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Karriere als Embedded Systems Engineer: Wozu ein Personaldienstleister, wenn mich eh alle wollen?

20.06.2022
Florian Schießl – Freiberuflicher Autor
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In unserer Reihe “GULP Experten” liefern wir Fachwissen von Profis aus der Personalberatungsbranche. In diesem Interview geht es um die Frage, wie man als Ingenieur seinen Traumjob beim Traumarbeitgeber findet. Denn obwohl Fach- und Führungskräfte in der Ingenieur- und Technikbranche sehr gefragt sind, beispielsweise im Bereich Embedded Systems, sorgt das nicht automatisch für die perfekte Stelle beim Wunscharbeitgeber. Shezan Kazi spricht über die Frage, was heute im Job glücklich macht und wie man mit einer guten Beratung an der Seite neue Karrierepfade erschließen kann.

Shezan Kazi, Head of Perm Engineering, begleitet mit seinem Team Kandidat:innen auf der Suche nach der für sie bestmöglichen Anstellung im Bereich Ingenieurtechnik. Mit Branchen- und Fachwissen ist sein Team immer auf der Suche nach dem perfekten Match für Embedded Systems Engineers & Co.

Wie finde ich heutzutage einen Job, der mich glücklich macht?

Glück ist natürlich individuell. Das wichtigste am Job ist meiner Meinung nach: Eine Aufgabe finden, die mich begeistert. Embedded Systems ist zum Beispiel ein vielschichtiges Aufgabenfeld: Hochfrequenztechnik, Firmware Entwicklung, Digitaldesign … Deshalb sollte man sich als erstes fragen: Wofür schlägt eigentlich mein Herz, was motiviert mich wirklich intrinsisch? Die Aufgabe an sich nimmt ja die meiste Arbeitszeit in Anspruch. Erst danach kommen Faktoren wie Kollegium, Vergütung und die Firma als solche.

Oftmals gibt es während der ersten paar Anstellungen der Karriere eine Umorientierung gegenüber den Schwerpunkten, die im Studium gesetzt wurden. Deswegen machen wir als Personaldienstleister im Erstgespräch immer eine ausgiebige Bedarfsanalyse, die bei Null anfängt. Wir erschaffen zusammen ein Bild von der Schlagrichtung bei der Suche beziehungsweise der Traumstelle. Manche bringen schon eine feste Vorstellung mit, bei manchen gehen wir ins Feintuning und beraten dabei natürlich auch.

Was sind aktuell die beliebtesten Trendthemen im Bereich Ingenieurtechnik?

Die Medizintechnik ist durch Corona stark in den Vordergrund gerückt. Erneuerbare Energien haben in den den letzten Jahren massiv an Popularität gewonnen. Autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz sind absolute Trendthemen. Wir können dazu natürlich beraten und Unternehmen vorschlagen. In den meisten Fällen lassen wir da aber Suggestionen gegenüber unseren Kandidat:innen erstmal außen vor, damit wir deren inneren Wünsche kennenlernen.

Wonach fragen die Gesprächspartner besonders häufig bezüglich Arbeitgebern, Arbeitsumfeld oder anderen soften Faktoren?

Der Trend geht spürbar in Richtung New Work. Dabei ist zum Beispiel das Arbeitsmodell zentral für die Entscheidung: Kann ich von zu Hause oder sonstwo arbeiten, welche Flexibilität gibt es in Sachen Arbeitszeiten und -inhalten? Unternehmen punkten hier, wenn sie den Arbeitnehmer:innen ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit zugestehen. Man kauft Fachkräfte nicht mehr als Zahnrad ein, sondern als individuelles Puzzleteil, das mit seinen persönlichen Fähigkeiten und eigenen Ideen zum großen Ganzen beiträgt. Insgesamt geht es im Vergleich zu einigen Jahren zudem weniger um Titel oder das Gehaltspaket, sondern um Identifikation mit der konkreten Stelle, den Werten des Unternehmens oder dem Produkt. Es geht also um den Sinn, um das “Warum arbeite ich hier?”

Wie finde ich als Elektrotechniker oder technischer Informatiker meinen Wunsch-Arbeitgeber?

80 Prozent geht heute über diverse Netzwerke – egal ob Mitarbeiterempfehlungen oder Business-Plattformen wie Xing oder LinkedIn. Neun von zehn Kandidat:innen sind dabei nicht selbst auf der Suche – das liegt an der teils geringen Extrovertiertheit unserer Zielgruppe, aber in erster Linie an der Fachkräfteknappheit. Eine eigenständige Suche ist schlichtweg oft nicht notwendig. Aber man muss dafür sorgen, gefunden werden zu können.

Die Visitenkarte ist dabei das eigene Profil. Wichtig ist zu signalisieren, dass ich auf der Suche bin – dafür gibt es mittlerweile bei allen sozialen Karrierenetzwerken extra Badges (Abzeichen) für das Profil. Und, dass meine Profilinhalte wirklich zugeschnitten sind auf die Schlagrichtung, in der ich suche. Teils sind Profile stark unvollständig bzw. nicht aktuell oder es ist ein Sammelsurium aus allen bisher gewonnen Erfahrungen, ohne echten aktuellen Schwerpunkt. Nur Titel oder Projekte zu nennen, ist ebenso wenig hilfreich: Recruiter und Active Sourcer brauchen konkrete, stichpunktartige Inhalte wie Rollenbeschreibungen, genutzte Technologien und Skills.

Ein gutes, aussagekräftiges Bild ist natürlich Pflicht – wenngleich es nicht zwingend ein klassisches Bewerbungs-Portrait sein muss. Zudem kann man mit Aktivität auf den Plattformen – also eigene Inhalte schreiben, teilen, liken – dafür sorgen, dass man für die Algorithmen im Social Web als interessant wahrgenommen wird und deswegen bei Suchen nach der eigenen Fachrichtung weit oben angeführt wird.

Wie kann ich mich abseits von Social Media empfehlen?

Abseits dessen kann ich Meetups und Messen empfehlen: Inhaltlich oft interessant, mit der Chance, sich hinsichtlich der eigenen Karriere zu vernetzen. Für das Eigenmarketing ist es auch geschickt, mit seinem individuellen Fachwissen sichtbar zu werden: In der Forschung kann man selbst Inhalte publizieren, abseits der Forschung etwa ein eigenes Code Repository online haben oder sich auf Open Source Plattformen inhaltlich beteiligen. Das beweist, neben Zertifizierungen, die inhaltlichen Fähigkeiten besser als schiere Behauptungen bzgl. die Auflistung seiner Fähigkeiten in Online-Profilen.

Natürlich kann man auch selbst suchen: Kontakte zu gewünschten Firmen aktivieren, zum Beispiel, um Initiativbewerbungen über Vitamin-B erfolgreich zu machen. Und langfristige Beziehungen zu Headhuntern, Recruitern oder Sourcern halten.

Was muss ich mitbringen, um einen guten Job im Bereich Embedded Software Engineering zu bekommen?

Bei den Grundvoraussetzungen angefangen, sind elektrotechnische oder informationstechnische Vorkenntnisse wichtig, egal ob aus Studium oder Ausbildung. Zudem eine Begeisterung für Signalverarbeitung, Elektrotechnik, Mechatronik und/oder Informatik in Kombination mit mathematischem und physikalischem Grundverständnis.

In Sachen Programmiersprachen sind C bzw. C++ oder Assembler klassisch im Bereich Embedded Systems, manchmal ist auch VHDL oder Verilog gefragt. Eine Skriptsprache wie beispielsweise Python ist sicherlich auch hilfreich. Wenn man sich in Richtung Hardwareentwicklung spezialisieren möchte, braucht man Übung in Tools wie Altium Designer, Eagle, Cadence, LTspice, oder ähnliches. Im Digitaldesign sind Kenntnisse zu FPGA oder ASIC gefragt.

Oft entscheidet am Ende das richtige Maß an Spezialisierung darüber, ob jemand eine Stelle bekommt oder nicht. Große Unternehmen tendieren etwas mehr zu stark spezialisierten Arbeitgebern, KMUs eher zu Generalisten. Vielfach interessiert zu sein, ist jedoch überall ein Plus.

Welche Rollen sind momentan gefragt – und wo?

Es wird eigentlich momentan fast jeder gesucht, der Erfahrungen in den gerade genannten Bereichen hat. Die am häufigsten gesuchten Rollen sind aktuell Entwickler:innen, Projektleiter:innen und Testingenieur:innen. Regional gesehen gibt es fachliche Leuchttürme abseits der Metropolen, wie etwa Tuttlingen, das sich zum Nabel der Medizintechnikwelt entwickelt hat, oder Jena mit seinen Traditionsunternehmen aus der Optoelektronik.

Wie kann ich sonst noch meine Chancen steigern?

Natürlich mit einem Personalberater bzw. -dienstleister zusammenarbeiten (lacht). Ich stehe da aber wirklich 100 Prozent dahinter und liebe den Job auch nach mehr als zehn Jahren noch. Sofern der Berater eine gewisse Spezialisierung auf den Ingenieur- bzw. Informatikbereich mitbringt, kann er wirklich die Chancen merklich steigern. Er sollte nicht nur die großen Namen, sondern auch die Hidden Champions kennen, die übrigens hinsichtlich Inhalten, Karriereperspektiven und Gehaltspaketen meist den “Großen” um nichts nachstehen. Die wesentlichen Insiderinfos aus dem Markt kann dir eine KI oder ein Algorithmus im Web übrigens noch nicht geben.

Wie hilft ein Personaldienstleister konkret? Inwieweit bringt er mich meinem Traumjob näher?

Das fängt bei der Beratung und Optimierung des Profils an: Was ist gefragt, was sollte wo und wie genau stehen. Wir schärfen gemeinsam das Profil einer Bewerberin passend zu ihren Fähigkeiten und das aktuelle Karriereziel. Auch die Zeitersparnis ist für vielgefragte Ingenieur:innen und Informatiker:innen ein relevantes Thema. Als Recruiter kennt man Bewerbungsprozess, Teilnehmer und Inhalte gut und ist effektiver als eine Bewerberin auf eigener Faust. Am Ende des Tages ist aber die Matching-Fähigkeit noch entscheidender: Wir lesen routinierter zwischen den Zeilen, worauf es bei den Stellenanzeigen, die oftmals laut Text die vielzitierte eierlegende Wollmilchsau suchen, wirklich ankommt. Und können besser matchen als beide Seiten ohne uns.

Außerdem helfen wir der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite dabei, den “Sweet Spot” in Sachen Gehalt zu finden. Denn wir haben ein großes Interesse daran, dass die Bewerberin auch in Sachen Geld eine nachhaltige Entscheidung trifft. Eine, die ihrem Marktwert entspricht. Dieser ist auch heute noch über Online-Informationen nicht immer zutreffend oder mit der nötigen Präzision herauszufinden: Granulare Information zu spezifischen Rollen, Unterschiede zwischen den Branchen, regional, etwa zwischen Ost/West oder Stadt/Land – wer das online findet, möge es in die Kommentare schreiben (lacht).

Und der langfristige Vorteil: Mir ist wichtig, dass ich dauerhaft mit meinen Kandidat:innen und Firmen in Verbindung bleibe. So wird man eine Vertrauensperson in Karrierefragen und gibt immer mal wieder Tipps für den Karriereweg. Durchschnittlich bleiben die Personen, die wir vermitteln, 5 Jahre bei einer Firma.

In welchen Karrierelagen könnt ihr beispielsweise Fortschritte möglich machen, die einem Bewerber auf eigene Faust verwehrt bleiben?

Die Herausforderungen sind individuell. Ein Thema sind Sackgassen in der Karriere. Etwa der Entwickler, bei dem die Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten stagniert: In einem offenen Gespräch kann ein guter Personaldienstleister den individuellen Bedarf aufdecken – der dem Kandidaten selbst vielleicht gar nicht klar war. Mit seiner detaillierten Kundenkenntnis sollte der Dienstleister in der Lage sein, zum Beispiel ein Team mit mehr Seniors zu finden, das in der gewünschten Schlagrichtung Wissenstransfer bieten kann.

Oder das Thema Gehalt. Der Kandidat will 70.000 Euro verdienen, das Unternehmen maximal 65.000 Euro zahlen. Da können wir mit unserer Erfahrung vermittelnd eingreifen und dafür sorgen, dass die Einigung nicht am lieben Geld scheitert.

Woran liegt es typischerweise, wenn es trotz hohem Fachkräftebedarf bei einem Embedded Developer mehrfach nicht mit einer Vermittlung klappt?

Selten liegt es an den technischen Fertigkeiten. Häufiger sind es dagegen Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeiten. Das kann etwa von einem Problem mit dem eigenen Selbstbewusstsein kommen, dass sich oft in Schwierigkeiten äußern kann, sich angemessen zu verkaufen. Manche haben eine regelrechte Interview-Angst. Da können wir mit einem Bewerbungsgespräch-Coaching unter die Arme greifen. Oder wir geben Tipps dazu, wie man zum Beispiel mit den verunsichernden Lücken im Lebenslauf umgehen kann. 

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