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Neue Arbeitsmethode: Working Out Loud

Wissen großzügig teilen als Erfolgsstrategie

25.10.2018
David Göhler – Freiberuflicher Autor
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Working Out Loud klingt im ersten Moment danach, seine eigene Arbeit möglichst gut zu verkaufen und innerhalb einer Firma bekannt zu machen. Aber das ist nur ein Teil- und Nebeneffekt der Vernetzungstechnik. Working Out Loud (WOL) ist eine neue Methode, um für seine eigenen Ziele Netzwerke aufzubauen und vom Wissen anderer zu profitieren – ihnen aber auch Wissen zu vermitteln. Die Methodik gibt jedem einfache Regeln an die Hand, damit das Netzwerken gelingt und basiert auf Großzügigkeit. Und sie macht die eigene Arbeit und Fähigkeiten für viele sichtbar. Für Freelancer ist WOL deswegen ein ein echter Mehrwert.
Die “Erfindung” von WOL ist – wie so manche Entdeckung – aus der Not entstanden. John Stepper war 2008 bei der Deutschen Bank in New York beschäftigt, als die Bankenkrise ausbrach. Er bemerkte, dass er hochgradig gefährdet war, entlassen zu werden. Ihm fehlte das Netzwerk, er fühlte sich ausgeliefert und ohne Kontrolle über sein eigenes Leben. Ein Gefühl, das auch Freelancer bei schlechter Auftragslage oder großer Problemstellungen kennen. Deshalb fing er an, gezielt Kontakte zu knüpfen, Netzwerke aufzubauen und seine Arbeit sichtbar zu machen. Mit Erfolg. Er konnte bleiben und hält mittlerweile weltweit Vorträge zu Working Out Loud.
Für Unternehmen ist WOL interessant, weil sich die Mitarbeiter untereinander direkt vernetzen und in einem geschützten Bereich, austauschen und gegenseitig helfen. Dies erhöht die Kommunikation innerhalb der Firma enorm und bricht Silos auf. Die Akteure im Unternehmen tauschen sich viel intensiver aus und vermehren so das Wissen. 

Was ist Working Out Loud von John Stepper?

Aber wie funktioniert WOL? John Stepper sagt selbst dazu: „Working Out Loud ist ein Weg, um Beziehungen aufzubauen, die mannigfaltig helfen, Ziele zu erreichen, Fertigkeiten zu entwickeln und Themen zu erforschen.“ Dazu investiert man zunächst in den Aufbau von Beziehungen (und zwar zielgerichtet), indem man Beiträge für andere leistet, die einem beim Erreichen des Ziel behilflich sein können. Dabei macht man seine eigene Arbeit und das Know-how sichtbar. 
Dieses Investment baut Vertrauen auf, gibt ein Gefühl von Verbundenheit. Es erhöht die Chance auf eine gute Zusammenarbeit. Und natürlich bietet ein größeres Netzwerk auch viel mehr Wissen und Möglichkeiten, Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Einem selbst vermittelt das ein Gefühl von Kontrolle, Kompetenz und enge Verbundenheit. 
Working Out Loud basiert auf fünf Grundprinzipien, die für sich nicht neu sind, in der Zusammenstellung aber enorme Wirkung entfalten.

Die fünf Grundprinzipien von Working Out Loud sind:

  1. Relationships – Beziehungen: Der Pfad zu mehr Know-how führt nur über andere.
  2. Visible Work – Sichtbarkeit: Verbessere die Wahrnehmung Deines Wissens und der eigenen Arbeit.
  3. Generosity – Großzügigkeit: Wer altruistisch viel gibt, bekommt viel zurück. Großzügigkeit ist die beste Währung beim Netzwerken.
  4. Purposeful Discovery – zielgerichtet vernetzen: Mit einem konkreten Ziel vor Augen die Netzwerkaktivitäten richtig ausrichten.
  5. Growth Mindset – offen für Neues: Mach den Kopf frei für neue Ansätze und Wege und bleibe neugierig.

Circle-Guide: Gemeinsame WOL-Treffen organisieren

Um diese Prinzipien anzuwenden und zu trainieren, trifft man sich zwölf Wochen lang mit drei oder vier anderen Personen zu einem einstündigen Meeting, englisch „Circle“ genannt. Für diese zwölf Zirkel-Treffen gibt es einen kostenlos downloadbaren Circle-Guide, der als Leitfaden für die Treffen dient. Jeder Teilnehmer setzt sich dabei zu Beginn ein persönliches Ziel, das er erreichen möchte. Außerdem gilt: Es herrscht absolutes Vertrauen: Der Zirkel soll ein Raum sein, in dem man frei diskutieren und sich austauschen kann. 
Der Effekt dieser Treffen ist, dass man selbst viel Wissen an andere im Zirkel weitergibt und viel Wissen und Know-how bekommt – im Hinblick auf das selbstgewählte Ziel. Die geschützte Umgebung des Zirkels ermöglicht dabei ein hohes Maß an Offenheit, was dem Austausch und Vertrauen sehr förderlich ist.

Was Working Out Loud bewirkt – Beispiel Bosch

Die Firma Bosch ist ein Pionier von Working Out Loud und hat bereits 2015 mit ersten WOL-Zirkeln begonnen. Mittlerweile gehören 3.000 Mitarbeiter zur Bosch-internen WOL-Community, deren Teilnehmer sich manchmal noch nie im echten Leben gesehen haben. Der Austausch von Arbeitsergebnissen im internen Netzwerk hat sich stark verbessert. Das Unternehmen überlässt es dabei den Mitarbeitern, ob, wann und wie sie teilnehmen wollen. Eine Einführung in WOL bekommt aber jeder neue Mitarbeiter.

In einem Video-Interview nimmt John Stepper auf Bosch Bezug und schildert den Mehrwert dieser Arbeitsweise:

So finden Freelancer einen WOL-Zirkel

Viele Firmen haben noch nicht von WOL gehört und als Freelancer ist es daher nicht einfach, den ersten Anstoß zu geben. Ein guter Anlaufpunkt für den Einstieg ist daher das offene Netzwerk der deutschen WOL-Community. Sie bietet Interessierten die Möglichkeit, eigene Zirkel zu organisieren und Gleichgesinnte zu finden. 
Wie der selbstständige IT-Berater Joachim Haydecker aus Frankfurt im aktuellen t3n Magazin (Heft Nr. 53) schildert, waren die Zirkel auch für ihn eine gute Möglichkeit, sich Feedback von unterschiedlichen Personen einzuholen. “Mithilfe von WOL habe ich Menschen kennengelernt, die mir helfen konnten und wollten und denen ich helfen konnte.“ Möglich macht das der einfache Zugang sowie der vertrauensvolle und intensive Austausch über viele Wochen. 

Fazit zur Methode Working Out Loud

Von Externen erwartet man nicht nur, dass sie ihre Arbeit machen, sondern auch, dass sie neue Ideen einbringen. WOL ist dabei eine Methode, die die Kommunikation in Firmen deutlich verbessert. Für Freelancer ist sie ideal, weil sie dazu führt, dass man als Dienstleister viel besser und sehr positiv wahrgenommen wird und sein Netzwerk qualitativ wie quantitativ verbessert. Die klare Methodik und kostenlose Guides helfen einem dabei, die Methode intensiv kennenzulernen.

Hilfreiche Links zum Thema Working Out Loud

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