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Change als Chance?

Wie Arbeit dank des digitalen Wandels wieder mehr Sinn machen kann

24.05.2021
Gerd Meyring – Freiberuflicher Autor
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Digitalisierung als Chance? "Deine Oma!", denken da Mitarbeiter in neun von zehn deutschen Unternehmen. Sie erleben den digitalen Wandel als eine Veränderung ihrer Tätigkeit, die Geschäftsführer und Vorstände über ihren Kopf hinweg beschlossen haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov unter deutschen Arbeitnehmern. Bei 48 Prozent der Erwerbstätigen löst das Angst aus – nicht das Gefühl, dass sich für sie neue Chancen auftun, ergab eine Studie des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kommunikation.

Ja, es gibt Firmen, deren Führungskräfte Mitarbeitern misstrauen, die Belegschaft mangelhaft über die Einführung digitaler Arbeitsmittel informieren und die Bedürfnisse der Angestellten bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen ignorieren. Leider beschreibt dies der YouGov-Erhebung zufolge die Führungskultur in der Mehrheit der deutschen Betriebe. In ihnen haben sicher die wenigsten Mitarbeiter Dank der Digitalisierung mehr Spaß bei der Arbeit.

Digitalisierung gelingt nur mit einem Wandel der Firmenkultur

Doch daneben stehen Unternehmen, die verstanden haben, dass die Digitalisierung eine neue Führungs- und Arbeitskultur voraussetzt. Diese Organisationen beteiligen ihre Belegschaften am digitalen Wandel, fragen Mitarbeiter, welche Anforderungen sie an digitale Tools stellen und hören sich ihre Ideen und Vorschläge dazu an, wie sich Arbeitsschritte mit neuer Software und Cloud-Diensten verbessern lassen. Vorgesetzte in diesen Unternehmen wissen, dass ihr Vertrauen in die Fähigkeiten und die Leistungsbereitschaft ihrer Kollegen diese motiviert, die digitale Transformation voranzubringen und selbst Verantwortung dafür zu übernehmen.

Für die Mitarbeiter solcher Betriebe bringt der digitale Wandel daher die Chance mit sich, mehr Autonomie und Sinnhaftigkeit bei ihrer Arbeit zu erfahren. Denn sie werden von ihren Vorgesetzten nicht nur als Menschen gesehen, sondern auch gefordert, sich mit allen Fähigkeiten einzubringen, die sie auszeichnen – nicht nur mit den fachlichen.

Der digitale Wandel fordert den ganzen Menschen

Schließlich geht es bei der Digitalisierung nicht vorrangig um Laptops, Server, Software-as-a-Service, IoT-Sensoren oder die Cloud. Viel wichtiger ist, wie diese Technologien die Art verändern, wie wir mit anderen zusammenarbeiten, kommunizieren, Ideen entwickeln und Ergebnisse produzieren. Das gelingt nur mit grundlegend menschlichen Kompetenzen wie Empathie, der Fähigkeit, aktiv zuzuhören und sich sprachlich auszudrücken. Das belegt eine Studie der Royal Bank of Canada (RBC). Wer jeden morgen um 9:00 Uhr am Daily Scrum teilnimmt, weiß, wie wichtig diese Skills in der Zusammenarbeit mit anderen sind. 

Da die Digitalisierung die Bedürfnisse von Kunden und die Möglichkeit, diese mit neuen Produkten und Dienstleistungen zu bedienen, schneller verändert als jede technologische Revolution vor ihr, brauchen Arbeitnehmer heute in fachlicher Hinsicht außerdem die Bereitschaft, ständig Neues zu lernen, sowie die Fähigkeit, Entwicklungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Auch das stellt die RBC-Studie fest. Diese Skills gedeihen nur in einem Arbeitsumfeld, das Eigenständigkeit zulässt und belohnt. Von solch einer Chance können Arbeitnehmer in Betrieben ohne digitale Führungskultur nur träumen.

Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die kritisch denken

Doch Jobs, in denen Verantwortungsbereitschaft, Entscheidungsfreude und kritisches Denken ausdrücklich erwünscht sind, gibt es! Unternehmen, die sich erfolgreich digitalisieren, suchen händeringend Mitarbeiter, um diese Stellen zu füllen.  Wie eine Studie der IT-Beratung Capgemini zeigt, ist die Einstellung von Kollegen mit digitalem Mindset eine der vier wichtigsten Maßnahmen, mit denen die Vorreiter der Digitalisierung den Wandel vorantreiben. Die anderen drei sind die Auswahl für die digitale Welt geeigneter Führungskräfte, Schulungs- und Coaching-Angebote für Mitarbeiter sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg ermöglichen und anregen.

In solchen Organisationen entstehen durch die Digitalisierung zudem laufend neue Aufgaben. Aus diesen entwickeln sich bislang unbekannte Positionen und unerwartete Karrierewege. Denn aufgrund des rasanten technologischen Wandels bedürfen Organisationsstrukturen, die heute noch hervorragend funktionieren, mitunter morgen schon einer Überarbeitung.

Agilität schafft Freiräume

Schon der heute bereits gelebte Arbeitsalltag bietet bei der Digitalisierung erfolgreichen Unternehmen allerdings mehr Freiräume und fordert mehr Eigenverantwortung und -initiative als „Nine to five“-Jobs bei anderen Arbeitgebern. Zwei von drei Vorreitern der digitalen Transformation arbeiten mit Methoden des klassischen Projektmanagements ebenso wie mit agilen Ansätzen, belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Immerhin 60 Prozent der Teilnehmer setzen auf Scrum, jeder zweite auf Kanban und Design Thinking. Kern dieser agilen Methoden ist das Projektteam, das sich ohne Druck und Kontrolle eines Vorgesetzten, selbst organisiert und führt.

Das fordert vom einzelnen Teammitglied ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, Durchsetzungsvermögen sowie Zeit- und Selbstmanagement. Es eröffnet ihm aber auch die Chance, frei von hierarchischem Druck Initiative zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen – kurz gesagt: selbst wirksam zu sein. In der Hierarchie der menschlichen Bedürfnisse, die der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow seiner weithin anerkannten Bedürfnispyramide zugrunde legt, ist Selbstwirksamkeit für den Menschen wichtiger als Freundschaft, Liebe und Glück.

New Work bringt Beruf und Privates in Gleichklang

Vor allem, wenn sie unter Bedingungen erfahren wird, die Mitarbeitern erlauben, so zu arbeiten, dass sich der Beruf mit den Ansprüchen der Familie und dem eigenen Bedürfnis nach Freizeit gut vereinbaren lässt. Dies ermöglichen Arbeitgeber, die ihren Betrieb erfolgreich digitalisieren, durch flexible Arbeitszeitmodelle, Sabbaticals, eine Führungskultur, die auf Ergebnisse statt Präsenz im Großraumbüro setzt, sowie die Ausstattung jedes Mitarbeiters mit Laptop, Smartphone und einem VPN-Zugang zu den Arbeitsunterlagen auf dem Firmenserver. So können Angestellten konzentriert zu Hause arbeiten, wenn es die Aufgabe erfordert. Dennoch bleiben sie mit Kollegen über den Firmenchat, das tägliche Teams-Meeting und Cloud-basierte Kollaborationstools im Austausch. Sie können ihre Arbeit so auf den Tag verteilen, dass Zeit für den Einkauf und die Kinder bleibt. Den lästigen Weg zur Arbeit im überfüllten öffentlichen Nahverkehr oder durch den suburbanen Stau und die damit verbundenen Kosten sparen sie sich. In Betrieben, die dies möglich machen, wird die Digitalisierung daher zu einer echten Chance für Mitarbeiter, zugleich ein sinnerfülltes Arbeits- wie ein entspanntes Privatleben zu führen. 

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