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Altersvorsorge von Freiberuflern: Und sie tun es doch!

DIW korrigiert wesentliche Studie für Nahles' Gesetzesentwurf

17.11.2016
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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Fehlannahmen gibt es in der Politik viele. Nicht passieren darf, dass auf Basis solcher „Enten“ grundlegende Entscheidungen getroffen werden. Daher kommt die aktuelle Richtigstellung des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) in Sachen Altersvorsorge der Freiberufler gerade zur rechten Zeit.

Was war geschehen?

Im Mai dieses Jahres wurde der Forschungsbericht "Solo-Selbstständige in Deutschland – Strukturen und Erwerbsverläufe" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales veröffentlicht. Er sollte aufzeigen, wie es um die Altersvorsorge von Freelancern in Deutschland steht. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Solo-Selbstständigen hätten nicht oder nicht ausreichend für das Alter vorgesorgt. Irreführend an dieser Studie war die Tatsache, dass nur bestimmte Aspekte der Altersvorsorge betrachtet wurden. Erhoben wurde, ob ein Selbstständiger an die Deutsche Rentenversicherung zahlt und ob er private Lebensversicherungen mit einer Gesamtsumme von mehr als 50.000 Euro abgeschlossen hat. Andere Formen der Altersvorsorge wie Immobilien, Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Investmentfonds, Sparverträge und sogar die staatlich geförderte Rürup-Rente wurden außer Acht gelassen.

Das DIW korrigiert seine Aussage

Im Wochenbericht des DIW meldete sich nun der Autor des Forschungsberichts, Karl Brenke, erneut zu Wort. Diesmal mit einer Richtigstellung. Unter anderem heißt es dort: „Diese Analysen ergeben jedoch ein lückenhaftes Bild. Denn sie können nur (...) darüber informieren, wie viele Selbstständige in die gesetzliche Rentenkasse beziehungsweise in eine Kapitallebensversicherung einzahlen (…). Traditionell besteht die Altersvorsorge von Selbstständigen darin, eigenständig Vermögen zu bilden.“

Im Hinblick auf die Selbstständigen, die zurzeit nicht aktiv in die DRV einzahlen, stellt Brenke fest: „Knapp die Hälfte (…) lebt in Haushalten, die über eine Kapitallebensversicherung verfügen. Bei fast einem Drittel der Selbstständigen ist eine private Rentenversicherung vorhanden (…). Nicht selten verfügen Haushalte über beide Versicherungen. Bei zwei Dritteln der Selbstständigen ohne gesetzliche Rentenversicherung verfügen die Haushalte über Immobilienvermögen. Immerhin ein Sechstel der nicht aktiv rentenversicherten Selbstständigen verfügen über Geld-, Aktien-, Anleihen- oder Investmentfondsvermögen in Höhe von mindestens 100.000 Euro.“ Zu sehr ähnlichen Ergebnissen kam unsere GULP Umfrage zum Thema Altersvorsorge der Freiberufler, die wir im Oktober veröffentlicht hatten.

Löcher in der Altersvorsorge? Alles relativ!

Auch wenn die Korrektur die Vorsorgesorgfalt der Solo-Selbstständigen grundsätzlich wieder ins richtige Licht rückt, gibt es nach Brenke immer noch Grund zur Sorge: Von den 57 Prozent der Selbstständigen, die nicht aktiv in die DRV einzahlen, verfügten zwölf Prozent über keine der untersuchten privaten Anlageformen und über kein Haushaltsvermögen von mindestens 100.000 Euro.

Diese Aussage muss jedoch einer Relativierung unterzogen werden, denn die mangelnde Vorsorge komme nicht nur bei Selbstständigen vor: „Konsequent wäre unter diesem Blickwinkel, wenn auf dieselbe Weise mit den abhängig Beschäftigten verfahren würde. Denn wohl bei nicht wenigen Personen mit einem Minijob dürfte eine spätere Altersarmut wahrscheinlich sein.“

Fazit des neuen Berichts

Interessant ist auch das Fazit, welches Karl Brenke am Ende seines neuen Berichts zieht. Er adressiert dies direkt an die Bundesregierung und rät vor einer politischen Intervention mit dem Ziel einer Pflichtversicherung ab. Laut Benke könne dies zu einem weiteren Rückgang von Existenzgründungen und zu Geschäftsaufgaben führen. Dies könne in politischen Zielkonflikten münden, denn viele der bedrohten Gründungen seien erst in letzter Zeit staatlich gefördert worden.

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