a Randstad company
Login

Selbstständige und Krankenkassen – Teil 1: Kriterienkatalog für haupt- und nebenberufliche Einkünfte

10.12.2015
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
Artikel teilen:

Eine Information vorweg:

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). In der Rentenversicherung wird nicht zwischen Haupt- und Nebenberufen unterschieden. Hier gelten besondere Vorschriften, von denen typische IT-Selbstständige meist jedoch nicht betroffen sind. Wer allerdings nebenher als selbstständiger IT-Dozent, Seminarleiter oder Trainer arbeitet, muss unter Umständen auch für seine Nebeneinkünfte Rentenversicherungsbeiträge bezahlen. Ausführlichere Informationen bietet der Beitrag „Als Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?

Die Grenze zwischen Haupt- und Nebenberuf ist fließend. Lukrative nebenberufliche Tätigkeiten rufen früher oder später die Krankenkasse auf den Plan. Dabei geht es nicht etwa „nur“ um zusätzliche Beiträge auf die Nebeneinkünfte: Vielmehr sind hauptberuflich Selbstständige gemäß  § 5 Abs. 5 SGB V generell nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Auch in der gesetzlichen Arbeitslosen- und Unfallversicherung sowie (bis auf wenige Ausnahmen) in der Rentenversicherung sind Selbstständige keine Pflichtmitglieder.

Die harmlos klingende Vorschrift soll verhindern, dass findige Selbstständige und Unternehmer sich mithilfe einer (kleinen) versicherungspflichtigen Beschäftigung den umfassenden Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenversicherung verschaffen – ohne selbst zur „Finanzierung der Solidargemeinschaft“ beizutragen. Ob ein vielseitig talentierter IT-Experte mit mehreren Arbeit- bzw. Auftraggebern

  • als „Arbeitnehmer mit selbstständigem Nebentätigkeiten“ gilt oder
  • als „Unternehmer mit Nebenjob“,

 

hat oft weitreichende finanzielle Konsequenzen. Das gilt vor allem dann, wenn der Betreffende nicht nur sich selbst, sondern auch Familienangehörige absichern will.

Kriterienkatalog

Welche Anhaltspunkte für den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit gibt es noch? Lesen Sie dies und mehr in Teil 2.

Die Abgrenzung zwischen Haupt- und Nebenberuf kann im Einzelfall schwierig sein. In den Sozialgesetzen findet sich keine Definition der hauptberuflichen selbstständigen Erwerbstätigkeit. Anhaltspunkte liefert der GKV-Spitzenverband mit seinen „Grundsätzlichen Hinweisen zum Begriff der hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigkeit“. Der Kriterienkatalog wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert. Er ist für alle gesetzlichen Krankenkassen bindend.

Vorweg: Unabhängig vom zeitlichen Aufwand und/oder erzieltem Einkommen gilt der eigene Arbeitgeberstatus als Hinweis auf einen Hauptberuf: Wer bei seiner selbstständigen Erwerbstätigkeit „regelmäßig mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigt“, den betrachten die Krankenkassen von vornherein als hauptberuflich selbstständig.

Zeit und Geld entscheiden

IT-Freiberufler ohne versicherungspflichtige Mitarbeiter, gelten unter folgenden Voraussetzungen als hauptberuflich selbstständig:

„Hauptberuflich ist eine selbstständige Erwerbstätigkeit dann, wenn sie von der wirtschaftlichen Bedeutung und dem zeitlichen Aufwand her die übrigen Erwerbstätigkeiten zusammen deutlich übersteigt und den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit darstellt.“

Als Maßstab für die „wirtschaftliche Bedeutung“ gilt das Arbeitsentgelt bzw. Arbeitseinkommen:

  • Das Arbeitsentgelt von Arbeitnehmern (= „Beschäftigten“) ist das Bruttogehalt.
  • Das Arbeitseinkommen von Selbstständigen ist der nach den Steuervorschriften ermittelte Gewinn bzw. Einnahmenüberschuss.

 

Als „zeitlicher Aufwand“ gilt

  • bei Arbeitnehmern die Wochenarbeitszeit laut Arbeitsvertrag,
  • bei Selbstständigen der Zeitaufwand für die „eigentliche Ausübung der selbstständigen Tätigkeit“ plus Zeiten für Vor- und Nacharbeiten sowie Verwaltungsaufgaben (Werbung, Akquise, Buchhaltung, Steuern etc.)

 

Der zeitliche Aufwand und der finanzielle Ertrag mehrerer verschiedener selbstständiger Tätigkeiten oder Beschäftigungen werden dabei zusammengerechnet.

Für den Fall, dass die Betrachtung von zeitlichem Aufwand und finanziellem Ertrag keine Klarheit über den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit liefert, greifen weitere Grundannahmen. Auf diese gehen wir demnächst im zweiten Teil unserer Artikelreihe ein: Selbstständige und Krankenkassen - Anhaltspunkte für den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit

Weitere interessante Artikel bei GULP:

Lesermeinungen zum Artikel

0 von 5 Sternen | Insgesamt 0 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Beschäftigung eines Arbeitnehmers nicht mehr ausschlaggebend

    K. Vasterling am 29.01.2021 um 14.25 Uhr

    Hallo,

    bei meinen Recherchen bin ich auf diese Seite hier gestoßen und Ihren Hinweis auf die Hinweise vom GKV zur hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigkeit. Entgegen Ihrer Angabe ist das Merkmal, ob jemand einen Arbeitnehmer beschäftigt, nicht mehr ausschlaggebend für die Beurteilung ob haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird.

    Viele Grüße

Weitere Kommentare anzeigen

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab. Bitte aktivieren Sie die Checkbox "Ich bin kein Roboter", um das Formular senden zu können. Die Captcha Überprüfung war ungültig. Bitte versuchen Sie es erneut.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.