a Randstad company
Login
© Fotolia/pure-life-pictures

Was kann ich als Arbeitnehmer von der Steuer absetzen?

Arbeitnehmer-Werbungskosten im Überblick (Teil 1)

23.08.2017
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
Artikel teilen:

Selbstständige und Unternehmer haben es gut: Sie können viel mehr Ausgaben von der Steuer absetzen als Arbeitnehmer. So verbreitet diese Annahme ist, so unzutreffend ist sie. Zwar haben Geschäftsleute auf der Einnahmenseite größere Gestaltungsspielräume als Angestellte. Die Vorschriften über die Anerkennung von Ausgaben sind in den verschiedenen Einkunftsarten jedoch sehr ähnlich: Was den Unternehmern die „Betriebsausgaben“ sind, sind für Arbeitnehmer die „Werbungskosten“.

Wieso eigentlich „Werbung“?

Der Begriff ist missverständlich: Mit (Be-)Werbung haben diese Kosten nur am Rande zu tun: Als Werbungskosten gelten laut § 9 EStG vielmehr sämtliche „Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“. Mit anderen Worten: Der Staat sieht ein, dass die Kuh, die er melken will, gefüttert werden muss. Grundsätzlich dürfen Sie als Arbeitnehmer alle Ausgaben von Ihrem steuerpflichtigen Gehalt abziehen, die beruflich veranlasst sind:

  • Angefangen bei Qualifizierungs- und Bewerbungskosten über
  • Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit und berufliche Reisekosten,
  • Aufwendungen für Berufskleidung und Arbeitsmittel bis hin zu
  • Beiträgen zu Gewerkschaften und Berufsverbänden.

Arbeitnehmer erfassen ihre Werbungskosten in der „Anlage N“ (wie Einkünfte aus Nichtselbstständiger Arbeit“). Sofern sie weitere Einkünfte hatten (zum Beispiel aus selbstständigen Nebentätigkeiten oder Immobilienvermietung), tragen sie diese ebenfalls in die dafür vorgesehen Formulare ein, z. B. die „Anlage S“ (für Selbstständige Tätigkeiten“) oder die „Anlage V“ (für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung). Um den Gewinn oder Einnahmenüberschuss zu ermitteln, können sie dort auch die jeweiligen Aufwendungen geltend machen.

Nach Abzug der Betriebsausgaben und Werbungskosten werden die verbliebenen Einkünfte addiert und so der „Gesamtbetrag der Einkünfte" ermittelt.

Persönliche Steuerabzüge

Ganz gleich, ob Arbeitnehmer, Unternehmer, Vermieter oder Rentner: Bevor die fällige Einkommensteuer errechnet wird, stehen allen Steuerpflichtigen noch zahlreiche personenbezogene Steuerabzugsmöglichkeiten zu – insbesondere

  • Sonderausgaben, insbesondere die Vorsorgeaufwendungen (Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall-, Haftpflicht- und andere Versicherungen), aber auch Kinderbetreuungskosten, Unterhaltszahlungen oder Spenden und Mitgliedsbeiträge für steuerbegünstigte Zwecke. Auch die Kirchensteuer wird vom Finanzamt als Sonderausgabe berücksichtigt.
  • Außergewöhnliche Belastungen, z. B. Kosten für medizinische Versorgung, Scheidung, Todesfälle oder Folgen von Naturkatastrophen etc., sowie
  • Steuerermäßigungen für Handwerker- und haushaltsnahe Dienstleistungen.

Übrigens: Obwohl zweifellos beruflich veranlasst, gelten die Kosten einer beruflichen Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) grundsätzlich nicht als Werbungskosten. Das ist in § 9 Abs. 6 EStG geregelt. Hilfsweise erkennt das Finanzamt die erforderlichen Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung als Sonderausgaben an.

Nachteil gegenüber dem Werbungskosten-Abzug: Beim Sonderausgaben-Abzug gilt ein jährlicher Höchstbetrag von 6.000 Euro. Rechtsgrundlage ist § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG.

Lebensführung ist Privatsache

Zurück zu den Werbungskosten: Ausgaben für die private Lebensführung werden von den Finanzbehörden generell nicht anerkannt – ganz gleich, ob es sich beim Steuerpflichtigen um Unternehmer oder Arbeitnehmer handelt. Als Kosten der Lebenführung gelten insbesondere Ausgaben für Ernährung, Kleidung, Wohnung sowie „Repräsentationsaufwendungen“. Schwierig und strittig wird es dabei immer dann, wenn sich die private und berufliche oder geschäftliche Sphäre nicht oder nicht eindeutig trennen lassen – das gilt zum Beispiel für

  • die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers,
  • Bewirtungen und Reisekosten, die sowohl beruflich als auch privat veranlasst sind,
  • Fortbildungen, bei denen ein beruflicher Bezug nicht erkennbar ist (wie der VHS-Gitarrenkurs eines Bilanzbuchhalters),
  • Berufskleidung, die auch privat getragen werden kann (wie der Frack eines Kellners) oder auch
  • die Anschaffung von Lektüre, bei der es sich nicht eindeutig um Fachliteratur handelt (wie bei Tages- oder Wochenzeitungen).

Immerhin: Das einst strikte Aufteilungsverbot gemischt veranlasster Betriebsausgaben und Werbungskosten wurde in den letzten Jahren durch die Finanzgerichte mehrfach aufgeweicht. In der aktuellen Einkommensteuer-Richtlinie heißt es: „Sind die Aufwendungen nur zum Teil beruflich veranlasst und lässt sich dieser Teil der Aufwendungen nach objektiven Merkmalen leicht und einwandfrei von den Aufwendungen trennen, die ganz oder teilweise der privaten Lebensführung dienen, so ist dieser Teil der Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar; er kann ggf. geschätzt werden.“

So können zum Beispiel gemischt veranlasste Reisekosten entsprechend der jeweiligen Zeitanteile aufgeteilt werden – vorausgesetzt, die tatsächlichen zeitlichen Anteile können plausibel und glaubhaft gemacht werden. Auch beim häuslichen Arbeitszimmer gibt es erste Anzeichen, dass Finanzgerichte die Aufteilung der Raumkosten einzelner Räume nach beruflichem und privatem Nutzungsanteil tolerieren.

Werbungskosten-Essentials

Bevor wir in Teil 2 unserer Werbungskosten-Reihe (erscheint demnächst in der Knowledge Base) einen Blick auf die einzelnen Ausgabenarten werfen, noch ein paar allgemeine Hinweise:

  • Bei den Werbungskosten kommt es auf den Zeitpunkt der Zahlung an: Das Zu- und Abflussprinzip bei der Einkommensteuer ist in § 11 EStG geregelt: Demnach sind „Ausgaben […] für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind.“
  • Wenn Sie im Jahr 2017 Teilnehmergebühren für eine Fortbildung im Jahr 2018 bezahlen, gehört die Ausgabe zu den Werbungskosten des Jahres 2017!
  • Erstattungen oder Zuschüsse zu Ihren Werbungskosten (etwa durch den Arbeitgeber) müssen Sie dem Finanzamt mitteilen. Berücksichtigt werden solche Einnahmen ebenfalls im Jahr der Zahlung (= Zuflusses).
  • Wenn Sie nicht sicher sind, ob eine bestimmte Ausgabe als Werbungskosten oder sonstige Steuerminderung anerkannt wird, versuchen Sie es ruhig: Nachteile drohen Ihnen nicht. Im ungünstigsten Fall wird die Ausgabe nicht anerkannt. Und selbst dann können Sie noch versuchen, per Widerspruch doch zu Ihrem Recht zu kommen. Dafür haben Sie vier Wochen lang nach Erhalt des Steuerbescheids Zeit.
  • Gedanken über die Werbungskosten-Feinheiten brauchen Sie sich erst dann zu machen, wenn Ihnen pro Jahr Kosten von mehr als 1.000 Euro entstehen. So hoch ist die Werbungskosten-Pauschale, die das Finanzamt bei der Steuerberechnung von Arbeitnehmern pro Person einmal pro Jahr automatisch berücksichtigt.

Doch Vorsicht: Bequemlichkeit wird bestraft! 1.000 Euro mag auf den ersten Blick ein stattlicher Betrag sein. Sie sollten trotzdem nicht von vornherein darauf verzichten, Belege für Ihre beruflich veranlassten Ausgaben zu sammeln. Bereits durch die Fahrten zur Arbeit, Reisekosten, Verpflegungsmehraufwendungen sowie einige Teilpauschalen (z. B. für Arbeitsmittel und Kontoführungsgebühren) kommt aufs Jahr gesehen schnell ein deutlich höherer Abzug zustande!

Bei weiteren Fragen rund um das Thema Einkommensteuererklärung wenden Sie sich am besten an Ihren Steuerberater. Alternativ können Sie auch die vergleichsweise günstigen Leistungen eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen. Hinweise auf Vereine in Ihrer Nähe bekommen Sie zum Beispiel beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. und beim Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.

Lesermeinungen zum Artikel

Es wurden noch keine Bewertung abgegeben.

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.

Ähnliche Artikel