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Corona-Krise: So bleiben Sie ohne staatliche Hilfen flüssig
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Corona-Krise: So bleiben Sie ohne staatliche Hilfen flüssig

20.04.2020
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Ehrlich währt am längsten. Aber mit dem Schein der Ehrlichkeit kommt man oft sechs Mal so weit, hatte der US-amerikanische Journalist und Autor Mark Twain in seinem Leben erfahren. Allerdings folgt der Unwahrheit oft eine harte Strafe. Wer beispielsweise mit falschen Angaben Zuschüsse aus den Corona-Hilfspaketen des Bundes oder der Länder beantragt, begeht Subventionsbetrug. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Auffliegen wird der Betrug spätestens wenn Empfänger der Gelder ihre Steuererklärung für das Jahr 2020 abgeben. Denn die Zuschüsse müssen sie als Einnahme versteuern.

Anspruch auf direkte Zuschüsse des Bundes und der Länder hat nur, wer mit seinen Einnahmen in den drei auf die Antragstellung folgenden Monaten seine Betriebskosten – also „Mieten, Pachten, Kredite für Betriebsräume und Leasingaufwendungen“ – nicht decken kann. 

Liquidität ohne staatliche Hilfe erhalten

Viele IT-Freelancer und freiberufliche Ingenieure haben weder solche Kosten noch einen echten Liquiditätsengpass. Dennoch sinken in der Krise unter Umständen ihre Umsätze. Mit dem Geld auf ihrem Konto müssen sie dann möglichst lange flüssig bleiben.

Der erste Anruf sollte deshalb dem Finanzamt gelten. Denn um in der Krise die Liquidität der Unternehmen zu schonen, hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz mit den Finanzbehörden der Länder folgende steuerliche Maßnahmen vereinbart: 

  • Finanzämter fordern geringere Einkommensteuervorauszahlungen wenn Freiberufler und Solo-Selbstständige dies beantragen.
  • Unternehmen und Solo-Selbstständigen, die wegen der durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelösten Rezession Einkommen- oder Umsatzsteuervorauszahlungen gar nicht leisten können, stunden die Finanzämter außerdem die Abgaben zinsfrei bis zum 31. Dezember 2020.
  • Wer dem Fiskus noch Einkommen- oder Umsatzsteuer schuldet, muss zudem nicht befürchten, dass die Finanzbeamten diese Vollstreckungsmaßnahmen wie Kontopfändungen eintreiben. 

Rechnungen schnell und konsequent eintreiben

Nach dem Anruf beim Finanzamt gilt es, eigene Rechnungen möglichst schnell zu stellen. Eventuell lassen sich bereits erbrachte Leistungen auch mit einer Zwischenrechnung abrechnen. So geht nicht nur das Geld schneller auf dem eigenen Konto ein – Freelancer müssen auch nicht befürchten, dass ihre Forderung an einen finanziell angeschlagenen Auftraggeber bei dessen Insolvenz hinten runter fällt. Darüber hinaus empfiehlt es sich, bei Bedarf Zahlungsziele vollständig auszunutzen, wenn man selbst Rechnungen begleichen muss.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vermieter

Wenn auch dies nicht reicht, um flüssig zu bleiben, sollten Freelancer das Gespräch mit ihrem Vermieter suchen. Wer diesem nachvollziehbar darlegt, wie viel Umsatz ihm durch die Krise verlorengeht, kann den Eigentümer seiner Wohnung unter Umständen dazu bewegen, die Miete für eine bestimmte Zeit zu senken. Das kann für Vermieter attraktiver sein, als gar keine Miete zu bekommen. 

Genau damit müssen diese derzeit rechnen. Denn bis zum 30. Juni dürfen sie ihren Mietern selbst dann nicht kündigen, wenn diese ihre Miete und die Nebenkosten nicht überweisen. Wohnungseigentümer haben lediglich Anspruch darauf, dass die Mietschulden bis zum 30. Juni 2022 ausgeglichen werden. Außerdem dürfen sie Verzugszinsen in Höhe von derzeit gut vier Prozent berechnen. 

Wollen Mieter von diesem Recht Gebrauch machen, müssen sie ihren Vermieter allerdings darüber informieren, bevor sie ihre Zahlungen einstellen. Außerdem müssen sie darlegen können, dass sie ihre Verpflichtungen aufgrund der Corona-Pandemie – nicht aus anderen Gründen – nicht erfüllen können. 

Banken müssen Raten für Darlehen stunden

Auch wer die Immobilie, in der er selbst wohnt, das private Familienauto, oder eine Wohnung, die er für die Altersvorsorge gekauft hat, mit einem Kredit finanziert, bekommt derzeit Zahlungsaufschub. Denn er kann die Zahlung der Raten für ein Verbraucherdarlehen zwischen dem 1. April und dem 30. Juni aussetzen. Vorausgesetzt, er hat den Kreditvertrag vor dem 15. März geschlossen. Außerdem müssen ihm durch die Covid-19-Pandemie so große Einnahmen verloren gehen, dass er seinen Lebensunterhalt gefährden würde, wenn er den Darlehensvertrag weiterhin bedient. 

Die Stundung der Raten hat der Bundestag per Gesetz angeordnet. Freelancer müssen ihre Hausbank also nicht erst darum bitten. Allerdings sollten Sie unbedingt mit dem Institut sprechen. Sonst setzen Sie eventuell das bislang gute Vertragsverhältnis mit Ihrer Bank aufs Spiel. 

Kreditnehmer geraten dadurch nicht in Verzug

Selbstverständlich müssen Kreditnehmer die Raten für das Darlehen zudem ab Juli nachzahlen. An deren Höhe ändert sich aber trotz der ausgesetzten Zahlungen nichts. Denn um Kreditnehmer nicht doppelt zu belasten, verlängert sich die Laufzeit des Darlehens automatisch um drei Monate. 

Da die Stundung der Raten gesetzlich angeordnet ist, geraten Freelancer nicht in Verzug. Sie müssen also keine Verzugszinsen zahlen. Auch einen negativen Eintrag bei der Schufa brauchen sie nicht zu befürchten. 

Strom, Gas, Wasser und Telefon müssen vorerst nicht bezahlt werden

Wenn all dies die eigene Liquidität noch immer nicht ausreichend sichert, können Freelancer bis 30. Juni die Leistung verweigern, die sie aufgrund von vor dem 8. März geschlossenen „existenzsichernden Verträgen der Grundversorgung“ schuldig sind. Dadurch bekommen sie praktisch einen Zahlungsaufschub bei ihrem Strom- und Gaslieferanten, dem Wasserversorger und der Telefongesellschaft. In Verzug geraten sie dadurch nicht. Allerdings müssen sie sich gegenüber ihrem Vertragspartner ausdrücklich auf ihr Leistungsverweigerungsrecht berufen und ankündigen, dass sie die Zahlungen einstellen. 

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Lesermeinungen zum Artikel

1,4 von 5 Sternen | Insgesamt 17 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Leistungsträger verraten und verkauft

    Soliman am 28.05.2020 um 21.49 Uhr

    Ohne eigenes Verschulden plötzlich von 21.500€ netto Umsatz im Monat auf Null durch die politischen Vorgaben und keinerlei Kompensation!
    Von wegen wir lassen niemand alleine!
    Weit über 1 Mio an EKST in 29 Jahren gezahlt und nun trotzdem verraten und verkauft!

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