a Randstad company
Login
© Fotolia/lovelyday12

Endlich: GWG-Grenze steigt auf 800 Euro

So heben Sie die Grenze mit IAB auf über 1.300 Euro an

24.01.2018
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
Artikel teilen:

Die Anschaffungskosten „Geringwertiger Wirtschaftsgüter“ (GWG) dürfen im Jahr der Anschaffung in voller Höhe von der Steuer abgesetzt werden. Mehr als 50 Jahre blieb die GWG-Grenze unverändert. Ab dem Wirtschaftsjahr 2018 steigt sie auf magere 800 Euro. Wir zeigen, wie Sie Ihre persönliche GWG-Grenze auf über 1.300 Euro anheben.

Mit der Anhebung steigt jedoch auch die Wertgrenze der GWG-Dokumentationspflicht:

  • Ein separates GWG-Verzeichnis müssen Sie in Zukunft erst für Wirtschaftsgüter im Nettowert zwischen 250 Euro (bis 2017: 150 Euro) und 800 Euro (bis 2017: 410 Euro) führen.
  • Anschaffungen im Nettowert von bis zu 250 Euro können Sie wie Verbrauchsmaterial behandeln.

 

Klingt gut? Von wegen: Bei Licht betrachtet ist die überfällige Anhebung ziemlich gering ausgefallen. Berücksichtigt man den Kaufkraftverlust der letzten 50 Jahre, hätte die Grenze für Sofortabschreibungen nämlich auf mindestens 1.600 Euro steigen müssen! Zum Glück gibt es eine legale Möglichkeit, die GWG-Grenze um mehr als zwei Drittel anzuheben.

IAB macht’s möglich!

Für die eigenhändige Anhebung der GWG-Grenze sorgen Sie bei Bedarf mit dem in § 7g EStG geregelten Investitionsabzugsbetrag (IAB). Mit dem lassen sich ganz unbürokratisch Rücklagen von (bis zu) 40 Prozent der Beschaffungskosten für zukünftige Anschaffungen bilden. Dadurch sinkt die Steuerbelastung bereits im Jahr der Rücklagenbildung – ohne dass auch nur ein einziger Cent geflossen ist! Außerdem sinkt der für die GWG-Grenze ausschlaggebende Rest-Anschaffungswert im Jahr der Anschaffung auf (bis zu) 60 Prozent.

An den IAB-Vorschriften hat sich grundsätzlich nichts geändert. Investitionsabzugsbeträge dürfen weiterhin für alle abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gebildet werden. Das gilt auch für gebrauchte Güter. Die GWG-IAB-Kombination ist ebenfalls nicht neu: Durch die erhöhte GWG-Grenze lässt Sie sich nun aber auf Wirtschaftsgüter im Nettoanschaffungswert von bis zu 1.333 Euro anwenden!

Der GWG-IAB-Trick

Angenommen, Sie möchten im Jahr 2018 einen neuen Rechner kaufen:

  • Die voraussichtlichen Anschaffungskosten liegen mit 1.300 Euro (netto) deutlich über der 800-Euro-Grenze.
  • Nun bilden Sie beim Jahresabschluss des Jahres 2017 in weiser Voraussicht einen 40-prozentigen IAB (1.300 Euro x 40 Prozent = 520 Euro).
  • Durch den Abzugsbetrag sinkt der Restwert im Jahr der Anschaffung (2018) von 1.300 Euro auf 780 Euro – und liegt damit unter der neuen GWG-Grenze!

Ergebnis: Sie können die Anschaffungskosten des Computers bereits im Anschaffungsjahr komplett abschreiben! Rechnerisch lässt sich die GWG-Grenze von 800 Euro (= 60 Prozent der Gesamt-Anschaffungskosten) per IAB maximal auf 1.333 Euro anheben (800 Euro / 60 Prozent  x 100 Prozent).

Das ist ja einfach!

Besonders erfreulich: Seit Inkrafttreten einiger IAB-Vereinfachungen genügt die jährliche Bildung eines einheitlichen IAB-Gesamtbetrages.

  • Funktionsbeschreibungen,
  • Angaben über die Art einzelner Neuanschaffungen oder gar
  • Kostenvoranschläge

... sind seit 2016 entbehrlich. Sie tragen den Gesamtbetrag aller geplanten Anschaffungen einfach in das EÜR-Formular ein. In der „Anlage EÜR“ für das Jahr 2017 ist dafür auf Seite 3 im Abschnitt „Ermittlung des Gewinns“ die Zeile 77 vorgesehen:

Eine Nebenrechnung mit detaillierten Angaben über die IAB-Zusammensetzung brauchen Sie nicht mehr vorzulegen. Um nicht den Überblick zu verlieren, ist eine solche Liste für interne Zwecke aber weiterhin sinnvoll.

Damit Sie in den Genuss der IAB-Vorteile kommen, müssen nach wie vor die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Einnahmenüberschussrechner: Gewinn nicht höher als 100.000 Euro (vor IAB-Abzug!).
  • Bilanzierende Unternehmen: Betriebsvermögen nicht höher als 235.000 Euro.
  • Die Anschaffung muss innerhalb von drei Jahren nach dem Jahr der IAB-Bildung erfolgen. Bei einem Verzicht auf die Anschaffungen erhöht sich nachträglich der Gewinn im Jahr der IAB-Bildung: Sie bekommen dann einen geänderten Steuerbescheid.
  • Angeschaffte Wirtschaftsgüter müssen im Jahr der Anschaffung „ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt“ werden. Das bedeutet: Der private Nutzungsanteil darf nicht höher als 10 Prozent sein.

Außerdem darf der Gesamtbetrag aller laufenden IAB (=aktuelles Steuerjahr plus die drei vorangegangenen Jahre) 200.000 Euro nicht überschreiten.

Bitte beachten Sie: Wie Sie die GWG-IAB-Kombination optimal nutzen, die Abzugsbeträge korrekt bilden, auflösen oder rückgängig machen und obendrein mit den in § 7g Abs. 5 EStG geregelten „Sonderabschreibungen zur Förderung kleiner und mittlerer Betriebe“ kombinieren, besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Falls Sie noch keinen Berater haben, leistet der Beitrag „Brauchen IT-Freiberufler einen Steuerberater?“ erste Hilfe.

 

 

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Berater, freiberuflicher Journalist und Autor im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Online-Medien geben bei ihm Fach- und Serviceartikel in Auftrag. Außerdem schreibt er Software-Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

Lesermeinungen zum Artikel

0 von 5 Sternen | Insgesamt 0 Bewertungen und 1 Kommentar

  • IAB Abzug

    Gerhard am 02.02.2018 um 06.16 Uhr

    Bei Nichtverwendung der IAB sollten sie darauf hinweisen, ob und wieviele Zinsen auf die Nichtinanspruchnahme fällig werden .

    Antwort von der GULP Redaktion

    Hallo Gerhard,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Grundsätzlich gilt:

    1. Bei Investitionsverzicht erhöht sich nachträglich der Gewinn des Jahres, in dem der IAB gebildet worden ist.
    2. In dem Fall ergeht rückwirkend ein neuer Steuerbescheid mit einer höheren Steuerbelastung. Die nachträglich fälligen Steuern werden mit 6% p.a. verzinst.
    3. Der „Zinslauf“ beginnt aber erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist. Somit lassen sich Strafzinsen problemlos vermeiden: Die Auflösung eines entbehrlichen IAB ist jederzeit möglich. Der Steuerpflichtige muss mit der Mitteilung des IAB-Verzichts also nicht bis zur nächsten Steuererklärung warten.
    4. Wird der IAB genutzt, um – wie im Beitrag weiter oben beschrieben - die GWG-Grenze nach oben zu verschieben, ist die Gefahr von Strafzinsen ohnehin gering: Denn erstens handelt es sich um vergleichsweise geringe Abzugsbeträge. Und zweitens kommt der völlige Verzicht auf GWG-Beschaffungen (und das Versäumnis der rechtzeitigen Finanzamts-Mitteilung) nur in Ausnahmefällen vor.

    Aber wie gesagt: Die Details der Steueroptimierung mit IAB & Co. besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Falls Sie noch keinen Berater haben, leistet der GULP-Beitrag „Brauchen IT-Freiberufler einen Steuerberater?“ (https://www.gulp.de/knowledge-base/recht-und-steuern/brauchen-it-freiberufler-einen-steuerberater-teil-1-die-preis-leistungsfrage.html) erste Hilfe.

    Alles Gute und freundliche Grüße
    Robert Chromow

Weitere Kommentare anzeigen

Ihre Meinung zum Artikel

Bitte verwenden Sie keine Links in Ihrem Kommentar.

Ihr Kommentar wird zunächst geprüft. Möchten Sie informiert werden, wenn er veröffentlicht wurde?
Bitte tragen Sie dazu Ihre E-Mail-Adresse ein:
Wir konnten Ihre Bewertung leider nicht speichern. Bitte geben Sie zuerst Ihr Feedback ab. Bitte aktivieren Sie die Checkbox "Ich bin kein Roboter", um das Formular senden zu können. Die Captcha Überprüfung war ungültig. Bitte versuchen Sie es erneut.
Lieber Leser, vielen Dank für Ihr Feedback.
Ihre Bewertung für den Artikel wurde gespeichert. Wir prüfen Ihren Kommentar bezüglich Netiquette und Datenschutzrichtlinien und veröffentlichen ihn danach in Kürze. Sie werden von uns per E-Mail darüber benachrichtigt.
Ihre GULP Redaktion.