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GULP Branchencheck: So geht es den einzelnen Branchen in der Corona-Krise
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So hat Corona den Projektmarkt in einzelnen Branchen verändert

Ergebnisse des GULP Branchenchecks

19.02.2021
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Lockdown, Mutationen und die Verfügbarkeit von Impfstoffen – von diesen drei Faktoren hängt ab, wann sich die deutsche Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholt. Derzeit scheint der zeitnahe Wiederaufschwung wohl vorerst abgesagt zu sein. Denn den Lockdown hat die Bundesregierung bis Mitte März verlängert. Die Impfkampagne kommt nicht voran. Und die neuen Mutationen aus Großbritannien und Südafrika haben das Potential, die Infektionskurve innerhalb kürzester Zeit wieder nach oben explodieren zu lassen. 

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sagte im November zwar voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 um 3,7 Prozent wächst. Diese Prognose ist aber nicht mehr haltbar, erklärte Ratsmitglied Professor Lars Feld Anfang Januar. Makulatur sind daher auch Berechnungen zur Entwicklung der Konjunktur in einzelnen Branchen wie sie das Prognos-Institut zu Jahresbeginn veröffentlichte. Danach soll die Automobilindustrie im laufenden Jahr 15 Prozent mehr umsetzen als 2020, Maschinenbauer immerhin sieben Prozent. 

Dass es so nicht zwangsläufig kommen wird, nahm lediglich die Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) unter 43 Branchenverbänden vorweg. Ihr zufolge ist die Stimmung in acht von zehn deutschen Betrieben derzeit schlecht. Insgesamt wollen 23 Branchen Personal abbauen – darunter Automobil- und Chemiekonzerne, Banken sowie Maschinenbauer.

GULP Branchencheck zur aktuellen Auftragslage bei IT-Freelancern

Wie freie IT-Profis und Ingenieure die aktuelle Situation und den Projektmarkt in einzelnen Branchen erleben, zeigt die IW-Erhebung nicht. Das hat GULP zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 im Branchencheck untersucht. An der Umfrage nahmen rund 260 IT- und Engineering-Freelancer aus Deutschland teil. Die Studie zeichnet somit ein aktuelles Bild der Lage auf dem Projektmarkt. 

Sie zeigt auch, dass die Nachfrage deutscher Unternehmen nach der Unterstützung durch externe Fachkräfte im Zuge der Pandemie nicht nachgelassen hat. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren drei von vier Teilnehmenden in einem Projekt tätig. Der vorangegangene Job lag bei fast zwei Drittel der Befragten ohne aktuelles Projekt weniger als ein halbes Jahr zurück. Weitere 23,5 Prozent dieser Freelancer waren für ihr letztes Projekt zuletzt in der ersten Jahreshälfte 2020 tätig.

GULP Branchencheck - drei Viertel der IT- und Engineering-Freelancer sind derzeit im Projekt
GULP Branchencheck - bei zwei Dritteln der IT- und Engineering-Freelancer ist das letzte Projekt weniger als ein halbes Jahr her

Banken, die IT und Versicherungen beschäftigen die meisten Freelancer

Derzeit beschäftigen vor allem Banken und Finanzdienstleister freie IT-Profis. In dieser Branche arbeiten 14,2 Prozent der Umfrageteilnehmer, die aktuell in einem Projekt tätig sind. Ursächlich dafür ist unter anderem die  Zunahme des Onlinehandels in Folge der Corona-Krise sowie des seit November andauernden Lockdowns. Da dadurch der digital  abgewickelte Zahlungsverkehr massiv zunahm, müssen Kreditinstitute und Finanzdienstleister erheblichen Aufwand betreiben, um ihre Zahlungssysteme sicher und funktionsfähig zu erhalten. 

An zweiter Stelle der für IT-Freelancer im Winter 2020/21 bedeutsamen Branchen folgt mit einem Anteil von 12,5 Prozent der aktuellen Projekte die IT, vor der Versicherungswirtschaft. Dort stehen momentan fast zwölf Prozent der Befragten unter Vertrag. 

Die vor Beginn der Corona-Krise für Freiberufler besonders wichtige Automobilindustrie beschäftigt dagegen nur noch 7,4 Prozent der freien IT-Profis und Ingenieure, die Industrie nur noch 6,8 Prozent der Umfrageteilnehmer. 

Gute Chancen für IT-Profis in der Logistik

Genau so groß ist der Anteil der Befragten, die momentan für Spediteure und Logistikdienstleister tätig sind. Das kommt nicht von ungefähr. Auf den internationalen Transportmärkten kamen 2020 Lieferketten zunächst krisenbedingt zum Erliegen. Dann kamen die Warenströme unerwartet schnell wieder in Bewegung. Zugleich kauften immer mehr Deutsche im Internet ein. Da der Weihnachtseinkauf in der Innenstadt ausfiel, legte der Versandhandel allein im Dezember 2020 um 32 Prozent zu, meldet das Statistische Bundesamt. Damit stieg die Zahl der Lieferungen an Privathaushalte sowie die der Rücksendungen, die Logistiker von dort wieder mitnahmen. Um dieses Aufkommen sowie die zunehmende Komplexität auf ihren Märkten in den Griff zu bekommen, digitalisierten Transport- und Logistikdienstleister 2020 verstärkt ihre Prozesse. Gute Zeiten also für Freelancer!

Auftragslage spielt bei Beurteilung einzelner Branchen keine Rolle

Die aktuelle Auftragslage der Freiberufler schlägt sich in ihrer Beurteilung der konjunkturellen Lage in einzelnen Branchen erstaunlicherweise nicht nieder. So beurteilen acht von zehn freien IT-Profis und Ingenieuren die Konjunktur in der Automobilindustrie derzeit als schlecht oder sehr schlecht, obwohl nur in der Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie der IT derzeit mehr Projekte stattfinden als bei den Autobauern.

GULP Branchencheck - das sind die Gewinner-Branchen der Corona-Krise
GULP Branchencheck - das sind die Verlierer-Branchen der Corona-Krise

Auch die Lage in der Logistik beurteilt jeder zweite Freiberufler als schlecht oder sehr schlecht, obwohl der Sektor im Branchenranking der angebotenen Projekte auf einem passablen sechsten Platz rangiert. Selbst die Lage bei Banken und Finanzdienstleistern sowie Versicherungen sehen jeweils rund drei von zehn freien Experten kritisch. 

Die Konjunktur im Medizinsektor hingegen beurteilen mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer als gut bis sehr gut. Über die Lage in der IT- und Softwarebranche sagen das immerhin sechs von zehn Befragten. Auch die Situation in chemischen und pharmazeutischen Industrie sowie der Telekommunikation beurteilen sie mehrheitlich positiv. 

Medizin, Chemie und Pharma sowie IT und Software gelten als besonders aussichtsreich

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass sechs von zehn Freelancern die IT auch für die Branche halten, in der es 2021 die größten Chancen für sie geben wird. Immerhin gut 45 Prozent der Teilnehmenden des GULP Branchenchecks sagen das über die reine Softwareentwicklung. Für aussichtsreich halten jeweils gut 27 Prozent der Befragten auch die chemische und pharmazeutische Industrie sowie den Medizinsektor. Immerhin jeder fünfte freie IT-Profi glaubt, dass Behörden sowie der öffentliche Dienst Freelancern im laufenden Jahr attraktive Projekte anbieten werden. In Anbetracht des notorischen Digitalisierungsrückstands in den Amtsstuben wäre dies sicherlich wünschenswert.

In klassischen Industriebranchen wie der Elektronik oder dem Automobilbau rechnet sich 2021 dagegen nicht mal jeder zehnte Umfrageteilnehmer Chancen auf interessante Projekte aus. Die Luft- und Raumfahrt sowie die Touristik sind durch die Corona-Krise völlig unattraktiv geworden. Nur jeweils 2,4 Prozent der Befragten glauben, von diesen im laufenden Jahr beauftragt zu werden. 

Skills für Megatrends werden künftig stärker nachgefragt

Inhaltlich sind derzeit und künftig vor allem Skills gefragt, die Auftraggeber brauchen, um Projekte in der Künstlichen Intelligenz (KI), dem Cloud-Computing sowie dem Internet der Dinge (IoT) umzusetzen. 72 Prozent der Freelancer gehen davon aus, dass KI-Know-how künftig stärker nachgefragt wird. Zwei von drei freien IT-Experten sagen das gleiche über Kenntnisse im Cloud-Computing. Immerhin jeder zweite glaubt, dass künftig nichts mehr ohne Skills im Bereich des IoT gehen wird. 

Zwei von drei IT-Freelancern sind zudem überzeugt, dass Auftraggeber künftig vermehrt Profis suchen werden, die sich mit Datensicherheit auskennen. Rund 60 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen zunehmenden Bedarf im Bereich des Datenschutzes. 

GULP Branchencheck - diese Bereiche werden in Zukunft gefragter sein

Lesermeinungen zum Artikel

3,5 von 5 Sternen | Insgesamt 10 Bewertungen und 6 Kommentare

  • Bewertung

    Andreas am 02.03.2021 um 20.23 Uhr

    Ich schliesse mich dem Herrn Fielder an. Meine Erfahrung der letzten Jahre zeigt, das das Niveau auch immer weiter sinkt. Vor allem sind auch die geforderten Skills oft nicht wirklich das, was tatsächlich benötigt wird. Wie soll das auch gehen, die meisten Vermittler sind eh nicht vom Fach und können das weder beurteilen, noch den Kunden beraten.
    Aber in Zeiten , wo etwas weniger Aufträge sind, sondiert sich das und der Markt bereinigt sich selbst. Freelancer die geringe Stundensätze erheben oder fachlich auch nicht mehr nehmen können, konnten sich keinen Puffer anlegen und sind somit bald schon wieder weg.

  • IFO hellt sich auf ...

    Meins am 26.02.2021 um 20.54 Uhr

    Von welchem Ausgangspunkt hellt es sich auf. Vom Absolutem Tiefpunkt oder vom Wert vor dem ersten Shutdown?
    Schön das man mit Zahlen so gut lügen kann. Wenn man nur Zahlen ohne ihre Geschichte verbreitet. IFO ist genauso Wertlos wie die Statistik die Beweist das Zähneputzen tödlich ist weil jeder stirbt Irgendwann der Zähnegeputzt hat ... :(

    @Gulp: Wenn man einen Kommentar schreibt und eine Mailadresse angibt solle man eine Nachricht erhalten wenn er veröffentlicht wird. Ich erhalte nie eine.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Hallo lieber Leser, vielen Dank für Ihren Hinweis. Die E-Mail geht jedes Mal raus, wenn wir Ihre Nachricht veröffentlichen. Vielleicht bleibt die Mail im Spamfilter hängen?

    Schöne Grüße
    GULP Redaktion

  • Anonymer Knowledge Base Leser am 26.02.2021 um 08.43 Uhr

    Gibt mir schnell einen Überblick über die komplexe Situation. Erklärungen für alles kann ich in diesem Rahmen kaum erwarten.

  • Bewertung

    Guenter.Fiedler am 26.02.2021 um 08.42 Uhr

    Habe die Studie mit Begeisterung gelesen und sage DANKE die hier mit Herzblut daran gearbeitet haben. Ich bin seit mehreren Jahrzehnten in verschiedensten Branchenabteilungen tätig und vermisse das KnowHow bei unserer Arbeit. Da werden Projekte hochgezogen für 6MM++ die in zwei bis drei Tagen zu erledigen wären, es werden Leute anagiert die gerademal den Fachbegriff in Ihr CV schreiben können, aber HR findet die Schlagworte und der Preis stimmt, also Projektvorschlag. Wir habe alle klein angefangen, ob Studium oder Autodidaktik mit Fortbildungen. Ich würde mir ein Studie wünschen wie viele Freelancer, gar keine Freelancer sind und wie untererdisch Projekte von HR vergeben werden, somit unseren Ruf als KowHowträger in GERMANY schaden. Meiner Meinung nach sind wir schon auf dem absteigenden Ast, und es ist nur ein geschachere um wer kommt an den Posten und wer nicht. Ich selbst habe kein Problem ein Projekt zu finden, das Problem geht erst dann los wen Du im Team Leute hast die nix beitragen und der Auftraggeben denen zuhört, um Kosten zu senken, somit Beratungsresistenz wird. Es wird keine im HGB Gesetzt geforderte Kostenkontrolle durchgeführt, es ist ein Hire und Fire. Was hat das noch mit Freelancer oder unternehmerischer Freiheit zu tun?

  • Eher dürftige Datenlage ...

    Meins am 26.02.2021 um 08.18 Uhr

    260 selbstständige sind für Deutschland eine eher dürftige Datenlage. Man kann davon ausgehen das die Lage schlechter ist als hier dargestellt weil Menschen stark dazu tendieren von ihrer guten Position und nicht von ihrer schlechten zu berichten.

  • IFO Index

    Robert am 26.02.2021 um 03.27 Uhr

    Der recht repräsentative IFO-Index sagt was anders über die Stimmung in der Wirtschaft:
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/ifo-index-stimmung-in-der-wirtschaft-hellt-sich-trotz-des-shutdowns-auf-a-e5b27496-1781-4773-8787-ba69f95a9857

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