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Zahl der potenziell Scheinselbstständigen rückläufig

Neue Studie des IAB zum Thema Scheinselbstständigkeit – ADESW und VGSD beziehen Position

20.01.2017
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht die Zahl der potenziell scheinselbstständig arbeitenden Solo-Unternehmer nach und nach zurück.

Ergebnis der Studie

Für die Studie hat das IAB die Verbreitung von Scheinselbstständigkeit untersucht und die Ergebnisse mit einer rund 20 Jahre alten Erhebung verglichen (jüngere, belastbare Zahlen lagen nicht vor). Ergebnis: Der Anteil potenziell Scheinselbstständiger ist rückläufig.

Die Studie trifft eine weitere interessante Aussage: Sie identifiziert bestimmte Risikogruppen, die von der Scheinselbstständigkeit potenziell sehr stark betroffen und deswegen besonders schutzwürdig sind, nämlich Berufseinsteiger unter 25 Jahren und Arbeiter ohne Berufsabschluss in Branchen wie Gastronomie, Handel und Transport.

Hier fängt die Schutzbedürftigkeit an

Mit Hinblick auf diese Tatsachen fordern Verbände wie der VGSD (Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.) und die ADESW (Allianz für selbständige Wissensarbeit e.V.) die Bundesregierung auf, Freiberufler und Solo-Selbstständige nicht länger unter Generalverdacht zu stellen. Stattdessen sollten sie sich auf die tatsächlich schutzbedürftigen Gruppen konzentrieren. Hochqualifizierte und akademisch gut ausgebildete Freelancer wie Honorarärzte, selbstständige Ingenieure oder freiberufliche IT-Experten gehören definitiv nicht zu solchen Risikogruppen. Dies unterstreicht Carlos Frischmuth, Vorstandsvorsitzender der ADESW in einem Interview mit der Computerwoche und rechnet vor: „Selbstständige IT-Spezialisten erzielen in deutschen Unternehmen teilweise Monatsumsätze von durchschnittlich 12.000 Euro vor Umsatzsteuer.“

Rechtsunsicherheit für fair bezahlte und gut vorsorgende Selbstständige

Vor diesem Hintergrund fordern beide Verbände klare positive Abgrenzungskriterien, die eine tatsächliche Unterscheidung zwischen echter und scheinbarer Selbstständigkeit ermöglichen. Die bisherigen Kriterien entsprächen im großen Maße nicht mehr der Realität: „Viele IT-Fachleute und andere Wissensarbeiter benötigen weder Mitarbeiter noch Geschäftsräume noch umfangreiche Betriebsmittel. Andererseits erwarten etliche Auftraggeber, dass Freelancer einem wichtigen Projekt vorübergehend 100 Prozent ihrer Arbeitszeit widmen“, erklärt Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD. Nach dem traditionellen Kriterienkatalog entstehe hier unter Umständen der Verdacht einer scheinselbstständigen Tätigkeit. „Das verunsichert Auftraggeber – in der Folge verlieren Freelancer, die gut verdienen und vorbildlich fürs Alter vorsorgen, ihre Aufträge“, so Lutz weiter.

Auch die ADESW befindet die aktuelle Rechtslage für hochqualifizierte Solo-Selbstständige und Freelancer als nicht optimal und fordert mit ihrer preisgekrönten Kampagne „Experten-Arbeit stärken“ weiterhin mehr Rechtssicherheit für die Selbstständigen*. Allerdings erkennt die ADESW auch eine positive Entwicklung für die Rechtssicherheit und verweist auf die Stellungnahme der Bundesregierung zur Gesetzesnovelle, wonach die Arbeit hochqualifizierter Wissensarbeiter nicht eingeschränkt werden soll. „Wo kein Missbrauch entsteht, braucht es kein Eingreifen des Staates. Viele Unternehmen sind doch recht unsicher ob der gesetzlichen Vorgaben“, erklärt Frischmuth, „umso wichtiger ist jetzt diese Klarstellung der Politik. Darauf haben wir seit 2013 gewartet.“

Auch Prof. Dr. Gregor Thüsing, Arbeitsrechtswissenschaftler an der Universität zu Köln, sieht in dieser Klarstellung eine Chance:

Die ADESW wird an dem Bekenntnis der Bundesregierung anknüpfen und weitere Verbesserungen einfordern. Hier können Sie den Forderungskatalog der ADESW nachlesen.

*Die ADESW hatte im November 2016 den Politikaward von der Fachzeitschrift „politik&kommunikation“ erhalten. Für ihre Februar-Kampagne (gestaltet von der Kommunikationsagentur Blumberry) konnte sie sich in der Kategorie „Gesellschaftliche Kampagne“ gegen Landeszentralen, Staatsministerien und sogar eine Menschenrechtsorganisation durchsetzen. Der Politikaward ehrt dabei die Kampagne, die am wirkungsvollsten aufklärt, informiert und mobilisiert.

Lesermeinungen zum Artikel

5 von 5 Sternen | Insgesamt 3 Bewertungen und 2 Kommentare

  • Auf den Punkt gebracht!

    Dan Casapu am 27.01.2017 um 08.48 Uhr

    Sehr zutreffend und 100% richtig!
    Diese Studie sollte bis nach oben gereicht werden. Die Unsicherheit vieler großen Firmen ist sehr groß geworden und ich hoffe, dass dieser Trend nicht anhält. Das Ergebnis dieser Studie sollte wegweisend für die Gesetzgeber sein!

  • Zahl der potentiell Scheinselbständigkeit rückläufig

    Christopher White am 26.01.2017 um 20.04 Uhr

    Sehr informativ, leicht verständlich und aktuell. Super.

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