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Private Krankenversicherung für Freiberufler – die richtige Wahl?

22.12.2016
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Wer als Freiberufler tätig ist oder selbstständig wird, steht irgendwann vor der Wahl der passenden Krankenversicherung. Wegen der niedrigeren Beiträge – vor allem für Jüngere – geht die Tendenz oft in Richtung private Krankenversicherung (PKV). Eine richtige Wahl? Oder gibt es bessere Alternativen?

Die Vorteile der PKV

Der größte Vorteil ist natürlich das deutlich größere Leistungsspektrum. Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bieten die Tarife der Privaten mehr Leistungen. Zum Beispiel:

  • Besuch von Privatsprechstunden für schnellere Terminvergabe
  • Kostentragung für alle medizinisch notwendigen Medikamente – keine Einschränkung auf das günstigste Präparat
  • Komfort-Unterbringung und Chefarztbehandlung im Krankenhaus
  • Alternative Behandlungsmethoden werden in der Regel erstattet
  • Auch hochwertiger Zahnersatz wird mit bis zu 100 Prozent erstattet

Dazu kommen gerade für jüngere Menschen deutlich günstigere Beiträge. Während bei der GKV oft der Höchstsatz von 635 Euro (Wert für 2017) zu zahlen ist, gibt es leistungsstarke Privatversicherungen bereits für rund 300 bis 350 Euro. Ein Sparpotenzial von 50 Prozent kann so genutzt werden.

Aber …

Die günstigen Einstiegsbeiträge werden im Alter meist deutlich steigen und sich wahrscheinlich im sechsten Lebensjahrzehnt auf dem Kassenniveau einpendeln – in manchen Fällen werden sie sogar darüber hinausgehen. Das wird sich in vielen Fällen dadurch einfangen lassen, dass im Alter die entsprechenden Rückstellungen zum Tragen kommen.

Tipp: Legen Sie aber bereits als junger Versicherter jeden Monat zumindest einen Teil der Ersparnis beiseite, um selbst hohe Beiträge abfedern zu können. Dabei helfen übrigens sogenannte Beitragsentlastungstarife, die zusammen mit der privaten Krankenversicherung abgeschlossen werden können. Sie bauen eine zusätzliche Sicherung für das Alter auf und sind sogar steuerlich absetzbar!

Zusätzlich können Sie steigenden Beiträgen im Alter dadurch begegnen, dass Sie von Ihrem Recht auf Tarifwechsel Gebrauch machen und bei Ihrem Versicherer in einen günstigeren Tarif wechseln. Mittlerweile gibt es Dienstleister, die sich darauf spezialisiert haben, entsprechende Tarife für Sie zu finden und einen schnellen Wechsel zu ermöglichen.

Zwei weitere Punkte sind beim Wechsel sehr wichtig:

1. Es gibt keine Familienversicherung in der PKV
Das System der privaten Krankenversicherungen kennt keine Familienversicherung, die eine beitragsfreie Mitversicherung des Partners und der Kinder ermöglicht. Mit dem Wechsel in die private Krankenversicherung muss jedes Familienmitglied einzeln versichert werden – bei mehreren Kindern kann das die Beiträge leicht verdoppeln. Einziger Trost: Die Beiträge mindern deutlich die Steuerlast.​

2. Vorerkrankungen schließen Wechsel oft aus
Eine Wechselmöglichkeit in die PKV besteht oft dann nicht, wenn es bereits Vorerkrankungen gibt. So haben chronisch Erkrankte kaum eine Wechselchance – denn selbst, wenn Versicherer sie nehmen würden, sind die Beiträge unattraktiv hoch.

Wer sich für einen privaten Versicherer entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese Entscheidung in den meisten Fällen unumkehrbar ist. Die Hürden zur Rückkehr in die Gesetzliche Krankenversicherung sind hoch – in der Regel hilft nur die Aufgabe der freiberuflichen Tätigkeit und der Einstieg in die Familienversicherung des Partners.

Ihre Alternativen

Die erste Alternative zur PKV ist natürlich das System der gesetzlichen Krankenversicherung, die GKV. Die Kassen müssen Sie auf Antrag hin aufnehmen – auch mit gesundheitlichen Problemen – und Sie profitieren von der kostenlosen Familienversicherung. Dafür sind die Beiträge auch bei Jüngeren und Gutverdienenden hoch und spiegeln nicht das Leistungsvermögen der Kassen.

Tipp: Wollen Sie zusätzlich Wahlleistungen wie eben eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder einen hochwertigen Zahnersatz absichern, müssen dafür Zusatzpolicen abgeschlossen werden. Dazu gehören:

  • Zahnzusatzversicherungen, die auch hochwertigen Zahnersatz und Privatbehandlungen beim Zahnarzt erstatten.
  • Krankenhauszusatzversicherungen, die Wahlleistungen bei stationären Aufenthalten abdecken.
  • Ambulante Zusatzversicherungen, die zum Beispiel Heilpraktikerbehandlungen abdecken.
  • Auslandskrankenversicherungen, die den spärlichen GKV-Schutz bei Auslandsaufenthalten auf das notwendige Niveau aufstocken.

Aber ganz klar ist auch: Die Gesundheitskosten steigen dann durch zusätzliche Beiträge noch einmal an.

Der Mittelweg: Kostenerstattung der GKV

Eine weitere Option für diejenigen, die gerne privatärztlich behandelt werden wollen, die GKV aber nicht verlassen möchten, ist die Kostenerstattung. Sie schließen dann mit Ihrem behandelnden Arzt einen privatärztlichen Vertrag und müssen die Rechnung selbst zahlen. Die reichen Sie bei der Kasse ein und bekommen den Teil der Kosten erstattet, die bei einer kassenärztlichen Versorgung angefallen wären. Die Differenz und die Mehrkosten für die privatärztliche Behandlung können Sie über eine Zusatzversicherung abdecken.

Ihre Vorteile bei der Kostenerstattung: Sie genießen die Vorzüge der privatärztlichen Behandlung, müssen der GKV aber nicht den Rücken kehren – Sie können quartalsweise die Kostenerstattung aufgeben und wieder zum „normalen“ Prinzip der Abrechnung über die Krankenkassenkarte zurückkehren.

PKV oder GKV: Die richtige Absicherung beim Krankentagegeld wählen

Wichtig ist für Freiberufler, dass sie ein Krankentagegeld versichern – egal, ob sie im PKV- oder GKV-Netz versichert sind. Damit wird sichergestellt, dass Sie bei einer längeren Krankheit eine „Lohnfortzahlung“ erhalten, wenn Honorareinnahmen oder Rechnungseingänge dünner werden und vielleicht sogar ganz aufhören. Die meisten Freiberufler wählen eine Absicherung, die zwischen dem 22. und 42. Krankheitstag beginnt und über die einzelnen Tagessätze das durchschnittliche Einkommen ersetzt.

Tipp: Eine Lösung mit einer privaten Krankentagegeldversicherung ist meist günstiger als eine Anbindung an die GKV, auch wenn Sie dort versichert sind.

Die steuerliche Behandlung von Beiträgen

Die Kosten für den Basis-Krankenschutz sind steuerlich für Freiberufler absetzbar. Das sind bei Kassenmitgliedern die regulären Beitragskosten, bei Privatversicherten die Kosten für den Basisschutz exkl. der Wahlleistungen – meist sind so ca. 75 bis 80 Prozent der Beiträge steuerlich absetzbar.

Tipp: Die privaten Krankenversicherungen weisen den steuerlich absetzbaren Anteil auf der Beitragsrechnung am Jahresende aus. 

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

Lesermeinungen zum Artikel

2,8 von 5 Sternen | Insgesamt 4 Bewertungen und 8 Kommentare

  • Beiträge ohne Leistung bei den GKV

    Elly am 03.11.2019 um 16.31 Uhr

    Die gesetzlichen Krankenkassen fordern Beiträge aus Kapital- oder Mieterträge. Diese Beiträge müssen auch ohne Einkommen im
    Falle von Krankheit oder sonstigen Unterbrechungen bezahlt werden. Leistungen erhält man aus diesen Einkommen nicht. Als Arbeitnehmer hat man diese Beitragszahlungen nicht. Dies empfinde ich als eine absolute Benachteiligung der Selbständigen und kann die Existenz im Krankheitsfall kosten. Dabei sollte es doch ein "Schutzgesetz" sein?

  • auch nicht finanzielle Aspekte bedenken!

    Jens am 13.02.2017 um 11.07 Uhr

    Ich bin mit Start in die Freiberuflichkeit auch in die PKV gewechselt. Mittlerweile würde ich lieber wieder raus.
    In erster Linie aber aus nicht finanziellen Gründen, sondern weil der Abrechnungsmodus sehr stressig ist.
    Als Kunde des Arztes muss man in Vorleistung gehen, die Rechnungen prüfen (ohne Spezialsoftware kaum machbar) und weiterleiten. Wenn man dann noch einen günstigeren Tarif hat, der z.B. Überweisungen durch Hausarzt vorsieht, kommt man schnell in die bürokratischen Auseinandersetzungen (darf Facharzt weiter überweisen etc.). Dann erfährt man hinterher z.B. dass die Physio zu hohe Beträge abgerechnet habe und gekürzt erstattet wird. Woher soll man das vorher arglos wissen?
    Ich hatte schon einige Differenzen mit der Versicherung.
    Zudem sehe ich bei älteren Verwandten, wie belastend es wird, wenn man im Alter ernsthaft krank wird und sich dann noch damit herumschlagen muss. Das möchte ich mir nicht antun...
    (Die finanzielle Entwicklung ist übrigens auch enttäuschend: über 9 Jahre im Durchschnitt 10% Tariferhöhung pro Jahr)

  • Solidarvereine

    SR am 31.12.2016 um 14.19 Uhr

    Und dann gibt es noch als dritte Möglichkeit die Solidarvereine, wie z.B.:
    - Artabana
    - Solidago
    - Samarita
    Eine Bekannte von mir ist dort versichert und zahlt weniger als 200 Euro pro Monat! Und kriegt trotzdem alles bezahlt!! Es ist gemeinschaftlich, fördert die Eigenverantwortung. Man sollte einmal in Monat hingehen zur Besprechung.

  • PKV kann überlebenswichtig werden

    FB am 23.12.2016 um 11.18 Uhr

    Meine Eltern waren, genau wie ich, lebenslang PKV-versichert. Einmal, beim Einsetzen eines Herzschrittmachers, hat meine Mutter die Nicht-PKV-Leistungen bekommen (eine Blödheit meines Vaters) und hat schwere Probleme bekommen. Es kann Leben retten, wenn der Chefarzt drüber schaut,was seine Oberärzte machen, das passiert aber bei gesetzlicher Leistung offensichtlich nicht. Ich betrachte meine PKV seitdem als Lebensversicherung. Die Entscheidung ist für mich keine Geldfrage.

  • Krankentagegeld als PKV Versicherter nicht immer nötig

    IT Freiberufler am 23.12.2016 um 10.35 Uhr

    Wer genügend Rücklagen aufgebaut hat und ggf. noch Kapitalzuflüsse aus Mieten, Dividenden oder Unternehmensbeteiligungen bekommt kann als PKV Versicherter in der Regel auf Krankentagegeld verzichten. Damit spart man einen Teil des Beitrags. Die immer wieder erwähnten hohen Beiträge der PKV Versicherten im Alter sind für viele die ihren Ruhestand nicht in Deutschland verbringen werden ohne Bedeutung.

  • SGB

    Werner am 23.12.2016 um 08.45 Uhr

    Zusätzlicher Nachteil der GKV: die Kasse legt zur Beitragsberechnung den letzten Einkommensteuerbescheid zu Grunde. Verdienen Sie im laufenden Jahr mehr, müssen Sie nachzahlen. Vedienen Sie aber weniger, bekommen Sie keine(!) Erstattung.

  • PKV - Ehe ohne einfache Scheidungsmöglichkeit

    M. Seifert am 23.12.2016 um 08.24 Uhr

    Ich bin PKV-versichert und habe mich im jugendlichen Leichtsinn für einen Eintritt in den elitären Privatversichertenclub entschieden. Liebend gerne würde ich jetzt nach 7 Jahren und 4 Beitragserhöhungen wieder aussteigen (wollte eigentlich schon nach 2 Jahren wieder aussteigen). Doch das wäre mir nur möglich, wenn ich sehr viel weniger verdiene, in die Festanstellung wechsle oder mich arbeitslos melde (bin unter 55 - danach geht es nicht mehr, soweit ich weiß). Alles keine guten Alternativen. So muss ich zwangsläufig in dieser Ehe verbleiben ohne echte Möglichkeit einer Scheidung.

    Ich kann die PKV folgenden Menschen empfehlen:
    - Kinder- und Familienlosen
    - solchen, die die oben genannten 'Vorteile' genießen möchten
    - solchen, die gerne sehen möchten, wie Ärzte für die gleiche Arbeit mehr als das doppelte abrechnen dürfen
    - solchen, die Versicherungsmaklern gerne 6-7 Monatsbeiträge als Vermittlungsprovision zukommen lassen wollen

    Allen anderen eher nicht. Ausnahmslos alle anderen privat krankenversicherten, die ich kenne, denken genau so.

  • Steuerliche Abgaben auf private Rentenversicherung

    Freiberufler am 23.12.2016 um 08.13 Uhr

    Hallo, der Artikel ist gut, allerdings kommen mir die ggf. späteren steuerlichen Abgaben auf bspw. privat abgeschlossene Rentenversicherungen zu kurz - und das kann richtig teuer werden - bekämen Sie 200.000 € (fiktiv) ausgezahlt, bekommt die gesetzliche KV davon höchstwahrscheinlich mindestens 30.000€ ab ...
    Beste Grüße.

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