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Handy-Signatur: Unterschrift per Fingertipp

Serie: Digitalize Me – moderne Tools und Verfahren im Projektalltag

27.04.2017
GULP Redaktion – Monika Riedl
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Das papierlose Büro wird schon seit vielen Jahren propagiert und die Zahl der Aktenordner, die sich in den Schränken stapeln, nimmt immer weiter ab. Die Meisterdisziplin ist dabei, rechtswirksame Dokumente samt Unterschriften rein digital abzuwickeln. Dabei sind die Technologien bereits vorhanden, zum Beispiel die Handy-Signatur: Das ursprünglich österreichische Verfahren ist gemäß eIDAS-Verordnung der qualifizierten elektronischen Signatur gleichgestellt und muss auch in allen EU-Mitgliedsstaaten anerkannt werden. Grundsätzlich können damit alle Rechtsgeschäfte rechtswirksam unterschrieben werden, sofern nicht spezialgesetzlich anders geregelt. Dies sind z.B. Kaufverträge über gewerbliche Güter, Dienstleistungsverträge, Projektverträge, o.ä. Auch im Projektgeschäft können digitale Signaturen viele Prozesse erleichtern. Uns interessierte in einer Umfrage, wie unsere Leser zu dieser Technologie stehen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie: Digitalize Me – moderne Tools und Verfahren im Projektalltag. Wir nehmen darin in drei Umfragen digitale Entwicklungen unter die Lupe und untersuchen, wie relevant sie für den IT-Projektmarkt sind.

Weitere Artikel im Rahmen dieser Serie werden sein:  

  • Video-Interview als Alternative zum persönlichen Kennenlernen?
  • Eignen sich Messenger für den geschäftlichen Austausch zu Projekten?

Schneller zum Vertragsabschluss

Unsere Umfrage zeigte ein deutliches Ergebnis: Knapp zwei Drittel (65,6 Prozent) der Befragten hielten die Handysignatur für eine grundsätzlich interessante Option.

Das Thema Zeitersparnis stand bei den Befürwortern an erster Stelle ihrer Argumente. 86,2 gaben diesen Faktor als Pro-Argument („Sehr wichtig“ und „wichtig“) für digitale Verträge an. Denn vor allem Postwege ziehen den Vertragsprozess oft in die Länge. Gerade wer als Freelancer viel unterwegs ist, kann im digitalen Verfahren die Verträge sofort sichten und unterschreiben, selbst wenn die Briefpost nur am Wochenende bearbeitet werden kann. Hier spielt auch das Argument „ortsunabhängiges Unterschreiben“ eine Rolle, dem 84,5 Prozent der Befürworter zustimmten.

Die Ablehner der Handy-Signatur bevorzugen die handschriftliche Signatur (64,3 Prozent). 57,1 Prozent haben trotz Hochsicherheits-Rechenzentrum und Zwei-Stufen-Authentifizierung Sicherheitsbedenken. Weitere Freelancer gaben an, zu wenig Anwendungsfälle für sich zu sehen.

Weitere Anwendungsfälle gewünscht

Dass das Handy-Signatur-Verfahren nicht nur für Projektvertragsabschlüsse genutzt werden soll, wünschen sich auch die Befürworter: Ein Großteil (71,0 Prozent) würde die Funktion auch für andere Rechtsgeschäfte nutzen. Vor allem Behörden-Vorgänge bzw. E-Government-Funktionen wurden hier als Beispiele genannt. Aber auch für den Abschluss anderer Verträge oder zur Eröffnung eines Kontos konnten sich die Umfrage-Teilnehmer das Verfahren vorstellen.

Diesen Service würden sich die Befragten auch etwas kosten lassen: 56,7 Prozent würden eine einmalige Gebühr dafür in Kauf nehmen – im Schnitt 12 Euro.

Fazit

Schöne neue Vertragswelt? Für einen Großteil der Befragten grundsätzlich ja. Allerdings kommt es wie so oft bei neuen Technologien darauf an, die Einstiegshürden so gering wie möglich zu halten und nicht nur auf einen einzigen Anwendungsfall zu beschränken.

Lesermeinungen zum Artikel

4,5 von 5 Sternen | Insgesamt 2 Bewertungen und 4 Kommentare

  • Was lohnt in Deutschland überhaupt zu diskutieren?

    Alfred Tönnißen am 30.04.2017 um 01.01 Uhr

    In Deutschland hätten wir mit dem ohnehin schon teueren Personalausweis eigentlich schon eine weit verbreitete Grundlage - es gibt aber kaum etwas, das damit funktioniert.
    Staatlich ist es nur halbherzig eingeführt und dann liegengelassen worden. Hier haben staatliche Einrichtungen (vom Bund bis zur Kommune) eine einmalige Chance verpasst. Für den Perso liefert man die Fingerabdrücke, es gibt für die vorhandenen Chips in der Karte Zertifikate - die Werkzeuge sind da..
    Der Glauben an die Sicherheit der handschriftlichen Unterschrift ist tief verankert und schwer abzubauen bzw. umzupolen. Eine allgemeine staatlich geförderte Lösung hätte es schaffen können.

  • Nur in Österreich

    Johanna am 28.04.2017 um 08.15 Uhr

    In dem Artikel fehlt die wichtige Information, dass es die Handy-Signatur nur in Österreich gibt. Ihre deutschen und schweizer Leser wundern sich so, ob sie wichtige Neuerungen verpasst hätten.

    In Deutschland gibt es zwar auch Möglichkeiten der digitalen Signatur, die sind jedoch technisch anders gelöst, haben deutlich höhere Einstiegshürden (eigener Kartenleser erforderlich) und sind deswegen anders zu bewerten.

    Antwort von der GULP Redaktion

    Vielen Dank für den Hinweis. Es ist korrekt, die Handy-Signatur ist ein österreichisches Verfahren. Mit der eIDAS-Verordnung haben sich jedoch alle EU-Staaten verpflichtet, die Verfahren der Mitgliedsländer voll anzuerkennen. Somit ist künftig eine Registrierung zur Handy-Signatur auch außerhalb Österreichs bzw. für Nicht-Österreicher möglich. Wir haben den Text oben entsprechend ergänzt, damit diese Information klarer herausgestellt wird.

  • (fast) keine Anwendungsfälle

    Vera S. Doerr am 28.04.2017 um 08.05 Uhr

    Ich biete seit Jahren an verschlüsselt zu mailen oder elektronisch per PDF zu unterschreiben, seit letztem Jahr auch neuer eAusweis ... sogar Handlich-Unterschrift würde ich anschaffen ... wenn es denn angenommen werden würde.
    Ergebnis: kein einziger Vertrag digital unterschrieben, keine einzige Mail verschlüsselt ('wir schicken Ihnen .zip Datei mit Passwort'), sogar die Auskunft über Punkte in Flensburg, mit der ich eAusweis testen wollte, wird nur online angenommen, beantwortet aber per snail-mail, was wohl auch einen Großteil der Gebühren auffrisst statt automatisiert elektronisch zu antworten. Ich kann schon froh sein, wenn ich gelegentlich den Vertrag per Fax zurück schicken darf - viele Firmen bestehen immer noch auf Original per Post. Wobei ganz selten auch mal stillschweigend akzeptiert wird, daß ich PDF per Mail vorab schicke und dann die snail-mail 'vergesse' ;)
    Fazit: ePaper oder gar eGovernment sind in DE noch weit weg ... egal wieviele neue Technologien wir Ihnen anbieten. Von der Akzeptanz oder Fähigkeit der Anwender diese auch zu nutzen ganz zu schweigen! Bis dahin bleibt es leider 'Geldverschwendung' in neue Hardware oder Lizenzen zu investieren. Was mich Doofie trotzdem nicht davon abhält es weiter zu versuchen - schreib ich eben wieder ein paar Verluste bei der Steuer ab :P
    Vera S. Doerr
    PS: sogar Firmen die SICHERHEIT groß schreiben und damit ihr Geld verdienen, sind unfähig digitale Unterschriften zu erstellen wie mir ein Anruf beim Notar letzten Monat wieder bestätigt hat. Den (gebundenen) Notarvertrag meines Bruders, den die Bank in Kopie per Mail ausnahmsweise akzeptiert hätte, musste ich umständlich auf dem Flachbettscanner digitalisieren, da nicht mal ein großes Notariat in München mir diesen elektronisch unterschrieben zur Verfügung stellen konnte, obwohl der auch für die Bank 'sicherer' gewesen wäre als der umständliche Scan.

  • Klaus-Peter Frömel am 28.04.2017 um 05.15 Uhr

    Schon mal über Smart Contract über Blockchain nachgedacht?

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