Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage

Honorare, Branchen, Direktbeauftragungen und freiberufliche Anerkennung von IT-/Engineering-Selbstständigen

11.03.2013
GULP Redaktion

Als Leser der GULP Knowledge Base kennen Sie unsere Marktstudien, Umfragen und sonstigen Artikel. Auf vielfachen Wunsch von Selbstständigen haben wir mit unserer ersten GULP Stundensatz-Umfrage neue, zusätzliche Aspekte in die Analyse einbezogen. Sie lesen hier die Ergebnisse der offenen und anonymen Online-Befragung, an der von November 2012 bis Januar 2013 2.107 Selbstständige in IT und Engineering teilgenommen haben. Dank der regen Beteiligung können wir aus der GULP Redaktion wieder einmal das tun, was wir am liebsten machen: Sie über den IT-/Engineering-Projektmarkt informieren. Hier in der GULP Knowledge Base werden wir die Hintergründe beleuchten. In diesem ersten Artikel zur Umfrage gehen wir detaillierter auf Stundensätze, Direktbeauftragungen, Freiberufler-Status und die Branchen, in denen Freelancer beschäftigt sind, ein.

 

Teil 1: Ergebnisse der großen GULP Stundensatz-Umfrage | Teil 2: Was braucht ein IT-/Engineering-Selbstständiger, um erfolgreich zu sein? | Teil 3: Wie zufrieden sind IT-/Engineering-Freelancer wirklich?

Die GULP Stundensatz-Umfrage im Überblick

Die vollständigen Ergebnisse – Frage für Frage – finden Sie in unserer Bildergalerie. Einige Werte im Überblick:

Einige Ergebnisse in Kürze

Durchschnittlicher Stundensatz der IT-/Engineering-Freelancer (All-inklusive, netto, ohne MwSt.) 79 Euro
Durchschnittliche Projektdauer 23 Monate
Durchschnittlicher Jahresumsatz 2012 134.449 Euro
Durchschnittlicher Gewinn 2012 83.955 Euro
Durchschnittliches Zahlungsziel 29 Tage
Anteil der Direktbeauftragungen an allen Freelancer-Projekten 27 Prozent
Durchschnittlicher Aufschlag auf den Stundensatz bei Auswärtsprojekt 15 Prozent
Im Schnitt selbstständig tätig seit 10 Jahren

Stundensatz: Prognose für 2013 und die Sache mit dem Alter

Welchen All-inklusive-Stundensatz erhalten Sie? (in Euro, Netto, exkl. MwSt.)

Am Anfang dieses Artikels möchten wir auf das Hauptthema der Umfrage eingehen: die Stundensätze. Im Schnitt erhalten IT-/Engineering-Selbstständige einen Stundensatz von 79 Euro. Nur etwa ein Drittel (34,1 Prozent) arbeitet zu Stundensätzen von unter 70 Euro, bei 17,3 Prozent fließen über 100 Euro pro Stunde in die Kasse.

Prognose: Stundensatz-Entwicklung 2013

Wie wird sich Ihr Stundensatz 2013 entwickeln?

Mehr als die Hälfte (53,8 Prozent) der IT-/Engineering-Freelancer rechnet fest damit, dass ihr Stundensatz im Jahr 2013 da bleibt, wo er ist. 40,9 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihn anheben werden. Dabei erhalten 44,7 Prozent der IT-/Engineering-Freelancer in ihrem derzeitigen Projekt bereits einen höheren Stundensatz als in dem Projekt davor.

Aus den Ergebnissen unserer Umfrage spricht also eine sehr optimistische Stimmung, was die Entwicklung der Honorare angeht. Dieser Optimismus ist aber bei den verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Honorarerhöhung: Jüngere sind sich sicherer

"Ich werde meinen Stundensatz anheben" (Anteile nach Alter)

Etwa zwei Drittel der unter 30-Jährigen gaben an, dass sie ihren Stundensatz im Jahr 2013 anheben werden. Dieser Anteil nimmt mit zunehmendem Alter ab – von den über 60-Jährigen hat nur noch ein knappes Drittel diesen Vorsatz.

Ein Blick auf die GULP Stundensatz-Auswertung, die zuletzt im August 2012 durchgeführt wurde, zeigt aber eine mögliche Begründung auf: Die Honorarforderungen der Freelancer steigen mit zunehmendem Alter und Erfahrung. Am unteren Ende der Honorar-Alter-Skala rangieren die Freiberufler, die jünger als 35 Jahre sind: Sie fordern nur 64 Euro. 77 Euro verlangen dagegen Freelancer zwischen 45 und 49 Jahren – das sind 13 Euro mehr. Es ist demzufolge gut möglich, dass jüngere Freelancer mit ihrem Honorar erstens unzufriedener sind und zweitens mehr Spielraum nach oben sehen als ihre älteren Kollegen. Drittens haben sie angesichts der Ergebnisse aus der GULP Stundensatz-Auswertung tatsächlich gute Chancen, ihr Honorar mit zunehmender Berufserfahrung zu steigern.

Je jünger ein IT-/Engineering-Selbstständiger ist, desto überzeugter ist er, dass er seinen Stundensatz 2013 anheben kann.

Branche und Unternehmensgröße: Wo werden die meisten Freelancer eingesetzt?

Ein Stundensatz ist nur dann ein guter Stundensatz, wenn er auch zum Umsatz wird – das heißt, wenn der Freelancer mit Projekten gut ausgelastet ist. Hier spielt unter anderem die Branche eine Rolle – in manchen Branchen werden viele Freelancer eingesetzt, in anderen sieht es mit Projekten eher mau aus.

Anteil Freelancer je Branche

Wir haben in der große GULP Stundensatz-Umfrage gefragt: „In welcher Branche sind Sie in Ihrem aktuellen (oder letzten) Projekt tätig?“ 15,4 Prozent der IT-/Engineering-Selbstständigen gaben an, ein Projekt in der Banken- und Finanzbranche durchgeführt zu haben, 13,3 Prozent waren in der IT- und 12,6 Prozent in der Automotive-Branche tätig. Nur diese drei Branchen kamen auf zweistellige Werte - zusammengefasst werden in diesen drei Branchen 41,3 Prozent der Freelancer-Projekte abgewickelt. Die Schlusslichter der Tabelle waren Medien und Elektronik (jeweils 1,8 Prozent), Luft- und Raumfahrt (1,7 Prozent), Beratung (1,3 Prozent) und Touristik (0,8 Prozent).

Größe des Unternehmens, für das der Freelancer tätig ist

Wo ist der Mittelstand? 54,0 Prozent der Freelancer waren in ihrem aktuellen oder zuletzt durchgeführten Projekt in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit tätig. Auf Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern entfallen nur 18,2 Prozent der Projekte."

Dabei sind mehr als die Hälfte der Freelancer in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit eingesetzt. Natürlich holen die Unternehmen mit den meisten Beschäftigten auch die meisten Externen ins Boot – doch es gibt in Deutschland viel mehr kleine als große Unternehmen: Das Unternehmensregister des Statistischen Bundesamts listet für das Jahr 2010 3,3 Millionen Unternehmen mit bis zu zehn in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – dagegen gibt es nur etwa 12.000 Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Die Zahlen des statistischen Bundesamts beziehen allerdings Unternehmen aller Branchen mit ein, also zum Beispiel auch kleine Handwerksbetriebe, die in der Regel keine IT-/Engineering-Freelancer beauftragen.

Die meisten externen IT-/Engineering-Spezialisten sind in Großunternehmen und Konzernen tätig.

Welche Unternehmen in welchen Branchen setzen am häufigsten Freelancer ein?

Verbindet man beide vorhergehenden Auswertungen, ergibt sich folgendes Bild:

  • Anteilsmäßig die meisten Teilnehmer der Umfrage sind in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit in der Automotive-Branche tätig (9,6 Prozent).
  • An zweiter Stelle folgen Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigen in der Banken-Branche (7,5 Prozent).
  • Platz drei geht an Unternehmen derselben Größe in der Telekommunikations-Branche (6,4 Prozent der Befragten).

Die meisten Projekte der Umfrage-Teilnehmer werden in Großunternehmen der Automotive-Branche durchgeführt.

In welchen Unternehmen sind welche Rollen am häufigsten im Einsatz?

Zieht man zusätzlich noch die Rolle hinzu, wird das Bild deutlicher. Unternehmensgröße und Rolle in Kombination ergeben Folgendes:

  • 15,3 Prozent der Umfrage-Teilnehmer waren als Software-Entwickler in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit tätig, das ist anteilsmäßig die größte Gruppe.
  • Auf Platz zwei folgen die Berater in derselben Unternehmensgröße (13,2 Prozent).
  • Auf Platz drei liegen die Projektmanager ebenfalls in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten weltweit (9,9 Prozent).

Die meisten Umfrage-Teilnehmer sind als externe Software-Entwickler in Großunternehmen tätig.

Vermittler oder nicht? Anteil der Direktbeauftragungen

Je nach Branche und Unternehmensgröße schwankt auch der Anteil der Direktbeauftragungen – doch zunächst werfen wir einen Blick auf den gesamten Anteil:

Anteil der Direktbeauftragungen durch den Kunden

Insgesamt kamen 72,9 Prozent der IT-/Engineering-Selbstständigen über einen Vermittler an ihr aktuelles oder zuletzt durchgeführtes Projekt. Nur ein gutes Viertel bleibt da für Direktbeauftragungen, also für Auftragsvergaben ohne eine weitere Instanz zwischen Endkunde und externem Spezialisten.

Direktbeauftragungen nach Branche

Anteil der Direktbeauftragungen nach Branche

Am häufigsten sind Direktbeauftragungen in der Branche „Beratung“: 53,8 Prozent der Projekte der Umfrage-Teilnehmer, die in dieser Branche durchgeführt wurden, waren Direktbeauftragungen. Um ein Ergebnis von vorhin ins Gedächtnis zu rufen: Auf diese Branche entfällt nur ein Anteil von 1,3 Prozent der Projekte. In der Branche mit den meisten Projekten, der Banken- und Finanzbranche, liegt der Anteil der Direktbeauftragungen bei niedrigen 15,1 Prozent.

In der Banken- und Finanzbranche ist die Quote der Direktbeauftragungen am niedrigsten.

Direktbeauftragungen nach Unternehmensgröße

Anteil der Direktbeauftragungen nach Unternehmensgröße

In Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten weltweit kamen 82,5 Prozent der IT-/Engineering-Projekte ohne Vermittler zustande. In Großunternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten sind es nur 18,6 Prozent. Kurz zusammengefasst also: Je größer das Unternehmen, desto unwahrscheinlicher werden Direktbeauftragungen. Gerade Großunternehmen und Konzerne reduzieren unter anderem aus Kosten- und Komplexitätsgründen die Anzahl ihrer Lieferanten und konzentrieren sich auf wenige „Preferred Supplier“ – für externe IT-Spezialisten ist es dann schwer, einen direkten Vertrag zu schließen.

Direktbeauftragungen sind bei kleinen Unternehmen wahrscheinlicher als bei großen.

Der Freiberufler-Status – eine Frage des Abschlusses?

Das waren unsere Auswertungen zu Branchen und Unternehmensgröße – zum Schluss des Artikels werfen wir einen Blick auf den gerne diskutierten Freiberufler-Status.

Status der Teilnehmer

57,4 Prozent der Teilnehmer an unserer Umfrage sind Freiberufler, 41,2 Prozent sind selbstständig (z.B. Gewerbetreibende). Für Selbstständige in der IT ist es in der Regel lohnenswert, als Freiberufler tätig zu sein: Sie sind von der Gewerbesteuer befreit und müssen ihre Tätigkeit nicht als Gewerbe anmelden. Sie sind nicht dazu verpflichtet, IHK-Mitglied zu werden und müssen keine kaufmännische Buchführung vornehmen – eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht. Die Anerkennung eines IT-/Engineering-Selbstständigen als Freiberuflers ist so eine Sache:

Ein Selbstständiger kann entweder ein Gewerbetreibender nach § 15 EStG sein oder aber er ist freiberuflich tätig. Eine "besondere berufliche Qualifikation" und die "eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art" grenzen laut § 1 Abs. 2 PartGG Freiberufler von den Gewerbetreibenden ab. Zu den freien Berufen gehören nach § 18 Abs. 1 EStG zum Beispiel selbstständig ausgeübte ingenieurmäßige Tätigkeiten. Die Einordnung von selbstständigen IT-Spezialisten läuft deswegen oft unter anderem über die Prüfung, ob eine ingenieurmäßige (oder ähnliche) Tätigkeit vorliegt. Auch wird die Tätigkeit des Selbstständigen danach beurteilt, ob dafür objektiv ein Hochschulabschluss erforderlich ist (falls ja, deutet das eher auf eine freiberufliche Tätigkeit hin). Wie sieht der Zusammenhang zwischen Status und Diplom in der Praxis aus?

Nähere Informationen zur Unterscheidung zwischen freien und gewerblichen Berufen gibt der Artikel " Selbstständige und freie Berufe im verfassungsrechtlichen Vergleich". Desweiteren finden Sie in der GULP Knowledge Base einen Beitrag zum Thema " IT-Selbstständiger ohne Studienabschluss: Freiberufler oder gewerblich Tätiger?".

Nur mit Diplom zum Freiberufler-Status?

Anteil der anerkannten Freiberufler je Abschluss

Der Anteil der anerkannten Freiberufler ist bei den den Freelancern mit Hochschulabschluss höher. Er liegt je nach Studienabschluss zwischen 67,4 (Dipl.-Inf. Univ.) und 60,5 Prozent (Dipl.-Inf. FH). Doch es ist keineswegs so, dass man ausschließlich mit Diplom als Freiberufler tätig sein kann, auch mit einer Ausbildung als höchstem Abschluss bestehen Chancen. Bei den Informationselektronikern zum Beispiel ist der Anteil der Freiberufler insgesamt am höchsten: 78,6 Prozent von ihnen üben anerkannterweise einen freien Beruf aus.

Eine Anmerkung hierzu: Die Einstufung hängt natürlich von der ausgeübten Tätigkeit des Freelancers ab – denn ein Diplom-Informatiker, der Software vertreibt, ist ein Gewerbetreibender und kein Freiberufler. Dennoch gibt die Grafik erste Anhaltspunkte.

Nächster Artikel: Gefühle und Meinungen

Das war der erste Artikel zu unserer großen GULP Stundensatz-Umfrage 2013. Im nächsten werden wir uns den Meinungen und Gefühlen zuwenden, die die Teilnehmer geäußert haben – zum Beispiel in Bezug auf die Zufriedenheit mit ihrer beruflichen Situation.

Möchten Sie etwas Spezielles aus der großen GULP Stundensatz-Umfrage wissen oder wünschen Sie ich eine bestimmte Auswertung? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

GULP Feedback: Ihre Meinung ist uns wichtig

Gerne sind wir für Ihre Anregungen, Wünsche, Ideen und selbstverständlich auch Kritik offen. Sie erreichen uns per Mail unter redaktion@gulp.de.