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Jobsuchend in Zeiten von Corona: Chance Zeitarbeit
© Adobe Stock / Negro Elkha

Jobsuchend in Zeiten von Corona

Chance Zeitarbeit

25.02.2021
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Die fetten Jahre machen Pause: Wer als IT-Profi einen neuen Job sucht, der konnte sich in den letzten Jahren oft seinen neuen Arbeitgeber aussuchen. Für manche Skills beziehungsweise Berufe mag das noch immer gelten, doch die Stimmung kühlte durch die Corona-Krise merklich ab. So war der vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit dem Digitalverband Bitkom erstellte Bitkom-ifo-Digitalindex in den vergangenen zehn Jahren noch nie so schlecht wie derzeit. Im Januar 2021 waren der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge deshalb selbst in den bislang vom Fachkräftemangel geprägten Informatik- und ITK-Berufen 31,9 Prozent mehr Personen arbeitslos als im gleichen Monat des Vorjahres. Unsichere Prognosen sowie weniger Bedarf an IT-Ressourcen durch Kurzarbeit und Einstellungsstopps sorgen dafür, dass weniger Mitarbeitende fest angestellt bei den Unternehmen arbeiten.

Zehn Prozent mehr Zeitarbeitsjobs bis 2021

Stattdessen greifen die Unternehmen immer häufiger auf das Instrument der Arbeitnehmerüberlassung zurück. Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers erwartet in einer aktuellen Studie, dass die Zahl der in Zeitarbeit angebotenen Jobs 2021 um zehn Prozent zunimmt. „Wachstumsmarkt ist vor allem die Vermittlung qualifizierter Profile, branchenübergreifend liegt der Schwerpunkt dabei auf der Informatik“, fassen die Autoren des Papers ihre Ergebnisse zusammen. 

Zwei von drei Unternehmen wollen sich dabei vor allem auf die Vermittlung von Experten in Branchen konzentrieren, die trotz der Krise noch IT-Profis brauchen. Der BA-Statistik zufolge sind das vor allem Fachleute für Wirtschafts-, Bio- und Medizin- sowie Geoinformatik.

Zeitarbeiter stehen oft besser da als festangestellte Kollegen

Als Zeitarbeitende stehen IT-Profis in der aktuellen Rezession sogar oft besser da als Kolleg:innen, die in dem entleihenden Betrieb festangestellt sind. Denn Ansprüche aus einem Arbeitsvertrag als Zeitarbeitnehmende haben IT-Profis auch, wenn das entleihende Unternehmen eigene Mitarbeitende aufgrund der Krise kündigen muss.

Übrigens: Werden Expert:innen wie bei vielen Projekten üblich wenigstens neun Monate an ein Unternehmen entliehen, muss der Personaldienstleister genauso viel zahlen, wie Arbeitnehmende des entleihenden Unternehmens in vergleichbaren Positionen bekommen. Das regelt Paragraf 8 des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG). Dieses Gleichstellungsgebot gilt auch, wenn die IT-Profis des entsprechenden Betriebs weit überdurchschnittlich verdienen. Das AÜG sichert Zeitarbeitnehmenden nach neun Monaten zudem den Anspruch auf Sonderzahlungen und vermögenswirksame Leistungen, wenn es diese in dem Unternehmen gibt, in dem sie im Einsatz sind.

Personaldienstleister haben Zugang zu besonders attraktiven Projekten

Renommierte Zeitarbeitsfirmen arbeiten meist seit Jahrzehnten mit einer Vielzahl von Auftraggebern zusammen. Deshalb fordern ihre mittelständischen Kunden ebenso wie Konzerne bei einem Projekt zunächst meist bei ihnen Experten an, bevor sie auf anderen Wegen nach Unterstützung suchen. Die Kunden schätzen in Zeitarbeit vermittelte Fachleute, weil sie wissen, dass die Profis bereits in zahlreichen anderen Unternehmen Erfahrungen gesammelt haben. 

Finden sie die von ihnen benötigten Expert:innen bei ihrem Personaldienstleister, erfährt in der Regel niemand anderer von der zu besetzenden Position. Zeitarbeitsfirmen können ihre Mitarbeitenden daher oft in Projekte vermitteln, zu denen Profis “von außen” sonst keinen Zugang haben. 

Zeitarbeitende bekommen mehrere Jobs zur Auswahl

Dabei müssen IT-Profis nicht jede angebotene Aufgabe annehmen. Gute Personaldienstleister schlagen ihren Mitarbeitenden wann immer möglich mehrere Tätigkeiten zur Auswahl vor. Außerdem gestalten sie Arbeitsverträge so, dass ihre Expert:innen in einer Art „Probezeit“ prüfen können, ob die vorgeschlagene Position das Richtige für sie ist. 

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Zeitarbeitende erweitern ihr Netzwerk

Da Personaldienstleister nach Paragraf 1 AÜG Mitarbeitende nicht länger als 18 Monate an ein und dasselbe Unternehmen entleihen dürfen, bevor dieses den Expert:innen eine Festanstellung anbieten muss, öffnet die Arbeitnehmerüberlassung IT-Profis die Tür zu einer Vielzahl von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Das sind perfekte Voraussetzungen, um nach Studium oder Ausbildung den Einstieg in den Beruf zu meistern oder um nach ein paar Jahren Zeitarbeit als Freelancer durchzustarten.

Zeitarbeit erleichtert in der Corona-Krise den Berufseinstieg

In der aktuellen Krise sind Personaldienstleister sogar besonders interessante Arbeitgeber für den Berufsanfang. Denn Studienabgänger:innen trifft der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Zuge der Corona-Krise weit härter als ältere Arbeitnehmer. Während die Arbeitslosigkeit zwischen März und Juni 2020 über alle Altersgruppen hinweg um 29 Prozent gestiegen ist, sind in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen momentan ganze 40 Prozent mehr Personen ohne Beschäftigung als vor der Pandemie. Das belegt eine aktuelle Studie der Initiative Neue Soziale Verantwortung. Auch in dieser Flaute stellen Zeitarbeitsfirmen jedoch nach wie vor IT-Profis ein. 

Als Freelancer in die Zeitarbeit wechseln?

Bei der Vorstellung, sich vertraglich an einen Arbeitgeber zu binden, um von diesem an ein anderes Unternehmen ausgeliehen zu werden, ist für viele Freelancer undenkbar. Lediglich 13,3 Prozent der freien IT-Profis wären laut IT-Freiberufler-Studie 2018 des Marktforschungsunternehmens IDG Research bereit, einen Arbeitsvertrag mit einem Personaldienstleister abzuschließen. Sie haben Angst, ihre Unabhängigkeit zu verlieren, zugleich weniger zu verdienen und in mäßig interessanten Projekten Weisungen befolgen zu müssen, die ihnen ihr arbeitsrechtlicher Vorgesetzter gibt. 

Doch auch für manche IT-Freelancer scheint die Auftragslage in der aktuellen Krise schlechter geworden zu sein. Dann lohnt es sich, vorurteilsfrei zu prüfen, ob Zeitarbeit wirklich so abstoßend ist wie ihr Ruf, oder ob mit ihr nicht doch ein paar Vorteile verbunden sind. 

Ja, in der Zeitarbeit verdienen Freelancer weniger als Solo-Selbstständige. Von ihrem Bruttogehalt müssen sie rund 20 Prozent an die Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung abführen. Wenn sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, bekommen sie ihr Gehalt jedoch auch, wenn sie das Zeitarbeitsunternehmen gerade nicht in ein Projekt vermitteln kann. Außerdem haben sie Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Auch in Elternzeit können Freelancer gehen, wenn sie in ein Zeitarbeitsverhältnis wechseln. 

Wer eine Familie gründen will, weiß diese Sicherheit zu schätzen. Ebenso, wer ab einem gewissen Alter keine Lust mehr darauf hat, ständig neue Aufträge zu akquirieren. Besonders wichtig: Freelancer jederzeit die Möglichkeit, in die Selbstständigkeit zurückzukehren.
 

Gerade auf Projektsuche?

Sie wünschen sich in der aktuellen Lage mehr Sicherheit? Haben Sie schon einmal über eine projektbezogene Festanstellung nachgedacht?

  • Sie arbeiten weiterhin auf Projektbasis.
  • Monatliche Gehaltszahlungen und Sozialleistungen.
  • Der Wechsel zurück in die Freiberuflichkeit bleibt Ihnen weiterhin offen.

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