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Einkommensteuererklärung: Muss das sein?

10.08.2017
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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Das Sammeln und Sortieren von Belegen und das Ausfüllen von Steuerformularen gehört zu den Beschäftigungen, vor denen sich die meisten Menschen am liebsten drücken würden. Möglich ist das durchaus: Denn von Angestellten kassiert der Staat mithilfe der Arbeitgeber im laufenden Jahr meist mehr Lohnsteuer (= Einkommensteuer-Vorauszahlungen) als unterm Strich tatsächlich an Einkommensteuer fällig wäre. Nur von einem Teil der Arbeitnehmer verlangt der Fiskus daher Steuererklärungen.

Hintergrund 

Die genaue Höhe möglicher Steuerabzüge steht oft erst am Jahresende fest. Denken Sie nur an

  • Werbungskosten (z. B. Ausgaben für Fahrten zum Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Weiterbildungskosten etc.),
  • Vorsorgeaufwendungen (Versicherungsbeiträge aller Art und ähnliche Sonderausgaben),
  • außergewöhnliche Belastungen (Kosten medizinischer Versorgung, Unterhalt für Angehörige) oder
  • Steuerermäßigungen für Handwerkerleistungen.

Wer seine Ansprüche im nächsten Jahr nicht in Form einer freiwilligen Einkommensteuererklärung (= „Veranlagung auf Antrag“ – auch „Lohnsteuerjahresausgleich“ genannt) geltend macht, schenkt dem Fiskus bares Geld. Im Schnitt übrigens mehr als 900 Euro: So hoch lag nach Feststellung des Statistischen Bundesamt zuletzt die durchschnittliche Steuererstattung von Arbeitnehmern. Kein Wunder, dass Lohnsteuerzahler im Einkommensteuergesetz (EStG) mit Samthandschuhen angefasst werden.

Doch der Reihe nach:

Obligatorische Steuererklärungen

Auf jeden Fall zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind insbesondere die folgenden Personenkreise:

  • Gewerbetreibende aller Art,
  • Freiberufler und ähnliche Selbstständige,
  • Land- und Forstwirte,
  • Vermieter sowie
  • Bezieher von Kapitaleinkünften, die nicht der Abgeltungssteuer unterliegen.

Bevor die eigentliche Steuererklärung erledigt werden kann, muss zunächst der steuerpflichtige Gewinn oder Einnahmenüberschuss festgestellt werden. Mit einer schlichten Einkommensteuererklärung ist es außerdem nicht getan: In der Regel sind außerdem eine Umsatzsteuererklärung und bei Gewerbetreibenden eine Gewerbesteuererklärung fällig.

Lektüretipps

Falls Sie neben- oder hauptberufliche Gewinneinkünfte erzielen, empfehlen wir einen Blick auf die folgenden Grundlagenbeiträge in der GULP Knowledge Base:

Pflichtveranlagung von Arbeitnehmern

Wer Lohnsteuer zahlt, ist dagegen laut § 46 Abs. 2 Satz 1 EStG grundsätzlich von der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung befreit. Von dieser Befreiung ausgenommen sind jedoch Arbeitnehmer,

  • die gleichzeitig bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt waren,
  • deren steuerpflichtige Gewinne und Überschüsse aus anderen Einkunftsarten mehr als 410 Euro betrugen,
  • die Krankengeld, Arbeitslosengeld oder andere staatliche Transferleistungen von insgesamt mehr als 410 Euro erhalten haben. Das gilt auch dann, wenn die eigentliche Leistung zwar steuerfrei ist, sich jedoch auf die Steuerhöhe auswirkt (= „unter Progressionsvorbehalt steht“),
  • die selbst (oder deren „gemeinsam veranlagter“ Ehepartner) Lohnsteuer auf Grundlage von Steuerklasse „IV mit Faktor“, V oder VI gezahlt haben,
  • die lohnsteuermindernde „Freibeträge“ auf ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte haben eintragen lassen (z. B. für Werbungskosten, Vorsorgeaufwendungen oder Kinderbetreuung) – sofern ihr steuerpflichtiger Arbeitslohn über 11.200 Euro (Singles) bzw. 21.250 Euro (Ehepaare) lag oder
  • die im laufenden Jahr geschieden wurden und die (oder deren Ehepartner) im selben Jahr gleich wieder geheiratet haben.

Wer eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, hat dafür normalerweise bis Ende Mai des Folgejahres Zeit. Das sieht § 149 der Abgabenordnung so vor. Sofern neben dem Arbeitnehmergehalt Einkünfte aus gewerblichen, selbstständigen oder land- und fortwirtschaftlichen Tätigkeiten erzielt wurden, muss die Steuererklärung auf elektronischem Weg abgegeben werden. Anderenfalls sind noch Papierformulare zulässig.

Bitte beachten Sie

Die kürzlich beschlossene Verlängerung der Abgabefrist bis Ende Juli des Folgejahres greift erst ab 2019 (bei der Steuererklärung für das Steuerjahr 2018).

Mehr Zeit lassen können sich aber schon jetzt Steuerpflichtige, deren Steuererklärungen von einem Steuerberater erledigt werden. Davon abgesehen besteht immer die Möglichkeit, eine bevorstehende Steuer-Deadline durch formlosen Antrag beim Finanzamt zu verlängern (etwa wegen Krankheit oder Arbeitsüberlastung). Dafür genügt oft bereits ein kurzer Anruf beim zuständigen Sachbearbeiter. In den meisten Fällen werden solche Verlängerungswünsche akzeptiert – ein ausdrücklicher Bescheid ergeht nicht.

Antragsveranlagung von Arbeitnehmern

Für freiwillige Steuererklärungen gelten andere Fristen: Die derzeitige 5-Monatsfrist (und künftige 7-Monatsfrist) bezieht sich nur auf Pflichtveranlagungen. Arbeitnehmer, die von sich aus einen Antrag auf Veranlagung stellen, dürfen laut § 169 Abgabenordnung die vierjährige Festsetzungsfrist ausschöpfen. Anders als der Fachbegriff Antragsveranlagung nahelegt, ist dafür kein ausdrücklicher Antrag erforderlich: Die freiwillige Veranlagung wird ganz einfach durch Einreichen der Steuererklärung vor Ablauf der Festsetzungsfrist beim Finanzamt beantragt.

Mit anderen Worten: Zuviel gezahlte (Lohn-)Steuern können Sie sich noch Jahre später erstatten lassen. Bis Ende 2017 sind rückwirkende Steuererklärungen noch für die Jahre 2013 bis 2016 möglich!

Schwelle senken statt verzichten!

Sie müssen dafür nicht unbedingt tief in die Steuermaterie einsteigen: Niemand verlangt von Ihnen eine optimierte Steuererklärung mit allem Drum und Dran. Wer wenig Zeit und keine Lust auf die Feinheiten der Steuerbürokratie hat,

  • übernimmt nur die Angaben aus der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung in die Steuerformulare,
  • macht – falls erforderlich – Angaben über weitere Einkünfte und
  • trägt die wichtigsten Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfalls und Haftpflichtversicherungen sowie weitere Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen ein.

Außerdem lohnt es sich, nach Rechnungen von Handwerkern und haushaltsnahen Dienstleistern Ausschau zu halten: Die führen aufgrund von § 35a EStG schnell zu spürbaren Steuerermäßigungen! Um Werbungskosten brauchen Sie sich als Arbeitnehmer nur dann zu kümmern, wenn die Ausgaben über dem Werbungskostenpauschbetrag von derzeit 1.000 Euro liegen.

Die Dateneingabe dauert bei einem einfachen Arbeitnehmer-Steuerfall selten länger als ein, zwei Stunden. Und die sind gut angelegt, denn so lassen sich leicht Steuerrückzahlungen von mehreren hundert Euro erzielen: kein schlechtes Schmerzensgeld! Viel falsch machen können Sie dabei auch nicht. Vor allem brauchen Sie keine Angst vor Strafen zu haben, nur weil Sie etwas vergessen oder versehentlich in eine falsche Zeile eintragen haben – vorausgesetzt natürlich, Sie haben alle steuerpflichtigen (Neben-)Einkünfte angegeben.

Lassen Sie sich helfen!

Erleichtert wird das Abgeben von Steuererklärungen durch elektronische Steuer-Software. Kostenlos steht die amtliche Windows-Software ElsterFormular bis zurück ins Jahr 2013 zur Verfügung. Über ElsterOnline, das Dienstleistungsportal der Finanzverwaltung, sind Steuererklärungen theoretisch sogar bis 2011 möglich!

Bewährte und brauchbare kommerzielle Programme gibt es bereits ab 10 Euro aufwärts. Eine Gesamtliste aller Softwareprodukte mit ELSTER-Schnittstelle finden Sie auf der Website elster.de. Die Stiftung Warentest hat kürzlich elf weit verbreitete Steuerprogramme zum Preis zwischen 15 und 35 Euro unter die Lupe genommen.

Oft ist das eine lohnende Investition – nicht nur, weil der Kaufpreis seinerseits als Ausgabe geltend gemacht werden kann:

  1. Steuerprogramme erleichtern die Datenerfassung.
  2. Viele kostenpflichtige Programme enthalten Hilfestellungen, Tipps, Optimierungsvorschlage und Plausibilitätsprüfungen.
  3. Bei elektronischer Datenübermittlung können Sie sich den postalischen Versand der meisten Belege sparen: In der Regel müssen lediglich Spendenbescheinigungen, Handwerkerrechnungen und „Erträgnisaufstellungen“ von Banken und Sparkassen über Kapitalerträge ans Finanzamt geschickt werden. Eine vollständige Liste aller Einzureichenden Belege zur Einkommensteuererklärung finden Sie auf elster.de.
  4. Und nicht zuletzt ermöglichen Steuerprogramme die Datenübernahme aus dem jeweiligen Vorjahr: Das erspart Ihnen auf längere Sicht eine Menge Tipparbeit, weil Sie dann nur noch die Änderungen und Ergänzungen eingeben müssen.

Praxistipp: Falls Sie persönliche Unterstützung bevorzugen, müssen Sie sich nicht unbedingt an einen Steuerberater wenden. Arbeitnehmer können stattdessen auch die vergleichsweise günstigen Leistungen eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen. Hinweise auf Vereine in Ihrer Nähe bekommen Sie zum Beispiel beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. und beim Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.

 

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Berater, freiberuflicher Journalist und Autor im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Online-Medien geben bei ihm Fach- und Serviceartikel in Auftrag. Außerdem schreibt er Software-Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

Lesermeinungen zum Artikel

0 von 5 Sternen | Insgesamt 0 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Einkommensteuererklärun

    jandijkstra12345@gmail.com am 07.09.2018 um 10.18 Uhr

    Die Einkommensteuererklärung ist jedes Jahr eine schwierige Aufgabe. Doch es muss getan werden. Da ich jedes Mal so viel Zeit dafür brauche, suche ich nach Tipps. Es freut mich, dass man nicht verlangt , dass man nicht unbedingt eine eine optimierte Steuererklärung mit allem Drum und Dran macht.

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