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Und jetzt alle: REMOTE!

03.04.2020
David Göhler – Freiberuflicher Autor
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Corona, Quarantäne, Mundschutz, Ausgangssperre: Das sind alles Begriffe, die vor einem Monat einen schlechten Katastrophenfilm bereichert hätten. Doch jetzt sitzen viele Arbeitnehmer und auch Freelancer zu Hause und können oder dürfen gar nicht mehr oder nur eingeschränkt auswärts tätig sein. 

Im IT-Bereich ist das Arbeiten von zu Hause aus (im Vergleich zu Künstlern beispielsweise) häufig aber noch möglich. Mit Cloud-Anwendungen, VPN, VoIP und Video-Calls lässt sich nach wie vor gut „kollaborieren”, auch wenn man räumlich getrennt sein muss. 

Die Frage für Freelancer ist aber: Gibt es überhaupt Projekte, die einen Remote-Einsatz vorsehen und wie viele sind das? Und die zweite Frage ist natürlich auch: Will ich als Freelancer das überhaupt oder muss ich beim Kunden vor Ort sein?

Anzahl der „Remote-Projekte” steigt

Seit Dezember 2019 können Unternehmen bei der Ausschreibung neuer Projekte über das Self-Serviceangebot GULP Direkt angeben, ob die entsprechenden Tätigkeiten von Freelancern auch Remote (also nicht in den Räumen des Auftraggebers) ausgeführt werden können. Der entsprechenden Grafik kann man entnehmen, dass dies zu Beginn bei 17,8 Prozent der Projekte möglich war. Schon im Januar steigt der Anteil auf 25,6 Prozent, im Februar lag er bei gut 31 Prozent. Im März lag er bei 44,1 Prozent. 

Schon jetzt sehen viele Auftraggeber also bei fast jedem zweiten Projekt nicht die Notwendigkeit, dass die Freelancer ihre Tätigkeit bei ihnen vor Ort verrichten müssen. Gerade in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Home Office eine gute Nachricht!

GULP Anteil Projekte mit Remotemöglichkeit

Remote-Bereitschaft bei Freelancern

GULP Remote Anteil Freelancerdatenbank

Doch wie sieht die Bereitschaft zu Remote-Arbeit unter den Freelancern aus? Gerade jetzt in der Corona-Krise spüren viele Arbeitnehmer, die es gewohnt sind, täglich ins Büro zu fahren, dass das Home-Office nicht nur Vorteile hat und man sich aktiv um den sozialen Austausch kümmern muss. Es stellt sich also die Frage, wie viele Freelancer überhaupt remote arbeiten wollen und wie sich das eventuell zwischen “vor Ort” und “im Home-Office” aufteilt.

Im Projektportal von GULP, in dem jeder Freelancer seine Verfügbarkeiten hinterlegen kann, gibt es zwar keine „Remote” oder „Home-Office”-Angabe, aber die Freiberufler können angeben, welche Zeitanteile sie für den Kunden für die Arbeit vor Ort einbringen können. Wählt der Freelancer hier beispielsweise 40 Prozent, kann man das so auslegen, dass er 60 Prozent anderweitig (und damit wahrscheinlich) remote erbringen will. 

Wir haben dazu etwas mehr als 73.000 Profile ausgewertet, die aktuell zu mehr als 80 Prozent generell für Kundenprojekte zur Verfügung stehen. Dabei zeigt sich, dass von diesen Freelancern mehr als 56.700 (das sind 77,4 Prozent) zu 100 Prozent beim Kunden im Einsatz sein können. Im Umkehrschluss gaben 22,6 Prozent an, teilweise auch remote zu arbeiten zu wollen, oft aber nur zu geringen Teilen. 8,3 Prozent sehen sich zu 10 Prozent zu Hause, 3,3 Prozent der Freelancer würden gerne zu 40 Prozent im Home-Office sein. Die 100-Prozent-Fraktion, die überhaupt nicht beim Kunden arbeitet, liegt bei 1,6 Prozent.

Tipp für GULP Profilinhaber: 

Ab sofort können Sie in Ihrem Profil unter “Einsatzort” Ihre grundsätzliche Bereitschaft/Möglichkeit angeben, remote beziehungsweise aus dem Home Office zu arbeiten. 

Fazit: Alles eine Sache des Blickwinkels

Die Verteilung der Angaben der Freelancer scheint eine klare Sprache zu sprechen: Die meisten Freiberufler wollen lieber vor Ort beim Kunden sein. Doch das zahlreiche Leserfeedback zeigt: Oft richten sich die Freelancer bei diesen Angaben nach den Unternehmen, die vermehrt nach Experten suchen, die vor Ort für sie tätig sind. Sie selbst haben weniger Probleme, remote zu arbeiten. Daher bleibt es spannend, ob die besondere Lage in Zeiten von Corona die Unternehmen künftig offener gegenüber Remote-Arbeit macht. Die Zahlen bei den Projektausschreibungen für März stimmen leicht optimistisch. Wir bleiben auf alle Fälle am Ball. 

Hinweis in eigener Sache: In den letzten Tagen erreichte uns zu dem Fazit des Artikels zahlreiches Leserfeedback. Wir bedanken uns dafür und auch für die weiteren Blickwinkel, die Sie uns darin aufzeigen. Daher haben wir diesen Abschnitt noch einmal angepasst. Und uns interessiert Ihre Einschätzung, stimmen Sie daher in unserer Kurzumfrage ab.

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