Wenn eine falsche Beratung richtig teuer werden kann...

IT-Haftpflicht in der Praxis, Teil 3

16.03.2005
Ralph Günther
Artikel teilen:

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 | Teil 7 | Teil 8 | Teil 9 | Teil 10 | Teil 11

Als IT-Freiberufler, der vor allem in der reinen Beratung tätig ist, eine spezielle IT-Haftpflichtversicherung? Es kann durchaus angeraten sein, wie Ralph Günther meint. Der Fachwirt für Finanzberatung IHK kennt nämlich Fälle, in denen eine falsche Beratung für den IT-Experten richtig teuer hätte werden können:

Ein Fall aus der Praxis: Der Schaden hat sich im Januar 2005 in Süddeutschland ereignet. Verursacher war ein kleines IT-Unternehmen mit einem Geschäftsführer und drei Angestellten, das sich hauptsächlich mit EDV-Beratung und Service sowie Handel beschäftigt.

Wie es geschah

Die IT-Firma erhielt den Auftrag, für einen Rechtsanwalt im Rahmen der erstmaligen Niederlassung die komplette EDV zu planen sowie die Anschaffung der Hardware und Software zu koordinieren und zu installieren. Zum Auftrag gehörte auch, für den Webauftritt der Ein-Mann-Rechtsanwaltskanzlei eine Internet-Domain zu registrieren.

Der IT-Dienstleister registrierte eine Umlaut-Domain und gab diese an den Kunden weiter. Der vertraute dem Fachwissen und der Beratung des Dienstleisters und ließ für seine Kanzlei Visitenkarten, Briefpapier, Schilder und Broschüren designen und drucken - allesamt mit dem Verweis auf die besagte Umlaut-Domain.

Später stellte sich heraus, dass diverse Server diese Umlaut-Domain nicht verarbeiten konnten. Nach längeren erfolglosen Versuchen, dieses Problem zu lösen, blieb im Sinne einer professionellen Rechtsanwaltskanzlei nur noch übrig, eine andere neue Domain zu beantragen und zu verwenden.

Der Schaden

Visitenkarten, Briefpapier, Schilder und Broschüren - alles musste wegen des Domain-Wechsels komplett neu erstellt und gedruckt werden. Die Kosten und somit die Schadenersatzforderung an die IT-Firma betrugen hierfür etwa 3.500 Euro.

Die Firma hatte eine IT-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die sowohl "reine" Vermögensschäden (Schäden die weder Personen- noch Sachschäden oder eine Folge daraus sind) wie auch Schäden von Fehlberatungen abdeckt. Der Schaden wurde dem Versicherer Mitte Januar gemeldet.

Daraufhin hatte der Versicherer die entsprechenden Belege und Rechnungen für die Abwicklung angefordert. Als diese vorlagen, wurde der Schaden Ende Februar beglichen.

"Glück im Unglück"

Der dargestellte Schadenfall zeigt geradezu idealtypisch den Sinn einer speziellen IT-Haftpflichtversicherung auf, denn: Über eine so genannte "normale" Betriebshaftpflichtversicherung wäre dieser Schaden nicht vollständig abgedeckt gewesen.

So stellt beispielsweise die Nichterreichbarkeit der Kanzlei per Mail originär weder einen Personen- noch ein Sachschaden dar. Diese Folgeschäden, die oft den eigentlichen, primären Schaden erheblich übersteigen, sind im Rahmen von besonders formulierten IT-Haftpflichtversicherungsbedingungen abgedeckt.

Zudem sind nach den aktuellen allgemeinen Versicherungsbedingungen AHB (Musterbedingungen GDV Juli 2004) "Haftpflichtansprüche wegen Schäden aus dem Austausch, der Übermittlung oder Veränderung von Daten, soweit es sich handelt um (…) (2) Störung des Zugangs zum elektronischen Datenaustausch, …" ausgeschlossen.

Wirklich umfassenden Versicherungsschutz und Rechtssicherheit im Rahmen von eventuellen Schadensersatzforderungen für IT-Dienstleister und IT-Freiberufler kann hier nur eine auf den Bedarf IT abgestimmte IT-Haftpflichtversicherung bieten, die

  insbesondere keine Unterscheidung zwischen Sach-, Vermögensschäden und reinen Vermögensschäden (auch daraus resultierende Folgeschäden) vornimmt
  und keine Sublimite (niedrigere Unterversicherungssummen) für bestimmte Gefahrenbereiche (EDV-Vermögensschäden, Urheberechtsverletzungen, Datenverlust etc.) kennt.

Nähere Informationen bei Ralph Günther.
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2005 exali GmbH .

Betriebshaftpflicht? IT-Haftpflicht!