midi-Job beschäftige und auch andere Kriterien erfüllt bzw. nicht erfüllt sind. Aber in den ersten Jahren meines Gewerbebetriebes war das immer ein Problem bzw. Damokles-Schwert.
    Und ein Feststellungsverfahren wäre trotzdem ein Überraschungs-Ei mit ungewissem Ausgang!

    Daher mein Appell:
    Liebe Politik,
    - wenn es einfach mehr Geld braucht, erhöht von mir aus die Steuern, die zahle ich solange ich Geld verdiene, egal bei welchem Kunden und wie lange ich dort bin. Fertig.
    - einfache Regelungen gegen Ausbeutung, z.B. Stundensatzgrenze 40 oder wegen mir auch 75€, fertig.

  • Deutschland? Ist für mich Geschichte...

    Wolfgang am 14.12.2019 um 20.26 Uhr

    Eine gemeinsame Rentenkasse? Ja, aber dann wirklich für alle, einschließlich der Juristen und Beamten aus dem Bundestag. Das war mal mein dummer Gedanke dazu, als die Bedingungen der DRV für mich als Freiberufler faktisch "angepasst" wurden. Aber ich bin nicht Freiberufler geworden, um mir alles und jedes vorschreiben zu lassen. Zukünftig steht wahrscheinlich auch noch das zu verwendende Toilettenpapier mit der Mindestanzahl an Lagen in einer Verordnung. Bei mir lief das nach einer dieser unwürdigen Statusfeststellungsverfahren dann schnell. Meine Frau war hier Ausländerin, nun bin ich es und sie nicht mehr, wenn ich nicht gerade wie jetzt wieder mal in Deutschland bin. Das ist sicher nicht, was jedem gefällt. Bei mir war es dank meiner Frau einfach. Einfacher ist auch die Bürokratie - die verstehen zwar kein deutsch, aber bairisch. Beim ersten Treffen wollten die Bürokraten mir erklären, was alles nicht geht, dann habe ich mal in O-Ton Süd gemeint, dass die mir den Schuh aufblasen können... ein bisschen Diskussion mit meiner Frau als Übersetzerin und seither haben wir ein relativ entspanntes Verhältnis. Mir ist klar, dass ich das nur habe, solange ich die "besseren Karten" habe. Das, was ich jetzt mache, ist klassisches near-shoring, mehr IT-Betrieb als Entwicklung, inzwischen bin ich auch Arbeitgeber, etwas, was ich vor einigen Jahren bestimmt abgeleht hätte, und ich habe auch eine Gesellschaft zusammen mit meiner Frau, weil es hier keinen Status Freiberufler oder Eine-Person-"GmbH" gibt, aber die Steuern und Abgaben sind gemäßigt, der Papierkram hält sich in Rahmen und die Bürokratie ist mehr ein Verhandlungsverhältnis als ein Oben-Unten mit integriertem Rechnungsversand nach unten. Im Nachhinein finde ich es wirklich seltsam, dass der Auslöser meiner Auswanderung gerade etwas war, was mich jetzt nicht mehr stören würde, da ich genügend Kunden und Angestellte habe, um nicht mehr Scheinselbstständiger zu gelten, der ich vorher nach meinem Empfinden nie war.

  • Insbesondere öffentliche Auftraggeber hätten Bedarf an Freelancern...

    Peter Walden am 13.12.2019 um 14.52 Uhr

    ..., die aus Mangel-Verwaltungen mit längst überfälliger Digitalisierung effizientes Management neu gestalten helfen könnten. Echte Innovation ist m.E. kaum mit selbst ausgebildetem und jahrelange eingefahrenem Personal in tayloristischen Strukturen möglich. Impulse von außen und hoch qualifizierte Freelancer haben i.d.R. hohe Schubkraft. Wenn ich in ein Amt, eine Gemeindeverwaltung, eine Schule, ein Krankenhaus eines öffentlichen Trägers oder andere behörden-ähnliche Struktur muss, "weine" ich erst über unser durch Ineffizienz verschwendetes Steuergeld und dann über deren Inkompetenz, irgendwas dran ändern zu können. In D, dem Land der Zettelbeschrifter, kann IT leider viel zu selten auch EDV. Es liegt selten an den Mitarbeitern und deren Knowhow, sondern an den jahrzehntelang kaputt-subventionierten Behördenapparaten. Da reicht es auch nicht, einen Freelancer für ein paar Tage zu engagieren. Und genau diese maroden Verwaltungsapparate - in diesem Fall die DRV - versuchen dann mit allen Mitteln, die von ihnen selbst verschleppten Giga-Probleme von denen stopfen zu lassen, die das bereits seit Jahrzehnten kommen sahen, andere Wege gingen aber keine Lobby haben? Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher!" glaubte schon damals kaum jemand! Sind seither unsere Schauspieler in unserer Regierung im Namen unseres Volkes noch immer zu feig, zu eingebildet oder was sonst?
    Quo vadis Germania?

  • Hochleistungskühe sollte man hegen und pflegen, statt sie zu vergraulen

    Germo am 13.12.2019 um 13.17 Uhr

    Wenn man Kühe hat, die viel Milch geben, sollte man die hegen und pflegen, sonst wandern manche von denen in einen Nachbar-Stall: Freiberufler in die Schweiz, Projekt-Aufträge nach Near-Shore oder Off-Shore.

    Es geht doch kaum um den Schutz der Selbständigen vor Ausbeutung durch die "bösen Projektanbieter", sondern eher darum, möglichst viele "Besser-Verdiener" in die Rentenversicherung zu zwingen. Wozu dann diese Umwege? Dann wäre es doch einfacher, gleich alle in dieses Monster Rentenversicherung zu zwingen, statt dieses BlaBlaBla von "soziale Gerechtigkeit".

    Wer wahrscheinlich wirklich Schutz braucht, dass wären "Freiberufler" bei der Zustellung von Paketen und Zeitungen. Aber da ja die Arbeitsminister-SPD ein großes Zeitungsimperium hat und das Zeug auch weiter an den Mann oder die Frau bringen will, wird da sinnvoller Schutz der Zusteller, der den Vertrieb verteuern würde, eher verhindert. Stattdessen greift man lieber zu den, die noch netto Steuern zahlen, um ihnen noch mehr abzupressen, und die nicht ganz so einfach abwandern, weil sie sozial integriert sind.

    Das Ziel ist, wie wir immer wieder lesen und hören, das Schlaraffenland: keiner muss mehr arbeiten, KI und Roboter übernehmen das, jeder bekommt ein bedingungsloses Grundeinkommen, und wer es doch zu was bringt, der ist Kapitalist und Ausbeuter, und wird enteignet.

    In der Politik passiert wenig aus Dummheit, und sehr viel nach Plan. Man kann den Wirtschaftsstandort Deutschland auf diese Art und Weise hervorragend zerstören. Passt bestens zu den Schlägen gegen den Diesel, die Automobilindustrie und gegen eine bezahlbare Stromversorgung.

    Und wirklich genial: den jungen Leuten wäscht man die Gehirne, dass sie auf die Straße gehen und für mehr Steuern (auf CO2), gegen Autos und gegen Flugreisen demonstrieren, Kinder sollen "streiken", statt in der Schule zu lernen und so den Grundstock für eine erfolgreiche Zukunft zu legen. Verbrennungsmotor-Autos sind ja vor allem deshalb so gefährlich, weil man sich Vorräte an Benzin und Diesel zulegen kann und damit mobil unf schwer kontrollierbar ist. Aber ab dem nächsten Jahr wird ja dann dank EU die Überwachung (CO2 Verbrauch und so) auch gleich in alle Neuwagen eingebaut... Wenn sie dann erst alle E-Autos haben, wird der Strom zugeteilt, für verdienstvolle Parteikader gibt es mehr davon. Die Elite darf dann sogar fliegen und für deren Kinder gibt es Präsenz-Schulen. Der Rest bekommt Virtuelle Realität, E-Learning und darf mit YouTube, Facebook usw. verblöden. "1984" wird nichts dagegen sein.

    Ach ja: Freiberufler sind gefährlicherweise unabhängiger, als Angestellte, lassen sich schlechter kontrollieren, sie sind oft selbst-verantwortlich! Das geht natürlich gar nicht und ist eine große Gefahr für das Schlaraffenland der großen Herde. Also müssen die weg. Dieses Schwert der "Scheinselbständigkeit" hängt ja nun schon seit etwa 20 Jahren über uns. Und der Kampf wird härter. Ob die Polit-Darsteller im Bundestag da wirklich was ändern werden/können/wollen/dürfen? Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden eher an anderer Stelle getroffen. Und wie wir in letzter Zeit sehen, verschärft sich der Kampf gegen die Freiberuflichkeit. Ich würde mich ja sehr freuen, wenn man da noch was retten könnte, bin allerdings etwas skeptisch.

  • Zustimmung zu Mike

    Jörg am 13.12.2019 um 12.59 Uhr

    Genauso wie Mike es am Anfang geschrieben hat wäre es ideal.
    Bei Wolfram habe ich so meine Zweifel ob er in größeren IT Projekten zu Hause ist, denn es gibt KEINES was ich bisher machen (durfte), welches auch nur Ansatzweise innerhalb der bisher "vorgeschriebenen" Zeitspanne geblieben ist. Das letzte hat statt angedachter 2 Jahr (ja das war dann schon drüber) satte 5 Jahre gedauert und das bei nahezu 100% Vollauslastung...tja, lieber Wolfram, Du glaubst doch nicht selbst, das ich dann nach 18 Monaten aussteige und sage: "sucht Euch jemand anderen"?. Und nun gibt es auch noch ein Folgeprojekt mit ganz anderen Schwerpunkten (zu deutlich höherem Stundensatz...der hat sich über die Jahre ohnehin um 35% gesteigert)....ich hab ne Familie zu versorgen und da sag ich nicht nein...allerdings drückt das Damoklesschwert "ScheiSe" natürlich doch ab und an gewaltig....was wenn dann doch mal die RVA vor der Tür steht?
    Ich hoffe doch es tut sich was und es könnte wieder mal leichter werden Folgeprojekte zu finden (auch das ein Grund, weshalb ich bei der Anfrage beim selben Kunden nicht nein sage).
    Abgesehen davon habe ich durchaus Zeit (25%) um andere Kunden abzufrühstücken....nur es findet sich keiner, da fast alle immer 100% fordern....blöd aber auch..
    Und das Thema "eigene Hardware" in einem Secuity Umfeld beim Kunden kannst Du doch eh vergessen (zu Recht, das würde ich auch nicht wollen). HO geht sicher, aber auch nur begrenzt, wenn man nicht gerade nur Softwareprojekte hat.

    Vielleicht tut sich ja was die nächsten Monate mit der Rechtssicherheit.

  • Mike am 13.12.2019 um 12.10 Uhr

    Die gesamte Bundestagsdebatte vom 12.12.2019 zum Thema "Fairness für Selbstständige – Statusfeststellungsverfahren reformieren, Altersvorsorge ermöglichen, Kranken- und Arbeitslosenversicherung öffnen" kann unter dem Stichwort "Selbständige in der Sozialversicherung" in der Mediathek des Bundestages per Video geschaut werden.

    Nur die FDP und AFD haben dort den Nagel auf den Kopf getroffen. Insbesondere der MdB Martin Hebner (AFD) ist mir positiv aufgefallen.

    Leider dürfen hier keine Links gepostet werden. Einfach nach den oben genannten Stichworten googeln und ansehen.

  • Gar nicht ok so

    Uli am 13.12.2019 um 11.14 Uhr

    Ich kann Wolfram nur zu einem kleinen Teil folgen in seiner Argumentation. Wenn er selbst sagt, daß jede Situation unterschiedlich zu bewerten sei, dann kann in der Folge schlecht von "den Selbständigen" sprechen. Ich bin oft als Trainer unterwegs und habe noch nie meinen Laptop in das Firmennetz hängen dürfen. Ich war immer gezwungen die Firmeninfrastruktur zu nutzen. Und das ist aus Sicherheitsgründen auch gut so! Ich hatte schon einige Großprojekte (die gesamte Dokumentablage einer Pharmafirma umstellen, alle Formulare einer Großbank auf neue Technik umstellen etc.): Natürlich dauert so etwas 2-3 Jahre. Erwartet Wolfram, daß zwischendurch jemand anderes für mich einspringt, um irgendwelche willkürlich Maximalbeauftragungsfristen einzuhalten? Ich bin eine freier und wahrhaft selbständiger Mensch - warum soll ich mir vom Staat vorschreiben lassen, wieviele Monate in einem Projekt am Stück gut für mich sind? Das geht den Staat nichts an. Solange die Firmen den (deutlichen) Aufpreis zahlen gegenüber einem Festangestellten (den sie nach dem Projekt wieder entlassen müssten, weil sie für so ein Spezialwissen auf Dauer keine Verwendunge haben) dann ist alles in Ordnung.
    Und wenn Wolfram meint, daß einige Selbständige die Spitzenlast in Unternehmen abfedern und dabei die gleiche Arbeit erledigen, wie die Festangestellten: Ja! Das ist u. a. auch ihre volkswirtschaftliche Aufgabe und ihre Marktlücke. Sie tragen das unternehmerische Risiko teilweise mit und bekommen das entlohnt. Da kann ich nur sagen: Hurra und weiter so! Wenn das für einzelne nichts ist, dann sollen sie es nicht machen.
    Meistens bin ich Berater. Ich werde geholt und gut bezahlt, um mein Wissen weiterzugeben. Das geht nur Face-to-Face. Zu Recht kann sich keiner meiner Kunden vorstellen, daß der teure Berater per Telko aus seinem privaten Wohnzimmer zugeschaltet wird. Ich muß spontan von Büro zu Büro gehen können, Sachverhalte vor Ort selbst prüfen etc. Ein Homeoffice-Tag ist da fast nie praktikabel.

  • Ich bleibe selbstständig und frei, aber notfalls gehe ich in die Schweiz

    Herbert K. am 13.12.2019 um 10.48 Uhr

    Mit meiner Frau abgesprochen:
    Sie unterstützt mich moralisch absolut, würde verstehen wenn ich notfalls (=hier keine freiberuflichen Projekte mehr) wieder teporär in der Schweiz arbeite. Dort ist man als Deutscher zwar so ähnlich angesehen wie damals in Deutschland die Gastarbeiter. ABER: Im den Projekten in der Schweiz machte ich nur gute Erfahrungen, tolle internationale Kollegen, und finanziell lohnt es sich viel (!) mehr, als in eine unwürdige Zeitarbeit in Deutschland gepresst zu werden. Das ist also mein Notanker. Lieber bleibe ich hier, bei Frau und Kindern, und arbeite freiberuflich. Aber eben nur als freier Mann.

    Seit Andrea Nahles & GroKo 2017, spreche ich in beruflichen und privaten Situationen offen aus, dass ich Regierungsgegner bin.

  • Es geht nur um's (Sozial-) Geld ...

    Vera am 13.12.2019 um 09.32 Uhr

    kann meinem Vorschreiber Mike nur zustimmen: es geht gar nicht mehr um die IT-Projekt-Realität (was viele abstruse Vorschriften eindeutig belegen), sondern nur noch um die nächste Ausrede um noch mehr (gutverdiendende) Einzahler in den Sozialstaat zu zwingen.
    Mal ein ganz anderes Gedankenspiel: statt uns gegen immer mehr völlig sinnbefreite Verfahren zu wehren, könnte doch ein findiger Kopf mal ein Konzept aufstellen, wie unser Pleite-Sozialstaat reformiert werden könnte, was diese Kleinkrieg schlicht und einfach ad absurdum führen würde? Sonst endet es irgendwann wirklich mit einem Massen-Exodus der qualifizierten Freiberufler und es bleiben nur noch die 'armen ausgebeuteten Scheinselbständigen' in Deutschland ;)
    Grundlage lösen statt gegen die Windmühlen der Ausprägungen anzukämpfen.
    mein Vorschlag: vollkommene Selbstverantwortung für das eigene Leben (nicht nur für den eigenen Job) für jeden der diese Verantwortung noch annimmt und sogar gerne für sich selber trägt ... das wäre sogar noch eine Grundlage tiefer als nur den Zwangs-Sozialstaat zu reformieren (was hoffentlich mehr bedeutet als ihn mit noch mehr Zwangsgeldern aufzupäppeln).
    Vera

  • Schon okay so

    Wolfram am 13.12.2019 um 08.29 Uhr

    Also ich denke, dass sehr wohl das Projekt relevant sind. Jedes ist anders. Jeder Auftraggeber anders. Und ich als Selbständiger befinde mich - wenn ich es richtig mache - immer wieder in unterschiedlichen Situationen. Und die anders zu bewerten, liegt für mich nahe.

    Es gibt heutzutage keinen Grund mehr, warum vor Ort notwendig ist. nur in den seltensten Fällen ist es notwendig, dass Arbeitsmittel gestellt werden. Es kann alles digital ausgetauscht werden. Aber Arbeitgeber wollen zumeist einfach nur andere Angestellte, die sie jederzeit entlassen können. Solange sich die Auftraggeber nicht anpassen, wird es solche Gesetze geben. Als Auftragnehmer will ich (!) sehr wohl, dass sich diese Bedingungen ändern und bin froh, dass der Gesetzgeber den Druck erhöht.

    Zu lange nur (!) für einen Kunden zu arbeiten, ist für einen selbst (und häufig auch für den Kunden) wenig sinnvoll. Die Tagessätze haben ja auch mit Erfahrung zu tun. Und sind bei zu langer Arbeit immer nur für den selben Kunden nicht zu rechtfertigen.

    Was ich wohl sehe: Einzelne Termine vor Ort sind sinnvoll. Die gemeinsame Nutzung von Tools ist in Teilen unabdingbar, will man nicht ausschließlich per E-Mail kommunizieren (wobei ich mir wünschen würde, dass das Gesetz verlangt, dass der Selbständige die bereit stellt - müssen sich halt mal die Auftraggeber anpassen; was zugegebenermaßen nicht funktioniert, wenn mehrere Selbständige in einem Projekt mitarbeiten, da wäre also Feintunig notwendig - saicher aber sollten alle Tools remote erreichbar sein).

    Die Realität ist ja, dass Selbständige einfach nur als weitere Arbeitskräfte eingebunden werden. In aller Regel sind wir eben nicht zur kurzfritigen Verstärkung in Spitzenphasen da. Und noch viel seltener zur wirklichen Beratung. Sondern einfach weitere Mitwirkende - wie Angestellte halt. und dass der Statt dafür Grenzen festlegt, finde ich vollkommen okay.

    Ich kenne reichlich Selbständige, die seit Jahren beim gleichen Auftraggeber arbeiten. Und nur bei diesem einen. Das hat aber mit Selbständigkeit dann nichts mehr zu tun. Das ist in meinen Augen auch nicht zeitgemäß.

  • Der gierige und kranke Staat

    Mike am 13.12.2019 um 04.10 Uhr

    Für mich ist völlig klar, was in Deutschland abläuft. Die gesetzliche Rentenkasse hat in den kommenden Jahren ein massives Problem. Zu viele Rentner, zu wenige Einzahler. Also versucht der Staat alles, um an noch mehr Gelder zu kommen. Unter dem Deckmantel der Scheinselbständigkeit, werden Menschen, die ABSOLUT FREIWILLIG selbständig sind, in das gesetzliche Ponzi-Schema gezwungen. Um nichts anderes geht es.

    Weiterhin ist es für mich ein Skandal, das man als IT-Freelancer als scheinselbständig eingestuft wird, weil man zu wenige Kunden hat bzw. zu lange für einen Kunden arbeitet. Es liegt in der Natur der Sache, das grosse, komplexe IT-Projekte zum Teil mehr als ein Jahr dauern und die volle Aufmerksamkeit des IT-Freelancers fordern. Ein IT-Freelancer ist kein Frisör, der pro Stunde 4 verschiedene Kunden abfertigen kann.

    Weiterhin liegt es bei IT-Projekten auch in der Natur der Sache, das man extrem eng mit Kunden vor Ort zusammen arbeitet. Wie soll man sonst auf kurzem Wege so viele komplexe Informationen austauschen? Ein selbständiger Frisör oder Kfz-Meister braucht diese vielen Informationen nicht, um einen Auftrag zu erledigen, da die meisten Arbeiten immer gleich sind. ("Einmal kurz schneiden", "Einmal Wartung und Ölwechsel")

    Wir, die IT-Freelancer, benötigen vom Staat ein einmaliges Feststellungsverfahren, das im Anschluss gesetzlich GARANTIERT, das es keine weiteren Prüfungen gibt. Das pro Projekt und Auftrag geprüft wird, ob es sich um Selbständigkeit handelt, ist absolut unakzeptabel.

    Der Staat muss endlich verstehen, das komplexe IT-Projekte und die damit verbundene, enge Zusammenarbeit mit dem Kunden, in der Natur der Sache liegen. Es geht nicht anders.

    Wenn enge und lange Zusammenarbeit mit einem Kunden immer als Scheinselbständigkeit gelten, dann können 90% aller komplexen IT-Projekte nicht von Selbständigen erledigt werden.

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