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Aufreger im Projekt: Es menschelt überall

18.01.2018
GULP Redaktion – Monika Riedl
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Was sind die großen und kleinen Aufreger im Projektalltag? Wir wollten es genau wissen und befragten dazu die Leser unserer Knowledge Base. Die Umfrageergebnisse liegen nun vor: Insgesamt 99 Teilnehmer gaben uns Einblick in ihre Erfahrungen, mit manchmal mehr, manchmal weniger überraschenden Ergebnissen. Mit dabei war auch die eine oder andere Anekdote, die uns zum Stauen aber auch zum Schmunzeln brachte.

Wo drückt der Schuh?

Die Umfrageteilnehmer schilderten uns in der ersten Frage die Punkte, die sie im Projektalltag am meisten nerven. Das geringste Konfliktpotenzial sehen die Freelancer demnach bei dem relativ objektiven Aspekt „Vertrag und Finanzielles“, auf den sich 8,7 Prozent der Antworten bezogen. Genannt wurden hier meist Themen wie die Zahlungsmoral der Unternehmen oder einseitige Vertragsinhalte zugunsten der Projektanbieter.

Eine meist mangelnde oder verwirrende Kommunikation wurde bei 10,9 Prozent aller Antworten moniert. Dazu zählt auch, wenn die Einarbeitung unzureichend ist oder Informationen fehlen. Fast gleichauf damit liegt der Punkt „Firmenpolitik“. 10,9 Prozent der Antworten drehten sich um interne politische „Spielchen“, Umstrukturierungen nach Projektstart, lange Entscheidungswege bzw. gar keine Entscheidungen oder eine mangelnde Offenheit gegenüber Veränderungen.

Um Rahmenbedingungen wie veraltete Hardware, Software, fehlende Infrastruktur oder den Beauftragungsprozess an sich ging es in 12 Prozent der genannten Aufreger. Ein eher mit einem Augenzwinkern zu verstehendes Beispiel in dieser Kategorie war die Antwort „kein Kaffee“ – wo doch allseits bekannt ist, dass dieser nicht nur in der IT- und Engineering-Branche ein elementarer Treibstoff ist, der nicht fehlen darf.

Mit 12,0 Prozent der Nennungen läutet der Punkt „Projektmanagement“ die Top Drei der größten Aufreger ein: fehlende, bzw. unklare Zuständigkeiten, mangelnde Planung oder generell unübersichtliche Strukturen, sind nur ein paar Beispiele dafür. Auf Platz zwei steht der Punkt „Projektinhalte/-ziele“ mit 16,4 Prozent aller Antworten. Oft wurden hier unrealistische Erwartungen oder Deadlines genannt. Auch fehlende, unklar formulierte oder im Nachhinein veränderte Ziele fallen in diese Kategorie.

Faktor Mensch ist Aufreger Nummer eins

Die meisten Antworten bezogen sich jedoch mit Abstand auf menschliche Faktoren. Jeder vierte Aufreger (26,9 Prozent) lässt sich darunter kategorisieren. Oft kritisiert wurden beispielsweise Gegenwind von den internen Kollegen, persönliche Anfeindungen aus Neid oder Missgunst sowie mangelnde Skills von Führungspersonen und Projektmitgliedern. Auch von häufig vorherrschenden Meinungen der internen Unternehmensmitarbeiter, man sei „nur“ der externe Kollege, bis hin zur Diskriminierung wurde berichtet.

So verwundert es nicht, dass sich jeder zweite Umfrageteilnehmer (47,8 Prozent) am meisten über interne Kollegen aufregt. Die Projektleitung bzw. das Projektmanagement folgen im Personenranking (40,2 Prozent). Den dritten Platz teilen sich mit 28,3 Prozent der direkte Auftraggeber und die Abteilung für Personalbeschaffung/Einkauf. (Mehrfachnennungen waren möglich)

Fazit

Die geschilderten Aufreger zeigen deutlich, wo es bei der Zusammenarbeit zwischen Freelancern und Auftragsunternehmen hakt. Die gute Nachricht: Meist sind die Lösungen kein Hexenwerk und die Probleme nicht unüberwindbar. Viele Hürden und Fragen können bereits bei der Freelancer-Beauftragung und den ersten Tagen im Projekt beseitigt oder geklärt werden:

  • Anforderungen an Skills, Know-how und zwischenmenschlichen Fähigkeiten klar formulieren.
  • Eindeutig definierte Inhalte und Ziele des Projekts festlegen.
  • Im Projektvertrag wichtige Rahmenbedingungen wie Vor-Ort- oder Remote-Arbeit, den Umgang mit Fahrtkosten und Spesen und vor allem auch das Honorar definieren sowie technische Details im Vorfeld klären.
  • Interne Mitarbeiter frühzeitig informieren sowie Aufgaben und Kompetenzen klar abstecken.
  • Für einen klaren Ansprechpartner sorgen, der bei der Einarbeitung zur Verfügung steht und Informationen bereit stellt.

Wer als Freelancer ein böses Erwachen vermeiden will, kann sich die Punkte oben als „Frageliste“ beim Durchgehen der Projektausschreibung und den Vertragsverhandlungen zurechtlegen. So kommen alle wichtigen Punkte bereits im Vorfeld auf den Tisch.

Weitere Tipps für beauftragende Unternehmen haben wir in einer Infografik sowie einem Whitepaper zusammengestellt.

Die besten Anekdoten zum Schluss

In der Umfrage hakten wir auch ganz konkret nach: Welche Begebenheiten (positiv wie auch negativ) blieben Ihnen in Ihrer bisherigen Freelancer-Tätigkeit besonders im Gedächtnis? Uns erreichte hier eine Menge an kurzen Berichten, die uns zum Schmunzeln und Staunen brachten. Die Highlights haben wir hier zusammengestellt.

Der Freelancer – nur notwendiges Übel?

„Wir wollen keine Externe – brauchen sie aber.“

Wenn auffliegt, dass man doch nicht Gedankenlesen kann:

„Wenn Sie nicht wissen, was wir wollen – um Himmels willen, wer denn dann?“

Manchmal trauen sich sogar Freelancer, Feierabend oder Wochenende zu machen:

„Die Meinung, Externe könnten 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche arbeiten.“

Oft hilft aber auch der nüchterne Blick von außen, um lösungsorientiert zu handeln:

„Ein Positiv-Beispiel: Kleines Projekt zur Datenumwandlung, mit einer harten Deadline aus rechtlichen Gründen. Der interne Projektmanager war ausgefallen, hatte davor auch vor der Menge einfach kapituliert, man war schon hinter dem Zeitplan. Ich habe im ersten Meeting einfach kurz laut ausgerechnet, wie viele Projekttage wir brauchen und wie viele intern überhaupt abgedeckt werden können. Nachdem der Schockmoment bei der Abteilungsleiterin vorbei war, war der Weg frei, eine externe Firma zu beauftragen. Die Kosten wurden zwar etwas höher, aber blieben insgesamt noch im Rahmen. Es hat einfach nur der nüchterne Blick von außen gefehlt.“

Manchmal müssen Freelancer eben Wunder vollbringen:

„Was ich Ihnen letzten Monat noch sagen wollte: Nächste Woche ist Messe. Schaffen wir bis dahin einen Homepage-Relaunch?“

Und umso schöner ist es, wenn trotz allem Gemeinschaftsgeist herrscht – selbst um halb drei morgens:

„Pizza essen nachts um 2:30 Uhr im Büro mit allen.“

Lesermeinungen zum Artikel

4,8 von 5 Sternen | Insgesamt 4 Bewertungen und 2 Kommentare

  • Marc van der Meer am 19.01.2018 um 13.54 Uhr

    das Ergebnis ist erschreckend. Mehr Menschlichkeit ist gefordert im Unternehmen. Dafür sollten zuerst die Ursachen bekämpft werden bzw. bei manchen das moralische Bewusstsein wieder gefördert werden.

  • Mangelende Projektleitung kann ich bestätigen

    Klaus Wiedenmann am 19.01.2018 um 12.05 Uhr

    Habe einige der Aussagen schon selbst erlebt. Tatsächlich gibt es aber Unternehmen, wo man als Externer Narrenfreiheit hat, bzw. man darf sagen, was man will. Die Leute hören tatsächlich auf einen. Vielleicht weil man wirklich extern einen anderen Blick auf die Sache hat. Ich habe schon wirklich zu Meetings gesagt, dass der Termin und die Inhalte "Bullshit" sind, weil diese total überzogen waren. Ich dachte eigentlich, dass ich meine Sachen packen könnte und gehen könnte. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Die Leute hatten sehr viel Respekt vor mir und haben tatsächlich einiges überdacht. Aber ich hatte schon Projekte, wo Faktor Mensch und Projektleitung mangelhaft waren und Menschen wie Sklaven gehalten wurden. Wo die Internen einen einfach stehen lassen, weil sie keine Lust und keine Zeit haben und schon Augenränder haben und total überarbeitet waren. Meist erlebe ich in diesen Unternehmen eine hohe Personalfluktuation. Es gibt Unternehmen, die wirklich Menschen wie Vieh behandeln. Ein Einflussfaktor dafür könnte tatsächlich Zeit- und Geldmangel sein. Es werden immer Leistungen für weniger Geld abgerufen. Es ist aber überall so. Auch im Supermarkt, wo die Kasserierin nicht nur an der Kasse sein muss, sondern noch nebenbei die Regale auffüllen muss und vielleicht noch die nächste Bestellung organisieren muss.

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