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Steuerprognose für 2014/15 – so vermeiden Sie Zahlungsengpässe

15.07.2015
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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Bevorstehende Steuerbescheide lösen bei IT-Freelancern oft Nervosität aus. Denn anders als Arbeitnehmer müssen die meisten Solo-Selbstständigen mit Steuernachzahlungen rechnen. In Teil 1 des Beitrags können Sie nachlesen, wodurch die gefürchtete Finanzlücke entsteht und wie sie sich verhindern lässt. Mit den folgenden Rechenhilfen und Praxistipps sind Sie bei der fortlaufenden Steuerprognose auf der sicheren Seite.

Einmal im Monat, spätestens einmal im Vierteljahr ist die Umsatzsteuervoranmeldung fällig. Am besten nutzen Sie diesen Pflichttermin künftig auch gleich für Ihre persönliche Steuerschätzung. Wenn Sie die ermittelte Steuerrücklage anschließend tatsächlich auf die hohe Kante legen, können Ihnen drohende Steuernachzahlungen normalerweise nichts mehr anhaben.

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Positionen einer fortlaufenden Steuerprognose für 2014/15 in zusammengefasster Form aufgelistet.

Steuerprognose – Beispielrechnung

Fortlaufende Steuerprognose in 2015

Betrag

Summe

A. Steuer-Nachzahlungen 2014:

   
Einkommensteuer-Nachzahlung 2014 8.700 Euro  
Umsatzsteuer-Abschlusszahlung 2014 800 Euro  
Summe Nachzahlungen 2014:   9.500 Euro

B. Steuer-Verbindlichkeiten 2015:

   
1. Einkommensteuer (lt. EÜR am 30.06.2015)    
Gewinn 2015 35.000 Euro  
darauf Einkommensteuer (z.B. Steuersatz: 30 %) 10.500 Euro  
./. Einkommensteuer-Vorauszahlung 1. Q. (10.03.2015) 4.500 Euro  
./. Einkommensteuer-Vorauszahlung 2. Q. (10.06.2015) 4.500 Euro  
./. Einkommensteuer-Vorauszahlung 3. Q. (10.09.2015)    
./. Einkommensteuer-Vorauszahlung 4. Q. (10.12.2015)    
Summe Vorauszahlungen 9.000 Euro  

kalkulierte Einkommensteuer-Nachzahlung 2015:

 

1.500 Euro

2. Umsatzsteuer (Stand: 30.06.2015)    
von Kunden erhaltene Umsatzsteuer 8.550 Euro  
./. an Lieferanten gezahlte Vorsteuer

2.950 Euro

 
= gesamte Umsatzsteuer-Zahllast 5.600 Euro  
Umsatzsteuer-Voranmeldung 1. Quartal (10.04.2015) 3.750 Euro  
Umsatzsteuer-Voranmeldung 2. Quartal (10.07.2015)    
Umsatzsteuer-Voranmeldung 3. Quartal (10.10.2015)    
Umsatzsteuer-Voranmeldung 4. Quartal (10.01.2016)    
Summe Vorauszahlungen: 3.750 Euro  

offene Umsatzsteuer-Zahllast 2015:

 

1.850 Euro

Gesamte Steuerrücklage (2014 + 2015)

 

12.850 Euro

Mit anderen Worten: Um Zahlungsengpässe aufgrund bevorstehender Finanzamtsforderungen zu vermeiden, sollte der/die Steuerpflichtige in diesem Beispiel rund 12.000 bis 13.000 Euro beiseitelegen.

Bitte beachten Sie: In welcher Form Sie das Geld zurücklegen und wofür Sie es bis zum nächsten Steuerbescheid verwenden, ist Ihre Sache – Hauptsache, es steht Ihnen zum Zahlungszeitpunkt zur Verfügung. Da die Guthaben-Verzinsung angesichts der gegenwärtig verschwindend geringen Habenzinsen praktisch keine Rolle mehr spielt, parken Sie Ihre Steuerrücklage am besten auf einem separaten Tages- oder Festgeldkonto.

Praxistipp: Wenn Sie während Ihrer regelmäßigen Steuerprognosen feststellen, dass die vom Finanzamt festgesetzten Einkommensteuer-Vorauszahlungen zu hoch sind, können Sie Ihre Vorauszahlungen meist problemlos an die tatsächliche Ertragslage anpassen lassen. In vielen Fällen genügt dafür bereits ein Anruf beim zuständigen Finanzamts-Sachbearbeiter oder ein formloses Schreiben.

Weitere Informationen zum Thema Steuern finden Sie in folgenden Grundlagenbeiträgen:

Leere Kassen trotz Transparenz?

Nicht immer sind Zahlungsengpässe durch Steuerbescheide auf mangelnde innerbetriebliche Steuer-Transparenz zurückzuführen. Wenn Sie…

  • regelmäßig eine Steuerschätzung in eigener Sache vornehmen,
  • ungefähr wissen, wie hoch Ihre Steuer-Rücklage sein müsste,
  • und dennoch nicht schaffen, diese Rücklage zu bilden und/oder unangetastet zu lassen,

dann liegt es entweder an der Honorarkalkulation oder an der Auslastung. In dem Fall empfiehlt sich ein gründlicher Blick auf die folgenden Beiträge und Rubriken:

 

Robert Chromow arbeitet als freiberuflicher Autor, Redakteur und Berater im eigenen „Projektbüro“.