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Steuerbescheid korrigieren: Erfolgreicher Einspruch via ElsterOnline

07.09.2016
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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In diesen Wochen trudeln bei vielen Selbstständigen und Betrieben die Steuerbescheide für das Geschäftsjahr 2015 ein. Nicht immer entspricht der Bescheid des Finanzamts den Erwartungen. Mit strittigen Betriebsausgaben, nicht anerkannten privaten Sonderausgaben oder Steuerermäßigungen haben ungünstige Bescheide vergleichsweise selten zu tun: Solche Kontroversen treten bei Selbstständigen und Unternehmen eher bei Betriebsprüfungen auf. Vielmehr ist die Mehrzahl strittiger Steuerbescheide auf Erfassungs- und Bearbeitungsfehler zurückzuführen.

Grund genug, bei Abweichungen Einspruch einzulegen. Die Erfolgsaussichten sind ausgesprochen gut: So ist der jüngsten amtlichen Statistik über die Einspruchsbearbeitung in den Finanzämtern zu entnehmen, dass im Jahr 2015 knapp zwei Drittel aller Einsprüche in vollem Umfang erfolgreich waren!

Hinzu kommt, dass die Einspruchshürde neuerdings niedriger liegt als früher. Seit Ende Juli 2016 können Steuerpflichtige aller Bundesländer direkt beim Finanzamts-Portal „ElsterOnline“ elektronisch Einspruch gegen Steuerbescheide einlegen. Die erforderliche Steuersignatur besitzen die meisten Selbstständigen wegen der Signaturpflicht für Umsatzsteuervoranmeldungen ohnehin.

Einfach und sicher Einspruch einlegen

Elektronische Einsprüche waren auch bisher schon möglich: Beim E-Mail- oder Fax-Versand fehlte aber ein sicherer Versandnachweis – von einer Eingangsbestätigung ganz zu schweigen. Mit der ElsterOnline-Bestätigung können Sie nun aber sowohl den Zugang des Einspruchs als auch dessen Zeitpunkt nachweisen.

Nachdem Sie sich im ElsterOnline-Portal mit Ihren Zugangsdaten eingeloggt haben, finden Sie …

  • im „Privaten Bereich“
    • am unteren Ende der Seite „Formulare“
      • den Link „Sonstige Formulare“:
ElsterOnline – Einspruch einlegen

Hier können Sie unter anderem „Einspruch gegen bestimmte Verwaltungsakte“ einlegen. Dazu gehören auch Einkommen-, Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftsteuerbescheide. Sie brauchen nur …

  • das Bundesland
  • Ihre Steuernummer
  • die Art des Steuerbescheids
  • das betreffende Geschäftsjahr und
  • das Datum des Bescheids

einzugeben:

ElsterOnline – Einkommenssteuer – Festsetzung

Im nächsten Schritt sind die Daten zu Ihrem Steuerbescheid aufgelistet. In vier einfachen Schritten ergänzen Sie die noch fehlenden Angaben und tragen auf Seite 3 die Begründung für Ihren Einspruch ein:

ElsterOnline – gegen Steuerbescheid Einspruch einlegen – zu den Formularseiten

Bitte beachten Sie: Ihr Einspruch ändert zunächst einmal nichts daran, dass Sie den festgesetzten Steuerbetrag bezahlen müssen! Wenn Sie der Zahlungspflicht entgehen wollen, stellen Sie auf Seite 4 des Einspruchsformulars bei ElsterOnline gleich einen Antrag auf „Aussetzung der Vollziehung“. Diesen Antrag sollten Sie aber nur nutzen, wenn Sie ganz sicher sind, dass Ihr Einspruch erfolgreich sein wird. Anderenfalls könnten später Zinsen fällig werden, die mit 6 Prozent p.a. zu einer spürbaren Belastung führen.

Nachdem Sie Ihre Angaben geprüft haben, schicken Sie das elektronische Einspruchsformular ans Finanzamt ab. Wichtig: Ihr Einspruch gilt erst dann bei der Finanzverwaltung als eingegangen, wenn die Bestätigung in Ihr ElsterOnline-Postfach eingestellt wurde. Das ist normalerweise zeitnah der Fall – kann unter Umständen aber auch ein paar Stunden dauern.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Verpflichtend ist die elektronische Übermittlung via ElsterOnline, per E-Mail oder Fax nicht: Sie können Ihre Einsprüche nach wie vor schriftlich per Post oder persönlich „zur Niederschrift“ bei Ihrem Finanzamt einlegen.

Keine Kosten – kein Risiko

So oder so: Einsprüche gegen Steuerbescheide sind gebührenfrei und risikolos. Sollte Ihrem Einspruch später nicht stattgegeben werden, stehen Sie auch nicht schlechter da als vorher: Bevor das Finanzamt eine Änderung zu Ihren Ungunsten vornimmt, müssen Sie informiert werden. Daraufhin können Sie Ihren Einspruch zurücknehmen und es bleibt beim ursprünglichen Bescheid.

Wichtig: Mit Ihrem Einspruch dürfen Sie sich höchstens einen Monat lang Zeit lassen – beginnend mit Ablauf des Tages, an dem Ihnen „dieser Bescheid bekannt gegeben worden ist“. Bei postalischer Zustellung beginnt die Monatsfrist drei Tage, nachdem das Finanzamt den Bescheid bei der Post eingeliefert hat – in der Regel gilt das Bescheiddatum. Im Zweifel trägt das Finanzamt die Beweislast über den Zugang des Bescheids. Die Details besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.


 

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Berater, freiberuflicher Journalist und Autor im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Online-Medien geben bei ihm Fach- und Serviceartikel in Auftrag. Außerdem schreibt er Software-Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

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