a Randstad company
Login
© Adobe Stock / Paco

Schwarz auf Weiß: Lage von IT-Solo-Selbstständigen alles andere als prekär

21.02.2018
GULP Redaktion – Monika Riedl
Artikel teilen:

Zur Selbstständigkeit gezwungen, am Existenzminimum lebend und von Altersvorsorge kann nicht die Rede sein – so wird die Situation von Solo-Selbstständigen vielerorts dargestellt. Auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD finden sich immer wieder Bruchstücke davon, woraus die Pläne resultieren, eine allgemeine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige einzuführen. Doch dass man nicht alle Solo-Selbstständigen über einen Kamm scheren sollte, das zeigt eine neue Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Allianz für selbstständige Wissensarbeit (ADESW). Dazu wurden über 1.500 Solo-Selbstständige im IT-Bereich zu ihrer Einkommenssituation und Altersvorsorge befragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Lage der freiberuflichen IT-Experten alles andere als prekär ist und es notwendig ist, bei politischen Vorstößen zur Stärkung der Selbstständigkeit mehr zu differenzieren.

Einkommenssituation: überdurchschnittlich

Von Hungerlöhnen scheint in der IT-Freelancer-Branche kaum die Rede zu sein, denn immerhin sind 95 Prozent der befragten mit ihrem Einkommen sehr oder eher zufrieden. Fast 4.700 Euro netto durchschnittlich verdienen die befragten Solo-Selbstständigen monatlich und zwar schon nach Abzug von Steuern, Krankenversicherung und Betriebsausgaben. Laut statistischem Bundesamt lag das Brutto-Monatsgehalt von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern 2016 bei 3.703 Euro – wohlgemerkt Brutto, also noch vor Abzug von Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen. Jeder Zehnte freiberufliche Experte hat sogar ein durchschnittliches Nettoeinkommen von mehr als 8.000 Euro. Nur knapp jeder Achte solo-selbstständige IT-Spezialist kommt auf ein monatliches Einkommen von weniger als 2.000 Euro. Unterm Strich schätzen 87 Prozent ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut ein. Ähnlich positiv wie die Gegenwart sehen die Freelancer auch ihre berufliche Zukunft: Die Hälfte der Befragten rechnet mit einer guten, 39 Prozent sogar mit einer sehr guten Auftragslage.

Die Mär von der schlechten Altersvorsorge

2016 sorgte der Forschungsbericht „Solo-Selbstständige in Deutschland – Strukturen und Erwerbsverläufe“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter den IT-Experten und Interessensverbänden für Furore. Dessen Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Solo-Selbstständigen hätten nicht ausreichend für das Alter vorgesorgt. Doch die Erhebung berücksichtigte nur einen geringen Teil der vielfältigen Arten für das Alter vorzusorgen, sodass der Autor des Forschungsberichts mit einer nachträglichen Korrektur klar stellte, dass die Analyse ein „lückenhaftes Bild“ abgegeben hätte.

Die Allensbach-Studie berücksichtigt dagegen vielfältige Arten der Altersvorsorge und kommt zum Schluss: Die Vorsorge der IT-Freelancer ist gut ausgestaltet. Das sehen die Experten selbst ebenso: Die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass sie sich im Alter keinerlei finanzielle Sorgen machen muss. 41 Prozent glauben, dass sie mit ihrem Geld im Alter auskommen werden, jedoch sparsamer leben müssen. Lediglich ein Zehntel der IT-Selbstständigen rechnet damit, dass im Alter das Geld knapp wird.

Die Ausgestaltung der Altersvorsorge ist dabei eine gute Mischung aus gesetzlicher und privater Altersvorsorge sowie Privatvermögen: Über 80 Prozent der Freelancer haben vor ihrer Selbstständigkeit bereits Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung erworben, durchschnittlich in Höhe von aktuell 672 Euro pro Monat. Denn fast alle Experten (95 Prozent) waren vor ihrer selbstständigen Tätigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt, im Durchschnitt rund 11 Jahre. 13 Prozent zahlen zudem freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse ein (durchschnittlich 433 EUR pro Monat). Hinzu kommt ein Mix aus privaten Vorsorgemodellen wie der Rürup-Rente (von 31 Prozent der Selbstständigen genutzt), der Riester-Rente (16 Prozent) und weiteren privaten Rentenversicherungen (38 Prozent). Zudem besitzen rund 17 Prozent der Befragten Leistungsansprüche aus einer betrieblichen Altersvorsorge, die vermutlich aus der Zeit vor der Selbstständigkeit stammt.

Als weitere Säulen der Altersvorsorge kommen Kapitalanlagen beziehungsweise Vermögenswerte hinzu. Mehr als jeder Zweite besitzt Wertpapiere und jeweils knapp 40 Prozent eine Kapitallebensversicherung und Sparguthaben. Immobilien besitzen sogar zwei Drittel der Solo-Selbständigen.

Zusammengefasst zeigt sich deutlich, dass die Solo-Selbstständigen sich durchaus für das Alter abgesichert haben – bereits ohne gesetzliche Pflichtvorgaben:

  • 15 Prozent haben bereits Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung von 1.000 Euro oder mehr erworben, 5 Prozent zahlen freiwillig monatlich 500 Euro oder mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein.
  • 60 Prozent nutzen ein privates Altersvorsorgeinstrument, sei es eine Rürup-, eine Riester- oder eine andere private Rentenversicherung.
  • 53 Prozent besitzen eine von ihnen selbst genutzte Immobilie (bei gleichzeitig positivem Netto-Gesamtvermögen).
  • 22 Prozent verfügen über ein Netto-Gesamtvermögen von 500.000 Euro oder mehr.

Mehr Differenzierung vom Gesetzgeber gefordert

Im Gegensatz zu anderen Branchen wie Berufskraftfahrer oder in der Gastronomie bedeutet Solo-Selbstständigkeit im IT-Sektor also nicht das Leben am Existenzminimum und eine drohende Altersarmut. Der Schritt in die Selbstständigkeit war nur selten – bei 11 Prozent – der Befragten eine Notlösung, sondern geschah mehrheitlich aus dem Wunsch nach Eigenständigkeit und interessanten Aufgaben sowie aufgrund der Erwartung hoher Einkommen. Dieses Ergebnis unterstreicht die Ergebnisse der GULP Freelancer Studie, laut der 95,4 Prozent Freelancer aus Überzeugung sind.

Carlos Frischmuth, Vorstandsvorsitzender des ADESW, plädiert daher, die Diskussion um die Absicherung von Freiberuflern, differenzierter zu führen: „Zur Bekämpfung von Altersarmut sollten sich die Entscheidungsträger im Bundestag auf den Anteil der Freiberufler konzentrieren, denen diese Armut tatsächlich droht: Den Geringqualifizierten, deren Selbständigkeit offensichtlich aus der Not geboren ist. Für die hochqualifizierten Solo-Selbständigen ist diese Diskussion obsolet. Allerdings leiden viele von ihnen aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen unter Planungs- und Rechtsunsicherheit. Hier besteht mit Blick auf das bürokratische und nicht mehr zeitgemäße Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung dringend Handlungs- und Modernisierungsbedarf. “

Zitate aus Politik, Verbänden und von Freelancern zur Erhebung, die wichtigsten Ergebnisse sowie die komplette Studie finden Sie auf www.freelancer-studie.de.

Lesermeinungen zum Artikel

4,9 von 5 Sternen | Insgesamt 7 Bewertungen und 8 Kommentare

  • Petition

    Softwareingenieur am 26.02.2018 um 17.21 Uhr

    Das sehe ich auch so:
    "Sehr gut zusammengefasster Artikel. Ob sich das allerdings auch bis zum Gesetzgeber herumspricht, sei mal dahingestellt. "

    Es wäre vielleicht schön, wenn von so geeigneter Stelle wie GULP ein Schreiben aufgesetzt werden könnt, das jeder dann an seine Bundestagsabgeordnete / n schicken könnte.
    Wäre ein weiterer Super Service von GLUP.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Liebe/-r Leser/-in,

    vielen Dank für Ihr Lob und die Anregung. Wir werden diese an den ADESW weitergeben, der die Studie auch im politischen Berlin bekannt machen wird. Natürlich halten wir Sie hier auf dem Laufenden, egal ob über Reaktionen seitens der Politik oder möglicher Aktionen.

    Ihre Knowledge Base Redaktion

  • Bei Solo-Selbständigen ohne Altersvorsorge ist nichts zu holen

    Dr. Markus Gerle am 24.02.2018 um 12.57 Uhr

    Tja, auch mir würde man trotz Solo-Selbständigkeit wohl kaum abnehmen, am Existenzminimum zu leben und nicht fürs Alter vorzusorgen. Von den im Artikel genannten Altersvorsorgemaßnahmen habe ich alles. Und wenn ich mir meine Kollegen im SAP-Bereich so ansehe, geht es denen auch nicht schlechter. Warum also wurden von A. Nahles im Rahmen der Scheinselbständigkeitskampagne vor allem gut verdienende Freiberufler im IT-Bereich angegangen? Nun, es ging A. Nahles keineswegs darum, Altersarmut vorzubeugen. Nein, die Dame wollte an unser Geld, um die maroden Rentenkassen zu entlasten. An diesen Laden habe ich auch insges. 122 TEUR gezahlt und frage mich, ob die Chance besteht, das Geld irgendwann mal wieder zu sehen. Bei den wirklich von Altersarmut bedrohten Selbständigen ist nun einmal nichts zu holen. Wenn man dies berücksichtigt, wird das Verhalten von A. Nahles und der SPD sofort klar. Zusätzlich sollte man berücksichtigen, dass bei ideologisch verblendeten SPD-lern im Wort "Freiberufler" bereits die erste Silbe des Wortes eine Zumutung ist. Nach der Ideologie der SPD sollte jeder Bürger ein vom Staat abhängiges Wesen sein. Leute, die eigenverantwortlich und womöglich noch gut situiert durchs Leben gehen, sind der SPD ein Graus. Diese Leute wählen normalerweise ja auch nicht diese Partei. Wenn man dies auch berücksichtigt, erkennt man schnell, dass eine sachliche Diskussion über das Thema zwecklos ist.

  • Danke!

    Marcus D. am 23.02.2018 um 20.12 Uhr

    Vielen Dank für diesen Artikel! Ich frage mich, warum 1. eine differenzierte Betrachtung so schwer zu erstellen ist und 2. so schwer an den Mann zu bringen ist. Für das Erste braucht man nicht viel Intelligenz, ich denke Abitur reicht aus, und für das Zweite nur das richtige Medium. Warum die Zielgruppe der Politiker so schwer zu erreichen ist, darüber will ich mich hier nicht auslassen. Mein Wunsch: bringt diese und mehr solche Studien unters Volk, dann wir es für uns auch einfacher. Ich finde mich in der Studie gleich in mehreren Kategorien wieder. Schön zu hören, dass es auch andere richtig gemacht haben. Richtige Ausbildung, relevante Berufserfahrung und ein wenig Arsch in der Hose sind auch im IT-Bereichs gefragt, gut bezahlt und führen bei richtiger Planung zum gewissen etwas mehr...‎

  • Ab ins Ausland

    Rainer_F am 23.02.2018 um 14.51 Uhr

    Ich habe mich bisher mit meiner 1-Mann Gmbh konstruktiv gegen den Unsinn gewehrt. Auch das ist jetzt nicht mehr rechtssicher (AÜG Reform). Warum haben wir eigentlich keine Lobby? Rechtsanwälte, Ärzte, Journalisten... alle wehren sich erfolgreich gegen die Gängelung.
    Jedenfalls habe ich die Nase jetzt voll von Deutschlands Selbständigenfeindlichkeit und verlege den Sitz meiner GmbH ins Ausland. Dann zahle ich hier weiter EkSt, aber eben keine KöSt und USt mehr.

  • Keine "Angst" mehr

    Leuchuk am 23.02.2018 um 12.27 Uhr

    Sehr gut zusammengefasster Artikel. Ob sich das allerdings auch bis zum Gesetzgeber herumspricht, sei mal dahingestellt.
    Mir war das Kasperltheater, weshalb diese Diskussion geführt wurde, zu viel und daher bin ich ausgewandert. Hier wohne ich deutlich billiger, meine Frau in Ihrem Heimatland, meine Firma zahlt viel weniger Steuern und das macht den etwas reduzierten Stundensatz deutlich wett. Für mich eine dreifache win-Situation. Das hätte nicht so weit kommen müssen, aber standhafte Realitätsverweigerung seitens der Politik führt zu solchen Ergebnissen.

  • Vielleicht auf sich selbs geschaut?

    Anonymer Knowledge Base Leser am 23.02.2018 um 10.34 Uhr

    Evtl. hat der Bundestag bei seiner Meinungsbildung eher auf die freiberuflichen IT-ler geschult die tatsächlich als Auftraggeber den Bund, das Land oder eine der Firmen haben die direkt für eine Behörde arbeiten. Da ist es nämlich nicht ganz so gut. Vorsichtig formuliert.
    z.B. hat die Bundesagentur für Arbeit keinerlei Probleme mit "Scheinselbständigkeit" im Bereich IT Aus- und Weiterbildung weil ja die Freelancer bei deren "Auftragnehmern" höchstens 30 Std. arbeiten dürfen. Damit haben die ja Zeit einen zweiten Auftrag anzunehmen. Dass das speziell in diesem Sektor die Stundensätze nicht oder nur marginal verhandelbar sind und sich seit 1999 in ihrem Betrag nicht wirklich geändert haben - derzeit bei +/- 22 € damals bei +/- 50 DM - interessiert nicht. Auch das die Uni Freiburg bereits 2001 angemahnt hat, das Dozenten hier in die "Armut" getrieben werden ist nicht von Interesse.
    Wenn man solches betrachtet, dann muss man sich Sorgen machen. Ein Freelancer der angemessen bezahlt wird, so wie das in der Wirtschaft normal ist, der hat keine "Angst" vor dem Alter, denn er kann hinreichend vorsorgen.

  • Volle Zustimmung ...

    seidel am 23.02.2018 um 10.25 Uhr

    ... zum Artikel und dem ersten Kommentar.
    Regelungen bittte nur da, wo sie nötig sind.
    Abbau von Bürokratie, insbesondere Klarheit und Vereinfachung in der Scheinselbständigkeits-Thematik wären ein Segen.

  • Auf den Punkt.

    Ben_G am 23.02.2018 um 09.03 Uhr

    Super Artikel, Danke.
    Exakt so ist es bei mir und befreundeten Freelancern aus dem IT-Umfeld auch.
    Nur die Politik sorgt für Unsicherheit und Alterszeit-Ängste.

    Habe gerade ein grandioses Projekt verloren (95% Remote-Arbeit, überdurchschnittlicher Stundensatz) weil der Kunde Angst vor Strafen wegen der Scheinselbstständigkeit-Thematik hat.

    Den Artikel bitte als Petition umgestalten, unterschreibe ich sofort. ;)


Weitere Kommentare anzeigen

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.

Ähnliche Artikel