Marktstudie: Automotive Software Engineering, Teil 2

Tätigkeiten, Stundensätze und Chancen für IT/Engineering-Freiberufler

26.11.2010
GULP Redaktion
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Diese vierteilige Marktstudie analysiert die Einsatzmöglichkeiten für IT/Engineering-Freelancer in der Automotive-Branche. Während es in Teil 1 zunächst um das Requirements Engineering und das Automotive Software Engineering im Allgemeinen geht, behandelt dieser zweite Teil die Entwicklung von Hard- und Software. Teil 3 deckt dann die Chancen und Tätigkeiten von freiberuflichen Spezialisten im Bereich Prototyping und Systems Engineering auf. Testing und Qualitätssicherung sind schließlich das Thema des vierten und letztens Teils.

Basis für diese Marktstudie sind die Profile der mehr als 70.000 bei GULP eingetragenen IT/Engineering-Freiberufler und die über www.gulp.de verschickten Projektanfragen aus dem Automotive-Bereich.

Hardware-Entwicklung

Die reine Hardware-Entwicklung ist im Automotive-Bereich eher die Ausnahme. Viel häufiger ist die Mischung aus Hardware- und Embedded-Software-Programmierung anzutreffen – also zum Beispiel nicht nur die Entwicklung von Schaltungen am Steuergerät, sondern auch der dazugehörigen Software. Dennoch gibt es die (fast) reine Hardware-Entwicklung, zum Beispiel wenn es um die analoge und digitale Schaltungsentwicklung für Automotive-Steuergeräte oder um die Entwicklung von Baugruppen (z.B. Aufsteckboards, Leiterplatten) geht. Auch die Entwicklung der Steuergeräte selbst oder einiger Komponenten fällt darunter. Die Hardware-Entwicklung im Automotive-Bereich ist der Elektrotechnik zuzuordnen, weshalb auch eher Ingenieure aus diesem Fachbereich als Informatiker nachgefragt werden. Aber eines ist sicher: Die besseren Chancen hat ein IT/Engineering-Freiberufler, der nicht nur in der Hardware-, sondern auch in der hardwarenahen Entwicklung firm ist.

In den Bereich fällt unter anderem auch die Konzeption oder Entwicklung von Prüfständen oder Testframeworks für die Validierung von Hardware-Komponenten (Steuergeräte, Kameras, Displays, ...).

Tätigkeit/ Aufgabenbereich Synonyme oder Teilbereiche Skills primär Skills sekundär
Hardware-Entwicklung   Umfassende Kenntnis der Steuergeräte, Schaltungen analog und digital;
Kenntnis der zu entwickelnden Baugruppen (z.B. Aufsteckboards, Leiterplatten);
Mikrocontroller;
Elektrotechnik, Hochfrequenzschaltungs-
technik, Messtechnik, Signaltechnik, Schaltpläne;
Controller;
Simulation von Schaltungen (z.B. SPiCE)
Bussysteme;
Branchenerfahrung;

Die Profile von Freiberuflern bei GULP, die im Bereich Hardware-Entwicklung in der Automotive-Branche nachgefragt werden, sehen beispielsweise so aus:

 

Ein Beispiel für eine entsprechende Projektanfrage:

Gesucht war ein Hardware-Entwickler im Bereich Automotive

Aufgaben:

  • Begleitung des gesamten Entwicklungsprozesses von der Erstellung von Konzeptvorschlägen und Machbarkeitsanalysen über die Entwicklung von elektronischen Schaltungen bis zur Verifikation mit Hilfe von Simulationen und Prototypen
  • Durchführung von Hardware-Requirements und Hardware-Tests
  • Verantwortung für das Hardware-Design im Sinne der Umsetzung von Requirements in entsprechende Layouts und Schaltungen
  • Ableitung, Analyse und Definition von Hardware-Anforderungen
  • Spezifizierung und Durchführung von Hardware-Tests bei nicht sicherheitskritischen Produkten
  • Unterstützung der Testgruppe bei der Erstellung von Testspezifikationen

Gesuchtes Qualifikationsprofil:

  • Sehr gutes Verständnis für die Anforderungen von elektronischen Schaltungen
  • Umfangreiche Toolkenntnisse von Layout- und Simulationsprogrammen
  • Spezialkenntnisse auf einem oder mehreren Gebieten:
    • Bussysteme (z.B. CAN, MOST) und zugehörige Protokolle
    • Hochfrequenzschaltungstechnik
    • digitale Schaltungstechnik (Controller)
    • Simulation von Schaltungen
    • idealerweise Erfahrung mit Steuergeräten aus dem Infotainment Bereich

Embedded Software-Entwicklung

Das Entwickeln von eingebetteter Software ist das mit Abstand größte Einsatzgebiet freiberuflicher IT-Spezialisten in der Automotive-Branche. Details zu den freiberuflichen Embedded-Spezialisten über alle Branchen hinweg finden Sie in der Marktstudie Embedded Systems – ein Wachstumsmarkt. Auf die Besonderheiten von Echtzeitbetriebssystemen und der Entwicklung der Software, die darauf läuft, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Interessant ist vielmehr, welche Automotive-Echtzeitbetriebssysteme im IT-Projektmarkt am häufigsten nachgefragt werden und welche Skills Embedded-Entwickler im Automotive-Bereich zusätzlich brauchen:

Selbstständige C/C++-Spezialisten in der GULP Datenbank (Durchschnittswerte)
Anzahl Stundensatzforderung Alter Berufserfahrung
4.028 Profile 68 Euro 46 Jahre 21 Jahre

Die am häufigsten nachgefragten Echtzeitbetriebssysteme im Automotive-Bereich sind QNX, VxWorks, OSEK-OS, OS-9, RT Linux und Windows CE. Dabei führt OSEK deutlich das Feld an. In 48,7 Prozent aller Projektanfragen, in denen in der Automobil-Branche ein Spezialist für ein Echtzeitbetriebssystem gefragt war, wurde nach OSEK-OS gesucht. Dicht dahinter liegt Windows CE mit einem Anteil von 31,6 Prozent. Auch VxWorks kann durchaus als gefragt bezeichnet werden (17,1 Prozent). RT Linux, QNX und OS-9 kommen in Projektanfragen um einiges seltener vor. Zu beachten ist hier, dass sich diese Werte teilweise überschneiden, da es natürlich vorkommt, dass in Projektanfragen mehr als ein Echtzeitbetriebssystem nachgefragt wird. Im Gegensatz zu anderen Bereichen (wie zum Beispiel den Software-Entwicklungsstandards, wo in der Regel mehrere gleichzeitig gefordert werden) sind in Anfragen zu Embedded Betriebssystemen aber meist nur eines bis maximal zwei erwähnt.

Verteilung-der-Projektanfragen-im-Bereich-Echtzeitbetriebssysteme

Es werden Freiberufler gesucht für die Entwicklung unterschiedlichster eingebetteter Software:

  • Steuergeräte
  • Applikationen und Anbindungen (Bluetooth, Schnittstellen für Mobilgeräte)
  • Netzwerke vor allem mit den Bussen CAN, MOST, LIN
  • Navigation und andere HMI (GUI), Benutzeroberflächen
  • Softwaredownload oder andere Car Interfaces
  • Fahrzeugregelfunktionen (UDS und CAN)
  • Elektronische Fahrerassistenzsysteme
  • Softwaretreiber für Motorsteuerungen
  • Weiterentwicklung im Bereich Treiber von externen Hardware-Komponenten (DSP, Keyboard, Display, Tuner
  • Buskommunikation
  • Frequenzumrichter, Mikrocontroller
  • Infotainment, Multimedia

Dabei werden umfassende Kenntnisse auch der Hardware benötigt. Ein Beispielprojekt:

Firmware für ein KfZ-Steuergerät soll feinspezifiziert und realisiert werden. Die Software-Entwicklung folgt nach den individuellen Vorgaben und Anforderungen des Automobilherstellers. Die Anforderungen werden aus DOORS entnommen. Know-how im Bereich 8-Bit-Mikrocontroller und in der Kommunikation per LIN 2.0 Bus ist erforderlich. Die Softwaredokumentation muss erstellt werden, auch die Modul- und Integrationstests werden spezifiziert, durchgeführt und dokumentiert. Dabei wird eng mit den Softwaretestern des Automobilherstellers zusammengearbeitet.

Tätigkeit/
Aufgabenbereich
Synonyme oder Teilbereiche Skills primär Skills sekundär
Software-Entwicklung Embedded Software-Entwicklung, Hardwarenahe Software-Entwicklung Echtzeitbetriebssysteme;
Kenntnisse der Software-Entwicklungsprozesse und der Kriterien für Software-Qualität (SPiCE, CMM-i, ISO9001, AUTOSAR, V-Modell);
Entwicklung mit meist C, C++, auch Assembler, ASM;
Mikrocontroller;
Bussysteme;
CAN, CANalyzer, CANoe, CANAPE, CAPL;
DOORS (Requirements exportieren), INCA;
Software-Debugger (z.B. Lauterbach, P&E);
Compiler (Bewertung, Validierung), Controller (tricore);
Branchenerfahrung;
(Schnittstellen-)Wissen zu Rapid Prototyping und HIL/SIL;
Wissen über die Hardware-Komponenten (z.B. Mikrocontroller, Display, Tuner, ...);
Echtzeitbetriebssysteme (v.a. QNX, VxWorks, OSEK, OS-9, RTLinux)

Oft werden die Software-Pakete in UML modelliert und spezifiziert, deswegen ist auch häufig UML-Kenntnis gefordert. Teils werden Softwaremodule auch in Matlab/Simulink programmiert – eine große Schnittstelle also zum weiter unten beschriebenen Prototyping.

Software-Standards im Automotive-Bereich

Bei der Generierung von Code ist immer die Beachtung der Codierungsregeln im Automotive-Bereich wichtig. Denn speziell für Embedded-Entwickler im Automotive-Bereich ist nicht nur Branchenerfahrung und Kenntnis der entsprechenden Hardware wichtig, sondern auch ein umfassendes Know-how über die Standards und Entwicklungsprozesse von Software. Darunter fallen vor allem SPICE, die MISRA-Regeln, die V-Modell-Vorgehensweise, der CMMi-Prozess, iso9001, q-ac und AUTOSAR.

Verteilung-der-Projektanfragen-im-Bereich-Software-Standards

Bei den Software-Standards ist das Kreisdiagramm wesentlich ausgeglichener als bei den Echtzeitbetriebssystemen. Erwartungsgemäß, denn wie erwähnt werden sehr häufig mehrere Standards in einer Projektbeschreibung nachgefragt. In diesem Bereich ist für Freelancer also eine umfassende Kenntnis hilfreich. Eine Konzentration auf das Know-how in nur einem Prozess verschlechtert nicht nur die Chance auf einen Projektzuschlag, sondern ist auch in der Praxis wenig zielführend. Dennoch führt SPiCE das Feld an: In 34 Prozent der Projektanfragen aus der Automobilindustrie, in denen die Kenntnis von Software-Standards vorausgesetzt wird, ist SPiCE einer davon. Iso9001 wird dagegen nur in 6,4 Prozent der Anfragen gesucht.

Stellvertretend für die anderen Prozesse hier die Entwicklung der Nachfrage nach Freiberuflern mit SPiCE-Know-how in der Automotive-Branche – wie immer der Anteil an allen über GULP an Freiberufler gesandten Automotive-Projektanfragen eines Monats:

Entwicklung-der-Projektanfragen-zu-SPiCE

Der Zweck von Automotive SPiCE (Software Process Improvement & Capability Determination, auch iso15504) ist die Bewertung der Leistungsfähigkeit der Entwicklungsprozesse von Steuergerätelieferanten in der Automobilindustrie.

Selbstständige SPiCE-Spezialisten in der GULP Datenbank (Durchschnittswerte)
Anzahl Stundensatzforderung Alter Berufserfahrung
223 Profile 73 Euro 45 Jahre 21 Jahre

Die MISRA-Regeln sind Sicherheitsstandards, die im Automotive-Bereich auf sicherheitskritische Software, Herstellungs- oder Vorgehensprozesse angewendet werden. MISRA-C ist ein dazugehöriger C-Programmierstandard aus der Automobilindustrie. MISRA wird in Projektanfragen meist zusätzlich zu SPiCE oder als Alternative gefordert. Zu MISRA gehört das Programmpaket q-ac, das Quellcode filtert, der nicht den MISRA-Regeln entspricht.

Das V-Modell beschreibt den Kernprozess der Softwareentwicklung und bindet gleichzeitig Maßnahmen der Qualitätssicherung mit ein. Die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung von Software, Elektronik und des Gesamtsystems sollen so schon während des Entwicklungsprozesses beachtet und eingebunden werden.

CMM-i (Capability Maturity Model Integration) ist ein Prozessmodell zur Beurteilung und Verbesserung der Qualität von Produkt-Entwicklungsprozessen in Organisationen. Ein solches Prozessmodell kann verwendet werden, um die Stärken und Schwächen einer Produktentwicklung zu analysieren, um Verbesserungsmaßnahmen zu bestimmen und diese in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. CMM-i ist die neue Version des SW-CMM (Software-Capability Maturity Model).

Selbstständige CMMi-Spezialisten in der GULP Datenbank (Durchschnittswerte)
Anzahl Stundensatzforderung Alter Berufserfahrung
322 Profile 80 Euro 46 Jahre 22 Jahre

Auch iso9001 wird meist zusammen mit SPiCE und MISRA gesucht. Iso 9001 ist eine Qualitätsmanagementnorm, die standardisierte Prozesse bei der Herstellung von Produkten vorschreibt, die deren Qualität garantieren sollen. Sie gilt also nicht nur in der Automobilindustrie.

AUTOSAR: noch in der Umsetzung

Das AUTOSAR-Projekt wurde von einem Verbund verschiedener Automobilhersteller und Zulieferer von Elektronikkomponenten ins Leben gerufen. Ziel ist, einen offenen und weltweiten Standard für Software-Architekturen in Kraftfahrzeugen zu etablieren, um den Austausch von Software zwischen Steuergeräten zu erleichtern. Software-Komponenten können so außerdem leichter wieder verwendet, skaliert und integriert werden.

AUTOSAR ist relativ neu und befindet sich noch in der Umsetzung. Deswegen sind auch einige Projekte ausgeschrieben, in denen ein Konzept für die Einführung des AUTOSAR-Standards entwickelt werden soll. Immer häufiger muss bei der Entwicklung von Steuergeräten der AUTOSAR-Standard beachtet werden. Deswegen kann wohl gesagt werden, dass AUTOSAR zu den Standard-Skills für einen Embedded-Entwickler im Automotive-Umfeld gerechnet werden muss.

Projektleiter und Systemarchitekten brauchen dabei "nur" ein breites Basiswissen über AUTOSAR sowie Kenntnisse der Methodik und Architektur. Nützlich ist ein fundiertes Wissen über die AUTOSAR-Methodik. Entwickler und Tester dagegen brauchen immer häufiger spezielle Kenntnisse über die softwaretechnische Implementierung von Architektur und Basis-Software und die dazu von AUTOSAR zur Verfügung gestellten Spezifikationen. Für die Qualitätssicherung ist eine genaue Kenntnis der Anforderungen des Standards wichtig. Ein grundlegendes Verständnis der aus dem Desktop-Bereich bekannten objektorientierten Technologien (z.B. UML, XML oder Eclipse) unterstützt beim Entwicklungsprozess.

Die Profile von Freiberuflern bei GULP, die im Bereich hardwarenahe Entwicklung nachgefragt werden, sehen beispielsweise so aus:

 Ein Beispiel für eine entsprechende Projektanfrage:

Gesucht war ein Funktionsentwickler

Aufgaben:

  • Entwicklung von Funktionen Algorithmen für elektronische Fahrerassistenzsysteme
  • Test und Dokumentation

Gesuchtes Qualifikationsprofil

  • mehrjährige Erfahrung im Bereich der hardwarenahen Softwareentwicklung mit C
  • Branchenkenntnisse Automotive, Avionik o.ä. sehr von Vorteil
  • fundierte C-Programmierkenntnisse (MISRA-Kenntnisse von Vorteil)
  • 16/32-Bit-Mikrocontrollerkenntnisse
  • Erfahrung mit CAN, CANalyzer, CANoe, CAPL
  • Projekterfahrung in der Funktionsentwicklung z.B. mit Matlab/Simulink
  • Kenntnisse von Automotive-Standards wie z.B. CMM-i, SPiCE, V-Modell o.ä.
  • Kenntnisse von Tools für Requirements Engineering wie z.B. DOORS sind von Vorteil

Software-Entwicklung ohne Embedded

Embedded-Entwickler übernehmen auch mal eine nicht-hardwarenahe Programmierung und vice versa. Auch wenn die Grenzen hier fließend sind, möchten wir dennoch kurz auf diejenigen Software-Entwickler im Automotive-Bereich eingehen, die sich nicht primär mit der Entwicklung von eingebetteten Systemen befassen – und auch nicht rein mit der Hardware. Dann werden natürlich die verschiedensten Programmiersprachen eingesetzt – wie in anderen Branchen auch. Wichtig ist aber, dass die Automotive-Softwareentwicklungsprozesse und –standards dennoch beachtet werden müssen. Von Bussystemen, den Hardware-Komponenten oder Steuergeräten ist dann aber oft keine Rede mehr.

Ein Beispiel für solch ein Projekt ist die Software-Entwicklung im Bereich 3D-Karten-Rendering für Infotainment-Systeme. Gesucht war dafür ein Softwareentwickler mit Grafik-Know-how (OpenGL) und C/C++-Kenntnissen. OpenGL ist eine Spezifikation für eine plattform- und programmiersprachenunabhängige Programmierschnittstelle zur Entwicklung von 2D- und 3D-Computergrafik. Erfahrung mit 3D-Modellen (z.B. vrml, obj oder collada) waren erwünscht, Branchenerfahrung eine Voraussetzung.

Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung von Algorithmen für Videokameras. Der Code muss nach den MISRA-Regeln entwickelt werden und der Prozess nach SPiCE überprüft werden. Gesucht war ein C/C++-Entwickler, der sehr gute Kenntnisse und mehrjährige Erfahrung im Bereich Algorithmenentwicklung für kamerabasierte Fahrerassistenzsysteme mitbringt – insofern geht diese Aufgabe schon wieder in Richtung Embedded, da der Freiberufler mit Echtzeit-Betriebssystemen umgehen können sollte.

Die reine Software-Entwicklung "ohne Embedded" gibt es im Automotive-Bereich also eher selten. Außer es handelt sich um die Entwicklung der Tools, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Zum Beispiel wenn Add-ons für das Werkzeug DOORS implementiert werden sollen , die den Im- und Export von XML-Dateien erlauben:

  • Erstellung eines Parsers in DOORS für ein vorgegebenes XML-Format
  • Erstellung eines Parsers in DOORS für ein vorgegebenes XML-Format
  • Mapping der XML-Daten mit DOORS-Attributen
  • Generierung eines XML-Result-Files in DOORS
  • Automatisches Verschicken des Files per Lotus Notes

Hierfür sind sehr gute DOORS- und DOORS-DXL-Kenntnisse erforderlich. Der Freelancer sollte auch mit XML umgehen können. Automotive-Erfahrung ist nur ein Nice-to-have.

Ein weiteres Beispiel: Für die Weiterentwicklung des CAN-Analysetools FMX sind Programmierkenntnisse in .NET und C# erforderlich. Im Unterschied zur vorhergehenden Projektanfrage ist hier aber Automotive-Erfahrung nötig – der Freelancer muss das CAN-Bussystem kennen.

Software-Architektur

Hier geht es nicht um die reine Software-Entwicklung an sich, sondern um die globale und detaillierte Ausgestaltung der Software-Architektur für verschiedene Softwarekomponenten, deren Weiterentwicklung, Pflege und Korrektur. Bestehende Software-Systeme müssen analysiert und optimiert, neue Systeme und Funktionen spezifiziert und designt werden. An die Erstellung der Architektur schließen die Implementierung von Algorithmen, die Integration von Software und Integrationstests an. Teils übernehmen freiberufliche Software-Architekten einige dieser Tätigkeiten.

Tätigkeit/
Aufgabenbereich
Synonyme oder Teilbereiche Skills primär Skills sekundär
Software-Architekt Spezifizierung Kenntnisse von Softwaresystemen und in der Erstellung von Software-Architekturen;
Kenntnisse in der Softwareentwicklung als Basis für die Bewertung von Softwaresystemen und -entwicklungsprozessen;
Matlab/Simulink;
C, C++, Java, UML;
Steuergeräte, Mikrocontroller und Bussysteme;
Applikations-, Automatisierungs- und Messsysteme (z.B. ETAS, INCA, ATI Vision);
Evtl. Grundkenntnisse im Projektmanagement;
Kenntnisse der Software-Entwicklungsprozesse und der Kriterien für Software-Qualität (SPiCE, CMM-i, ISO9001, AUTOSAR, V-Modell);
Branchenkenntnis;

Vorausgesetzt ist in Software-Architektur-Projektanfragen immer Branchenkenntnis – im Sinne von Erfahrung der oben beschriebenen Standards, Kenntnis der Steuergeräte und Bussysteme. Außerdem ist Erfahrung in der hardwarenahen bzw. Automotive-Softwareentwicklung (C, C++) nötig. Meist wird das System in UML modelliert oder ein Prototyp mit Hilfe von Matlab/Simulink erstellt. Wichtig sind aber nicht nur die Entwickler-Kenntnisse, sondern der entsprechende "Überblick": Gefragt sind die Fähigkeit, Software-Systeme und Entwicklungsprozesse zu bewerten oder die Kompetenz, die Vereinheitlichung von Applikationsdaten, Funktionen und Prozessen voranzutreiben. Während freiberufliche C/C++-Spezialisten im Schnitt 68 Euro fordern, sind es bei den UML-Spezialisten durchschnittlich vier Euro mehr.

Selbstständige UML-Spezialisten in der GULP Datenbank (Durchschnittswerte)
Anzahl Stundensatzforderung Alter Berufserfahrung
1.098 Profile 72 Euro 43 Jahre 19 Jahre

Mögliche Einsatzgebiete sind zum Beispiel die Funktionsentwicklung und –validierung vom Motorsteuergeräten oder die Entwicklung eines Bedienkonzepts für ein Infotainmentsystem und die Koordination der Umsetzung desselben. Wegen letzterem ist manchmal Projektmanagement als Zusatzqualifikation gerne gesehen. Oft ist der System-Architekt gleichzeitig ein (Teil-)Projektleiter oder ist zusätzlich für Kundenberatung zuständig. Wenn Automotive-Embedded-Entwickler sich also in Systemdesign und Projektmanagement weiterbilden, können sie einen Schritt Richtung Software-Architekt und damit zu höheren Stundensätzen machen.

Die Profile von Freiberuflern bei GULP, die im Bereich Software-Architektur in der Automotive-Branche nachgefragt werden, sehen beispielsweise so aus:

Ein Beispiel für eine entsprechende Projektanfrage:

Gesucht war ein Embedded-Software-Architekt für die Entwicklung von Automobilelektronik

Aufgabe:

Globale und detaillierte Ausgestaltung der Software-Architektur für verschiedene Softwarekomponenten, deren Weiterentwicklung, Pflege und Korrektur, sowie die Teilnahme an Testreviews unter Einhaltung der Prozessstandards des Kunden.

Gesuchtes Qualifikationsprofil:

  • sehr gute Erfahrung in der Entwicklung von Embedded und Automotive Software
  • gute Erfahrung in der Entwicklung von Software-Architekturen (Multilayer, Multitasking)
  • gute Erfahrung mit toolbasiertem UML-Design
  • Experten-Know-how in C/C++
  • Echtzeit, Mikrocontroller
  • DOORS, PVCS, VC++
  • Erfahrung mit CAN-, LIN-, MOST-Bus wäre vorteilhaft

Zum Abschluss der Programmier-Kapitel eine Übersicht über die Nachfrage nach Programmiersprachen in der Automotive-Branche:

Verteilung-der-Projektanfragen-im-Bereich-Programmiersprachen

Zu beachten ist hier wieder, dass Überschneidungen stattfinden, wenn in einer Projektanfrage mehrere Programmiersprachen nachgefragt werden. Das ist bei C und C++ der Fall, sie werden sehr oft zusammen nachgefragt. Dennoch ist C der eindeutige Anführer: In 41,2 Prozent der Projektanfragen aus der Automotive-Industrie, in denen freiberufliche Spezialisten mit Programmierkenntnissen gesucht werden, wird C nachgefragt. UML folgt mit einem Anteil von 29,7 Prozent, C++ kommt auf 23,1 Prozent. OSGi, Assembler und CAPL kommen über die Drei-Prozent-Marke dagegen nicht hinaus.

Wie hat sich die Nachfrage nach den drei wichtigsten Programmiersprachen im Automotive-Bereich entwickelt? In der nachfolgenden Grafik sind nur die Projektanfragen berücksichtigt, in denen Spezialisten für die jeweilige Programmiersprache für den Automotive-Bereich gesucht werden. Alle drei Sprachen werden natürlich noch in anderen Bereichen eingesetzt – solche Anfragen sind hier aber nicht eingeschlossen. Die Nachfrage nach selbstständigen Spezialisten für C/C++ und UML im Automotive-Bereich ist seit 2009 deutlich gestiegen. Die Prozentzahlen geben den Anteil der jeweiligen Projektangebote (z.B. C/C++ im Automotive-Bereich) an allen über GULP an IT/Engineering-Freiberufler verschickten Automotive-Offerten an.

Entwicklung-der-Projektanfragen-zu-C-Cplusplus-und-UML

In Teil 3 unserer Serie über die Automotive-Branche geht es um die Chancen freiberuflicher IT-Spezialisten im Bereich Prototyping und Systems Engineering.

Mehr Informationen zum Thema bei GULP:

Artikel in der GULP Knowledge Base

 

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