Marktstudie: Begehrte Programmiersprachen – Java, C++ und C#

Welche Chancen bieten diese für IT-Freelancer? Womit erzielt man höhere Stundensätze?

11.09.2009
GULP Redaktion

Schon seit Längerem haben wir die drei objektorientierten und miteinander verwandten Programmiersprachen Java, C++ und C# im Auge. Das letzte Mal haben wir ihre Situation auf dem IT-Projektmarkt im Dezember 2005 unter die Lupe genommen – dringend Zeit für ein gründliches Update. Die Daten für diese Marktstudie lieferten vor allem der GULP Trend Analyzer, Gradmesser für die Angebots- und Nachfragesituation auf dem IT-Projektmarkt, und der GULP Stundensatz Kalkulator, mit dem sich die branchenüblichen Stundensätze ermitteln lassen – Basis für faire Verhandlungen.

Angebotene Projekte: Der Schein kann trügen

Seit Microsoft im Jahr 2001 C# als erste Komponenten-orientierte Sprache für C++-Entwickler vorstellte, hat sich die Position der drei Programmiersprachen Java, C++ und C# auf dem IT-Projektmarkt geändert – was den Anteil der angebotenen Projekte in der jeweiligen Programmiersprache an allen über GULP angebotenen Projekten betrifft. Java hat nach einigen Verlusten und einigem Hin- und Her auf lange Sicht Anteile dazugewonnen, C# konnte stetig zulegen und C++ hat Prozentpunkte verloren. Stabil blieb aber die Rangfolge: Java verbucht aktuell immer noch die meisten Projektangebote an IT-Freiberufler für sich (in den letzten zwölf Monaten durchschnittlich 16,3 Prozent), auf Platz zwei folgt C++ (6,0 Prozent) und dann erst C# (3,9 Prozent).

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Java konnte in manchen Monaten der Jahre 2001 bis heute die Zwanzig-Prozent-Grenze knacken (März, September und Oktober 2006 sowie August 2008), ist nun, im Sommer 2009, aber wieder auf dem Niveau angelangt, auf dem es sich die meiste Zeit bewegte –zwischen 13 und 16 Prozent.

C++ musste deutlich Federn lassen, und zwar vor allem seit Januar 2009: Der Anteil der angebotenen C++-Projekte an allen Projekten lag im April 2009 bei tiefen 3,9 Prozent und damit so niedrig wie noch nie seit 2001. Seitdem geht es allerdings wieder bergauf.

In den letzten zwölf Monaten konnte C# zwischenzeitlich (siehe Mai 2009) seiner großen Schwester C++ das Wasser reichen, was den Anteil an allen über GULP abgewickelten Projektangebote betrifft. Nun driften die beiden allerdings wieder ein bisschen auseinander. C# erreichte die Maximalwerte seit seiner Einführung in Januar und April 2008 (5,4 Prozent), musste Anfang dieses Jahres leichte Einbußen hinnehmen, hält aber relativ stabil sein Niveau.

Marktchancen für IT-Freiberufler

Viele Projekte bedeuten aber nicht zwangsläufig gute Marktchancen für selbstständige IT-Experten, wie die folgende Tabelle zeigt (Stand September 2009):
 

  IT-Freiberufler mit Kenntnissen in Davon ausgewiesene Spezialisten für Anzahl Projektanfragen in den letzten zwölf Monaten Projektanfragen pro Spezialist
Java 22.394 5.521 18.164 3,29
C++ 19.336 3.192 5.911 1,85
C# 4.775 935 4.054 4,34

 

Stundensatzforderungen: Wenn alle sinken...

Wenn die Stundensatzforderungen aller IT-Freiberufler nach unten gehen (siehe GULP Stundensatz-Auswertung), müssen die der Spezialisten für unsere drei objektorientierten Programmiersprachen nicht zwangsläufig auch sinken – sie tun es aber.

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Derzeit liegen die Stundensatzforderungen aller in die GULP Profiledatenbank eingetragenen freiberuflichen IT-Spezialisten bei 70 Euro. Java-Experten sind im August 2009 bei 68 Euro angelangt – das sind zwei Euro weniger als noch vor einem Jahr. Im Februar 2005 lagen die Forderungen freiberuflicher Java-Experten genau im Durchschnitt (64 Euro) Dennoch gehören sie aktuell immer noch zu den Besserverdienern im untersuchten Bereich, denn sie verlangen drei Euro mehr als Spezialisten für C++ und sogar fünf Euro mehr als ihre Kollegen aus dem C#-Bereich.

Auffällig ist, dass sich alle drei Programmiersprachen seit etwa 2005 kontinuierlich steigern konnten – bis dann in den letzten Monaten die Wende kam. Bei Java geht es seit August 2008 abwärts, bei den anderen beiden seit Februar 2009.

Regionale Verteilung: Die Macht der IT-Hochburgen

Natürlich verbuchen die beiden IT-Hochburgen München und Frankfurt am Main die relative Mehrheit der Projektanfragen, die in den Bereichen Java, C++ und C# an IT-Freiberufler versendet werden. Aber nicht für alle drei in gleichem Maße.

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Im Postleitzahlgebiet D6 (Frankfurt am Main, Mannheim, Kaiserslautern), in dem die Banken-Branche stark vertreten ist, ist der Anteil an Java-Projektanfragen (20,4 Prozent) deutlich größer als der für C++ (17,3 Prozent) und C# (18,2 Prozent). Dafür gibt es im Raum D8 (München, Ingolstadt, Ulm) anteilig weniger Java-Projekte als C++- und C#-Aufträge. C++ ist hier besonders stark (23,1 Prozent). Noch eine Region fällt auf: In D9 (Nürnberg, Regensburg, Erfurt) wird anscheinend besonders viel in C# programmiert – zumindest verbucht die Gegend 9,6 der relevanten Projektanfragen. In D9 sind viele Unternehmen der Medizintechnik ansässig.

Altersverteilung: "Senior" C++

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Unter 40 Jahren sind 34,0 Prozent der freiberuflichen C#-Spezialisten, 32,6 Prozent der Java-Experten und nur 24,1 Prozent der C++-Profis. Der durchschnittliche C++-Profi in der GULP Profiledatenbank ist 42,6 Jahre alt – und damit älter als seine Kollegen im Bereich Java (41,1 Jahre) und C# (40,9 Jahre). Aber nicht das, sondern sogar älter als der Durchschnitt: Das Alter aller bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler liegt bei durchschnittlich 42 Jahren. Dass die C++-Spezialisten von den drei untersuchten Sprachen der "Senior" ist, verwundert aber nicht – immerhin gibt es C++ schon seit Anfang der 80er Jahre, Java erst seit 1995 und C# seit 2000.

Fazit

Java punktet bei der Anzahl der Projektanfragen, aber die Konkurrenz ist groß. Dafür lassen sich mit Java von den drei untersuchten Programmiersprachen die höchsten Stundensätze erzielen. Bei C++ ist die Konkurrenz am größten und der Anteil der Projektanfragen rückläufig. Immerhin liegt C++ auf Platz zwei, was die Stundensätze angeht. C# hat seine große Schwester fast schon einmal erreicht, was die Nachfrage angeht – und wird es wieder versuchen. Mit C# lassen sich zwar nur relativ niedrige Stundensätze fordern, aber dafür sind die Marktchancen am besten.

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