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Projektauftrag nur mit Zertifikat?

05.03.2015
GULP Redaktion - Bernhard Krebs
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Novell hat 1989 mit seinem Programm für den Certified Netware Engineer (CNE) den Anfang gemacht. Seitdem sind unzählige Hersteller mit eigenen Zertifizierungsangeboten gefolgt. Zudem haben gerade große Unternehmen bei umfangreichen Projekten Standards eingeführt, die entsprechende Zertifikate voraussetzen. Auch wenn Spötter behaupten, es gäbe bald mehr Zertifikate als Projekte, sind viele Marktexperten und die einschlägigen Medien der Ansicht, dass IT-Freelancer gut daran tun, sich entsprechendes Know-how inklusive nötigem Zertifikat anzueignen. So kam etwa eine GULP Marktstudie 2011 zu dem Ergebnis, dass Security-Spezialisten mit Zertifizierung gefragter sind.

Aber hilft ein Zertifikat tatsächlich dabei, im Wettbewerb um interessante Projekte den Zuschlag zu erhalten oder auch höhere Stundensätze zu erzielen? Der IT-Freelancer steckt hinsichtlich solcher Fragestellungen aus einem ganz pragmatischen Grund im Dilemma. Denn ein aufwändiges Zertifizierungsprogramm ist neben einem laufenden Projekt kaum zu bewältigen – er wäre gezwungen, in eine Projektpause investieren. Ein solcher Verdienstausfall plus Zertifizierungskosten müssen gut überlegt werden, wenn auch Projektanbieter und zertifizierte IT-Experten häufig und gerne bestätigen, dass dies sich rechnen und langfristig lohnen würde.

„Zertifikat oder nicht Zertifikat, das ist hier die Frage“, möchte man in Shakespeare-Tradition fast einwerfen – oder wie GULP in der jüngsten Kurz-Umfrage ganz konkret wissen, ob Projektauftrag und Zertifizierung ursächlich zusammen hängen. Insgesamt 105 Teilnehmer gaben hierauf Antwort:

Das Ergebnis scheint auf den ersten Blick die Notwendigkeit von Zertifikaten recht eindeutig in Frage zu stellen, doch lohnt es sich genauer hinzusehen. Stehen den knapp 45 Prozent der Teilnehmer, die ihre Projektaufträge ohne Zertifizierung erhalten zu haben glauben, doch 35 Prozent gegenüber, die der Meinung sind, ein oder mehr Projekteinsätze einem entsprechenden Zertifikat zu verdanken.

Mehr als jeder Dritte (abgesehen von der 20-prozentigen Dunkelziffer) der Teilnehmer an unserer Kurz-Umfrage hat also schon davon profitiert, Zeit und Geld in eine Zertifizierung investiert zu hat. In diesen Zusammenhang ist auch ein Zitat aus dem GULP Forum interessant: „Zertifikate bringen dir das Vorstellungsgespräch, die Erfahrung den Job.“

Diese Einschätzung und das Umfrageergebnis können für IT-Freelancer, die vorausschauend in ihre persönliche Projekt-Zukunft blicken, ohne Zweifel ein gutes Argument für Zertifizierungen sein. Wie überhaupt Weiterbildung im Projektmarkt ein stets aktuelles Thema ist.

Eine GULP Umfrage vor einem Jahr unter freiberuflichen IT-Experten, was sie denn 2014 am dringendsten ändern möchten, zeigte übrigens, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Weiterbildung (und damit indirekt oder direkt  auch für Zertifizierungen) durchaus vorhanden ist. Denn genau das stand zum Schluss im Antwort-Ranking mit 19 Prozent an zweiter Stelle.