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Umfrage-Ergebnis: Können Sie sich leisten, krank zu sein?

19.12.2003
GULP Redaktion
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"Ich bin krank. Was jetzt?" Für einen Freiberufler stellt sich in solchen Situationen nicht nur die Frage, wie er schnellstmöglichst gesund wird - er überlegt sich meist auch, ob er nicht weiter arbeiten kann. Es geht um Geld; Geld, dass er einnimmt oder nicht. GULP wollte wissen, wie hoch der Krankenstand im freiberuflichen IT-Projektmarkt für das Jahr 2003 gewesen ist. Zwischen 10. November und 10. Dezember gaben uns 306 Teilnehmer dazu Auskunft.

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52,3 Prozent der Umfrage-Teilnehmer waren weniger als fünf Arbeitstage im Jahr 2003 krank. 18,6 Prozent der Teilnehmer gaben sogar an, an keinem Tag krankheitsbedingt im Projekt gefehlt zu haben. Die Zahlen, die auf den ersten Blick auf eine erstaunliche Robustheit der IT-Freiberufler schließen lassen, sind bei näherem Hinsehen jedoch mit Vorsicht zu genießen. Denn: Jeder Tag nicht im Projekt bedeutet für den selbstständigen IT-Experten einen Tag ohne Verdienst. Da liegt die Vermutung nahe, dass man sich trotz Beschwerden (die eigentlich einen Genesungsaufenthalt im Bett erfordern würden) zur Arbeit schleppt.

Knapp jeder dritte Teilnehmer (29,1 Prozent) verlebte vor diesem Hintergrund ein weniger gesundes Jahr: 19,7 Prozent der Umfrage-Teilnehmer waren 2003 bis zu 10 Tage aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig. Längere Ausfallzeiten fielen noch bei einem kleinen Anteil der Befragten an. 4,8 Prozent der Teilnehmer waren bis zu 20 Tage krank und 4,6 Prozent gaben an, in diesem Jahr sogar länger als 20 Tage krank gewesen zu sein.

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Umgerechnet auf die Gesamtzahl der Teilnehmer, die 2003 krank waren (N = 249), wurden die obigen Fehlzeiten bei 47,8 Prozent der Befragten durch einzelne Krankheitstage verursacht und 41,3 Prozent fielen durch eine kurze Arbeitsunfähigkeit aus. 10,9 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass ein langfristiger Krankheitsfall die Ursache für den Krankenstand war.

Die Antworten der Freiberufler bestätigen die Erkenntnisse der Krankenkassen zum allgemeinen Krankenstand (Festangestellte und Freiberufler): Zwar besteht die Mehrzahl der Krankheitsfälle aus kurzen Arbeitsunfähigkeiten von weniger als einer Woche, der Krankenstand wird jedoch vor allem durch die Zahl von langfristigen Krankheitsfällen bestimmt.

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Die Gesamtheit: Laut einem Report der DAK spielen die Muskel-Skelett-Erkrankungen mit knapp 30 Prozent aller Krankheitsfälle die wichtigste Rolle, gefolgt von den Krankheiten des Atmungssystems mit 16 Prozent. Platz drei nehmen die Verletzungen mit 14,2 Prozent ein, auf Platz vier finden sich die psychischen Erkrankungen von 8,5 Prozent. Die Krankheiten des Verdauungssystems folgen mit 7,1 Prozent und die Krankheiten des Kreislaufsystems belegen mit 5,8 Prozent den letzten Platz.

Die IT-Freiberufler: 53,8 Prozent aller Teilnehmer gaben an, dass Erkrankungen des Atmungssystems die längsten Fehlzeiten verursachten. Muskel- und Skeletterkrankungen erzeugten 10 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. Auf die Krankheiten des Verdauungssystems entfielen 9,6 Prozent der Krankheitstage. Verletzungen verursachten 6,8 Prozent der Ausfalltage, psychische Erkrankungen 5,2 Prozent. Fehlzeiten wegen Kreislauferkrankungen nahmen schließlich nur einen Anteil von 4,4 Prozent ein.

Der Unterschied: Besonders auffällig sind die verschiedenen Ergebnisse hinsichtlich der Erkrankungen des Atmungssystems und der Muskel-Skelett-Erkrankungen - bei den Freiberuflern sind im Gegensatz zur Allgemeinheit Grippe, Bronchitis und Nebenhöhlenentzündungen der Hauptgrund, einmal zu Hause zu bleiben. In Verbindung mit der ersten Frage lässt sich vermuten, dass diese verhältnismäßig kurzen Erkrankungen eher angemessen auskuriert werden als die oft unterschätzten Kreislauf-, Muskel- und Skelett-Erkrankungen, die meist langwierige Behandlungen nach sich ziehen würden - und deshalb im Ringen um Umsatz so lange als möglich ignoriert werden.

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Rund ein Drittel der Teilnehmer (36 Prozent) gaben an, 2003 weniger Fehltage verzeichnet zu haben, als in den Jahren davor. Die überwiegende Mehrheit (64 Prozent) musste jedoch eine Erhöhung oder zumindest ein Gleichbleiben der Fehlzeiten im Vergleich zu den Vorjahren feststellen.

Zum Vergleich: Der jahresdurchschnittliche Krankenstand der Pflichtmitglieder in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist seit 1999 konstant gefallen. Bemerkenswert ist vor allem der Rückgang von 4,06 Prozent zwischen 2001 und 2002, der vor allem mit der schlechten wirtschaftlichen Lage begründet wird. Eine provokante These, die jedoch noch einer wissenschaftlichen Beweisführung bedarf: Haben die meisten Festangestellten in schlechten Zeiten eher Skrupel, sich krank zu melden, ist eine Krankmeldung bei Freiberuflern wohl von jeher den wirklichen Notfällen vorbehalten gewesen.

Die Konsequenzen: Mag sich auch der IT-Freiberufler manchmal unter Schmerzen ins Projekt schleppen, so hat er dennoch keine Garantie dafür nicht doch einmal schwerer zu erkranken. Im Gegensatz zu Festangestellten muss er für seine Absicherung im Krankheitsfall selbst sorgen - und tut gut daran, beizeiten die entsprechende Vorsorge zu treffen.