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Unter der Lupe: Der Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies 2016

17.10.2016
Bernhard Krebs – Freiberuflicher Autor
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Welche IT- und Technologie-Trends werden in den kommenden Jahren die Branche, den Markt und gar die ganze Gesellschaft beeinflussen, beziehungsweise bestimmen? Neben Forrester ist es vor allem der Marktforscher Gartner, der seit 1995 jeweils im Herbst bereichsübergreifende Trends identifiziert, wofür er international höchste Beachtung erntet.

Der Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies beschäftigt sich alljährlich mit der Frage, welche Technologien in den kommenden Jahren wegweisend sein könnten und welche ihre beste Zeit hinter sich haben. Das Analysten-Team nimmt mehr als 2.000 Technologien unter die Lupe und pickt rund 70 davon heraus, die es für besonders relevant hält. Diese werden entlang einer Kurve platziert, die die Phasen widerspiegelt, die jede Technologie auf dem Weg zur Marktreife durchschreitet - nach eigener Aussage „das gängige Muster von anfänglich überschwänglicher Begeisterung, nachfolgender Desillusionierung und schließlich Realismus“. Dabei signalisieren bestimmte, von den Analysten verwendete Symbole, in welchem Zeitraum mit einer signifikanten Marktdurchdringung der verschiedenen Trends zu rechnen ist.

Schon der erste Blick auf die Trends zeigt, dass die Gegenwart weniger die Zeit der offensichtlichen Revolutionen und bahnbrechenden Innovationen in IT und Technologie ist. Vielmehr stehen nach wie vor Weiterentwicklungen, Modifikationen und vor allem Anpassungen im Fokus.

Ein erster Überblick zu den übergreifenden Trends

2016 haben die Analysten drei übergreifende Trends identifiziert:

  1. Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) werden in fünf bis 10 Jahren überall im Einsatz sein, was heißt: Virtuelle Welten kommen vorrangig via Apps endgültig im unternehmerischen wie privaten Alltag an.
  2. Intelligente (smarte) IT verändert die Technik-Landschaft elementar und wird u.a. Teil digitaler Wirtschafts-Ökosysteme.

Plattformen erweitern ihre Bedeutung als technologische Grundlage und wandeln sich zu Ökosystem-Enablern.

Trend 1: Virtuelle Welten

Ob Pokémon Go, Samsung Discovr oder Google Streetview – die virtuelle Realität hat uns auf unterschiedlichstem Wege erreicht. Über alle Altersgruppen hinweg bewegt die Technologie ganze Legionen von Smartphone-Besitzern auf der Suche nach virtuellen Fabelwesen, Schnäppchen oder Sehenswürdigkeiten durch die Straßen unserer Städte.

Die bunte neue Welt hat natürlich auch Auswirkungen auf den IT-Projektmarkt. Simpel, aber wahr: Zunächst einmal befinden sich immer mehr Smartphones im Einsatz. Das wiederum garantiert Experten mit Kenntnissen der Betriebssysteme Android (Google), iOS (Apple) oder Windows Mobile so manchen Auftrag, beziehungsweise Projekt.

Die jüngste GULP Marktstudie zum Thema sieht hier iOS und Android nicht nur als ein weites Feld, sondern auch das mit den größten Projektchancen, zumal die Waage von Nachfrage und Angebot zugunsten der IT-Freiberufler ausschlägt.

Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) bedeuten aber auch, es werden immer größere Speichervolumina benötigt. Und damit sind Cloud-Speicher und Cloud-Computing weiterhin vorherrschende Themen, was übrigens schon 2009 Bestandteil einer GULP-Umfrage mit durchaus sehr skeptischen Prognosen war. Heute gibt es keinen Zweifel mehr daran: Experten, die Clouds installieren, integrieren und sicher machen, sind hoch im Kurs.

Trend 2: Intelligente IT und Gegenstände

Gartner hält nicht ohne guten Grund daran fest: Intelligente (smarte) IT verändert elementar die Technik-Landschaft und wird unter anderem Teil digitaler Wirtschafts-Ökosysteme. Schlagworte sind hier beispielsweise künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Cognitive Expert Advisors, Social Software, Personal Analytics – aber auch autonomes Fahren, das 2016 mehr als nur eine Titelseite von Fachmagazinen und Tageszeitungen füllte.

Viele der KI-Systeme, die im Einsatz sind, nutzt der Endanwender täglich und intensiv. Ein paar Beispiele: Facebook Big Sur (Plattform: Nvidia Tesla Accelerated Computing Platform), Google RankBrains, SwiftKey Neural Alpha (SMS Wortvorschläge) oder der Microsoft-"Virtual Social Assistant" XiaoIce.

Dennoch scheint das Thema noch nicht im Projektmarkt angekommen zu sein. Nicht nur, dass mit Blick auf die GULP-Profiledatenbank explizite Expertise selten anzutreffen ist, auch die Skepsis unter den IT-Selbstständigen (2009 hielten 66 Prozent Enterprise 2.0 und Social Software für eine Luftblase) ist nach wie vor groß. Dies untermauert zum Beispiel die GULP Umfrage 2015, in der nur 26 Prozent der Teilnehmer an den rasanten Nutzen intelligenter Maschinen glaubten.

Das „Internet der Dinge“ und in diesem Zusammenhang auch „Smart Home oder Connected Home“ sorgen seit geraumer Zeit dafür, dass immer mehr Menschen über smarte Geräte ihren Lebensalltag effizienter gestalten. Das gilt natürlich genau so beziehungsweise noch mehr für Unternehmen. So meinte zum Beispiel Peter Eggers, ehemaliger Leiter für den Bereich Konzerneinkauf bei Axel Springer, im GULP Interview: In 5 Jahren wird besonders der Mittelstand einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung vollbringen. Einige Spitzenunternehmen werden den größten Teil ihres Geschäftsmodells über eine App abwickeln können.“

Interessant auch: „Internet der Dinge“ und „Cloud Computing“ wurden bereits vor einem Jahr von den Trendforschern als Top-Themen genannt. Die entsprechende GULP-Umfrage ergab jedoch, dass nur die Hälfte der Befragten dieser Einschätzung folgten, während rund ein Viertel unschlüssig waren oder das Thema für überschätzt hielten. Heute würde das Ergebnis wohl etwas anders ausfallen.

Trend 3: Enabler-Technologien

Bei Enabler-Technologien wandeln sich zumeist Plattformen von der rein technologischen Basis zu sogenannten Ökosystem-Enablern. Für Unternehmen geht es dabei vor allem darum, neue plattformbasierte Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Mensch und Technik zu finden – und entsprechend ihre Strategien auszurichten.

Enabler-Technologien sind z.B. Quanten-Computing, Blockchain (dezentrale Datenbank, die eine stetig wachsende Liste von Transaktionsdatensätzen vorhält), Open-Source-Software Bitcoin Core, Bigchain DB (skalierbare Blockchain-Datenbank), ERIS (Software zur Entwicklung von Blockchain-Applikationen) oder Ripple (Open-Source-Protokoll für ein Zahlungsnetzwerk).

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich diese Entwicklung auf den IT-Projektmarkt auswirken wird. Noch sind entsprechende fachliche Skills kaum zu finden – weder bei den Projektnachfragen noch in den Expertenprofilen. Hier wird GULP noch einige Marktanalysen und Umfragen vornehmen müssen, um die Einschätzungen der Freiberufler einzuholen.

Ein wenig überraschendes Fazit

IT und Virtualität, künstliche Intelligenz und Enabler-Technologien bestimmen zunehmend die menschliche Gesellschaft und werden immer mehr Teil des Geschäftsmodells der Unternehmen. Im Kern geht es nicht mehr um das Ob und auch nicht mehr um das Wann, sondern vor allem um das Wie. Für den IT-Projektmarkt bedeutet dies, dass zum einen die generell positive Entwicklung dauerhaft anhalten wird und zum anderen zunehmend neue Skills im Umfeld der App-Technologien gefragt sein werden.

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