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Projektmanager sind die wahren Digitalpioniere – Interview mit ProMaDays Sprecher Dr. Ingo Dahm

04.05.2017
GULP Redaktion – Das Interview führte Maria Poursaiadi
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Die digitale Transformation stellt vieles uns bisher Bekanntes auf den Kopf. Auch Unternehmen sind von diesen Veränderungen nicht ausgenommen. Die durchgängige Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche erfordert einen Wandel des bestehenden Verständnisses von Kunden, Geschäftsbeziehungen und Wertschöpfungsketten. Besondere Herausforderungen liegen vor allem in der richtigen Produkt-Strategie, der effektiven Einbindung von Kundenbedürfnissen, in einer flexiblen Unternehmenskultur sowie einer zügigen Implementierung entsprechender IT-Systeme. Wir sprachen mit Dr. Ingo Dahm, CEO der New Web Technology GmbH und Redner auf den diesjährigen GULP ProMaDays, darüber, warum viele Unternehmen sich hier schwer tun, eine geeignete Strategie zu finden, um den Erwartungen ihrer Kunden zu genügen.

 

GULP: Dr. Dahm, warum ist es für die Führungsebene so schwierig, in einem Unternehmen einen guten Weg in die Digitalisierung zu finden? Sie sprechen immer von einer vernünftigen Balance zwischen Strategie und Operative. Sollte die Operative nicht „einfach“ der Strategie folgen?

INGO DAHM: Viele Unternehmen können es sich nicht leisten oder scheuen das Risiko, völlig neue Wege einzuschlagen. Außerdem ist es ja zeitaufwendig und kostspielig: Mitarbeiter müssen geschult, neue Technologien integriert und Kunden für veränderte Lösungen gefunden werden. Außerdem winkt an der einen oder anderen Stelle ein Folgeauftrag aus dem Altgeschäft. Würden Sie den über Bord werfen?

 

GULP: Nein, sicher nicht. Welche Entwicklung beobachten Sie denn in Deutschland? Beeinflusst die digitale Transformation in Ihren Augen diese Management-Aufgabe? Inwiefern?

INGO DAHM: Digitalisierung ist ja etwas anderes als „unsere Maschinen bekommen eine IP-Schnittstelle und wir machen mal ein bisschen Werbung auf Facebook“. Der Clou liegt darin, dass jeder Prozess des Unternehmens transparenter, individueller und somit auch Produkte viel individueller werden können als jemals zuvor. Werbung zielt auf die Eigenschaft Ihres Produktes, nach der der Besucher Ihres Webshops sich schon lange sehnt. Ihr Angebot richtet sich nicht an ein Unternehmen, sondern berücksichtigt die Persönlichkeiten aller Entscheider und neue Produkte entstehen nicht im U-Boot oder Elfenbeinturm, sondern gemeinsam mit Ihren Kunden. Das ist eine Monster-Aufgabe, eine gigantische Herausforderung für alle Unternehmer und Führungskräfte, vorausgesetzt, sie nehmen die Transformation wirklich ernst.

 

GULP: Digitalunternehmen ticken da ein wenig anders: Erst das Wachsen, dann der Profit. Funktioniert das in Ihren Augen?

INGO DAHM: Amazon, Facebook, Google … einigen amerikanischen Playern ist es gelungen, sich eine bedeutende Rolle im Ökosystem zu erarbeiten. Innovationskraft, viel Kapital, kluge Personalpolitik und eine gute Portion Glück haben dabei geholfen. Doch dabei sind monopolartige Strukturen entstanden, welche die Innovationskraft der Unternehmen langfristig behindern werden. Und das ist wiederum eine Chance für Deutschland und seinen Mittelstand, der eher Cashflow-getrieben agiert.

 

GULP: Was sollten große traditionelle Unternehmen hiervon lernen – vor allem, wenn sie ihren Wachstumszenit längst überschritten haben?

INGO DAHM: Für mich ist Kultur ein enorm wichtiger Aspekt. Das bedeutet nicht: „Turnschuhe an, Krawatte aus!“ Kultur muss zum Unternehmen passen. Es kommt also weniger auf Äußerlichkeiten, vielmehr auf die Essenz an: Höre ich meinen Mitarbeitern, meinen Kunden und Geschäftspartnern zu, um ihre Bedürfnisse zu verstehen? Oder brülle ich ins Megafon: „Kauft Leute, kauft!“? Wer redet, wiederholt nur das, was er ohnehin weiß. Wer zuhört, lernt etwas Neues.

 

GULP: In vielen Bereichen wird alteingesessenen und traditionellen Organisationsformen und Geschäftsmodellen (z.B. Bankwesen vs. Fintechs) der „Untergang“ vorhergesagt. Was raten Sie diesen?

INGO DAHM: Darauf gibt es nur eine Antwort: Disrupt the Disruptor! Stärken Sie Ihre eigenen Stärken, finden Sie die Schwachstelle Ihrer neuen Konkurrenten und innovieren Sie genau so, dass Sie eine Kompetenz dort entwickeln, wo sie diese neuen Unternehmen bedingt durch ihr Geschäftsmodell nicht haben können. Sie kennen Ihre Kunden. Ein externer Spezialist kann Ihnen helfen, Ihre eigenen Vorteile im Digitalgeschäft genau zu analysieren und somit in unruhigen Zeiten eine stabile Strategie zu erarbeiten.

 

GULP: Sie halten zu diesem Thema einen Vortrag auf den GULP ProMaDays. Welche Rolle schreiben Sie den Projektmanagern in diesem Zusammenhang zu?

INGO  DAHM: Projektmanager übernehmen seit jeher eine Vorreiterrolle. Sie sind Wegbereiter für Innovationen, Brückenbauer zwischen Vertrieb und Produktion und sorgen für schnelles Vorankommen von strategischen Themen. Projektmanager sind die wahren Digitalpioniere.

 

Dr. Ingo Dahm studierte Elektro- und Informationstechnik an der TU Dortmund. Er promovierte 2005 und beschäftigte sich dabei mit Themen der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. Er ist Erfinder eines Grundlagenpatents für mobile Ticketings und arbeitete an zahlreichen Digitalisierungsprojekten mit. Neben seiner Tätigkeit als Berater und Investor in Innovationsvorhaben arbeitete er zuletzt wissenschaftlich als Rektor der International University IUBH. Heute ist Dahm als Unternehmer tätig und gestaltet die Modernisierung von Vertriebs- und Marketingprojekten deutscher Versandhändler und anderer Großunternehmen. 

Tipp der Redaktion:

Dr. Ingo Dahm spricht auf den GULP ProMaDays am 1. und 2. Juni 2017. Melden Sie sich an und erleben Sie den Experten live bei seinem Beitrag über die "Vier Todsünden der Digitalisierung" und wie man diese geschickt vermeidet.

Lesermeinungen zum Artikel

0 von 5 Sternen | Insgesamt 0 Bewertungen und 1 Kommentar

  • Digitale Strategie?

    Andreas Epping am 30.05.2017 um 09.42 Uhr

    Sehr interessantes Interview. Vor allem nicht einfach dem Tenor der Branche hinterher plappernd.
    Mich würde interessieren, welche Komponenten in eine digitale Strategie einfließen?
    Ich habe bisher 10 Disziplinen ausgemacht. https://www.andreas-epping.com/digitalisierung/das-digitalisierungscockpit-10-disziplinen-steuern-die-digitalisierung

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