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Gute Nachricht für gesetzlich Versicherte: Zusatzbeiträge gesunken

08.03.2018
Jana Wisniewski – Versicherungsexpertin
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Im Verhältnis zur privaten Krankenversicherung (PKV) wirken die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) recht stabil. Im Januar 2015 wurde das GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetz (GKV-FQWG) beschlossen und somit auch der gleichbleibende Beitragssatz von 14,6 Prozent. Zeitgleich wurde auch der einkommensabhängige Zusatzbeitrag in die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt. Je nachdem, wie sich die finanzielle Lage entwickelt, kann jede Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag selbst festlegen und erhöhen oder senken.

Versteckte Mehrausgaben der Krankenkasse entlarven

Jedes Jahr erhöht sich zum Januar die Beitragsbemessungsgrenze. Was bei den gesetzlichen Krankenkassen regelmäßig für Mehreinnahmen sorgt, bedeutet für Gutverdiener höhere Ausgaben für die Krankenversicherung. Es gibt jedoch auch versteckte Erhöhungen, die von den Versicherten kaum wahrgenommen werden: Beispielsweise können Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen erhöht bzw. erstmalig eingeführt oder gewisse GKV-Leistungen gänzlich gestrichen werden. Doch nicht alle Kassen kürzen ihre Leistungen. Einige Versicherer folgen den Trends der Gesundheitsbranche und wollen ihre Mitglieder proaktiv für sich gewinnen. Beliebte Maßnahmen sind z.B. höhere Erstattungen für alternative Heilmethoden, Online-Gesundheitskurse oder kostenfreie Gesundheits-Apps.

Durchschnittlicher Zusatzbeitrag für 2018 festgelegt

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wurde im Januar 2018 aufgrund der Prognose vom Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt. In Abstimmung mit dem GKV-Spitzenverband wird mit Einnahmen in Höhe von rund 222,2 Milliarden Euro sowie Ausgaben von bis zu 237,3 Milliarden Euro für das laufende Jahr gerechnet. Die erwartete Lücke soll mit den vorhandenen Finanzreserven gefüllt werden. Laut Gesundheitsexperte Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen, werden die Kosten der Krankenkassen für die Gesundheitsversorgung weiter steigen. Da jedoch die Einkommen der Arbeitnehmer mit den Kostenerhöhungen nicht mithalten können, müsse demnach auch der Zusatzbeitrag oder der Beitrag an den Gesundheitsfonds zukünftig ansteigen. Nach Wasems Hochrechnung wird sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag in den kommenden Jahren stufenweise auf 2,4 Prozent erhöhen.

Deutlich zu machen ist: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag gilt als einheitlicher Krankenkassenbeitrag für bestimmte Personenkreise, deren Beiträge von Dritten gezahlt werden. Dazu gehören beispielsweise Empfänger von Arbeitslosengeld II, Auszubildende mit einem Einkommen unter 325 Euro sowie Teilnehmer an einer beruflichen Maßnahme oder bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist jedoch nicht der tatsächlich mathematisch errechnete Durchschnitt von allen Kassen. Jede Krankenkasse legt den Zusatzbeitrag für sich selbst fest, was 2017 einen tatsächlichen Durchschnitt von 0,96 Prozent zufolge hatte.

Für 2019 haben CDU und SPD beschlossen, die paritätische Finanzierung der Beiträge einzuführen. Das bedeutet, dass nicht nur der allgemeine Beitragssatz sondern auch der Zusatzbeitrag künftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte gezahlt wird. Somit werden die Arbeitnehmer um durchschnittlich 0,5 Prozent entlastet.

Beitragserhöhung der Krankenkasse: Sonderkündigungsrecht nutzen

Aktuell führten die Krankenkassen, zur Freude vieler Versicherter, überwiegend Beitragssenkungen durch oder setzen auf stabile Zusatzbeiträge. Sollte es im Laufe des Jahres zu einer Erhöhung des Zusatzbeitrags kommen, haben die Mitglieder die Möglichkeit, von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. In diesem Fall muss die gesetzliche Mindestbindefrist von 18 Monaten für den Wechsel der Krankenkasse nicht erfüllt sein. Die schriftliche Kündigung sollte bis zum Ende des Monats vor der Beitragserhöhung bei dem Versicherer eingetroffen sein, um mit einer Frist von zwei Monaten in die neue Krankenkasse überzutreten. Auch wenn der Beitrag nicht teurer wird, ist es, bei einer Mitgliedschaft von mindestens 18 Monaten, möglich, die Kündigung zu jedem Monatsende einzureichen und mit einer Zwei-Monats-Frist zu wechseln.

In dieser Zeit kann man sich nach einem anderen Anbieter umschauen und Testberichte zur GKV vergleichen. Hierbei empfiehlt es sich, nicht nur den Preis sondern auch die Leistungen in die Wahl der Krankenkasse entsprechend stark mit einzubeziehen. Bemerkenswert: Die Leistungen der Krankenkassen sind überall zu 95 Prozent gleich, jedoch machen die restlichen 5 Prozent einiges aus. Durch die paritätische Finanzierung ab 2019 stehen gerade die Extraleistungen besonders im Fokus. Hierzu gehören z.B. die professionelle Zahnreinigung, alternative Heilmethoden oder Gesundheitskurse. Diese und andere Faktoren können die Unterschiede zwischen den Krankenkassen ausmachen.

 

 

Jana Wisniewski ist ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen. Sie ist als Online-Redakteurin bei der Krankenkassen-Zentrale tätig und hat sich auf die Themengebiete gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung spezialisiert.

Lesermeinungen zum Artikel

3,3 von 5 Sternen | Insgesamt 3 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Frage an die Autorin des Artikels

    Dieter K. am 23.03.2018 um 18.49 Uhr

    Gilt das Sonderkündigungsrecht auch für den Fall, dass eine versteckte Erhöhung vorliegt, z.B. wie in meinem Fall die erstmalige Einführung einer Zuzahlung für mein Atemtherapiegerät, das ich bereits seit Jahren kostenlos nutze?

    Antwort von der GULP Redaktion

    Lieber Leser,
    vielen Dank für die Nachfrage. Das Sonderkündigungsrecht tritt nur ein, wenn der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenversicherung eingeführt oder erhöht wird. In diesem Fall erhalten die betroffenen Versicherten ein Schreiben ihrer Krankenkasse.
    Alle anderen Erhöhungen berechtigen nicht zur Sonderkündigung. Sie können jedoch zum Monatsende die Kündigung einreichen und mit einer Frist von 2 Monaten die Krankenkasse wechseln. Der Vorteil der Sonderkündigung besteht nur darin, dass man die Kasse wechseln kann, auch wenn man noch keine 18 Monate dort versichert ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jana Wisniewski

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