Umfrage-Ergebnis: Vom Job gestresst?

21.09.2007
GULP Redaktion
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Weder IT-Selbstständige noch Projektanbieter können derzeit über zu wenig Arbeit klagen. Das IT-Geschäft brummt; beide Seiten sind mit der Abwicklung bzw. Besetzung von IT-Projekten gut beschäftigt. Doch das in der schnelllebigen IT-Branche typische Arbeitsprinzip "immer schneller, höher und weiter" kann auf Dauer an die Substanz gehen. Wie viele IT-Spezialisten und Projektanbieter ihren Job derzeit als belastend empfinden, ermittelte eine repräsentative GULP Umfrage.

Vom Job gestresst

Die Projektanbieter kommen beruflich weit öfter an ihre physischen und psychischen Grenzen als die IT-Freiberufler: Während jeder zweite Auftaggeber (54 Prozent) seine Aufgaben derzeit als zu belastend und anstrengend einstuft, trifft dies nur auf ein Drittel der externen IT-Mitarbeiter (34 Prozent) zu. Offenbar ist bei den Projektanbietern der Druck in der Arbeit höher, so dass ihnen ihre Aufgaben häufiger über den Kopf wachsen. Dagegen scheint bei den meisten IT-Selbstständigen ein entspanntes und stressfreies Arbeiten möglich. Dennoch gibt es einige IT-Positionen, in denen auch bei den Freiberuflern der Stresspegel steigt. Das betrifft insbesondere Projektleiter und Software-Entwickler wie nachfolgende Grafik zeigt:

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Ursachen, die Arbeit zur Belastung machen, gibt es viele. Speziell für die IT-Projektarbeit hat eine Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) folgende Stressoren ermittelt: Zeitdruck, Komplexität und Unstrukturiertheit der Aufgaben, ungeplante Zusatzaufgaben, Änderungswünsche, Behinderungen durch unzureichende Arbeitsmittel, fehlende Entscheidungen aus dem Management sowie mangelnde Kundenkooperation. Auch emotionale Belastungen durch sich aufschaukelnde Konflikte mit Kunden, Vorgesetzten und Kollegen, aber auch Vertragsprobleme mit dem Kunden, die auf das Projektgeschehen durchschlagen, beeinflussen das Befinden der Mitarbeiter. Ein weiterer negativer Verstärker sind fehlende Handlungs- und Verhandlungsmöglichkeiten der Betroffenen wie z.B. flexible Arbeitszeitarrangements, Kooperationsmöglichkeiten oder ein hoher Anregungsgrad der Arbeitsaufgaben.

Möglicherweise ist aber gerade letzteres ein Grund dafür, warum die IT-Freiberufler tendenziell gelassener im Job sind als die Projektanbieter. Denn als freier Mitarbeiter ergeben sich – wie der Name schon sagt – auch mehr Freiheitsgrade. Das beginnt schon damit, dass diese sich – eine gute Auftragslage vorausgesetzt – ihre Projekte selbst aussuchen. Bei jedem neuen Angebot können sie abwägen, ob die Aufgaben fachlich und/oder finanziell interessant sind oder sie lieber die Finger von dem Projekt lassen. Festangestellte Mitarbeiter haben diesbezüglich weit weniger die Wahl. Hinzu kommt, dass Externe einen anderen "Status" im Unternehmen haben, der sie meist auch in günstigere Handlungs- und Verhandlungspositionen bringt.

Dafür kommt gerade bei Einzelkämpfern häufig das Privatleben zu kurz. Bei knapp jedem zweiten (48 Prozent) IT-Selbstständigen bleibt neben der Arbeit nicht genügend Zeit für die Familie. Doch die knappe Freizeit scheint kein klassisches Merkmal der Selbstständigkeit zu sein:

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Mit 51 Prozent bemängeln anteilig sogar noch etwas mehr Projektanbieter, dass ihr Beruf kein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben ermöglicht. Damit scheinen diese mit ihrer derzeitigen Arbeitsituation insgesamt unzufriedener zu sein: Jeder Zweite empfindet seinen Job als Belastung und hat aufgrund des beruflichen Stresses nicht genügend Zeit für Familie und Freizeitaktivitäten.

Doch gerade wer beruflich ständig unter Strom steht, sollte sich ausreichend Erholungsphasen gönnen und zumindest das Wochenende konsequent freihalten. Denn halten die Stressphasen länger als acht Wochen an, ist ein kritischer Punkt erreicht: Das Risiko eines Burnout-Syndroms steigt. Erste Warnhinweise, dass man einen Gang zurückschalten sollte, sind z.B. exzessive Müdigkeit und Energielosigkeit, eine erhöhte "Dünnhäutigkeit" und Ungeduld in Belastungssituationen, Demoralisierung, Gleichgültigkeit und Zynismus.