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Brauchen IT-Freiberufler einen Steuerberater?

Teil 1: Die Preis-Leistungsfrage

22.10.2015
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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Zugegeben, das deutsche Steuerrecht ist kompliziert – in seinen Grundzügen aber auch nicht völlig undurchschaubar. Zumal sich die betrieblichen Steuer- und Buchführungspflichten von Freiberuflern in Grenzen halten:

  • Bilanzen und Jahresabschlüsse können sie sich ebenso sparen wie die doppelte kaufmännische Buchführung.
  • Jahresabgrenzungen und Vermögensbewertungen sind auch nicht erforderlich.
  • Es gelten die vereinfachten Gewinnermittlungsvorschriften des § 4 Abs. 3 EStG: Bei der sogenannten Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) genügt es, laufenden Einnahmen und Ausgaben aufzuzeichnen und die dazugehörigen Belege zu sammeln. Die Differenz wird als Gewinn (oder Verlust) bei der Einkommensteuererklärung in die „Anlage EÜR“ und die „Anlage S“ eingetragen.
  • Bleibt noch die Umsatzsteuer: Auch hier lässt sich die „Zahllast“ in den meisten Fällen mit einer einfachen Subtraktion ermitteln (eingenommene Umsatzsteuer minus selbst gezahlte Umsatzsteuer).

 

Hinzu kommt:

Die Anzahl geschäftlicher Transaktionen ist bei IT-Freiberuflern überschaubar. Anders als im Handel oder bei Dienstleistungen für Verbraucher schreiben IT-Profis wenige, aber vergleichsweise hohe Ausgangsrechnungen. Die Aufzeichnungspflichten sind also meistens schnell erledigt.

Bleiben noch die elektronisch signierten Datenübertragungen von EÜR, Umsatzsteuervoranmeldung und Umsatzsteuererklärung ans Finanzamt. Für IT-Freiberufler stellt dieser Teil der Steuerpflichten mit Sicherheit die geringste Hürde dar.

Und die Gewerbesteuer?
Falls Sie nicht als IT-Freiberufler anerkannt sind, gelten Sie als Gewerbetreibender. In dem Fall kommt ab einem Jahresgewinn von rund 24.500 Euro noch die Gewerbesteuerpflicht hinzu. Die zusätzliche finanzielle Belastung ist zwar geringer als viele Selbstständige befürchten. Die Gewerbesteuer birgt aber weitere Fallstricke und macht noch mehr Arbeit.

Mit anderen Worten: Wer steuerliche Grundkenntnisse hat und sich zutraut, seine private Einkommensteuer ohne Expertenunterstützung zu erledigen, kann als IT-Freiberufler auch seine betrieblichen Steuerangelegenheiten in die eigenen Hände nehmen.

Viele Aufgaben wird Ihnen auch der beste Steuerberater ohnehin nicht abnehmen: Denken Sie nur ans Sammeln von Belegen oder auch die lückenlosen Aufzeichnungen bestimmter Anlässe (z. B. Reisekosten, betriebliche Verwendung von Einkäufen). Und die Gesamtverantwortung für Ihre Steuerangelegenheiten behalten Sie ohnehin.

Profi-Support für IT-Profis

Es geht grundsätzlich also auch ohne Steuerberater. Andererseits gibt es gute Gründe, sich die Unterstützung eines Experten zu sichern:

  • Angesichts ständiger Änderungen ist es schwierig, im Steuerrecht auch nur einigermaßen auf dem neuesten Stand zu bleiben.
  • Bestimmte Betriebsausgaben führen regelmäßig zu Konflikten mit dem Finanzamt. Umstritten sind zum Beispiel Aufwendungen für den Geschäftswagen, Reisekosten, Bewirtungskosten oder auch die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers.
  • Probleme gibt es zudem bei Kombination mehrerer Einkunftsarten, bei Auslands- und Bargeldgeschäften oder der Beauftragung von freien Mitarbeitern.

 

Werden in solchen Bereichen Fehler gemacht, kann das Jahre später zu bösen und teueren Überraschungen führen. Betriebsprüfungen finden oft erst bis zu zehn Jahre später statt. Obwohl nachträgliche Korrekturen in manchen Fällen theoretisch noch möglich sind, ist es in der Praxis dafür dann meistens zu spät.

Die Folge sind oft happige Steuernachzahlungen. Und die werden obendrein verzinst: Mit 6 % Zinsen pro Jahr liegen die amtlichen Verzugszinsen weit über dem Niveau von Habenzinsen, die mit einer zwischenzeitlichen Steuerersparnis am Markt zu erzielen sind.

Nicht am falschen Ende sparen

Zu bedenken sind aber nicht nur drohende Steuernachzahlungen:

  • Selbstständige, die ihre Steuerangelegenheiten in Eigenregie regeln, schöpfen selten alle möglichen Steuervorteile aus. Sie zahlen also mehr Steuern als nötig und verschenken bares Geld.
  • Nicht jeder hat Zeit und Lust, steuerlich auf dem Laufenden zu bleiben. Wer sich um alles selbst kümmert, bezahlt außerdem mit Arbeitszeit, die unter Umständen profitabler eingesetzt werden könnte. Oder aber Steuern und Buchführung gehen zulasten der Freizeit.
  • Nicht zu vergessen das beruhigende Gefühl, dass der Steuerberater alle wichtigen Positionen berücksichtigt hat. Spätestens bei einer Betriebsprüfung wissen die meisten Selbstständigen gern einen Profi an ihrer Seite.

 

Fazit: Ein guter Steuerberater ist sein Honorar allemal wert – oft holt er die zusätzlichen Kosten über geringere Steuerzahlungen sogar wieder herein.

Beraterhonorare sind Betriebsausgaben!
Apropos Kosten: Steuerberater-Honorare dürfen von der Steuer abgesetzt werden! Das umstrittene Abzugsverbot bezieht sich allein auf den privaten Teil der Einkommensteuer. Beratungs- und Verwaltungskosten im Rahmen geschäftlicher Steuerangelegenheiten (Gewinnermittlung, EÜR, UStVA etc.) stellen nach wie vor Betriebsausgaben dar!

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