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Wahrheit oder (Rentenversicherungs-)pflicht?

Die Ergebnisse der GULP Umfrage

06.10.2016
GULP Redaktion – Florian Schießl
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Wir wollten’s wissen: Per Umfrage im Artikel „Grundsicherung oder Sicherung ohne Grund?“ haben wir herausgefunden, wie sinnvoll unsere Leser eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige finden.

Hintergrund war eine kontrovers diskutierte Studie zum Thema, die das Bundesministerium für Arbeit und Sozial (BMAS) vorgelegt hatte. Diese kam zum Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Solo-Selbstständigen in Deutschland nicht bzw. nicht ausreichend für ihr Alter vorsorgen. Dieses Ergebnis nutzte die Arbeitsministerin Andrea Nahles als Steilvorlage, um die von ihr vorgeschlagene gesetzliche Rentenversicherungspflicht für Selbstständige politisch voranzutreiben.

Nach Einschätzung von Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD), ist die Studie für diese Schlussfolgerung jedoch ungeeignet. Schließlich betrachte sie nur ausgewählte Aspekte und sei daher irreführend.

Was ist nun richtig? Wir wollten diese konträren Ansichten nicht einfach stehenlassen und sind dank Ihrer Hilfe auf Ergebnisse gekommen, die ein klareres Bild zum Thema Altersvorsorge und Rentenversicherung für Selbstständige zeichnen:

Rentenversicherungspflicht sinnvoll?

Drei von vier Umfrageteilnehmern sehen das ganz anders als Frau Nahles: Sie finden eine Rentenversicherungspflicht für ihren Berufsstand nicht sinnvoll. Warum?

Gründe gegen die Rentenversicherungspflicht

CDU-Arbeitsexperte Peter Weiß schlug nach den Studienergebnissen der BMAS in dieselbe Kerbe wie das Ministerium: „Die Hälfte derjenigen, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, hat keinerlei Rentenansprüche“, sagte CDU-Arbeitsexperte Peter Weiß. „Das zeigt, wie wichtig eine Versicherungspflicht für Selbstständige ist.“

Den Konter unserer Umfrageteilnehmer darauf kann man zusammenfassen mit „die Rente ist ja nicht die einzige Möglichkeit, sich abzusichern“. Sie lehnen die Rentenversicherungspflicht (RV-Pflicht) ab – wegen der Nachteile der staatlichen Rente (ca. 1/4), weil unflexible Belastung nicht zu ihrem Arbeitsleben passt (10%) und weil sie als Unternehmer grundsätzlich selbst darüber bestimmen wollen (19%). Außerdem, so die befragten Freiberufler, gäbe es bessere Alternativen (16%). Eine Pflicht sei obendrein nicht nötig, da sie durchaus selbst für ihren Ruhestand vorsorgen könnten (30%).

Gründe für die Rentenversicherungspflicht

Das Viertel der Teilnehmer, das für eine RV-Pflicht stimmte, hat das meist folgendermaßen gestützt: Für die RV-Pflicht sprächen garantierte Sicherheit (40%), die Solidarität zu anderen Bürgern (1/3) und die mangelnde Eigeninitiative von Freiberuflern, das Thema selbst in die Hand zu nehmen (17%).

Für das Alter ausreichend vorgesorgt?

Das Hauptargument von Frau Nahles ist: Für das Alter wird nicht ausreichend vorgesorgt, also muss der Staat hier reglementierend mit einer Pflicht eingreifen. Unsere Ergebnisse stützen das nicht: Mehr als zwei Drittel sieht sich für das Alter gut gerüstet.

„Andere Antworten“ zeigen auf, dass „ausreichend“ zwar ein dehnbarer Begriff sei, die Freiberufler sich jedoch insgesamt wenig Sorgen um ihre Absicherung machen. Den Beweis dafür, ob die eigenen Anstrengungen zur Vorsorge „ausreichend“ seien, könne jedoch nur die Zukunft bringen – gerade, weil die Volatilität beim Einkommen, die der Freiberuflerstatus mit sich bringt, Aussagen über eine zukünftige konstante Einzahlung in die eigene Absicherung stark erschweren.

Formen der Altersvorsorge

Die Rente ist unbeliebt, man setzt auf Alternativen. Und zwar? IT- und Engineering-Freiberufler setzen allen voran auf das hierzulande so beliebte Betongold (1/3). Darüber hinaus steckt das Geld fürs Alter in Finanzmarkt-Anlageforen (zusammen 39%) sowie privaten Versicherungen (28%). Man sieht: Das Spektrum der Altersvorsorgeformen ist weitaus größer als die BMAS-Studie abgefragt hat: Dort wurde nur erhoben, ob ein Selbstständiger zum Befragungszeitpunkt Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlt und ob er private Lebensversicherungen mit einer Gesamtsumme von mehr als 50.000 Euro abgeschlossen hat. Ob und in welcher Höhe anderweitig Geld beiseitegelegt wird, floss nicht in das Ergebnis ein.

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