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Der IT-Projektmarkt 2015 - Allgemeine Entwicklungen, Betriebssysteme und Programmiersprachen

03.02.2016
Bernhard Krebs – Freiberuflicher Autor
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„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Mit diesem Zitat beschrieb der griechische Philosoph Heraklit vor rund 2.500 Jahren eines der Grundprinzipien menschlicher Gesellschaft und jeglicher Entwicklung. Angewandt auf den Projektmarkt stellen sich auch heute die Fragen: Wohin geht der Wandel? Wie kann sich ein Freiberufler auf Veränderungen einstellen? Gar pro-aktiv Entwicklungen des Projektmarktes nutzen und sich für künftige Auftraggeber attraktiv machen, indem er seine Skills nachjustiert? GULP liefert dazu in einer Betrachtung der vergangenen drei Jahre und aktueller Zahlen einige Antworten.

Im ersten Teil unserer Studie werden die Erkenntnisse und Ergebnisse der Jahre 2013, 2014 und 2015 miteinander verglichen. Im Zentrum stehen zunächst die Qualifikationen in den Bereichen

  • Betriebssysteme
  • Programmiersprachen

 

Im nächsten Schritt werden sodann

  • Datenbanken
  • SAP-Module

unter die Lupe genommen.

Neben der Rangfolge der Top 5-Skills in jeder Kategorie legen wir ein weiteres Augenmerk auf die Stundensätze sowie die regionale Verteilung in der Nachfrage der einzelnen Qualifikationen.

Bevor wir uns den genannten Punkten zuwenden, wollen wir jedoch noch kurz einen Blick auf die allgemeinen Entwicklungen auf dem Projektmarkt werfen.

Projektmarkt-Boom hält an

Die zunehmende Digitalisierung, die fortschreitende IT-Durchdringung der menschlichen Lebenswelt sowie der anhaltende Boom neuer Technologien, die mehr und mehr Wirtschaft und Privates bestimmen, lassen auch den IT-Projektmarkt kontinuierlich wachsen. Wenig erstaunlich also, dass auch die vergangenen drei Jahre den bereits langanhaltenden Trend fortsetzten – und die Nachfrage an externen IT- und Engineering-Spezialisten kontinuierlich gestiegen ist.

Auf dem GULP Projektportal  lässt sich dieser Anstieg anhand der Projektanfragen teils nachvollziehen: Allein im Jahr 2015 wurden 193.560 Projektanfragen gezählt und damit über 22.000 mehr als im Vorjahr (171.369). Das hatte bereits um knapp 10.000 Anfragen gegenüber den zwölf Monaten zuvor (161.696) zugelegt.

Relativiert wird dieser Anstieg allein durch eine zweite Zusatzbeobachtung: Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der durchschnittlichen Projektanfragen pro angebotenes Projekt von 9,5 im Jahre 2013 über 10,3 (2014) auf 11,9 im vergangenen Jahr. Es wurden also pro Projekt immer mehr Anfragen durchgeführt, bis ein Freiberufler erfolgreich gefunden wurde. Eine Erklärung dafür: Für Unternehmen wird es angesichts der Zunahme von Projekten immer schwieriger, geeignete und zur Verfügung stehende IT- und Engineering-Selbstständige zu akquirieren.

Aus diesen Entwicklungen lässt sich bereits eine erste Vermutung für den Freiberufler ableiten: Das Phänomen der Festanstellung, in der sich der Arbeitgeber- hin zum Arbeitnehmermarkt entwickelt, greift auch im Projektmarkt. Gut ausgebildete Experten mit im Markt gesuchten Skills finden einen guten Job und ihr Auskommen; sie profitieren davon, dass die Nachfrage gegenüber dem Angebot immer stärker zunimmt.

Saisonalität: Wann lief es im Projektmarkt am besten?

Seit jeher legen Selbstständige ein gesondertes Augenmerk auf die Jahreszeit; zeigt doch die Erfahrung, dass die Nachfrage im Projektmarkt durchaus saisonalen Schwankungen unterliegt.

Oder eher unterlag? Denn hier lautete über viele Jahre hinweg die eherne Regel: Die meisten neuen Projekte beginnen quartalsweise zum 1. Januar oder zum 1. April, entsprechend sind im Projektmarkt die jeweils nachfragestärksten Monate eines Jahres der November (2010 mit 13.219 Anfragen) oder der März (2011: 15.532 Anfragen; 2012: 15.762 Anfragen).

Doch das hat sich in den vergangenen drei Jahren geändert: Die Jahresspitzen der Projektanfragen haben sich zum einen von Quartalseinflüssen völlig losgelöst, zum anderen verlagerten sie sich von den winterlichen zu den sommerlichen Monaten. Einmal August (2013 mit 15.778 Anfragen), zweimal Juli (2014: 16.041 Anfragen; 2015: 19.252 Anfragen) verbuchten die jeweiligen Höchstwerte eines Jahres.

Eine Vermutung für den aktuellen Stand der Dinge: Entweder das Urlaubsverhalten der Freiberufler hat sich dermaßen geändert, dass inzwischen im Sommer immer weniger Freelancer für Anfragen greifbar und für Projekte gerade dann sehr häufig angefragt werden muss, bis sich jemand findet. Oder es liegt viel mehr daran, dass sich der Projektmarkt inzwischen immer mehr von tradierten Mustern abkoppelt. Internationalität kennt keine Jahreszeiten, Agilität keine Quartale. Dies könnte zum Beispiel daran liegen, dass große beziehungsweise eine Vielzahl der Projekte nach akutem Bedarf und weniger nach langer Planung gestartet werden. Auch könnten eine einfachere Liquiditätsplanung und die flexiblere Aussteuerung einen Grund hierfür liefern. Es bleibt jedenfalls spannend zu beobachten, ob in den nächsten Jahren der Sommer die Jahresspitzen für sich beansprucht oder aber gerade in dieser Betrachtung das Unvorhergesehene die Regel sein wird.

„Betriebssysteme“ auf dem absteigenden Ast

Das interessiert: Zum einen, ob sich in der Rangfolge der Top 5 über die Jahre hinweg signifikante Veränderungen beobachten lassen – zum anderen, wie sich die Nachfrage in diesem Bereich generell entwickelt.

Windows vor Linux vor Unix und dahinter streiten sich Solaris und AIX um die Plätze vier und fünf. Diese Rangfolge auf den vorderen Plätzen schien in dieser Kategorie bei den nachgefragten Skills geradezu in Beton gegossen zu sein.

Allerdings: 2015 schaffte es Linux erstmals, in zwei Monaten (Mai und August) vor Windows – und nach einer kurzen herbstlichen Schwächeperiode zum Jahresende mit dem Microsoft-Betriebssystem gleichauf zu ziehen. Es bleibt abzuwarten, ob es 2016 hier einen dauerhaften Wechsel geben wird.

Jedenfalls: Der große Verlierer prozentual und absolut ist Windows. Denn trotz der steigenden Anzahl der angebotenen Projekte bedeutet der Verlust von 5,42 Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren auch einen dauerhaft beträchtlichen Rückgang. Das könnte man als durchaus dramatisch für diese Qualifikation bezeichnen.

Im Projektmarkt wird es für Selbstständige, die sich auf eine Windows-Expertise verlassen, dauerhaft schwierig, zumal die Hoffnungen im Bereich Mobile Betriebssysteme und Apps aktuell bei Android und iOs liegen.

 

Fokus Stundensatz: Welches Betriebssystem ist für Freiberufler hinsichtlich der Entlohnung aktuell besonders attraktiv? Um Entwicklungen abzuschätzen, setzen wir hier die neuesten Zahlen in Vergleich zum Durchschnitt über die vergangenen drei Jahre. Dabei liegt AIX mit einer Stundensatzforderung von 80 Euro (76,62 Euro im Drei-Jahres-Schnitt) an der Spitze - gefolgt von Solaris 78 Euro (größter Sprung von 74,13 um fast 4 Euro), Unix 76 Euro (74,79 Euro), Linux 74 Euro (71,77 Euro) und als Schlusslicht Windows (69,22 Euro).

 

Fokus regionale Verteilung: Wenig verwunderlich werden die meisten Projektanfragen auch für diese Qualifikationen in der Banken- und Versicherungshochburg in und um Frankfurt (D6) gestellt. Und zwar für alle Plattformen! Für das restliche Bundesgebiet gibt es für jeden Skill die eine oder andere erwähnenswerte Eigenheit:

  • Wenn es um regionale Ausgeglichenheit der Projektanfragen geht, dann sind Windows- ebenso wie Unix-Expertise echte Balance-Künstler: im Vergleich zu den anderen Skills nirgendwo weit vorne, aber auch nie ganz hinten.
  • 17 Prozent der Projektanfragen für Linux-Entwickler sind in D8, also dem Gebiet in und um München, zu verorten, anteilsmäßig so viel wie bei sonst keinem anderen Bundesland.
  • Für AIX-Experten ist D8 jedoch nur der viertbeste Standort nach D6 (Frankfurt), D5 (Köln) und D7 (Stuttgart).
  • Etwas mehr als ein Viertel (25,3 Prozent) aller Solaris-Projektanfragen wurden in den vergangenen drei Jahren in D8 gestellt.

Offene Fragen für Java-Entwickler

Es ist bereits auf den ersten Blick unübersehbar: Java bleibt der „große Hecht im Teich der Programmiersprachen“.

Hinsichtlich ihres Anteils an allen angebotenen Projekten büßte die Nachfrage an externer Java-Expertise in diesem Jahr um 0,91 Prozentpunkte gegenüber 2013 ein, was bezogen auf die absolute Zahl nur eine minimale Veränderung bedeutet. Der Blick auf das „Tal“ 2014 und zuweilen vehemente Schwankungen in 2015 (z.B. 10,52 Prozent im Oktober) zeigen aber auch, dass Java alles andere als eine „absolut sichere Nummer“ ist.

These: Quo vadis, Java? Die vergangenen drei Jahre skizzieren eine durchaus ambivalente Situation für die Java-Experten unter den Freelancern. Noch so stark, aber nicht ungefährdet. Generell galt in dieser Kategorie: Die Abstände der Platzierten waren so groß, dass selbst beträchtliche Schwankungen einzelner Werte in der Rangfolge keine Veränderung brachten. Bis jetzt, denn erstmals hat sich im Dezember 2015 C++ auf Platz 2 geschoben und SQL abgelöst. Einen dauerhaften Wechsel zu konstatieren, scheint jedoch noch zu früh, denn der Herbst 2015 zeigte (u. a. näherten sich im November C++ und Java Skript auf 1,85 Prozentpunkte an), dass fast alles möglich ist.

 

Fokus Stundensatz: Die durchschnittlichen Stundensätze der bei GULP eingetragenen Freiberufler sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Ebenso erging es auch Java, C++ und C#-Spezialisten, wie bereits eine GULP-Marktstudie im Mai 2015 belegte.

Mittlerweile ist der Wert bei Java seit Anfang 2013 um vier Euro von 72 auf heute 76 Euro gestiegen. Bei C++ erhöhte dieser sich um ebenfalls vier Euro von etwa 69 auf 73 sowie im Falle C# ebenfalls um drei Euro von etwa 68 auf 71 Euro. Auf Augenhöhe liegen auch SQL mit 73 Euro und JavaScript mit 70 Euro.

Auch hier gilt: Stundensätze, die über 90 Euro hinausgehen, sind merklich selten.

 

Fokus regionale Verteilung: Für selbstständige IT-Experten ist die Region mit der stärksten Nachfrage nach Programmiersprachen-Skills ohne Zweifel D8 mit der Metropolregion München im Zentrum. Einzig SQL wird anteilsmäßig in D6 (Frankfurt am Main / Umgebung) stärker nachgefragt. Bei allen anderen ist das Bankenzentrum  an zweiter Stelle. Weitere Beobachtungen:

  • Im Vergleich zu den anderen Skills und deren regionaler Verteilung nimmt das Postleitzahlengebiet D1 (Gebiet in und um Berlin) bei JavaScript eine hervorgehobene Position ein. Stolze 13,9 Prozent der Projektanfragen kommen für die entsprechenden Experten aus dieser Region.
  • Für C++Freiberufler ist D8 mit knapp einem Viertel aller Projektanfragen (23,3 Prozent) der attraktivste Standort.

Der Preis für die stärkste regionale Ausgeglichenheit geht bei den Programmiersprachen an C#. Sie wird beinahe überall gleich oft angefragt.

Ein erstes Fazit

Der Projektmarkt zieht weiter an, die Zahl der Projektangebote und Projektanfragen nimmt kontinuierlich zu – und dennoch stagnieren beziehungsweise verlieren sogar die jeweiligen Top 5 der angestammten IT-Freelancer-Qualifikationen.

Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen rücken in fast allen Kategorien die Skills auf den Plätzen 6 und folgende näher an die Top 5 heran und lassen denen nicht mehr allein den Kuchen, zum anderen „sprießen“ in einem dynamischen Entwicklungsmarkt wie der IT auch immer wieder neue Produkte (und damit verbunden die entsprechenden Skills) aus dem Projektmarkt-Boden. Kurzum: Ein Umbruch könnte näher sein, als es aktuell den Anschein hat. Umso genauer sollten Spezialisten aktuell den Markt beobachten, um sich noch rechtzeitig umorientieren zu können.

Tipps der Redaktion:

  • Einen Aufschluss über die Nachfrage-Entwicklung am Markt gibt Ihnen unser stets aktueller IT-Projektmarktindex.
  • Einen Vergleich zwischen den Nachfragewerten mehrerer Qualifikation Ihrer Wahl können Sie mit dem Trend Analyzer anstellen.

Kennen Sie schon die große GULP Stundensatz-Umfrage?

 

Sie möchten sich noch genauer zum Thema Stundensätze für IT- und Engineering-Freiberufler informieren? 

Dann können Sie sich hier die dritte große GULP Stundensatz-Umfrage herunterladen.

 

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