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GULP Marktstudie „Mobile Betriebssysteme & Apps“: Apple adieu, Android ahoi?

Angebot, Nachfrage und Potenziale für IT-Spezialisten

15.02.2016
GULP Redaktion – Florian Schießl
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Der Markt der Smartphones, mobilen Betriebssysteme und Apps ist wie ein Rockfestival: Laut, hart, anziehend für die Massen. Die Top-Acts Apple und Google übertönen sich gegenseitig bei dem Versuch, den Takt vorzugeben. Wer gerade lauter und sexier ist, sieht den Großteil des Publikums in seinem Takt wiegen: Direkt vor der Bühne spüren die direkt abhängigen Industrien (Telekommunikation, Software…) jeden Ton in ihrer Auftragslage, im weiteren Feld singen eine Menge weiterer Branchen den Refrain mit (Healthcare, Automotive, …). Ganz hinten wippt die breite Masse an Branchen wie von selbst im Grundrauschen mit, schließlich geben die Smartphones als Kommunikationskanal Nr. 1 im privaten und teils auch beruflichen Leben den Ton an.

Das ganze Festival funktioniert nur dank kundiger Techniker: IT-Freiberufler mit Schwerpunkt in mobilen Betriebssystemen. Sie spüren den Marktrhythmus direkt an ihren Beauftragungen und müssen reagieren können, wenn auf der Bühne der Markenrockstars mal wieder ein Bandwechsel angesagt ist. Wer Angebot und Nachfrage kennt, ist dabei im Vorteil: Welche Band zieht wie viele Fans an, wie viele Techniker buhlen mit ihnen um Aufträge und wie beeinflussen die Charts die Konzertgänger? Ergo: Wie verteilen sich die Kenntnisse der Spezialisten im Bereich Mobile auf die einzelnen Betriebssysteme bzw. App-Plattformen? Wie viele Projekte aus der Industrie entfallen auf diese Bereiche? Und wie entwickeln sich dafür taktgebende Marktfaktoren (außerhalb des Projektmarkts) wie Smartphone-Verkäufe und App-Downloads?

Grafik 1

Gut zu wissen – Datenbasis der Marktstudie:

  • Meist gewinnen jene Freiberufler Projekte, welche zu den besten/erfahrensten Spezialisten des geforderten Bereichs gehören. Daher haben wir bei der Analyse der Skills aus dem Bereich Mobile in dieser Studie nur „gute bis sehr gute Kenntnisse“ ausgewertet. Diese qualitative Einstufung erfolgte mithilfe von langjährigem Know-how von GULP Recruitern und basiert auf Positionierung und Häufigkeit von relevanten Skills, die in den Profilen im GULP Kandidatenpool genannt sind.
  • Mit Mobile-Kenntnissen/-Bereich o.ä. sind, wenn nicht explizit anders beschrieben, alle Mobile Betriebssysteme und Apps gemeint. Es wurden alle IT-Fachrichtungen berücksichtigt (Beratung, Entwicklung, Design, …),
  • Aussagen zu Kenntnissen beziehen sich immer nur auf mindestens gute Kenntnisse. „X% Kenntnisse im Bereich iOS“ bedeuten etwa: Der Anteil der guten bis sehr guten iOS Kenntnisse an allen Kenntnissen auf gutem bis sehr gutem Level im Fachgebiet Mobile.
  •  „X% der angebotene Projekte entfielen auf Windows Mobile“ bezieht sich beispielsweise auf den Anteil der via GULP Portal angebotenen Projekte mit Anforderungen zu Skills (u.a.) im Bereich Windows Mobile im Verhältnis zu allen angebotenen Projekten mit Anforderungen zu (mindestens einem) Skill auf dem Gebiet Mobile.

iOS: entthront, aber ein Dauerbrenner

Angebot (Freiberuflerkenntnisse) und Nachfrage (Projekte): Von allen Projekten, bei denen Mobile-Kenntnisse gefragt waren, ging es letztes Jahr bei 42,1% (Grafik 1) um jene zum mobilen Betriebssystem bzw. Apps von Apple. Damit ist iOS wie in den Vorjahren der Nachfragekönig, wenngleich der Vorsprung ggü. Android fast gänzlich aufgeschmolzen ist. Auch preislich ist hier für Experten am meisten drin: GULP Freiberufler mit iOS-Skills forderten 2015 in ihrem Profil knapp 71 Euro (Grafik 5).

Die Angebotsseite war 2015 im Vergleich etwas schwächer als die Nachfrage. 39% (Grafik 4: -3,1%-Punkte ggü. Anteil der Projekte) aller Kenntnisse im Bereich Mobile entfielen auf iOS. Darauf spezialisierte Freiberufler hatten also, durchschnittlich gesehen, letztes Jahr relativ gute Aussichten, ins Projekt zu kommen.

Generelle Marktsituation: iOs/Apple…

  • glänzte in den letzten Jahren mit starken jährlichen Steigerungsraten bei der Anzahl der Apps (150% in 2013 und 170% in 2014).
  • erzielt bei den App-Verkäufen deutlich höhere Umsätze (Grafik 2) als Konkurrent Google.
  • hat 2015 gegenüber dem Vorjahr das deutlichste Plus beim Marktanteil gemacht (+17,3%-Punkte, Grafik 3)
  • erhält bei den Handyverkäufen eine leicht negative Prognose für die Marktanteilentwicklung (Grafik 3), ist dabei jedoch weiterhin auf hohem Niveau.

 

Fazit: Als bereits im iOS-Umfeld etablierter IT-Spezialist kann man sicherlich über 2015 hinaus weiterhin auf Projektanfragen zählen. Auch wenn die unangefochtenen Zeiten des Branchenvorreiters vorbei sind, ist es für Freiberufler auf der Suche nach einer Spezialisierung nach wie vor überlegenswert, sich die Technik für das „Apple für unterwegs“ anzueignen. Denn allein die hohen Erlöse aus App-Verkäufen sollten weiterhin für viel Entwicklungsbudget und damit Freiberuflerbedarf sorgen.

Grafik 2: App-Downloads und -umsätze bei iOS und Android; Quelle: Android Authority

Android: Überbordendes Angebot, überbordendes Potenzial

Angebot und Nachfrage: Platz 2 bei den angebotenen Projekten geht 2015 an Android. Mit 41,4% waren Kenntnisse zu Googles System nur etwas seltener in Projekten gefragt als jene zu iOS (-0,7%-Punkte). Dafür zeigt sich die Nachfrage nach Spezialisten für das mobile OS des Suchmaschinenriesen in der Entwicklung stabiler: Seit 2013 wurde das Kuchenstück bei den Projekten Jahr für Jahr größer und der Rückstand auf Apples Anteil sichtbar kleiner (2013: 7,4%-Punkte Differenz, 2014: 2,7%-Punkte Differenz). Mit 69,8 Euro gefordertem Stundensatz (Grafik 5) waren die Forderungen von Android-Spezialisten die zweithöchsten unter allen Mobile-Experten.

Beim Angebot wendet sich das Blatt. Mehr als die Hälfte (51,6%) der ausgeprägten Kenntnisse auf Freiberuflerseite entfallen auf Googles technische Basis für Smartphones. Damit ist Android-Expertenwissen nicht nur deutlich häufiger (+12,6%-Punkte) bei den GULP Profilinhabern vertreten als das für iOS, sondern zum Leidwesen der Android-Profis auf Projektsuche auch häufiger vorhanden, als es von Projektanbietern benötigt wird.

Generelle Marktsituation: Android/Google…

  • hatte aufgrund des späteren Markteintritts gegenüber Apple viel aufzuholen, tat das doch sichtlich mit Bravour: Letztens waren die jährlichen Steigerungsraten bei der Anzahl der im Play Store verfügbaren Apps (200-350%) noch höher als jene von Apple. Seit 2014 schlägt Google seinen Hauptkonkurrenten auch bei der Gesamtzahl der Apps.
  • schafft es, seine Apps immer besser zu monetarisieren – hier ist Android zwar noch deutlich schwächer, hat aber in den letzten Jahren Boden gegenüber Apple gutgemacht (Grafik 2).
  • hat 2015 an Marktanteil gewonnen (9,5%-Punkte, Grafik 3), wird laut Prognose von IDC in naher Zukunft noch etwas zulegen und damit seine Führung leicht ausbauen.

 

Fazit: Auch wenn der Marktbedarf an Android-Spezialisten 2015 für deren Geschmack übermäßig gut gedeckt war: Die weiter steigende Dominanz im Marktanteil (+1,4%-Punkte, Grafik 3) sollte in Zukunft für ein noch reichhaltigeres Angebot an Projekten sorgen, weswegen sich die Kenntnisse von GULP Profilinhabern in Googles mobiler Technik weiterhin gut monetarisieren lassen sollten.

Grafik 3: Marktanteilsentwicklungen mobiler Betriebssysteme (Prognose); Quelle: IDC

Windows Mobile: kleine Nachfrage trotz großem Bruder

Angebot und Nachfrage: Dieses Verhältnis spielte projektsuchenden Windows-Spezialisten 2015 etwas in die Karten: 10,4% der Projekte (Grafik 1), in denen Skills im Bereich Mobile gefragt waren, richteten sich an Experten für Windows‘ System. Demgegenüber gab es ein etwas geringeres Angebot von Windows-Kenntnissen (9,1% , Grafik 4) unter allen Mobile-Kenntnissen der bei GULP registrierten Freiberufler. Dies tat den Stundensatz-Forderungen scheinbar keinen Abbruch: Mit 67,8 Euro (Grafik 5) riefen Spezialisten mit Windows Mobile Schwerpunkt nur geringfügig weniger auf als ihre Kollegen für Android und iOS.

Der Trendpfeil bei der Nachfrage nach ihrer Expertise wird den Windows-Kennern jedoch nicht gefallen: Zwischen 2014 und dem Folgejahr ist der Anteil der Projekte um ein sattes Drittel (-32%-Punkte) eingebrochen. Kein Fachbereich dieser Marktstudie hatte mehr Federn lassen müssen als der Mobile-Ableger des Weltmarktführenden bei PC-Betriebssystemen. Im hier analysierten Zeitraum und bezogen auf den Projektmarkt geht es seit 2013 gar kontinuierlich bergab – obwohl man erst 2011 hoffnungsvoll mit Hardwarehersteller Nokia zu kooperieren begann und dabei groß investierte. Was war passiert?

Generelle Marktsituation: Windows Mobile / Windows…

  • hat 2015 ggü. 2014 bei den verkauften Geräten verloren (YOY Growth: -10,2%-Punkte, Grafik 3).
  • wird beim Marktanteil laut Prognose in den nächsten Jahren eher stagnieren (+0,1%-Punkte, Grafik 3), während der restliche Markt (außer iOS) insgesamt noch ein klein wenig anwachsen soll.
  • hat wohl u.a. deswegen mit schlechten Zahlen zu kämpfen, weil der eigene App Store 2015 mit 340.000 Apps nur einen Bruchteil des Angebots hat, welches der Apple Store oder Google Play bietet. Denn der Kampf um Smartphone-Marktanteile wird auch über die Anzahl der verfügbaren Apps entschieden.

 

Fazit: Trotz der günstigen Ausgangssituation und einem großen Bruder mit beinahe-Marktmonopolstellung bei PC-Betriebssystemen, ringt man in Mountain View um die notwendigen Marktanteile, um mit Sicherheit dauerhaft auf dem Smartphone-Markt mitspielen zu können. Der herbe Rückgang bei den Geräteverkäufen im Vorjahr hat sich mutmaßlich schon im selben Jahr mit einem starken Rückgang bei den Projekten niedergeschlagen. Möglicherweise wird sich das auch noch in 2016 negativ bemerkbar machen. Die Prognose für 2019 sieht den Puls für die Mobile Lösung von Windows weiterhin – wenn auch flach – ausschlagen. Grund genug für Freiberufler, den Wissensaufbau hierauf zu fokussieren? Eher nicht.

Grafik 4

BlackBerry: Hidden Champion, aber gefährdete Spezies

Angebot und Nachfrage: BlackBerry Wissen ist ein seltenes Gut unter GULP-Profilinhabern. Nur 0,3% aller Mobile-Kenntnisse gehen auf das Konto des oft schon totgeglaubten Smartphone-Pioniers. Dass der heutige Sicherheitsspezialist unter den Betriebssystemen v.a. im Geschäftsleben immer noch etabliert sein muss, zeigt der gegenüber dem Angebot deutlich höhere Anteil von 4,9% Projekten mit Anforderungen zu BlackBerry Skills – von daher waren Kenntnisse dazu so etwas wie eine Projektgarantie in 2015, wenn auch zum mit Abstand niedrigsten geforderten Stundensatz unter den Mobile-Experten (60,8 Euro, Grafik 5). Unübersehbar aber auch (in Grafik 1): „The trend is not the friend“ der Liebhaber von haptischen QWERTZ-Tastaturen.

Generelle Marktsituation: BlackBerry OS bzw. 10 / BlackBerry…

  • teilt das Schicksal von Windows Mobile: Es hat, wie Windows Mobile, eine im Verhältnis zur Konkurrenz nichtig erscheinende Auswahl an Apps. Und es setzt auch reinrassig auf eigene Apps, sodass Apps für iOS und Android nicht auf dem hauseigenen Betriebssystem laufen.
  • ist beim Marktanteil und ähnlichen Statistiken so unwichtig geworden, dass es in Statistiken teils in die Kategorie „Sonstige“ gesteckt wird. Und diese werden lt. Prognose (Grafik 3) stagnieren. Gut möglich, dass BlackBerry als einer dieser kleineren Player am Markt mittel- bis langfristig einer Marktbereinigung zum Opfer fällt.

 

Fazit: Bei all den negativen Signalen zur Entwicklung von BlackBerry gibt es zwei Lichtblicke: Seit etwa zwei Jahren (2014) sind auch Android Apps auf BlackBerrys (bequem) nutzbar, beim neuesten Modell Priv setzt man auch gleich beim Betriebssystem auf die am Markt etabliertere und beliebtere Basis Android. Dennoch: Sich als Freiberufler allein deswegen neu in die Technik hinter den zwei Bs einzuarbeiten, wäre mutig. Bereits darauf spezialisierte Freiberufler kann das zumindest noch die nächsten Jahre weiterhin unberührt lassen: Kein anderes mobiles Betriebssystem bietet 2015 ein so günstiges Verhältnis von Angebot zu Nachfrage für Projektsuchende wie BlackBerry OS/10. Und der hohe Anteil an geschäftlich genutzten Geräten (sowie Server- als auch Sicherheitsangebote) sollte dafür sorgen, dass der – bei Firmen im Vergleich zu Privatpersonen aufwändigere und damit langwierige – Absprung zu anderen Anbietern sich in die Länge zieht, falls der Trendpfeil für „BB“ weiter nach unten zeigen wird.

Grafik 5

Ausblick

Den Blick in die Glaskugel beherrscht auch GULP nicht, ermöglicht doch auch die größte Zahl an Freiberuflerprofilen für IT im DACH-Raum sowie die datenreichen Analysetools dazu immer nur eine Momentaufnahme bzw. einen Blick in die Vergangenheit. Zudem überrascht das Konzert der Marktgrößen zu oft mit taktändernden Tuschs (Windows‘ Joint Venture mit Nokia, Samsungs Blitzeroberung des europäischen Marktes, die Rettung von BlackBerry…), um eine wirklich sichere Wette auf die Zukunft abgeben zu können. Dennoch gibt es unübersehbare Tendenzen, die Freiberuflern die Qual der Wahl für Weiterbildungen, Zertifikate und Projekte in Richtung Mobile Betriebssysteme und Apps vereinfachen sollten.

Das Gros an Mobile-Wissen der GULP Profilinhaber bezieht sich auf Googles Basis für mobile Geräte. Damit beweisen sie einen zeitlosen (Musik-)Geschmack. Denn Androids dominierende Stellung zwingt die Konkurrenz sukzessive, die eigenen Verstärker im Getöse um Marktanteile abzustöpseln: BlackBerry öffnete seine Geräte womöglich zu spät für Android Apps, bei Windows weigert man sich auch (noch?) auf Kosten von hausinternen Streits gegen diesen Schritt. Wohlwissend, dass Google dann auf ihren Schultern noch größeres Geschäft am prosperierenden App-Markt machen wird.  

Dort würde bzw. wird dann nur noch Apple wachen, das immerhin noch bei der Markenstärke den Thron inne hat. Und bei den App-Umsätzen, wovon sich das Weltunternehmen mit Apfellogo nach lange ernähern kann und Google noch eine Weile zu knabbern haben wird. Insgesamt wirkt Apples Macht am Mobile-Markt aber weniger solide als Googles. Schließlich hängt Apples Erfolg nur von einem Modelltyp ab und hat auch unter den neuen Produkten noch keinen autarken Hoffungsträger, während Android auf einer ganzen Palette von Smartphone-Produzenten gesetzt ist.

BlackBerry- und Windows-Spezialisten, die sich in Sachen Projektanfragen auch in Zukunft ganz in Sicherheit wiegen wollen, sollten sich zur Risikodiversifikaiton mittelfristig ein zweites Standbein suchen. Unter den BB 10/X-Kennern ist dieser Schritt auch für alle sinnvoll, die nach fachlicher Weiterentwicklung suchen, welche ihnen mehr Spielraum bei Ihrer Stundensatzforderung verschafft.

Weiterführende Informationen:

 

Mobile ist Ihre Bühne. Aber: Werden Sie auch gehört?

Kleine Schalter, große Töne: So schnell drehen Sie mit Ihrem GULP Profil bei der Projektakquise auf!

  • (Den Ton) angeben: Sie hatten bereits Projekte im Bereich Apps und Mobile Betriebssysteme? Schreiben Sie es in die Rubrik "Projekte", das wirkt bei potentiellen Auftraggebern.
  • Volle Konzentration: Positionieren Sie sich bereits klar als Mobile-Experte, nennen Sie Ihre Skills u.a. im fachlichen Schwerpunkt?
  • Auf Empfang gehen: Suche zu Projektinhalten aus dem Bereich Mobile anlegen, Mail abonnieren und nichts mehr verpassen.