Umfrage-Ergebnis: Jahresbilanz EU-Osterweiterung

09.05.2005
GULP Redaktion
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Zwölf Monate sind vorbei, seitdem zehn Staaten neu in die Europäische Gemeinschaft beigetreten sind. Die auf breiter Front vorgebrachten Befürchtungen: Die EU-Osterweiterung wirkt sich negativ auf den IT-Projektmarkt aus. Ob es tatsächlich auch so kam – das wollte GULP in einer Umfrage wissen, an der insgesamt 188 Projektanbieter und IT-Freiberufler teilgenommen haben.

Während sich viele Kritiker ausschließlich mit den Gefahren der EU-Osterweiterung beschränkt hatten, fragte GULP vor einem Jahr auch nach, welche Möglichkeiten die Neuordnung haben könnte. Die wichtigsten damaligen Ergebnisse:

  • Über 50 Prozent der Freiberufler erwartete durch die EU-Osterweiterung keine Projekte, aber
  • 83 Prozent aller Freiberufler wären bei einem interessanten Projekt sofort in eines der Beitrittsländer gegangen.
  • Die größten Chancen der EU-Osterweiterung würden sich laut Umfrage ergeben durch Niederlassungen deutscher Firmen in den Beitrittsländern sowie durch neue Aufträge in den Beitrittsländern.

 

Nun, nach einem Jahr lässt sich zumindest feststellen, dass vieles nicht so heiß gegessen wie in den Medien gekocht wird. Das Thema EU-Osterweiterung hat sich in der Öffentlichkeit beruhigt – dennoch sollte man sich davor hüten, diese Ruhe automatisch als in die Praxis umgesetzten Erfolg zu interpretieren. Zumindest nach Meinung der Teilnehmer an der Umfrage ist man von "eitel Sonnenschein" noch weit entfernt.

Jahresbilanz EU-Osterweiterung_01

Neben einem jeweils beachtlichen Anteil (35 bzw. 41 Prozent) der Befragten, die sich vor einer generellen Einschätzung hüten, und einem weiteren Viertel, das die Entwicklung nach dem 1. Mai 2004 offensichtlich vorausgesehen hat, gab es auch Umfrageteilnehmer, deren Erwartungen nicht eingetreten sind:

Dabei sind die Projektanbieter durchweg positiver gestimmt – im Gegensatz zu nur 8 Prozent der Freiberufler bewerten hier stattliche 22 Prozent die vergangenen zwölf Monate deutlich besser als ursprünglich angenommen.

Jahresbilanz EU-Osterweiterung_02

Gerade mit Blick auf die jeweilige Antwortverteilung bei den anderen Fragen überrascht die traute Einigkeit von Projektanbietern und IT-Freiberuflern bei ihrer Beurteilung der negativen Folgen: In erster Linie sei der Preisverfall durch die günstige Konkurrenz aus den Beitrittsländern nicht nur eine Befürchtung geblieben – davon sind beide Seiten überzeugt.

26 bzw. 27 Prozent sind ferner der Meinung, dass es aufgrund von "Offshore" weniger IT-Projekte in Deutschland gegeben hat. So oder so, ob Preisverfall oder Offshore: Nur sehr wenige Teilnehmer an der Umfrage glauben, dass die Qualität der IT-Leistungen durch die EU-Osterweiterung schlechter geworden ist.

Schließlich: Jeweils etwa ein Viertel sieht keine negativen Folgen.

Bei der Frage nach den positiven Aspekten hatten Projektanbieter und IT-Freiberufler unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten – zu verschieden sind hier die unternehmerischen Interessen/Möglichkeiten:

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Summa summarum 57 Prozent der Projektanbieter bewertet den Beitritt der zehn Staaten unterm Strich positiv, wobei zuallererst neue Partner und neue IT-Projekte in der erweiterten EU für diese Einschätzung verantwortlich sind.

Jahresbilanz EU-Osterweiterung_04

Konkrete positive Auswirkungen – für die überwiegende Mehrheit der IT-Freiberufler heißt es hier "Fehlanzeige". Vor allem hinsichtlich der Niederlassungen in den Beitrittsländern hatten sich vor einem Jahr die externen IT-Experten mehr erhofft – und zwar genau 26 Prozent, von denen im Rückblick nur noch 6 Prozent übrig geblieben sind.

Eine durchwachsene Bilanz?

Nach einem Jahr EU-Osterweiterung sucht man – wenig überraschend – im deutschen IT-Projektmarkt weithin vergebens nach Euphorie. Während die Projektanbieter der Entwicklung der vergangenen Monate vorsichtig, aber nicht generell abgeneigt gegenüber stehen, betrachten sich die meisten IT-Freiberufler noch als Verlierer des 1. Mai 2004.

Zwölf Monate allerdings sind eine vergleichsweise kurze Zeit. Und eine Zwischenbilanz kann ein paar Jahre später schon ganz anders aussehen.