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Wegweiser durch den Digitalisierungs-Dschungel – Die IT-Skill-Trends

21.04.2016
Gerlinde Haring (freiberufliche Autorin) und Maria Poursaiadi
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Technologische Trends. Hierzu gibt es vorwiegend im ersten Quartal eines Jahres den einen oder anderen Bericht. Ob Crisp, Gartner oder Forrester – im Dschungel der Prophezeiungen und Ratschläge verliert man schnell den Überblick. Wir haben die wichtigsten angekündigten IT-Trends näher betrachtet und weitere Recherchen in den Medien betrieben, um herauszufinden, ob auch andere Quellen diesen zustimmen.

Bedeutung von IT-Freiberuflern für die Wirtschaft

Einen allgemeinen Trend vorweg: Mit seinem Expertenwissen ist der freiberufliche IT-Spezialist per se gefragt. Dies unterstreichen mittlerweile mehrere Studien. Nur um einige wichtige zu zitieren:

  • Bitkom Studie: „Für acht von zehn Unternehmen (83 Prozent) sind IT-Freiberufler unverzichtbar. Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) geht außerdem davon aus, dass die Bedeutung von IT-Freelancern in den kommenden sechs Monaten zunehmen wird."
  • IT-MittelstandsIndex: „67 Prozent der mittelständischen Unternehmen greifen auf Grund knapper IT-Personalressourcen auf IT-Freelancer zurück, insbesondere der Handel will stärker auf diesen Support setzen.“
  • IDG Studie Freiberufler 2016: „44 Prozent der befragten Einsatzunternehmen gaben an, dass die Bedeutung von Freiberuflern für ihre IT in zwei Jahren groß bis sehr groß sein wird. Zudem geht nur noch jeder Achte heute davon aus, dass Freiberufler in naher Zukunft keine oder eine eher geringe Bedeutung haben werden.“

 

Doch welche Skills rangieren hoch in der Gunst der Unternehmen? Wo lohnt sich eine Spezialisierung beziehungsweise Erweiterung der eigenen Skills? Welche Erfahrung und welches Expertenwissen sind ganz oben auf der Wunschliste der Auftraggeber?

Netzwerktechniker

Erfolgreiche Unternehmen können sich langsame oder komplizierte Backend-Systeme nicht erlauben. Der Prognose des US-Marktforschers Forrester nach geht es in den nächsten Jahren bei den Unternehmen vorwiegend um die Modernisierung der digitalen Infrastruktur. Modernisieren beinhaltet oft den Schritt zur Cloud- und Software-definierten Infrastruktur (SDI). Das bezieht sich unter anderem auf  Netzwerke. Ob Web, Collaboration-Lösungen, Streaming-Dienste oder Security – ohne Netze kann kein Datenaustausch stattfinden, weswegen er durch entsprechende Spezialisten sichergestellt werden muss. Dies bestätigt sich auch durch die Marktanalyse der Experton Group zum Thema Industrie 4.0. Aus dieser Marktstudie geht hervor, dass gerade im Umfeld der produktionsnahen IT zusätzliche IT-Investitionen erforderlich seien, um den „Turnaround“ zur Industrie 4.0 in den Unternehmen zu initiieren. Die Netzwerk-Technologie wurde bereits zu diesem Zeitpunkt von gut jedem dritten dazu befragten Unternehmen (35 Prozent) als eines der wichtigsten Bereiche genannt, in denen die Unternehmen zusätzliche Investitionen tätigen müssten.

UI/UX-Designer und -Entwickler

Designer und Entwickler für User Experience und User Interface (UX/UI) sorgen dafür, dass Software-Interfaces idealerweise intuitiv funktionieren. Ob für unternehmensinterne IT oder für eigene Absatzprodukte, die Usability spielt in Anbetracht des erhöhten Einsatzes digitaler Medien eine immer wichtigere Rolle. Nicht umsonst gehört in der Crisp Research Analyse 2016 die User Experience zu einer der zentralen Anforderungen für Unternehmen. Denn diese müssen für neue IT-Anwendungen die Nutzerbrille aufsetzen. Das große Schlagwort lautet hierbei „Design Thinking“, womit die Aufgabe gemeint ist, Lösungen zu finden, die in allererster Linie den Nutzer überzeugen. Dies kann eine weitere Untersuchung unterstützen: Laut der Studie "Usability von Anwendungssoftware als Wettbewerbsfaktor für kleine und mittlere Unternehmen", die von „Usability in Germany“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie durchgeführt wurde, sind die Unternehmen bereit, für mehr Bedienbarkeit auch zu bezahlen. 65 Prozent der Kunden gaben sogar an, dass die Usability bei der Auswahl von Software mindestens so entscheidend ist, wie beispielsweise die Funktionsvielfalt. Das lässt den Schluss zu, dass solche Experten auch weiterhin gefragt sein werden.

Data Scientists

Big Data ist die große Errungenschaft des Jahrzehnts. Jede noch so kleine Information wird digital konserviert. Genau deshalb herrscht auch in diesem Jahrzehnt diesbezüglich Not – Unternehmen können ihre Datenmengen kaum mehr überblicken und noch weniger verwerten. Deshalb werden Experten gesucht, die Lösungen entwickeln, um komplexe Datenmengen nicht nur zu verarbeiten, zu analysieren und zu interpretieren, sondern auch eine Entscheidungsgrundlage für weitere Aktionen liefern. Forrester geht davon aus, dass Insellösungen (z.B. allein auf Datenspeicherung ausgelegte Systeme) Platz machen werden müssen für entsprechende “Systems of Insight”. Ziel wird sein, Insight-to-Execution-Prozesse zu etablieren. Zwar befindet sich auch dieser Trend noch in der Dämmerungsphase, aber er gewinnt an Tempo. Aus diesem Grunde werden Datenspezialisten und -analytiker weiterhin dringend gebraucht. Dies bestätigt auch Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC). Es geht davon aus, dass immer mehr Unternehmen auf Innovationsteams setzen müssen und dabei neue Profile wie Data Scientists und Business Analysts sowie ein Skill-Mix aus Informatik, Mathematik und Statistik immer wichtiger werden.

IT-Security-Experte

Die Sicherheit der digitalen Prozesse, der Daten sowie der Firmenkommunikation wird für immer mehr Unternehmen zur Top-Priorität. Dies geht aus der letzten Crisp Research Analyse hervor. Dabei gilt es, sich auf neue und vor allem mehr Angriffsvektoren einzustellen. Neben klassischer Wirtschaftsspionage müssen Unternehmen sich verstärkt auf Angriffe durch organisierte Kriminalität einstellen. Während die Zahl der Cyber-Attacken stetig steigt, steigt dazu proportional auch der Bedarf an IT-Security-Experten. Diese sind jedoch ein rares Gut: Auf dem Markt sucht man diese Spezialisten nach wie vor händeringend – 86 Prozent der Business-Entscheider sind der Meinung, dass es zu wenige Security-Experten gibt, so das Statement im "2015 Global Cybersecurity Status Report" der Information Systems Audit and Control Association (ISACA). Die Prognosen sind ähnlich und sehen hier sogar eine richtige Fachkräftekrise voraus.

Mobile-Entwickler

Bei den Nutzerzahlen haben mobile Betriebssysteme die klassischen Desktopgeräte überholt – die Nachfrage nach plattformübergreifenden Mobile-Entwicklern ist weiterhin steigend. Denn iOS und Android werden kaum über Nacht verschwinden, was auch unsere Marktstudie zum Thema Apps und mobile Betriebssysteme aufzeigt. Upwork – weltweit größte Plattform für Online-Arbeit – kommentierte kürzlich in einem Bericht der Computerwoche: "Sobald der Entwicklungs-Stack über verschiedene Geräte und Plattformen hinweg funktioniert, gibt es einen großen Bedarf an MEAN-Entwicklern – also Experten für MongoDB, Ember, AngularJS und nodeJS."

Cloud-Integrations- und Migrations-Spezialist

Experten, die Clouds installieren, integrieren und sicher machen, sind nach wie vor hoch im Kurs – Profis mit umfassender Erfahrung in diesem Bereich wird es an Aufträgen nicht mangeln. Der US-Marktforscher Forester schreibt in seinem Prognose-Papier „The top technology trends to watch: 2016 to 2018“, dass Unternehmen sich immer stärker auf Technologien rund um den Endkunden konzentrieren und dafür immer mehr Cloud Computing einsetzen werden (darüber zu lesen in der CIO). Dies bedeutet eine erhöhte Investition in die Modernisierung von IT-Infrastrukturen hin zur Cloud- und Software-definierten Infrastruktur (SDI). Auch die PAC Group sieht die Migration zu Cloud-Computing-Modellen (SaaS, PaaS oder IaaS) als Schlüsselfaktor für Effizienzsteigerungen in Unternehmen.

Business-Analyst

Als Vermittler zwischen IT und den Entscheidungsträgern im Unternehmen werden Business-Analysten auch weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen. Dem Experten fällt hier die Aufgabe eines Übersetzers zu – er versteht sowohl die Inhalte der IT-spezifischen Sprache wie auch die der Anwender und vermittelt zielführend zwischen beiden Bereichen. Die Autoren des Buches „Basiswissen Business-Analyse“ sind sich jedenfalls einig, dass sich die Nachfrage nach Business-Analysten in den kommenden Jahren deutlich verstärken wird, weil ihnen immer stärker die Rolle des Qualitätsmanagers zukommt, der strategische Aspekte des Unternehmens mit taktischen Fragen des Projekts verknüpft.

Fazit

Zum Schluss lässt sich festhalten, dass die Abhängigkeit der Unternehmen von ihren IT-Systemen immer größer wird, woraus sich auch die Bedarfssteigerung an Spezialisten und implizit auch an IT-Freelancern erklären lässt. Nicht zu vergessen ist: Alles ist heute vernetzt und kommuniziert. Unternehmen suchen in diesem Zusammenhang stetig Produkte und Services, die komplett neue Möglichkeiten der Anwendererfahrungen schaffen. Aus dieser Perspektive betrachtet, geht es bei der User Experience aber immer um eine durchgängige Erfahrung – also eine Verknüpfung der digitalen mit der realen Welt. Die CIO beschreibt diese Herausforderung in ihrem Kompendium „IT-Trends 2016“ aus Sicht der Unternehmen wie folgt: Die Königsdisziplin für viele wird es sein, im Rahmen der Digitalisierung der Kundenbeziehungen eine Vielzahl neuer IT-Technologien, Datenbestände und Services zu integrieren und einzusetzen. Im Kern wird es darum gehen, wie sich CRM, Kundenportale, eCommerce, Marketing Automation, Social Media und mobile Apps bestmöglich verzahnen lassen, um eine durchgängige und universelle Digital Customer Experience zu ermöglichen. IT-Spezialisten sollten ihre Disziplinen und Skills mit diesem Trend in Einklang bringen, um neue Potenziale zu schöpfen. Das heißt keineswegs, sich von der Spezialisierung zu verabschieden, sie sollten jedoch ihre Rolle weniger isoliert denn im Gesamtzusammenhang dieser Verzahnung betrachten und den Kunden von ihrer Warte aus dahingehend beraten können.

Auf den vielfachen Wunsch von Freiberuflern haben wir diese Umfrage (damals GULP Stundensatz-Umfrage) ins Leben gerufen. Unterstützen Sie uns darin, wertvolles Wissen für IT-Freiberufler und Auftraggeber zu sammeln, aufzubereiten und so einen Überblick zur Situation der IT- und Engineering-Freelancer geben zu können.

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