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Unternehmen mögen Android, Freelancer lieben Apple

GULP Marktstudie über selbstständige Mobile-App-Entwickler

06.02.2013
GULP Redaktion
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Android oder Apple? Im IT-Projektmarkt hängt die Antwort auf diese Gretchenfrage davon ab, wem sie gestellt wird. Von Unternehmen wird am häufigsten Know-how im Bereich Android nachgefragt, an zweiter Stelle folgt iOS, an dritter Stelle Windows Mobile. Doch unter den Selbstständigen ist die Begeisterung für Apple und iOS am größten, da kann Android nicht mithalten – und Windows erst recht nicht. Wo sich der Markt für App-Entwicklung trifft, wo sich für Freelancer Chancen ergeben und wie es um die Stundensätze steht, beleuchtet diese Marktstudie.

Die wichtigsten Daten im Überblick:

Durchschnittswerte Selbstständige Mobile-App-Spezialisten Alle bei GULP eingetragenen Freiberufler
Stundensatzforderung 70 Euro 74 Euro
Alter 41 Jahre 45 Jahre
Berufserfahrung 17 Jahre 21 Jahre

Die Daten für diese Marktstudie lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-/Engineering-Spezialisten, der GULP Trend Analyzer und die über GULP an Freelancer zugestellten Projektanfragen.

Stundensatzforderung: 70 Euro

Egal, auf welches mobile Betriebssystem sie sich spezialisiert haben: Selbstständige Mobile-App-Spezialisten fordern im Schnitt einen Stundensatz von 70 Euro. Das sind zwar vier Euro weniger als alle bei GULP eingetragenen IT-/Engineering-Freelancer im Schnitt verlangen – doch die 70 Euro sind in Relation zu setzen:

Erstens sind App-Selbstständige im Schnitt drei Jahre jünger als alle Freelancer bei GULP und können vier Jahre weniger Berufserfahrung vorweisen. Mit mehr Erfahrung gehen in der Regel auch höhere Stundensätze einher.

Zweitens fordern alle Software-Entwickler aus dem Kreise der GULP Freelancer im Schnitt 69 Euro. Vor allem für etwas jüngere Entwickler sind Mobile Apps also ein lukratives Betätigungsfeld – angesichts der positiven Nachfrageentwicklung aber längst nicht mehr nur für diese.

Die Mitte ist bei den App-Entwicklern sehr stark: 59,8 Prozent von ihnen fordern im Schnitt ein Honorar zwischen 60 und 80 Euro. Bei allen bei GULP eingetragenen Freelancern liegt dieser Anteil niedriger (47,6 Prozent). Stundensätze jenseits der 90 Euro verlangen dagegen nur 9,2 Prozent der Mobile-App-Spezialisten – aber 15,5 Prozent aller IT-/Engineering-Selbstständigen. Wenn Apps gefragter werden und das Angebot an Freelancern nicht in dem von Unternehmen nachgefragten Maße mitwächst – dann dürften sich die Stundensätze durchaus noch bewegen.

Neueinsteiger, aber auch erfahrene Quereinsteiger

Die App-Entwickler bringen frischen Wind in den IT-/Engineering-Projektmarkt: 22,4 Prozent von ihnen sind jünger als 35 Jahre – und nur 8,9 Prozent aller bei GULP eingetragenen Freelancer! Der Projektmarkt ruft doch oft nach der Jugend: Bitteschön, hier ist sie.

14,4 Prozent der selbstständigen Mobile-App-Spezialisten können bis zu zehn Jahre Berufserfahrung vorweisen. Dennoch liegen sie mit ihren 17 Jahren bei der durchschnittlichen Berufserfahrung nur vier Jahre unter dem Schnitt aller bei GULP eingetragenen Freelancer. Das zeigt einerseits, dass viele junge IT-Experten sich auf Apps spezialisiert haben – dass aber auch viele erfahrene Entwickler – etwa aus dem C#- oder C++-Umfeld – in die App-Entwicklung eingestiegen sind.

Angebot und Nachfrage: Die Vorlieben

Im Jahr 2011 wurden in 884 Projektanfragen, die über GULP verschickt wurden, selbstständige Mobile-App-Spezialisten gesucht. Im Jahr 2012 waren es 1.351 Anfragen, also eineinhalb mal so viele. Der Bedarf der Unternehmen an selbstständigen App-Spezialisten steigt – ebenso wie die Anzahl der Selbstständigen, die hier Know-how vorweisen können. Im Jahr 2010 waren etwa 250 selbstständige Mobile-App-Spezialisten mit einem Profil in der GULP Datenbank vertreten, aktuell sind es etwas mehr als 1.500. Der Bereich Mobile Apps ist im IT-Projektmarkt definitiv und weiterhin im Kommen.

Unternehmen mögen Android

Von Unternehmen wird am häufigsten Know-how im Bereich Android nachgefragt, an zweiter Stelle folgt iOS, an dritter Stelle Windows Mobile. Doch Android nimmt – auf Kosten von Windows Mobile – einen immer größeren Anteil am Kuchen ein: 2012 wurden fast in Dreiviertel der Projektanfragen zu diesen drei mobilen Betriebssysteme Android-Kenntnisse nachgefragt, im Jahr zuvor waren es weniger.

Freelancer lieben Apple

Unter den Selbstständigen ist die Begeisterung für Apple und iOS scheinbar größer als in den Unternehmen: Nur die Hälfte der Freelancer, die Know-how über Android, iOS und Windows Mobile vorweisen können, sind Android-Spezialisten, 40 Prozent von ihnen sind iOS-Experten. Selbstständige sollten Android stärker in ihren Fokus rücken, denn der Bedarf von Unternehmensseite steigt. Die Zahlen haben sich in den letzten beiden Jahren schon in diese Richtung entwickelt und so wird es wohl auch weitergehen.

Es sei noch hinzugefügt: Von Unternehmen wird oft Kenntnis verschiedener mobiler Plattformen gewünscht, da die entwickelten Apps auf verschiedenen Betriebssystemen laufen sollen. Sich nur auf ein einziges zu spezialisieren und die anderen komplett außer Acht zu lassen ist also in der Regel keine gute Idee – machen aber auch nur wenige Freelancer.

Was Mobile-App-Entwickler können sollten

Kenntnis über mehrere mobile Betriebssysteme ist also von Vorteil, die wichtigsten drei haben wir bereits genannt. Auch an Blackberry OS sollte gedacht werden, andere wie Symbian OS oder webOS (PalmPre) tauchen dagegen nur noch selten in Projektanfragen auf.

C#, .NET, C++, Java, Objective-C, Cocoa, X-Code, AIDL

App-Entwickler sollten Know-how in den relevanten Programmiersprachen und Frameworks mitbringen, am häufigsten werden hier C#, .NET, C++, Java, Objective-C, Cocoa, X-Code, AIDL (Schnittstellen/Android) genannt. Für C#-Entwickler ist es zum Beispiel nur ein kurzer Weg zum App-Spezialisten. Auch für Webentwickler ist der Schritt naheliegend, vor allem da einige Apps an Webseiten oder Online-Anwendungen angebunden sind (HTML5, TCP/IP etc.). Ein weiterer Übergangsbereich ist das responsive Design von Webseiten, also deren Anpassung an verschiedene Ausgabegeräte und Displaygrößen – hierfür werden zusätzlich die klassischen Web-Skills (CSS, SEO, Velocity, …) gebraucht.

Auffällig ist, dass in der Mehrheit der App-Projektanfragen Know-how über agile Entwicklung (Scrum) vorausgesetzt wird – wenn auch oft als Nice-to-have. In den letzten zwei Jahren ist außerdem ein Aspekt neu hinzugekommen: der der Sicherheit. Wissen in Bezug auf Sicherheitsrisiken und deren Vermeidung wird immer häufiger von Unternehmen nachgefragt, die freie App-Entwickler suchen. Freelancer sollten diesen Aspekt also nicht vergessen.

Berlin, Hauptstadt der Startups

In welchen Regionen sind die bei GULP eingetragenen Mobile-App-Spezialisten zu finden? Der Bereich der Mobile Apps unterscheidet sich in einem Punkt ganz deutlich vom Rest des IT-Projektmarkts – und dieser „Punkt“ heißt Berlin. 13 Prozent der Mobile-App-Selbstständigen bei GULP sind im Postleitzahl-Gebiet 1xxxx zu finden, also in und um die Hauptstadt. Bei allen IT-/Engineering-Selbstständigen beläuft sich dieser Anteil auf nur sieben Prozent, hier bestätigt sich der Ruf Berlins als Hauptstadt der Startups. Anteilsmäßig die meisten App-Entwickler sind in den beiden Regionen in und um Frankfurt am Main (6xxxx, 16 Prozent) und München (8xxxx, 17 Prozent) beheimatet.

Kurz zusammengefasst

Jüngere Entwickler im Raum Berlin kommen an der App-Entwicklung wahrscheinlich gar nicht vorbei – die Chancen sind da und die Bezahlung dürfte in der Regel höher als in anderen Bereichen sein. Entwickler im Rest des deutschsprachigen Raums, die mit Web bzw. mit der Programmierung in C#, .NET, C++ oder Java zu tun haben, sollten die mobilen Applikationen im Auge behalten. Der Bereich wird sicherlich weiterhin an Wichtigkeit zunehmen, wer sich informiert, auf dem Laufenden bleibt und die Entwicklungen beobachtet, kann sich einen zusätzlichen Tätigkeitsbereich erschließen. Wer dann noch über seinen eigenen Schatten springt und sich neben der Leidenschaft für Apple auch eine Begeisterung für Android zulegt, ist derzeit manchen Kollegen einen Schritt voraus. Also: Ran an die Androiden!

Mehr Informationen zum Thema bei GULP: