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Mensch oder Projekt? Homo Agilis

Das Thema der GULP ProMaDays 2018

24.05.2018
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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Mittlerweile hat auch der letzte Verfechter der klassischen Projektmanagement Methoden Notiz von agilen Arbeitsweisen genommen oder viel wahrscheinlicher noch: hat bereits in einem agilen Projekt gearbeitet und seine Erfahrungen gemacht.

Lean, Scrum, Kanban und Sprints – die Gefahr der Verkünstelung

Wann ist der Hype vorbei? Das mögen einige entnervt sagen, denn auch agile Projekte können scheitern. Glaubt man dem Chaos Report der Standish Group aus dem Jahr 2014, so waren gerade einmal 9 Prozent aller begonnenen Projekte von großen Unternehmen in den USA erfolgreich. Gut, 2014 ist eine kleine Weile her und der Schnitt sieht nach vier Jahren möglicherweise besser aus. Es werden heute dennoch viele Expertenstimmen laut, dass bei allen Vorteilen, die die Agilität bringt, die Gefahr einer Verkünstelung droht. So hat auch Dave Thomas, einer der Mitbegründer des Agilen Manifests schon vor einigen Jahren auf diese Gefahr hingewiesen als er vom „Tod von Agile“ sprach. Gemeint ist die Agile-Industrie, die sich der Gunst der Stunde angeschlossen hat mit Zertifikaten, heilsversprechenden Tools und oberflächlichen Wochenend-Crashkursen.

Agiles Arbeiten mit agilen Menschen

Zu Recht schrieb Thomas daher: „Agile is an attitude“ – eine menschliche Eigenschaft! Im Mittelpunkt steht also nicht die agile Arbeitsweise, sondern der Homo Agilis – der agile Mensch. Es sind seine Werte, die eine Veränderung bewirken, seine erhöhte Kommunikationsbereitschaft, Offenheit und Selbstreflektion, die agiles Arbeiten überhaupt möglich machen. Diese soften Skills sind im Grunde genommen nicht messbar und auch nicht planbar. Bei Agilität geht es um das Verstehen des Menschen mit seinen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen.

Homo Agilis und die Planung von Projekten

An der Stelle wäre es keinem Management der Welt zu verdenken, wenn es die Flinte kurz mal ins Korn werfen will. Denn im Zeitalter der Digitalisierung sind doch schon die Projekte selbst komplex! Jetzt sollen Planer auch noch Psychologen sein? Gibt es denn keine Faustregel, kein Allheilmittel, wie man perfekte und vor allem erfolgreiche agile Projekt-Teams zusammenstellt? Die Antwort lautet: Finde den Homo Agilis. Und ja, Menschenkenntnis ist an der Stelle enorm wichtig. Für das Management lautet das Rezept, finde einen Homo Agilis, der Seinesgleichen finden soll. Schlüsselbegriff ist die Kooperationsbereitschaft. Dabei geht man der Frage nach, wie stark  ein Mensch bereit ist, zugunsten eines höheren Ziels zu kooperieren. Wie anpassungsfähig ist er, wie sehr motiviert ihn ein gemeinsamer Erfolg, wie stark ist er in der Kommunikation, wie spielerisch geht er mit Aufgaben um und wie agiert er, wenn er Fehler begeht. Dies sind nur einige Fragen auf der Suche nach dem Homo Agilis, die es zu beantworten gilt. Es sind jedoch auch Fragen, die sich ein Unternehmen selbst stellen muss, wenn es in der agilen Welt ankommen will, denn dafür bedarf es entsprechenden Strukturen der Zusammenarbeit, die nicht isoliert in einem einzelnen Projekt abbildbar sind.

Und letztendlich geht es auch um die Frage, wie den Mitarbeitern ermöglicht wird, die neuen Werte zu verstehen, auf denen die neuen Methoden basieren.

Agilität ist also mit einem Kulturwandel verbunden.

Und ja, die Umsetzung ist komplex – aber durchaus lohnenswert.

Homo Agilis auf den GULP ProMaDays

Wollen Sie dem Homo Agilis begegnen? Oder herausfinden, wie man ihn in seinen Mitarbeitern findet und aktiviert? Wollen Sie gerne wissen, worauf es bei agilen Projekten noch ankommt und sich zu Ihren eigenen Erfahrungen und Gedanken mit anderen Experten austauschen? Wir laden Sie herzlich dazu ein, der Agilität ein Stückchen näher zu kommen. Besuchen Sie uns auf den GULP ProMaDays vom 14.6. bis 15.6.2018 in Hamburg. Hier geht es zur Agenda.

Lesermeinungen zum Artikel

4,5 von 5 Sternen | Insgesamt 6 Bewertungen und 3 Kommentare

  • Ich kanns nicht mehr "hören"...

    Helmut M. Oberlander am 30.05.2018 um 19.36 Uhr

    Agil im Sinne geistiger Beweglichkeit oder Regsamkeit ist herkömmlich eine Beschreibung für Menschen, die sich für ihre Umwelt interessieren oder noch (ältere Menschen) aktiv am Leben teilnehmen. Manchmal geschäftlich verwendet im Sinne von leicht zu führen, also kein Widerstand.
    Positiv verstanden: Leicht in der Lage, auf neue Anforderungen rasch zu reagieren. Leider wurde zum x-fach wiederholten Mal (in meinem Berufsleben jedenfalls) aus einem neutralen Begriff ein vermeintlich neues System gemacht.
    Marketing, wie ich es im Sinne nachhaltiger Unternehmensführung nicht verstanden haben möchte: Als neue Hülle, die beliebig gefüllt und verwendet werden und (vor allem in Seminaren und Coachings) prima verkauft werden kann.

    Zu gutem Projektmanagement gehörte schon immer Anpassungsfähigkeit. Grundsätzlich können sowohl Software- als auch systemtechnische oder Bauprojekte nach gleichen Grundsätzen aufgebaut und geführt werden. Die Grenzen existieren nur in Köpfen oder hierarchisch stark strukturierten Unternehmen, wie das klassische Wort von der Ab-teilung schon sagt. Für wenig Hierarchie und Offenheit der Informationsflüsse muss deshalb aktiv gesorgt werden, Kommunikation und Motivation waren immer schon bedeutsame Einflussgrößen.
    Aber es benötigt schon ein paar Strukturelemente. Einige Vereinbarungen müssen zu Beginn vorliegen oder getroffen werden. Ein gemeinsames Verständnis über die notwendigen Inhalte, die benötigten Ressourcen, die Timeline und das verfügbare Budget sind nicht nur wünschenswert oder ergeben sich irgendwann von selbst aus den Prozessen. Das ist der Grund, weshalb weit über 50% aller Projekte mehr oder weniger scheitern. Großprojekte im Baubereich hoch oder tief scheitern immer noch zu 20-30% und liegen etwa 80% über Budget, wenn schließlich ein akzeptables inhaltliches Ergebnis erreicht wird, wenn auch nicht unbedingt das ursprünglich beabsichtigte... Es genügt nicht, mit "scrum" (wer das eingeführt hat, hat vermutlich weder selbst Rugby gespielt noch Großprojekte verantwortet) alle kompetenten Menschen bei Laune zu halten. Das notwendige Level an Information ergibt sich nicht aus dem Gedränge, in das man das Spielgerät wirft. Es braucht einen gemeinsamen Anspruch auf die angestrebte Qualität, wie Arbeitspakete definiert und bearbeitet werden, eine Vorstellung vernetzter Abhängigkeiten. Wer braucht welchen Input von wem zu welcher Zeit? Was mache ich, wenn's trotzdem hakt? Wie immer Sie die einzelnen Abschnitte eines Projektes heute nennen wollen, jede Phase benötigt ihre eigenen Werkzeuge. Diesen Werkzeugkasten gilt es flexibel einzusetzen, Werkzeuge (wie Methode) zu schärfen oder zu erneuern oder situativ anzupassen. Es werden konkrete, definierte Zwischenergebnisse benötigt, die allen kommuniziert werden müssen, sie benötigen offene, vertrauensvolle Kommunikation unter den Teilnehmenden genau wie ein begleitendes Controlling und Monitoring. Projektverantwortliche müssen jederzeit wissen, wo sie mit ihren inhaltlichen Fortschritten, den Finanzen und dem Personal stehen. Wie immer sie das nennen - so lange sie das erreichen können sie auch nach der Pfefferminzmethode vorgehen. Agility kannte ich übrigens bis vor einigen Jahren nur als "Dog Agility" - als Training und Wettkampf für Hunde (ich lade gerne ein schönes Bild dazu hoch). Heute werden Menschen durch die Parcours gescheucht...

  • Mensch vs. Scrum

    Klaus Wiedenmann am 25.05.2018 um 13.50 Uhr

    Genialer Artikel und echt passend. Ich bin normalerweise schon jemand der gerne agil arbeitet und kommunikativ ist. Aber ich bin auch recht einfach gestrickt. Im Moment gehen mir die ganzen Bezeichnungen auf den Keks. ich empfinde die mittlwerweile als Reizwörter und bin froh, wenn ein Unternehmen nicht danach arbeitet und sagt: "Wir sind da nicht so strukturiert". Doch das sind die. Denn sie gehen mit gesunden Menschenverstand an die Sache und wählen eine Iterative Vorgesehensweise. Bzw. sie prüfen erst mal die Machbarkeit für ihr Vorhaben bevor sie richtig loslegen. Scrum geht mir dabei mitlerweile extrem auf die Nerven. Das fängt schon beim Daily an. Es ist so gezwungen und dazu meisst ein overhead an administrativer Arbeit. Der Scrum Master schreibt den ganzen Tag Tickets und dokumentiert irgendwas. So wie früher beim Wasserfall- und V-Modell. Also haben wir immernoch die lästigen Wasserfallmodelle wo Kunde gleich den Endpreis haben will. Ja weil er eben ein fixes Budget hat + die agilen Overhead mit Dailys. Die Kommunikation ist teilweise sehr ungenau und, es traut sich nicht unbedingt dann auch jeder die Wahrheit über unangenehme Themen auszusprechen in einer öffentlichen Runde.

  • Ewald Eder am 25.05.2018 um 04.31 Uhr

    Genauer und treffender kann das Thema nicht getroffen werden. Der homo agilis (schreckliches Wort) ist nicht der Zertifikat-strotzende Übermensch, sondern der situativ handelnde Mensch. Früher waren das die Wesen, die überlebt haben.

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