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Einkommen von IT- und Engineering-Experten im Vergleich

Zwischenstand GULP New Work Kompendium

04.12.2018
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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In den letzten Jahren hat sich die GULP Freelancer Studie allein der Beurteilung des Projektmarkts für Freiberufler und Solo-Selbstständige gewidmet. In diesem Jahr wollen wir Silos aufbrechen und auch IT- und Engineering-Experten außerhalb der Selbstständigkeit zu verschiedenen Themen der spezifischen Marktlage befragen. Aus diesem Grund entstand das GULP New Work Kompendium. Denn durch die Digitalisierung sowie durch veränderte Ansprüche der Menschen an ihren Arbeit- und Auftraggeber wandelt sich aktuell auch die Art und Weise, wie wir arbeiten (wollen). Auch verwässern die Grenzen zwischen Beschäftigungsformen und Teams aus internen und externen Kollegen immer häufiger und werden normaler.

IT- und Engineering-Experten rücken zudem aufgrund der digitalen Transformation als Know-how-Träger stark in den Mittelpunkt fast aller wirtschaftlichen Zweige, um den technologischen Fortschritt der Unternehmen zu unterstützen bzw. überhaupt erst möglich zu machen. 

Stundensatz und Bruttojahresumsatz 2017: Das verdienten IT- und Engineering-Freelancer im Schnitt

Im letzten Jahr hatten wir die Prognose abgegeben, dass der durchschnittliche Stundensatz der IT- und Engineering-Freelancer die 90-Euro-Mauer durchbrechen wird. Den Angaben der Umfrageteilnehmer über die Veränderungen des Stundensatzes beim nächsten Projekt zufolge tippten wir auf einen Wert von 96,53 Euro. Der Zwischenstand der aktuellen Umfrage dürfte den einen oder anderen Auftraggeber ein wenig aufatmen lassen, denn die Antworten ergeben einen Mittelwert von 92,67 Euro. Im letzten Jahr lag der finale Durchschnittsstundensatz bei 89,87 Euro. Wir haben nach jetzigem Stand also einen Anstieg um 3,12 Prozent zu verzeichnen.

Entsprechend ist auch der Bruttojahresumsatz bei unseren Umfrageteilnehmern gestiegen. Dieser liegt bei einem Durchschnittswert von 143.296 Euro (Vorjahr: 138.508 Euro). Das bedeutet einen durchschnittlichen Anstieg von 3,5 Prozent.

Bruttojahresgehalt von IT- und Engineering-Experten in der Festanstellung

Fangen wir einmal mit dem Wert an, der am einfachsten abzufragen ist: Dem Bruttojahresgehalt. Dies ist bei Festangestellten – zumindest, wenn sie keinen Provisionsmodellen unterliegen – eine feste Referenzgröße. Befragt wurden nur festangestellte Arbeitnehmer in Vollzeit. Dies war die Voraussetzung, um eine mögliche „Vergleichbarkeit“ zu unseren voll ausgelasteten Freelancern herzustellen. Und wie hoch war das durchschnittliche Bruttojahresgehalt aller bisher befragten festangestellten IT- und Engineering-Experten? Zum jetzigen Zeitpunkt konnten wir einen Wert von rund 68.373 Euro ermitteln. 

Haben Sie schon an unserer Umfrage teilgenommen? Hier können Sie mit Ihrem Input die Ergebnisse der Studie noch abrunden.

Warum es so schwer ist, Freelancer-Honorare mit Festangestelltenlöhnen zu vergleichen

Als die GULP Redaktion sich dazu entschied den Markt für alle IT- und Engineering-Experten zu beleuchten, war klar, dass wir uns dieser schwierigen Frage durchaus stellen mussten. Es liegt in der unvermeidlichen Neugier eines jeden arbeitenden Lesers, herauszufinden, was die obengenannten Zahlen in der Relation zu bedeuten haben. Denn auf den ersten Blick, könnte man dazu geneigt sein, den Bruttojahresumsatz des Freelancers mit dem Bruttojahresgehalt eines Festangestellten zu vergleichen und voreilige Schlüsse zu ziehen. Hier benötigt man aber einen differenzierten Blick und vor allem steuerfachliches Know-how, um den Knoten im Kopf zu entwirren. Deswegen haben wir unseren Steuerexperten Robert Chromow zu Rate gezogen. 

Nur eine Annäherung möglich:
Um sich der Vergleichbarkeit anzunähern, muss zunächst die Umsatzsteuer aus dem Jahresumsatz der Freelancer herausgerechnet werden. Beim Arbeitnehmereinkommen gibt es dafür ja keine Entsprechung. Nach Abzug des 19-prozentigen Umsatzsteueranteils bleibt vom Bruttojahresumsatz in Höhe von 143.296 Euro ein umsatzsteuerlicher Netto-Jahresumsatz von 116.070 Euro.

Auch zu berücksichtigen sind Betriebsausgaben. Diese fallen für Arbeitnehmer in Form von Werbungskosten an (z. B. Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers, privat bezahlte berufliche Weiterbildungen, private Steuerberatungskosten, Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte). Schon hier wird es schwer, beim Arbeitnehmer einen Durchschnittswert anzusetzen, weil Werbungskosten sehr individuell ausfallen können. 
Bei Selbständigen fallen im Vergleich aber sicherlich höhere Betriebskosten an: 

  • Raumkosten (Büro oder andere Betriebsstätte),
  • geschäftliche Mobilitätskosten (laufende Unterhaltskosten sowie Abschreibungen auf den Geschäftswagen, sonstige nicht erstattete Fahrtkosten),
  • Anschaffungen von Einrichtungsgegenständen, Hardware und anderem technischen Equipment,
  • Versicherungen, Beratung und innerbetriebliche Weiterbildung,
  • Werbung, Telekommunikation und Bürobedarf,
  • Bewirtungen etc.

Zwar ist der Gemeinkosten-Anteil bei IT-Freiberuflern meistens überschaubar: Mit etwa 15 Prozent ist er mit Sicherheit jedoch nicht zu hoch angesetzt. Vom umsatzsteuerlichen Nettojahresumsatz von 116.070 Euro bleibt nach Abzug der Betriebsausgaben also noch ein Gewinn bzw. Einnahmenüberschuss von rund 98.660 Euro. 

Letztendlich ist noch die Einkommensteuer zu betrachten. Wie hoch diese ist, hängt letztlich vom Familienstand, der Kinderanzahl und vielen anderen Besonderheiten des Einzelfalls ab. Setzt man das Bruttogehalt bzw. den Einnahmenüberschuss von rund 98.660 Euro der Einfachheit halber als zu verteuerndes Einkommen eines Singles an, liegt die Belastung aus Einkommensteuer und Soli beim Freelancer im Jahr 2018 rechnerisch bei rund 34.600 Euro (übrig bleiben rund: 64.060 Euro) und beim Arbeitnehmer sodann bei rund 21.200 Euro (übrig bleiben rund: 47.170 Euro). 

Hinweis: Die erst im nächsten Schritt berücksichtigten Vorsorgeaufwendungen wirken bei allen Einkunftsarten steuermindernd. Daher fällt die tatsächliche Einkommensteuerlast letztlich deutlich geringer aus – ändert aber nichts am Vergleich der Einkunftsarten. Um die verbleibenden Netto-Einkünfte vergleichbar zu machen, müssen aber noch die erforderlichen Vorsorgeaufwendungen ermittelt werden:

Im Brutto-Jahresgehalt des Arbeitnehmers von 68.373 Euro ist bereits ein Sozialversicherungsanteil von rund 11.500 Euro enthalten. Noch einmal etwa genauso hoch ist der Arbeitgeberanteil an den Beiträgen zur Kranken-, Pflege, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Hinzu kommen die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung, die der Arbeitgeber für alle Arbeitnehmer komplett trägt. 

Will der Selbstständige in etwa derselben Höhe vorsorgen (auf welche Art auch immer), muss er also rund 23.000 Euro in die Hand nehmen. 

Das ergibt folgendes Gesamtbild:

Mit anderen Worten: Obwohl die Freelancer doppelt so viel an Umsatz bestreiten, schmilzt das „Mehr“ am Ende der Rechnung auf ein Plus von rund 18 Prozent.

Zu bedenken ist, dass die höhere Jahresarbeitszeit (durch Akquise-Aufwand, betrieblichen Buchhaltungs-, Steuer- und Verwaltungsaufwand) dabei noch nicht einmal berücksichtigt ist. Ein Folgeaspekt im Vergleich, beim Arbeitnehmer sind durchschnittlich 30 Urlaubstage im Netto-Einkommen inkludiert und der Lohn wird bei Krankheit und Ausfall weiterbezahlt, während diese „freien“ Tage für Freelancer in der Regel einen Verdienstausfall bedeuten.

Fazit

Sie sehen: Brutto ist nicht gleich brutto! Schon anhand dieser kleinen und ja, ungenauen Rechnung, erkennt man gleich, warum freiberufliche IT- und Engineering-Freelancer jedenfalls ihren Preis haben und dass die aktuellen Honorare keinesfalls übertrieben hoch sind, sondern genau angemessen.

Es zeigt sich auch, dass über alle Beschäftigungsformen Know-how-Träger in den gefragten Bereichen, die die Digitalisierung vorantreiben, stets gesucht werden und alle auch finanziell auf Augenhöhe operieren.

Sie als IT- und Engineering-Experte wissen, wie der Markt tickt. Bitte geben Sie uns Ihren Input, damit wir das Bild abrunden können. 

Nehmen Sie an unserer GULP New Work Umfrage teil.

Sie können Ihre Antworten direkt hier eingeben oder die Umfrage in einem neuen Fenster öffnen.

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Lesermeinungen zum Artikel

1,5 von 5 Sternen | Insgesamt 2 Bewertungen und 2 Kommentare

  • Mit Verlaub

    mg am 09.12.2018 um 05.25 Uhr

    Die Werte im Artikel stimmen hinten und vorne nicht!!!

    Arbeitnehmer bekommen durchweg 13 Monatsgehälter, arbeiten aber ca. 10 Monate als Dank dafür.

    Dann: Bei einer wirklich vollständigen Betrachtung müssen die Sozialabgaben, die der Arbeitgeber für den AN zahlt, mit einbezogen werden.
    Obwohl sie nur bei einer selbst. Tätigkeit vom Selbständigen voll selbst gezahlt werden müssen, müssen sie auch bei einem Arbeitsvertragsverhältnis vom AN jeden Monat erwirtschaftet werden.

    Insoweit ist es recht einfach, selbständige und nichtselbständige Tätigkeiten miteinander zu vergleichen!

    Mein Rat: Der Artikel sollte noch einmal überarbeitet werden!

    Antwort von der GULP Redaktion

    Sehr geehrte/r mg,
    bei der Rechnung handelt es sich um eine sehr grobe, weil ein Vergleich in unseren Augen schon so sehr kompliziert erscheint. Von 13 Monatsgehältern auszugehen oder den Arbeitnehmern zu unterstellen, dass sie nur 10 arbeiten, erschien uns beides nicht als abbildbare Realität. Die Sozialabgaben haben wir allerdings, so wie Sie es beschreiben, auch berücksichtigt.

    Schöne Grüße
    Ihre GULP Redaktion

  • Nettoeinkommen pro Stunde

    Khatchatour Davtjan am 07.12.2018 um 08.50 Uhr

    1. Ich bezweifle die angesetzte Höhe der Betriebsausgaben und Werbungskosten
    2. Selbstständig: (143.296 € - 27.230 €) / 92,67 = 1300 Stunden/Jahr + (mehr) Akquise-Aufwand, betrieblichen Buchhaltungs-, Steuer- und Verwaltungsaufwand = 1300 + 100 = 1400 Stunden/Jahr, Nettoeinkommen pro Stunde = 41.066 € / 1400 = 29,33 €
    Arbeitnehmen (40 Stunden/Woche, 30 Tage Urlaub): 34.673 € / 1760 Stunden/Jahr = 19,70 € Nettoeinkommen pro Stunde

    Am Ende der Rechnung ein Plus von rund 33 Prozent.

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