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Digitalisierung im Einkauf von IT-Dienstleistungen – Interview mit Peter Eggers

Einfluß, Herausforderungen und Zukunftsszenarien aus Sicht eines Profis

26.08.2016
GULP Redaktion – Maria Poursaiadi
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Die digitale Revolution beeinflusst auch den Berufsstand der Einkäufer für IT-Dienstleistungen. In den letzten Jahren wurden hier enorme Potentiale im Beschaffungsprozess gehoben. Es sind jedoch auch enorme Herausforderungen und Probleme entstanden.

Peter Eggers, ehemaliger Leiter für den Bereich Konzerneinkauf bei Axel Springer, ist einer der Tagungssprecher der diesjährigen GULP Fachtagung. In unserem Interview befragten wir ihn zur Digitalisierung des Einkaufs.

 

GULP: Herr Eggers, die digitale Revolution hat den Einkauf erreicht. Wie prägt sie sich vor allem in Bezug auf den Einkauf von IT-Dienstleistungen aus?

Peter Eggers: Die IT-Dienstleistungen eignen sich besonders gut für die digitale Transformation der Prozesse. Das liegt unter anderem daran, dass es sich oft um operative Vorgänge handelt und der operative Einkauf besonders unter dem Druck der Rationalisierung steht. Die Techniken für die Überführung in digitale Prozesse sind erprobt und leicht in die Einkaufssysteme zu integrieren.

Ein weiterer großer Vorteil ist die hohe Qualifikation der Dienstleister für IT-Personaldienstleistungen, sodass Spezialisten mit guter Erreichbarkeit zur Verfügung stehen. Der professionelle Einkauf kann so seine Leistungen steigern und das operative Personal abbauen.
 

GULP: Durch die Digitalisierung mussten Unternehmen sich sehr schnell verändern, um am Markt mitzuhalten. Wenn Sie sich die Entwicklungen ansehen, was glauben Sie, sind die größten Probleme hierbei?

Peter Eggers: In den letzten Jahren haben sich die Prozesse stark in Richtung Digitalisierung verändert und das in allen Bereichen der Unternehmen und auch bei unseren Lieferanten.

Aber die Schere klafft immer noch weit auseinander zwischen den Unternehmen, die alle wichtigen Prozesse digital unterstützen und den Unternehmen, die sich immer noch zurückhalten und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Viele reden davon, tun aber zu wenig. Oft fehlen geeignete Mitarbeiter. Woher sollen diese auch kommen, wenn die Qualifizierung in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen ist. Das Personal wird abgebaut, bevor die Prozesse optimiert wurden.
 

GULP: Die digitale Welt verändert sich heutzutage quasi im Stundentakt. Können Sie sich ein Szenario des Einkaufs in 5 Jahren ausdenken? Wie sieht das Ganze aus?

Peter Eggers: In 5 Jahren wird besonders der Mittelstand einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung vollbringen. Einige Spitzenunternehmen werden den größten Teil ihres Geschäftsmodells über eine App abwickeln können. Aber es wird auch Unternehmen geben, die den Anschluss verpassen werden.

Und: Qualifizierte Mitarbeiter kann man nicht einkaufen, man muss sie gewinnen.
 

GULP: Wie können sich Unternehmen engagieren, um mit diesen Veränderungen mitzuhalten? Was sind die Anforderungen?

Peter Eggers: An erster Stelle, wie schon erwähnt, sollten Unternehmen versuchen, geeignete Mitarbeiter aufzubauen oder/und gezielt Spezialisten einsetzen.

Die Anforderungen sind vielfältig, denn bei der Digitalisierung können sie nicht an der Abteilungsgrenze haltmachen. Die Umsetzung von bereichsübergreifenden Prozessen ist ein Geheimnis des Erfolges, aber auch die größte Herausforderung.
 

GULP: Savings, savings, savings – wenn man über Einkauf spricht, fällt dieses Wort zwangsläufig. Kann die Digitalisierung Ihrer Meinung nach hierbei helfen?

Peter Eggers: Ja, zum einen, um die Prozesskosten zu reduzieren und zum anderen, um die Risiken zu minimieren. Risikomanagement ist ein digitaler Prozess, alle wissen das. Wenn wir aber sehen, was in der Automobilindustrie gerade abgeht, dann frage ich mich, ob alle Einkaufsbereiche in Deutschland gleichermaßen gefährdet sind. Das sind „Lost Savings“ von gigantischem Ausmaß.
 

GULP: Profilportale, Projektdatenbanken, elektronische Bewerbungssysteme – nicht nur ein Vorteil für Einkäufer, oder?

Peter Eggers:  Definitiv. Hier hat die Digitalisierung insgesamt Gutes bewirkt. Auf der Suche nach dem richtigen Experten sind diese wichtige Anlaufstellen. Wer dort nicht präsent ist, ist beim Auftragsfang auf sich gestellt. Allein im Rahmen der Akquise-Ökonomie leisten Datenbanken und Portale daher einen auch guten Beitrag für Auftragssuchende. Es ergibt immer Sinn für den Freiberufler, dort sichtbar zu sein, wo der Einkauf eben hingeht.
 

GULP: Herr Eggers, danke für dieses Interview.

Tipp der Redaktion:

Peter Eggers wird am Freitag, 23. September 2016, auf der 13. GULP Fachtagung für den Einkauf von IT-Dienstleistungen in München sprechen. In seinem Impulsvortrag „Digitalisierung im Einkauf” geht er unterschiedlichen Fragestellungen auf den Grund: Welche Wertschöpfung bietet die Digitalisierung an und wie können Unternehmen auf neue Anforderungen reagieren?

 

Unser Interviewpartner Peter Eggers ist Diplom Ingenieur. Zwischen 1980 und 2014 durchlief er im Axel Springer Verlag mehrere wichtige Positionen als Einkäufer. Unter anderem war er Leiter für die Bereiche Konzerneinkauf IT, Leiter für den Zentraleinkauf für Sachgüter und Dienstleistungen sowie Leiter für Materialwirtschaft und Logistik. Im Jahr 2010 wurde er zum Vorsitzenden des wissenschaftlichen Kuratoriums der Forschungsgemeinschaft für Logistik (FGL e.V.) und dieses Jahr Vorstandsmitglied . 2014 gründete Peter Eggers die BCT (Beratung-Coaching-Training) und öffnete damit ambitionierten Einkäufern seinen langjährigen Erfahrungsschatz.

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