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Verlusten durch die Corona-Krise steuerlich begegnen

26.03.2020
Monika Riedl – GULP Redaktion
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Abgesagte Veranstaltungen, ausgefallene Workshops für Coaches, zurückhaltende Beauftragungen seitens der Unternehmen – auch wenn Remote-Arbeit im IT- und Engineering-Bereich oftmals einfacher ist als beispielsweise für Eventfotografen oder Klavierlehrer, machen sich die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie auch bei IT- und Engineering-Freelancern vermutlich ebenfalls bemerkbar.

Das Bundesministerium für Finanzen hat bereits letzte Woche in einem Schreiben geschädigten Unternehmen steuerliche Erleichterungen zugesichert, die in erster Linie dafür sorgen, die Liquidität in der aktuellen Situation zu erhöhen. Doch darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, die Steuerlast zu verringern. 

Hinweis: Diese Zusammenfassung stellt nur eine erste Information dar, ist keine steuerrechtliche Beratung und beansprucht keine Vollständigkeit. Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an Ihre(n) Steuerberater(in).

Aktuelle Maßnahmen des Bundesfinanzministeriums für Corona-Geschädigte

Es ist das größte Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands: Der von der Bundesregierung beschlossene Milliarden-Schutzschild sieht nicht nur finanzielle Sofortmaßnahmen vor, sondern bringt auch steuerliche Erleichterungen für betroffene Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler. 

1. Stundung fälliger Steuern möglich
Um die Liquidität der betroffenen Unternehmen, Freiberufler und Selbstständigen zu erhöhen, können Geschädigte bereits fällige Steuerzahlungen zinsfrei stunden. Das betrifft die Einkommen-, Körperschafts- und die Umsatzsteuer. Dazu müssen Sie nachweisen, dass Sie unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind. Den exakten Wert der entstandenen Schäden müssen Sie jedoch nicht genau nachweisen. Anträge können bis zum 31.12.2020 beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden.  

Das Antragsformular gibt es beispielsweise auf den Seiten des Bayerischen Landesamts für Steuern. Dieser sieht die zinslose Stundung um vorerst drei Monate vor. 

Von der Stundung ausgenommen sind die Lohnsteuer sowie die Kapitalertragsteuer. 

2. Anpassung von Steuervorauszahlungen
Die nächsten Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer stehen am 10.6.2020 an. Diese können Sie noch anpassen lassen, sollte klar werden, dass die voraussichtlichen Einkünfte durch die Corona-Krise geringer sind als erwartet. Auch hierfür können Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Finanzamt einreichen. 

Es wird empfohlen, beispielsweise von der IHK Köln, diesen Antrag mit einem Antrag auf zinslose Stundung des beantragten Differenzbetrags zu kombinieren. Denn ein Antrag auf Herabsetzung bedeutet noch nicht, dass die Steuervorauszahlung nicht fällig ist. 

Auch in Sachen Gewerbesteuer (demnächst fällig am 15.5.2020) haben sich die obersten Finanzbehörden der Länder geeinigt. Im Schreiben “Gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder v. 19.3.2020” reagieren sie mit gewerbesteuerlichen Maßnahmen auf die besondere Situation. So ist es für Betroffene auf Antrag möglich, den Gewerbesteuermessbetrag für Vorauszahlungen herabsetzen zu lassen. Auch hier müssen die entstandenen Schäden nicht detailliert im Einzelnen aufgeführt werden. Anträge stellen Sie bis zum 31.12.2020 an die Gemeinden, beziehungsweise an das zuständige Finanzamt wenn die Festsetzung und Erhebung der Gewerbesteuer nicht den Gemeinden übertragen worden ist. 

Tipp: Kontist bietet ein Tool an, mit dem Sie einen Antrag auf Absenkung der Steuervorauszahlung sowie die Stundung von Steuerzahlungen generieren können.

3. Verzicht auf Vollstreckung von Steuerschulden
Als weitere Maßnahme werden Finanzämter auf Vollstreckungsmaßnahmen, beispielsweise Kontopfändungen und Zinsen, bei rückständigen bzw. fälligen Einkommen-, Umsatz- und Körperschaftsteuern bei Corona-Härtefällen bis zum Jahresende verzichten. Säumniszuschläge, die in dieser Zeit gesetzlich anfallen, werden erlassen. 

Selbst wenn das bedeutet, dass bei Steuerrückständen gerade nicht vollstreckt wird, sollten Sie auf Nummer sicher gehen. Wer also gerade keine Einkommen-, Umsatz- und/oder Körperschaftsteuern zahlen kann oder möchte, sollte nicht einfach nicht zahlen, sondern einen Antrag auf Stundung dieser Steuern stellen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Viele dieser Maßnahmen dienen dazu, im akuten Fall die Liquidität der finanziell betroffenen Unternehmen, Freiberufler und Selbstständigen zu sichern. Letzten Endes stellen sie jedoch nur einen Aufschub der Belastung dar, es werden keine Steuern erlassen. Gestundete Zahlungen müssen trotzdem bezahlt, Steuerschulden beglichen werden. Unterschreiten die gesenkten Vorauszahlungen die tatsächlich angefallenen Einkommen- oder Körperschaftsteuern, müssen diese immer noch nachgezahlt werden. Wer also die aktuellen Möglichkeiten in Anspruch nimmt, sollte die später fälligen Steuer-Belastungen auf dem Schirm behalten, um kein böses Erwachen zu erleben.

Ist-Versteuerung beantragen

Eine Maßnahme, die für alle Umsatzsteuerpflichtigen unabhängig von den aktuellen Erleichterungen möglich ist, ist die sogenannte Ist-Versteuerung der Umsatzsteuer zu beantragen. Normalerweise richtet sich deren Höhe gemäß  § 16 UStG „nach vereinbarten Entgelten“ (= „Soll-Versteuerung“). Das bedeutet, Sie müssen sie in dem Monat an das Finanzamt melden und abführen, in dem Sie die Rechnung für eine Leistung geschrieben haben. Das bedeutet aber nicht, dass der Kunde die Rechnung in dem entsprechenden Monat bezahlt. Sie gehen daher gewissermaßen in Vorleistung, was zu einer nicht unerheblichen steuerlichen Belastung führen kann. 

Stattdessen können Sie jedoch gemäß § 20 UStG unter bestimmten Voraussetzungen einen Antrag auf Berechnung der Umsatzsteuer „nach vereinnahmten Entgelten“ stellen. Bei der „Ist-Versteuerung“ müssen Sie die Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt melden und abführen, wenn der Kunde auch tatsächlich bezahlt hat.

Weiterlesen: Alle Details zur Ist-Versteuerung und noch weitere steuerliche Kniffe haben wir in unserem Artikel “legale Steuertipps für IT-Freiberufler” zusammengestellt.

Jahresübergreifender Verlustausgleich

Auch über den jahresübergreifenden Verlustausgleich können Sie generell die Steuerlast für das vergangene Steuerjahr senken. § 10d Abs. 1 EStG sieht vor, dass „negative Einkünfte“ von bis zu einer Million Euro „vom Gesamtbetrag der Einkünfte des unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraums“ abgezogen werden dürfen. Das wird sich jedoch erst im Jahr 2021 auf Ihrem Konto bemerkbar machen, da ein eventueller Verlust des Jahres 2020 erst im Rahmen der Einkommensteuererklärung für 2020 mit der Steuerlast des Jahres 2019 verrechnet wird.

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