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Wie selbstständige IT-Berater ihr Honorar berechnen

Auszug aus dem Ratgeber „Selbstständig machen als IT-Berater“ von Kai-Ulrik Bräutigam, Teil 1

02.05.2013
Kai-Ulrik Bräutigam, selbstständiger IT-Berater
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Teil 1: Honorar | Teil 2: Absicherung

 

Wie kalkulieren Sie Ihr Honorar? Kalkulieren Sie überhaupt oder nehmen Sie schlicht das, was der Markt hergibt? Warum es wichtig ist, sich ein Verdienstziel zu setzen, erklärt Kai-Ulrik Bräutigam in seinem Ratgeber „ Selbstständig machen als IT-Berater“. Wir freuen uns, dass wir zwei Auszüge daraus veröffentlichen dürfen. Kai-Ulrik Bräutigam ist seit mehr als 20 Jahren IT-Consultant und seit 2005 selbstständiger SAP-Berater ( hier sein GULP Profil). In der GULP Knowledge Base lesen Sie in diesem ersten Teil seine Ratschläge zum Thema Stundensatzkalkulation. Im zweiten Teil wird es um die Absicherung von IT-Selbstständigen gehen.

 

Warum es wichtig ist, ein Verdienstziel zu setzen

Eine schwierige Frage ist die Kalkulation des eigenen Honorars. Nur zu gerne verkauft gerade ein Anfänger zu preiswert seine Dienstleistungen, weil er den angebotenen Auftrag ergattern möchte. Dabei wird allzu oft über den Preis gearbeitet. Leider stellen Sie möglicherweise irgendwann fest, dass Sie Ihre Kosten nicht decken können oder einfach zu wenig verdient haben.

 

Gleichzeitig zerstören Sie eine Strategie, die auf eine Steigerung Ihres Verdienstes abzielt. Sie bleiben unter Umständen in der "Billigheimer-Ecke" und können sich daraus nicht befreien. Ihre Auftraggeber nutzen das mitleidlos aus, daran sollten Sie denken. Gleichzeitig müssen Sie sich von dem Vorurteil lösen, dass Selbstständige immer besser verdienen als Festangestellte. Das stimmt nur bedingt.

Welche Faktoren in die Honorarkalkulation einfließen

Damit Sie Ihr Honorar kalkulieren können, müssen Sie sich Verdienstziele setzen. Was wollen sie im ersten Jahr Ihrer Selbstständigkeit netto übrig behalten, was wollen Sie die weiteren Jahre verdienen? Dieser Verdienst sollte sich an vergleichbaren Gehältern von Angestellten orientieren. Wenn Sie mit einer höheren Produktivität aufwarten können, muss sich das auch in Ihrer Berechnung niederschlagen. Bedenken Sie, dass Sie allein die Lohnnebenkosten selbst tragen müssen. So müssen Sie bspw. auch den Arbeitgeberanteil für die Krankenversicherung tragen.

 

Zu diesem Verdienst müssen Sie alle Kosten rechnen, die im laufenden Betrieb Ihrer kleinen Firma anfallen. Sie müssen für Auftragsflauten vorsorgen, denn Ihre Kosten fallen ja weiterhin an und Sie müssen ja auch weiterhin für Ihre Lebenshaltungskosten aufkommen. Dieses Problem hat ein Angestellter nicht. Daher kalkulieren Sie hierfür etwa 20 Prozent als Risikoaufschlag. Steuern auf Ihr Einkommen werden durch die Berechnung des Bruttoeinkommens eines Angestellten berücksichtigt.

Beispielrechnung

Eine Beispielrechnung könnte dann so aussehen:

Büromiete inkl. aller Kosten 2.000,00 Euro
KFZ, Reisekosten 10.000,00 Euro
Telefon, Fax, Mobiltelefon, Internet 2.400,00 Euro
Marketing 1.500,00 Euro
Weiterbildung 3.000,00 Euro
Versicherungen 1.500,00 Euro
Abschreibungen 2.000,00 Euro
Kosten gesamt 22.400,00 Euro
Bruttolohn vergleichbarer Angestellter 45.000,00 Euro
Multiplikator für
Krankenversicherung u.
Rentenversicherung u.
Arbeitslosigkeit u.
Ausfall aus gesundh. Gründen = 2,0
90.000,00 Euro
20% Aufschlag f. Unternehmerrisiko 18.000,00 Euro
daraus folgt Umsatz

130.400,00 Euro

 

Teilt man diesen Umsatz durch 200 Arbeitstage und nimmt einmal an, dass jeder dieser Arbeitstage 8 Stunden hat, dann kommt man auf ein kalkulatorisches Stundenhonorar von 81,50 Euro.

130.400 / 200 = 652
652 / 8 = 81,50 Euro

 

Darauf schlagen Sie noch die Umsatzsteuer, die Sie ja an das Finanzamt abführen müssen. Natürlich kann sich bei Ihren individuellen Gegebenheiten ein anderer Stundensatz ergeben. Aber so oder so ähnlich könnte Ihre Kalkulation aussehen.

 

Im zweiten Teil der Serie lesen Sie Tipps zum Thema Absicherung. Welche Versicherungen braucht ein Freelancer?

 

Unser Gastautor Kai-Ulrik Bräutigam ist seit über 20 Jahren IT-Consultant und Software-Entwickler und arbeitet seit 2005 als selbstständiger SAP-Berater vor allem im Bereich SAP IS-U Migration und Software-Entwicklung. Sein Ratgeber „Selbstständig machen als IT-Berater“ ist bei Amazon erhältlich.

 

Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2013 Kai-Ulrik Bräutigam