Versicherungen für Selbstständige

Eine Kurzübersicht

29.03.2000
GULP Redaktion
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Was kann so alles im Laufe eines Projektes passieren und welche Versicherungen decken das ab? Hier finden Sie einen Überblick und weiterführende Links.

Berufshaftpflichtversicherung

Für Peter S. war dieses ein Routineauftrag. Tausch einer RM 600 gegen eine RM 720. Projektmäßig befand man sich im Zeitplan. Bis der Rechner um12.00 Uhr abgeschaltet wurde und die Mitarbeiter der Krankenkasse vor schwarzen Bildschirmen Routinearbeiten ohne Rechneruntestützung leisten mussten, verblieben noch zwei Stunden. Zeit genug für Peter S., um sich mit dem Systemadministrator während der Sicherungsläufe zu unterhalten.Der angebotene Kaffee wurde gerne angenommen und als der Systemadministrator die Anekdote von der Installation der MX 500 im Jahre 1993 begann, setzte sich Peter S. auf die RM 600. Wollte sich setzen wäre besser ausgedrückt! Denn er saß noch nicht richtig, als ein schepperndes Geräusch, dicht gefolgt von einem Knall die Unterhaltung unterbrach.

Dass sich Flüssigkeiten nicht mit Strom vertragen, fasste der Geschäftsführer der Krankenkasse in einer Aufstellung so zusammen:

 

Rechnerausfall

 2 Stunden

Betroffene Mitarbeiter

40

Stundensatz

70,00 DM

Ursprünglicher Restwert der RM 600

1.000 DM

Summe

6.600 DM

 

Da sich das geforderte Honorar in etwa der gleichen Größenordnung bewegte, kam man überein, auf gegenseitige Forderungen zu verzichten.

Peter S. stellte sich die Frage, was wäre gewesen, wenn der neue Rechner erst in einer Woche einsatzbereit gewesen und 400 Mitarbeiter betroffen wären?

Die Antwort hat vier Buchstaben: Ruin!

Soweit muss es natürlich nicht kommen. Die oben beschriebenen Vermögensschäden deckt eine Berufshaftpflichtversicherung in unterschiedlichem Maße ab. Dies bezieht sich auf die Beteiligung der Versicherung an dem eingetretenen Schaden. Die zu entrichtende Prämie richtet sich nach

  • Art und Umfang des Risikos
  • Höhe der Deckungssumme
  • Höhe des Selbstbehaltes

 

Aber nicht nur die Übernahme der entstandenen Kosten ist Sache der Versicherung. Diese hat darüberhinaus eine Prüfungsfunktion. Denn nur dann, wenn die Forderung des Geschädigten berechtigt ist, wird eine Entschädigung gezahlt. Im obigen Beispielfall würde demnach der Sachverhalt geprüft. Trifft eventuell den Systembetreuer eine Mitschuld?

Haftpflichtversicherung

Großrechner oder Client-Server? Diese Frage hatte der Freundeskreis schon öfter diskutiert. Inzwischen hatten sich Fraktionen gebildet, die die eine bzw. andere Philosophie vehement verteidigten. Karl F. lachte verbittert auf, als Peter S. von einer Welle sprach, die einmal das eine mal das andere Konzept nach oben spüle. "Apropos Welle", sagte er, "gestern abend kam ich nach Hause und fand meinen Sohn in einem für ihn ausgesprochen ruhigen Zustand vor. Seine Aktion, den Abfluss der Waschmaschine umzuleiten, zeigte zwar sein technisches Interesse, leider ergab sich ein Fehlschlag dahingehend, dass die Wohnung unter uns als verlängerter Schlauch diente. Die Welle, die die Mieter in ihrem Wohnzimmer vorfanden, erinnerte sie nicht an ihren Urlaub in Spanien."

Deshalb: Eine private Haftpflichtversicherung ist ist die wichtigste Versicherung überhaupt! Wesentliche Schadenersatzansprüche sind abgesichert und Sie vermeiden den persönlichen Konkurs, wenn die Versicherung in ausreichender Höhe abgeschlossen wird. Es ist ratsam, eine Deckung von mindestens 10.000.000 DM zu vereinbaren. Solch eine Versicherung kostet nur wenige hundert DM im Jahr.

Krankenversicherung

Oberflächlich betrachtet, ließen sich die Folgen einer Erkrankung aus Eigenmitteln bestreiten. In der Presse ist häufig von Pflegesätzen in Krankenhäusern die Rede, die in der Größenordnung von 300 bis 400 DM liegen. Da ein Krankenhausaufenthalt selten länger als 14 Tage dauert, wären die Kosten selbst bei einer schweren Erkrankung überschaubar.
Tatsächlich sind die genannten Vergütungen  jedoch nur bei Abrechnungen mit gesetzlichen Krankenkassen gültig. Gehen Sie ohne gesetzlichen Krankenversicherungsschutz ins Krankenhaus, werden Sie als Privatpatient behandelt und Ihnen jede ärztliche Leistung gesondert berechnet. Der oben aufgezeigte Preisrahmen wird dann deutlich überschritten.

Als Freiberufler ist eine Absicherung des Risikos der Erkrankung auf jeden Fall abzusichern. Der Leistungsumfang der Krankenversicherung sollte sich auf mindestens folgende Leistungsarten beziehen:

  1. Krankenhauspflege
  2. (zahn-) ärztliche Behandlung
  3. Verdienstausfall

 

Eine wichtige Frage ist, bei welcher Krankenkasse Sie diese Risiken versichern sollten.

Gesetzlich oder privat versichern?

Wenn Sie zur Zeit privat versichert sind, erübrigt sich diese Frage, da es keine Möglichkeit gibt, als Freiberufler in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Ein Wechsel zu einer anderen privaten Versicherung lohnt in der Regel nicht, da Sie wegen des inzwischen höheren Lebensalters mit tendenziell höheren Prämien rechnen müssen und die bei Ihrer Versicherung aufgebauten Altersrückstellungen verlieren.

Sind Sie noch bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, haben Sie folgende Handlungsalternativen:

  1. Sie bleiben gesetzlich versichert und suchen die preisgünstigste aus. Die ersparten Beträge investieren Sie in eine private Zusatzversicherung (Z. B. Einzelzimmer). Bei gleicher Prämienhöhe erreichen Sie einen optimalen Krankenversicherungsschutz! Eine günstige Krankenkasse finden Sie zum Beispiel über den FAX-Abruf bei der Stiftung Warentest: 01905100108639.
  2. Sie versichern sich bei einer Privatversicherung. Als Strategie bietet sich an, die im Vergleich zu der gesetzlichen Krankenversicherung eingesparten Beträge nicht zu konsumieren, sondern anzusparen. Der sich bildende Kapitalstock kann dann im Alter die tatsächlich zu zahlenden Beiträge erheblich verringern. Eine Übersicht der privaten Krankenversicherungen erhalten Sie bei der Stiftung Warentest als FAX-Abruf unter 0180588768430 oder beim Versicherungsverband .

Risikolebensversicherung

Eine Risikolebensversicherung kann in unterschiedlichen Lebensphasen sinnvoll sein.

Fall 1:

Peter S. hat sich im Alter von 50 Jahren von seiner Frau scheiden lassen und eine wesentlich jüngere Frau geheiratet. Die Scheidung war teuer und die Ersparnisse sind aufgebraucht. Aus der 2. Ehe stammt der Sohn Marcel (1 Jahr alt).
Sollte Peter S. versterben, ist seine Familie nur unzureichend versorgt. Die Mutter kann eine Arbeit nur in geringfügigem Maße aufnehmen.
Als Ausweg bietet sich eine Risikolebensversicherung an, die der Familie im Todesfall die ersten finanziellen Sorgen nimmt.

Beispielrechnung ( MannheimerVersicherung )

Versicherungssumme: 400.000 DM
Monatsbeitrag (brutto): 546,42 DM
Monatsbeitrag (netto):  382,49 DM *

Fall 2:

Frank T. (30 Jahre alt) hat mit seiner Familie ein Haus gebaut. Im Falle seines Todes würde er die Familie mit einem Schuldenberg zurücklassen.
Als Weg bietet sich eine Risikolebensversicherung an, die der Familie im Todesfall die finanziellen Sorgen nimmt.

Beispielrechnung ( Mannheimer Versicherung )

Versicherungssumme: 400.000 DM
Monatsbeitrag (brutto): 91,40 DM
Monatsbeitrag (netto):  63,98 DM *

Zur Absicherung der Hypothekendarlehen ist allerdings besser ein Vertragstarif mit fallender Versicherungssumme zu wählen. Dieser Vertrag richtet sich nach der Restschuld des Darlehens.

Sonstiges:  

  • Um eine garantierte Todesfallleistung von Beginn an zu erhalten, ist ein Vertrag mit Beitragsverrechnung oder ein Vertrag ohne Überschüsse zu wählen.
  • Verträge zugunsten fremder Personen unterliegen im Falle des Eintritts hohen Erbschaftsteuerbelastungen. Ehepartnern und Kindern werden dagegen recht hohe Freibeträge eingeräumt.
  • Die Kündigung des Vertrages kann zum Ende eines jeden Versicherungsjahres erfolgen.

 

Die angegebenen Leistungen aus der Überschussbeteiligung werden nicht garantiert!

Renten-/ Berufsunfähigkeits-/ Unfallversicherungen

Renten-, Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung? Die Wahrscheinlichkeit, durch Krankheit invalide zu werden, ist deutlicher höher als durch Unfall. Eine Versicherung, die bei einem Eintritt von Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit, eine Rente zahlt, ist deshalb der Vorrang gegenüber einer reinen Unfallversicherung einzuräumen.

Zunächst sollten Sie prüfen, ob Sie einen Anspruch auf gesetzliche Leistungen haben:

  1. Unfallversicherung: Selbstständige sind in der gesetzlichen Unfallversicherung nur dann versichert, wenn sie bestimmten Personenkreisen angehören, die im § 2 Abs.1 SGB VII aufgezählt sind, dazu gehören DV- Freiberufler nicht. Auch eine Versicherungspflicht kraft Satzung bzw. freiwilliger Basis scheidet in der Regel aus.
  2. Rentenversicherung: In der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen nur noch dann Ansprüche im Falle der Berufs- bzw Erwerbsunfähigkeit, wenn Sie als freiwilliges Mitglied bereits vor 1984 mindestens fünf Jahre versichert waren und seit diesem Zeitpunkt regelmäßig monatlich den Versicherungsbeitrag zahlen.

 

Für Freiberufler ist es deshalb ratsam, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die auch so gestaltet werden kann, dass sie an eine private Lebens- oder Rentenversicherung gekoppelt wird. Interessant ist auch die Koppelung einer Risikolebensversicherung mit einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung.
Ihren Versorgungsbedarf können Sie zum Beispiel mit Hilfe des Tarifrechners   der Mannheimer Versicherung ausrechnen lassen.

Folgende Punkte sollten Sie beachten:

  • Zwischen den einzelnen Versicherungen gibt es sehr hohe Prämienunterschiede. Versicherungsmakler bieten häufig günstige Tarife an.
  • Die Versicherungsbedingungen sind bei den einzelnen Versicherungen unterschiedlich. Ein Vergleich lohnt!
  • Die Leistung im Schadensfall hängt von der Versicherungssumme und dem Grad der Invalidität ab.
  • Die Änderung der beruflichen Tätigkeit ist der Versicherung unverzüglich mitzuteilen.
  • Krankenhaustagegeld als zusätzliche Leistung ist nicht sinnvoll, da in jedem Fall eine finanzielle Absicherung erfolgen muss.

 

Folgende  Informationsseiten können Sie bei der Stiftung Warentest (kostenpflichtig!) abrufen:

Stiftung Warentest: 

  FAX-Abruf

Rentenberatung: Auskunftsstellen

01905100108644

Berufsunfähigkeitsversicherung: Checken Sie die Klauseln!

 01905100108633

Strategie

Die wichtigsten Versicherungen für Freiberufler im Überblick:

  • Haftpflichtversicherung
  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Krankenversicherung + Tagegeld
  • Risikolebensversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Ein umfassender Schutz ist sinnvoll, zu bedenken ist jedoch, dass über Jahre hinweg entsprechende Beträge aus der Selbstständigen Tätigkeit erwirtschaftet werden müssen, um diesen Versicherungsschutz auch zu erhalten.

Eine Betrachtung des Jahresaufwandes macht dieses deutlich:

Risikolebensversicherung Mannheimer

767,76 DM

Männlich, 30 Jahre alt (s.o.)
Berufsunfähigkeitsversicherung

*20.330,40 DM

Gesetzliche Rentenversicherung inkl. Berufsunfähigkeitsschutz
Haftpflichtversicherung

200,00 DM

(ca.)
Pflegeversicherung

*1.096,50 DM

Obligatorisch
Krankenversicherung AOK Bayern

  *10.603,80 DM

Krankengeld ab 43. Tag, monatlich = 4.515 DM

 

(* Höchstbeitrag im Jahre 2000; Beispieleinkommen 8.600 DM monatlich)

Über 30.000 DM sind im obigen Beispiel jährlich aufzubringen. Der Versicherungsschutz ist sicherlich für einen Freiberufler nicht optimal. Das Krankengeld ist sehr niedrig und die zu erwartende Rente reicht ebenfalls zur Erhaltung des Lebensstandards eines Freiberuflers nicht aus.

Folgende Tipps:

 

  1. Um Ihren optimalen Versicherungsschutz zu erhalten, sollten Sie zunächst überlegen, wieviel Beiträge von Ihnen im Jahr aufgebracht werden können. Auch dann, wenn die Auftragslage nicht rosig aussieht!
  2. Welche Leistungen benötigen Sie unbedingt? Die Beiträge für die Risikolebensversicherung und Haftpflichtversicherung sind leicht aufzubringen. Trotzdem lohnt ein Versicherungsvergleich!
  3. Die Krankenversicherungsbeiträge können Sie durch einen Wechsel zu einer günstigen gesetzlichen Krankenkassse bei gleichem Versicherungsschutz senken. Oder doch lieber privat absichern?
  4. Die gesetzliche Rentenversicherung könnte durch eine private Versicherung ersetzt werden. Lassen Sie sich beraten!